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Autor: B. Sc. oec. troph. Kristina Bergmann
Fach: Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie
Details
Institution/Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen (Institut für Wirtschaftlehre des haushalts und Verbrauchsforschung)
Tags: Nachhaltige, Ernährung, Single-Haushalten, Konsummuster, Lebenformen
Jahr: 2006
Seiten: 69
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 67 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 420 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-56464-9
ISBN (Buch): 978-3-638-92737-6
Zusammenfassung / Abstract
1. Einleitung 1.1 Einstieg in die Thematik Deutschland bewegt sich neuerdings in Fragen der Nachhaltigkeit rückwärts durch die Zeit – verordnet von höchster Stelle. Seit der CSU-Politiker Horst Seehofer das Amt des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bekleidet, wird das Thema nachhaltige Entwicklung und Ernährung im Gegensatz zu vorher sichtlich vernachlässigt (siehe Anhang). In seiner Rede zur Eröffnung der Messe „Biofach“ am 16.02.2006 gelingt es ihm tatsächlich, das Thema „Zukunft der Biowirtschaft“ ausführlich abzuhandeln, ohne den Begriff der Nachhaltigkeit auch nur ein einziges Mal zu erwähnen (Seehofer 2006). Fehlen politische Anreize und Unterstützung zur Erreichung bestimmter Ziele, rückt die Rolle der BürgerInnen, der VerbraucherInnen noch mehr in den Vordergrund. Für Singles, sprich: in Einpersonenhaushalten lebende Erwachsene, existieren aber bisher keinerlei Konzepte, wie sie eine gedeihliche Entwicklung durch eine Nachhaltige Ernährungsweise mitgestalten können. Das praktische Ernährungswissen nimmt ab, während ernährungsmitbedingte Erkrankungen sich immer mehr häufen, wovon insbesondere auch die nachwachsende (Single)- Generation betroffen ist. Stolze 20 % des Ressourcen- und Energieeinsatzes in Deutschland gehen insgesamt auf das Konto der Ernährung (imug 2002, S. 32). Dieser beachtliche Anteil verdeutlicht die ökologische Relevanz des hiesigen Ernährungssystems. Mit der Unterzeichnung der Agenda 21 hat sich die Deutsche Bundesregierung schon 1992 langfristig dazu verpflichtet, auf globaler, nationaler und lokaler Ebene einer gedeihlichen Entwicklung im Sinne des Leitbildes Nachhaltigkeit Vorschub zu leisten (Koerber, Kretschmer 2000, S. 39). Der Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ beinhaltet allerdings mehr als „nur“ umweltbezogene Aspekte. Er soll in seiner komplexen Bedeutung im Kapitel 2.2 näher erläutert werden. In dieser Arbeit wird die individuelle Ebene näher beleuchtet. Die „Individualisten unter den Individuen“, die Single-Haushalte als kleinste mögliche wirtschaftende Einheit und Lebensform sind hier Gegenstand der Untersuchung.
Textauszug (computergeneriert)
Justus-Liebig-Universität Giessen, Fachbereich 09
Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement
Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung
Gießen, den 18.04.2006
Nachhaltige Ernährung in Single-Haushalten
von: Kristina Bergmann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
1.1 Einstieg in die Thematik 5
1.2 Fragestellung 6
1.3 Methoden und Vorgehensweise 7
2. Grundlagen und Wissensstand 8
2.1 Single-Haushalte in Deutschland 8
2.1.1 Definition und Verbreitung von Single-Haushalten in Deutschland 8
2.1.2 Heterogenität und weitere Eigenschaften 9
2.1.3 Singles und ihre Ernährung 11
2.2 Trends und Prognosen - Ernährungsgewohnheiten im Wandel 16
2.3 Leitbild Nachhaltige Ernährung 19
2.3.1 Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit plus eins 19
2.3.2 Ausgewählte Forschungsansätze zur Nachhaltigen Ernährung 19
2.3.3 Operationalisierung des Leitbilds Nachhaltige Ernährung 22
3. Diskussion der Ergebnisse 31
3.1 Spezielle Aspekte der Nachhaltigen Ernährung in Single- Haushalten 31
3.1.1 Nachhaltige Lebensmittel und deren Einkauf für Singles 32
3.1.2 Infrastruktur und Qualität der Gemeinschaftsverpflegung 36
3.1.3 Wissen über Ernährung und Nahrungszubereitung 38
3.1.4 Die Gender-Perspektive - Chrematistik vs. Daseinsvorsorge 39
3.1.5 Lösungsansätze für das Allokationsproblem in der Ernährung von Singles 40
3.2 Eignung von haushaltswissenschaftlichen und ernährungsökologischen Ansätzen zur systematischen Analyse der Thematik 42
3.2.1 Ernährungsökologie 42
3.2.2 Haushaltswissenschaften 43
3.2.3 Reflektion 45
4. Ausblick 47
Zusammenfassung 49
Summary 51
Literaturverzeichnis 52
Anhang 59
Eröffnung der Biofach 2006 59
Zukunft der Biolandwirtschaft 59
Biofach als "Leitmesse": Indikator für den Bio-Boom 59
Polen als Partnerland der Biofach 2006 60
Verlässlichkeit und Dialog: Grundprinzipien in der Politik! 61
Ökolandbau _ Wirtschaftliche und gesellschaftliche Größe 62
Grüne Gentechnik: Ehrlicher Dialog! 64
Zukunft der ländlichen Entwicklung 65
Schlussbemerkungen 66
Ziele der Ernährungspolitik der Bundesregierung 67
Langfristige Strategien zur Bekämpfung von Übergewicht und Mangelernährung 67
1. Einleitung
1.1 Einstieg in die Thematik
Deutschland bewegt sich neuerdings in Fragen der Nachhaltigkeit rückwärts durch die Zeit – verordnet von höchster Stelle. Seit der CSU-Politiker Horst Seehofer das Amt des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bekleidet, wird das Thema nachhaltige Entwicklung und Ernährung im Gegensatz zu vorher sichtlich vernachlässigt (siehe Anhang). In seiner Rede zur Eröffnung der Messe „Biofach“ am 16.02.2006 gelingt es ihm tatsächlich, das Thema „Zukunft der Biowirtschaft“ ausführlich abzuhandeln, ohne den Begriff der Nachhaltigkeit auch nur ein einziges Mal zu erwähnen (Seehofer 2006).
Fehlen politische Anreize und Unterstützung zur Erreichung bestimmter Ziele, rückt die Rolle der BürgerInnen, der VerbraucherInnen noch mehr in den Vordergrund. Für Singles, sprich: in Einpersonenhaushalten lebende Erwachsene, existieren aber bisher keinerlei Konzepte, wie sie eine gedeihliche Entwicklung durch eine Nachhaltige Ernährungsweise mitgestalten können. Das praktische Ernährungswissen nimmt ab, während ernährungsmitbedingte Erkrankungen sich immer mehr häufen, wovon insbesondere auch die nachwachsende (Single)- Generation betroffen ist.
Stolze 20 % des Ressourcen- und Energieeinsatzes in Deutschland gehen insgesamt auf das Konto der Ernährung (imug 2002, S. 32). Dieser beachtliche Anteil verdeutlicht die ökologische Relevanz des hiesigen Ernährungssystems. Mit der Unterzeichnung der Agenda 21 hat sich die Deutsche Bundesregierung schon 1992 langfristig dazu verpflichtet, auf globaler, nationaler und lokaler Ebene einer gedeihlichen Entwicklung im Sinne des Leitbildes Nachhaltigkeit Vorschub zu leisten (Koerber, Kretschmer 2000, S. 39). Der Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ beinhaltet allerdings mehr als „nur“ umweltbezogene Aspekte. Er soll in seiner komplexen Bedeutung im Kapitel 2.2 näher erläutert werden. In dieser Arbeit wird die individuelle Ebene näher beleuchtet. Die „Individualisten unter den Individuen“, die Single-Haushalte als kleinste mögliche wirtschaftende Einheit und Lebensform sind hier Gegenstand der Untersuchung.
1.2 Fragestellung
Die in der Agenda 21 beschlossenen Maßnahmen beinhalten unter anderem ein Kapitel über eine angestrebte Veränderung der Konsumgewohnheiten. Zur Konkretisierung des Handlungsbedarfs werden hier zwei Zielvorgaben formuliert:
• die „Förderung von Verbrauchs- und Konsummustern, die zu einer Verringerung von Umweltbelastungen und zur Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse führen;
• die Vertiefung des Einblicks in die Rolle des Konsumverhaltens und die Klärung der Frage, wie sich nachhaltige Verbrauchsgewohnheiten entwickeln lassen“ (UNCED 1992, Kapitel 4).
Um eine Optimierung der Ressourcennutzung und eine Minimierung des Abfallaufkommens zu erreichen, bedarf es einer Änderung bisheriger Verbrauchsgewohnheiten in den wohlhabenden Ländern der Welt. Die derzeit vorherrschenden Produktions- und Verbrauchsgewohnheiten haben sich in den Industrieländern herausgebildet und werden von anderen Ländern nachgeahmt, können aber nur auf Kosten der jeweils ärmeren Länder wie bisher fortbestehen (UNCED 1992, Kapitel 4). Die Agenda 21 fordert somit die Unterstützung der Verbraucherschaft bei umweltverträglichen Kaufentscheidungen und bei der Information über die Auswirkungen von Kaufentscheidungen (UNCED 1992, Kapitel 4). Diese Arbeit soll einen Beitrag dazu leisten, dem letzteren oben formulierten Ziel in Bezug auf das Handlungsfeld „Ernährung in Single-Haushalten in Deutschland“ etwas näher zu rücken.
Wie lässt sich eine nachhaltige Ernährungsweise in Single-Haushalten überzeugend umsetzen? Worin bestehen Barrieren? Wo eröffnen sich Möglichkeiten? Diese Fragen sollen im Folgenden bearbeitet werden. Über Singles, Singularisierung, Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen wurde seit den 90ern so einiges geschrieben und veröffentlicht – doch die Ernährungsweise von Singles ist ein bisher weitgehend unerforschtes Feld. Die Anzahl der Single-Haushalte in Deutschland ist seit den 70er Jahren kontinuierlich angestiegen. Somit ist es in jedem Fall gerechtfertigt, mehr über die Ernährungsweise der Menschen hinter den Single-Haushalten wissen zu wollen.
1.3 Methoden und Vorgehensweise
Anhand einer vergleichenden Literaturanalyse sollen in dieser Arbeit mittels eines qualitativen Ansatzes Besonderheiten, Chancen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Ernährungsweise in deutschen Single-Haushalten herausgearbeitet und aufgezeigt werden. Auf dieser Basis werden in der Folge Hypothesen darüber generiert, wo und inwiefern Barrieren bestehen und welche Handlungsempfehlungen sich daraus auf verschiedenen Ebenen ableiten lassen. Im zweiten Kapitel werden die wissenschaftlichen Grundlagen mit Hilfe eines interdisziplinären Ansatzes erörtert. Verschiedene Forschungsansätze aus Ökologie, Sozialwissenschaften, der Wirtschaftslehre der Privathaushalte und der Ernährungsökologie werden vorgestellt und miteinander verknüpft. Die Datenlage zum Thema ist recht dürftig – dort, wo statistisches Material vorliegt, wird dieses in die Analyse einbezogen.
Zunächst wird im zweiten Kapitel auf die Single-Haushalte, deren Charakteristika und Lebensbedingungen eingegangen. Im Anschluss daran werden die Mahlzeiten- und Konsummuster von Singles, soweit bekannt, näher umschrieben. Darauf folgen prognostizierte Ernährungstrends für die Zukunft. Daran anschließend werden das Leitbild „Nachhaltige Entwicklung“ und der Begriff „Nachhaltige Ernährung“ und die jeweiligen Bedeutungszusammenhänge erläutert. Forschungsansätze zum Thema „Nachhaltige Ernährung“ werden vorgestellt und – soweit es der Umfang dieser Arbeit erlaubt - miteinander verknüpft.
Im dritten Kapitel werden die bisherigen Ergebnisse zusammenfassend dargestellt und unter „single-spezifischen“ Gesichtspunkten ausgewertet, so dass spezielle Aspekte der Nachhaltigen Ernährung in Single-Haushalten deutlich herausgestellt werden und in Form einer Interpretation und Bewertung dieser Ergebnisse zur Diskussion gestellt werden. Die bisher generierten Hypothesen werden miteinander in Beziehung gesetzt, um so zu Schlussfolgerungen zu kommen und sich daraus ergebende Forschungsfragen aufzuzeigen. Abschließend wird die Vorgehensweise bei der Erstellung dieser Arbeit nochmals aufgegriffen und kritisch reflektiert. Was das Schlusskapitel zu bieten hat, wird auch erst am Schluss verraten…
2. Grundlagen und Wissensstand
2.1 Single-Haushalte in Deutschland
2.1.1 Definition und Verbreitung von Single-Haushalten in Deutschland Wer also steckt hinter den Single-Haushalten?
Der Begriff des „Singles“ hat in den letzten Jahren eine Ausweitung erfahren. Während in den 70ger Jahren, als der Begriff erstmals aufkam, mit dem Single-Sein auch ein ganz bestimmter Lebensstil verbunden wurde, wird er heute oft einfach nur für die Lebensform des Alleinlebens verwendet (Hradil 1995, S. 6; Küpper 2000, S. 13ff). So wird er auch in dieser Arbeit verstanden: Das entscheidende Kriterium fürs Single-Sein ist, dass eine Person allein in einem Einpersonenhaushalt lebt und wirtschaftet. Dies gilt also unabhängig davon, ob die Person in einer Partnerschaft lebt oder nicht, ob sie freiwillig allein lebt oder nicht. Die durchschnittliche Haushaltsgröße nimmt im Laufe der Entwicklung von Ständegesellschaften über Industriegesellschaften bis hin zu fortschreitender Modernisierung immer mehr ab (Hradil 1995, S. 111) – die Zahl der Singles steigt. Im Jahr 2004 liegt der Anteil der Einpersonenhaushalte hierzulande bei 37 % (Statistisches Bundesamt 2005b, S. 13).
Abb. 1: Entwicklung der Haushaltstypen in absoluten Zahlen und in Prozent, Westdeutschland 1972, 1995 und 2000 (Quelle: Bundesministerium für Familie 2004) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
Ein weiterer Anstieg der Single-Haushalte wird begünstigt durch die demographische Überalterung, den Wohnungsmarkt, Mobilitätsanforderungen und die finanziellen Möglichkeiten von Singles (Engstler, Menning 2003, S. 60). Insgesamt ist der Einpersonenhaushalt 2004 der am stärksten vertretene Haushaltstyp in Deutschland (Statistisches Bundesamt 2005b, S. 13). Während die Haushaltsstrukturen in Ost- und Westdeutschland 1991 noch deutliche Unterschiede aufgewiesen haben, ist dies in 2004 nicht mehr der Fall: In der Zwischenzeit ist der Anteil der Single-Haushalte auch in Ostdeutschland entsprechend angestiegen (ebd., S. 13).
2.1.2 Heterogenität und weitere Eigenschaften
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