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"Knarren eines geknickten Astes" - Hesses letztes Gedicht: Vergleich der drei Fassungen

Termpaper, 2002, 12 Pages
Author: Till-Bastian Fehringer
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: MS NDL: Textgestalten: Fassung und Bearbeitung
Institution/College: University of Marburg (Fb 01 Germanistik)
Tags: Knarren, Astes, Hesses, Gedicht, Vergleich, Fassungen, Textgestalten, Fassung, Bearbeitung
Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 12
Grade: 1-
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V63639
ISBN (E-book): 978-3-638-56643-8
ISBN (Book): 978-3-638-75340-1
File size: 151 KB
Notes :
Eines der bekanntesten Gedichte Hesses, weil sein letztes, wird in seinen drei Fassungen verglichen.


Abstract

In der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich der Autor mit dem letzten Gedicht von Hermann Hesse (2.7.1877-9.8.1962), „Knarren eines geknickten Astes“. Dabei soll das Hauptaugenmerk darauf liegen, die drei vorhandenen Fassungen formal und inhaltlich zu vergleichen, sowie den Intentionen Hesses auf die Spur zu kommen, um eine mögliche Aussage in dem Gedicht zu erkennen. Denn es ergibt sich die Frage, warum ein Gedicht in so kurzer Zeit vom Autor selbst zweimal überarbeitet wird (1. Fassung 1.8.1962, 2. Fassung 2.8. 1962, 3. Fassung 8.8.1962). Das Gedicht ist aufgrund des biographischen Zusammenhanges von so großem Interesse, denn Hesse schrieb die letzte (dritte Fassung) dieses Gedichtes am Vorabend seines Todestages (s.o.). „Hermann Hesse starb am 9. August 1962 im Alter von 85 Jahren. Seit mehreren Tagen hatte er an einem Gedicht gearbeitet, das er am Abend zuvor seiner Frau auf das Bett legte.“ Zusätzlich „[...] sandte er die erste und die letzte Fassung an die Zeitschrift Akzente [...]“. Somit ist anzunehmen, dass Hesse das Gedicht in dem Wissen um seinen unmittelbar bevorstehenden Tod schrieb. Daher ist es interessant, und für die Interpretation des Gedichtes auch notwendig, zu überprüfen, wie diese Situation im Gedicht mit einwirkt. Bei der genauen Untersuchung des Gedichtes muss allerdings systematisch zwischen dem lyrischen Ich und Hesse selbst unterschieden werden, trotzt der aufgrund des biographischen Bezuges bestehenden Parallelen.


Excerpt (computer-generated)

Philipps-Universität Marburg, Germanistik
MS NDL: Textgestalten: Fassung und Bearbeitung
WS 2001/2002

"Knarren eines geknickten Astes" –
Hesses letztes Gedicht: Vergleich der drei Fassungen

von: Till-Bastian Fehringer

 


INHALT

1. Einleitung  3

2.1 Inhalt und Aussage des Gedichtes, Intentionen des Autors  4
2.2 Formaler und inhaltlicher Vergleich der drei Fassungen  6

3. Fazit 9

4. Anhang: Die drei Fassungen  10

5. Literaturverzeichnis 12

 


 

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit dem letzten Gedicht von Hermann Hesse (2.7.1877-9.8.1962), „Knarren eines geknickten Astes“. Dabei soll das Hauptaugenmerk darauf liegen, die drei vorhandenen Fassungen formal und inhaltlich zu vergleichen, sowie den Intentionen Hesses auf die Spur zu kommen, um eine mögliche Aussage in dem Gedicht zu erkennen. Denn es ergibt sich die Frage, warum ein Gedicht in so kurzer Zeit vom Autor selbst zweimal überarbeitet wird (1. Fassung 1.8.1962, 2. Fassung 2.8. 1962, 3. Fassung 8.8.1962).

Das Gedicht ist aufgrund des biographischen Zusammenhanges von so großem Interesse, denn Hesse schrieb die letzte (dritte Fassung) dieses Gedichtes am Vorabend seines Todestages (s.o.). „Hermann Hesse starb am 9. August 1962 im Alter von 85 Jahren. Seit mehreren Tagen hatte er an einem Gedicht gearbeitet, das er am Abend zuvor seiner Frau auf das Bett legte.“1 Zusätzlich „[...] sandte er die erste und die letzte Fassung an die Zeitschrift Akzente [...]“.2

Somit ist anzunehmen, dass Hesse das Gedicht in dem Wissen um seinen unmittelbar bevorstehenden Tod schrieb. Daher ist es interessant, und für die Interpretation des Gedichtes auch notwendig, zu überprüfen, wie diese Situation im Gedicht mit einwirkt. Bei der genauen Untersuchung des Gedichtes muss allerdings systematisch zwischen dem lyrischen Ich und Hesse selbst unterschieden werden, trotzt der aufgrund des biographischen Bezuges bestehenden Parallelen. Die Kenntnis des Lesers von den drei Fassungen wird vorausgesetzt. Sie befinden sich aber zusätzlich im Anhang dieser Arbeit.

2.1 Inhalt und Aussage des Gedichtes, Intentionen des Autors

In diesem Kapitel stehen die inhaltlichen Aspekte, sowie mögliche Intentionen Hesses im Vordergrund. Dabei sollen die drei Fassungen noch nicht detailliert verglichen werden, sondern der Hauptgedankengang des Gedichtes untersucht werden. Unabhängig von der Kenntnis des biographischen Hintergrundes, nämlich des Entstehungsdatums, wird dem Leser unmittelbar eine depressive Grundstimmung des lyrischen Ichs vermittelt. Diese Ich identifiziert sich mit dem geknickten Ast, auch wenn es nur in der ersten Fassung im Vordergrund steht, da es in Fassung zwei und drei nicht mehr benannt wird. Es fällt nicht weg, aber es tritt in den Hintergrund.

Der knarrende, geknickte Ast wird somit zu Personifikation für den sterbenden Menschen bzw. für den bevorstehenden Tod. „´´Ich sah ihn Jahr um Jahr so hängen´´, schrieb er (Hesse) im Gedicht, in dem der geknickte Ast, ´´an Splittersträngen noch schaukelnd´´, zum Sinnbild der Todesnähe und des eigenen Altersgefühls wird...“3 Demnach ist in dem Gedicht nicht nur der unmittelbar bevorstehende Tod gemeint, sondern auch der Prozess dorthin, der aber von Hesse nicht als schönes, langsames Altern beschrieben wird, sondern eher als ein Prozess des Sterbens auf Raten, denn „Jahr um Jahr“ sieht er den Ast „so hängen“, der „bei jedem Winde klagt“.4 So befindet sich das lyrische Ich in einem Gefühlszustand, der, sofern man den Ast wiederum mit dem lyrischen Ich gleichsetzt, irgendwo zwischen Leben und Sterben liegt. Denn der geknickte Ast ist „kahl, fahl, zu langen Lebens, zu langen Sterbens müd (2.und 3.Fassung)“.5

Das Gefühl, dass diesem Prozess zu Grunde liegt, befindet sich irgendwo zwischen Trotz, Resignation und Angst vor dem Tod. Der harte und zähe Gesang, der ja im Gedicht selbst als trotzig beschrieben wird (2. und 3. Fassung) könnte für eine Art Trotzreaktion stehen. „Noch einen Sommer, noch einen Winter lang (2. und 3. Fassung)“ hört sich stark resignierend an, so wie eine Frage: „Wann habe ich es endlich geschafft?“ Außerdem klingt der Gesang auch noch „bang“, stehend für die Angst vor dem Sterben.

[...]


1 BÖTTGER 1975

2 FIELD 1979

3 KLEINE 1982, S.481, 482

4 HESSE 1970, S.154,155

5 HESSE 1970, S.155


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