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Fabeltheorie bei Lessing

Scholary Paper (Seminar), 2006, 22 Pages
Author: Ines Schoppmeyer
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V63346
ISBN (E-book): 978-3-638-56415-1

File size: 194 KB


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Seminar für deutsche Sprache und Literatur
Erweiterungsmodul 1 (Literaturwissenschaft)
Sommersemester 2006, 6. Semester

Fabeltheorie bei Lessing

von: Ines Schoppmeyer

 


INHALT

1. Einleitung 3

2. Historischer Hintergrund  4

2.1 Lessing und die französisch-deutsche Verwaltung des aesopischen Nachlasses  5
2.2 Die Entwicklung der eigenen Fabeltheorie 7

3. Fabeltheorie 8

3.1 Das Grundkonzept der Fabeltheorie  11

4. Exkurs  14

5. Fazit 17

6. Verzeichnis der benutzten Literatur 20

 


 

1. Einleitung

Im 18. Jahrhundert war der Begriff Fabel doppeldeutig gebraucht worden. Zum einen bezeichnete man damit die Handlungsstruktur eines erzählenden oder dramatischen Textes. Zum anderen wurde er als Gattungsbegriff genutzt. Unter dem Gattungsbegriff Fabel fielen allgemein erzählende, meist einepisodische Texte, in denen größtenteils nicht-menschliches Personal agierte, als stünden ihnen die Möglichkeiten des menschlichen Bewusstseins zu.1 Das Interesse an der Fabel begleitet Gotthold Ephraim Lessing seit seinem Studium 1746-1748 in Leipzig bis in seine letzten Lebensjahre. An der Universität von Leipzig kam es über seinen Dozenten Johann Friedrich Christ zu den ersten Berührungspunkten Lessings mit der Fabel. 1747 wurden Lessings früheste Fabelversuche in Zeitschriften veröffentlicht, bis sie schließlich 1753 im ersten Teil der Schriften gesammelt herausgegeben wurden. Nach seinem Studium des Aesops und Phaedrus übersetzte Lessing Samuel Richardsons Aesop`s fables with reflections intsructive morals unter dem Titel Herrn Samuel Richardsons Sittenlehre für die Jugend in den auserlesensten äsopischen Fabeln ins Deutsche. Schließlich veröffentlichte er 1759 die Kernschrift seiner Fabeltheorie mit dem Werk: Fabeln. Drey Bücher. Nebst Abhandlungen mit dieser Dichtungsart verwandten Inhalts. In den Folgejahren erschienen unter anderem die Publikationen Über die sogenannten Fabeln aus den Zeiten der Minnesänger sowie die Untersuchungen des Romulus und Rimicus. Erst nach Lessings Tod im Jahre 1781 wurde die nicht beendete Arbeit Zur Geschichte der Aesopischen Fabel herausgegeben. Aus der knapp skizzierten Geschichte der Beschäftigung Lessings mit der Fabel wird deutlich, in welch vielfältiger Hinsicht er sich mit dieser Gattung beschäftigte. Sein Interesse bezog sich dabei auf poetologische, philosophische, philologische und theoretische Aspekte.

Die Fabeltheorie bei Lessing, wie er sie in den Abhandlungen über die Fabel veröffentlichte, bildet einen starken Kontrast zu dem zeitgenössischen Geschmack. Diese Arbeit versucht zu zeigen, dass Lessings Fabeltheorie durch seine besonderen formtheoretischen Überlegungen über die Wiederbelebung des ursprünglichen aesopischen Vorbilds hinausgeht. So wird im zweiten Kapitel dieser Arbeit zu zeigen sein, wie sich die Fabeltheorie bei Lessing entwickelt hat. Dazu gehört vor dem historischen Hintergrund zum einen die Abgrenzung von dem französischen Muster, zum anderen wird die Entwicklung seiner Theorie insbesondere am Beispiel der Auseinandersetzung Lessings mit seinem befreundeten Dichterkollegen Johann Wilhelm Ludwig Gleim nachvollzogen. Im dritten Kapitel wird die Fabeltheorie an sich untersucht, wie sie Lessing im Jahre 1759 im Rahmen der Fabelabhandlungen veröffentlichte. Zu Beginn wird der philosophische Hintergrund der Fabeltheorie im Zusammenhang mit dem Verhältnis zwischen Allgemeinem und Besonderem vorgestellt. Im Anschluss folgt die Untersuchung der formtheoretischen Überlegungen Lessings in Bezug auf die Fabel. Das dritte Kapitel schließt mit einem kurzen Blick auf die Umsetzung eines Aspektes der Fabeltheorie in die Praxis. Im Exkurs soll über die Untersuchungen im dritten Kapitel hinaus ein Bogen von der Fabeltheorie zur Dramentheorie Lessings geschlagen werden. So wird zu zeigen sein, dass sich die poetische Kategorie der narrativen Organisation von Handlung wie sie Lessing für das Drama fordert, bereits in der Fabeltheorie findet. Im fünften Kapitel wird schließlich aus der Summe der Einzelergebnisse das Fazit gezogen.

2. Der historische Hintergrund

Der Versuch der Literaturwissenschaft den allgemeinen Ursprungsort der Fabel zu bestimmen, mündete in dem Kompromiss einer Polygenese.2 Ähnlich unsicher ist ein historischer Nachvollzug des Typus der aesopischen Fabel, da die Identität ihres Begründers und Namensstifters Aesop nicht sicher belegt werden kann. Der angeblich phrygische Sklave soll im 6. Jahrhundert vor Christus gelebt und seine Fabeln erzählt haben. In der Antike entstanden insbesondere die Sammlungen und Bearbeitungen des aesopischen Materials durch Phaedrus, Babrios, Romulus und Avianus. Die aesopischen Fabeln sind im Zusammenhang mit der Erhebung antiker Muster zum Ideal dichterischen Schaffens im 18. Jahrhundert das Vorbild für die aufklärerische Fabelproduktion geworden. Nach dem späten Mittelalter erfuhr dieses Muster insbesondere in der Zeit zwischen 1740 bis 1780 eine neue Hochkonjunktur in Deutschland. Die Ursache für dieses Phänomen liegt darin, dass in ihr das Potential gesehen wurde, das horazische Ideal prodesse et delectare in hochgradigem Maße zu erfüllen. In diesem Ideal fußt das Leitmotiv der aufklärerischen Dichtung zugleich zu nutzen und zu erfreuen. Vor dem Hintergrund der Moralisierung und Funktionalisierung der Literatur wurde der moralische Nutzen die Legitimationsbasis für literarisches Schaffen. Die Fabel etablierte sich folglich als didaktisch funktionalisierte Literatur neben Dramen und Romanen als ebenbürtige Ausdrucksform dieser Epoche.

2.1 Lessing und die französisch-deutsche Verwaltung des aesopischen Nachlasses

[...]


1 Vgl. Klaus Grubmüller: Fabel. – In: Klaus Weimar (Hg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte. – Berlin, New York [Walter de Gruyter] 1997, S. 555. Im Folgenden wird der Begriff Fabel nur im Sinne der Gattungsbezeichnung genutzt.

2 Erwin Leibfried: Fabel. – [J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung] Stuttgart 1967, S. 11. Sowie Siglinde Eichner: Die Prosafabel Lessings in seiner Theorie und Dichtung. Ein Beitrag zur Ästhetik des 18. Jahrhunderts – [Bouvier Verlag Herbert Grundmann] Bonn 1974, S. 10. (Im Folgenden: Eichner: Die Prosafabel Lessings).


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