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Autor: Torsten Kopf
Fach: Ethik
Details
Tags: Katholische, Kirche, Nationalsozialismus, Beginn, Zweiten, Weltkrieges, Zwischen, Widerstand, Selbstbehauptung, Anpassung
Jahr: 2006
Seiten: 122
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 70 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 556 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-56861-6
Textauszug (computergeneriert)
Universität der Bundeswehr München
Fakultät für Sozialwissenschaften
Die Katholische Kirche im Nationalsozialismus bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges
Zwischen Widerstand, Selbstbehauptung und Anpassung
Diplomarbeit
Zur Erlangung des akademischen Grades eines
Dipl. Staatswissenschaftlers (univ.)
vorgelegt von: Torsten Kopf
vorgelegt im: Juli 2006
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 05
2. Das Verhältnis des Heiligen Stuhls zum Nationalsozialismus ... 10
2.1 Die Haltung des Heiligen Stuhls gegenüber der Nationalsozialistischen Bewegung ... 10
2.1.1 Die Anfangsjahre der NSDAP bis zur Reichstagswahl vom 14. September 1930 ... 10
2.1.2 Die NSDAP als ernstzunehmende politische Kraft ... 12
2.1.3 Die Entwicklungen nach dem Regierungsantritt Hitlers ... 14
2.2 Das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 ... 15
2.2.1 Die Bemühungen um ein Reichskonkordat vor der Machtübernahme Hitlers ... 16
2.2.2 Die Verhandlungen über ein Reichskonkordat im Jahre 1933 ... 17
2.2.3 Die Ergebnisse des Reichskonkordats ... 20
2.2.4 Die Entwicklungen nach dem Reichskonkordat ... 24
2.3 Die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ vom 14. März 1937 ... 25
2.3.1 Die Entstehung der Enzyklika ... 25
2.2.3 Der Inhalt der Enzyklika ... 26
2.3.3 Die Wirkung der Enzyklika ... 30
3. Das Verhältnis des deutschen Episkopats zum Nationalsozialismus ... 33
3.1 Die Haltung des deutschen Episkopats gegenüber der Nationalsozialistischen Bewegung ... 33
3.1.1 Die Jahre bis zur Reichstagswahl am 05. März 1933 ... 33
3.1.2 Der deutsche Episkopat bis zum Vorabend des Zweiten Weltkrieges ... 38
3.1.3 Der deutsche Episkopat und der Beginn des Zweiten Weltkrieges ... 47
3.2 Kardinal Clemens August Graf von Galen ... 51
3.2.1 Biografie: Clemens August Graf von Galen ... 51
3.2.2 Das Wirken des Bischofs Clemens August Graf von Galen im Dritten Reich bis 1939... 56
4. Die nationalsozialistischen Maßnahmen zur Entkirchlichung und Entchristlichung der deutschen Gesellschaft ... 61
4.1 Die Zerschlagung des Politischen Katholizismus ... 62
4.1.1 Die Bedeutung des Politischen Katholizismus ... 62
4.1.2 Die Gründe für die Zerschlagung des Politischen Katholizismus ... 63
4.1.3 Der zeitliche Ablauf der Zerschlagung ... 64
4.2 Die Zurückdrängung und das Verbot der katholischen Verbände und Presse ... 71
4.2.1 Das Ende der katholischen Verbände ... 71
4.2.2 Die Ausschaltung der katholischen Presse ... 78
4.3 Die Entchristlichung der Jugend durch die nationalsozialistische Erziehung ... 83
4.3.1 Das Ringen um die schulische Erziehung ... 84
4.3.2 Die Hitlerjugend und die katholische Verbandsjugend ... 87
4.4 Exkurs: Die Nationalsozialistische Ersatzreligion, verdeutlicht am Beispiel des Films „Triumph des Willens“ von Leni Riefenstahl ... 91
4.4.1 Biografie: Leni Riefenstahl ... 92
4.4.2 Die Reichsparteitage der NSDAP ... 94
4.4.3 Die Analyse des Films „Triumph des Willens“ ... 95
5. Exkurs: Die Katholische Kirche und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus ... 102
6. Schlussbetrachtung und Ausblick ... 107
Abkürzungsverzeichnis ... 111
Literaturverzeichnis ... 112
1. Einleitung
„Wir sind Papst“ titelte die BILD am 20. April 2005. Die größte deutsche Boulevardzeitung reagierte mit dieser, mittlerweile zum geflügelten Wort gewordenen Überschrift auf die Entscheidung des römischen Konklaves, den deutschen Kardinal Joseph Ratzinger zum Oberhaupt der Katholischen Kirche und Nachfolger des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. zu wählen. Mit Benedikt XVI., wie sich der frühere Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre und Dekan des Kardinalskollegiums für die Zeit seines Pontifikats nennt, sitzt 60 Jahre nach Ende der nationalsozialistischen Herrschaft ein Deutscher auf dem Stuhl Petri. Diverse italienische, ungarische und britische Zeitungen nahmen diesen Umstand zum Anlass, Joseph Ratzinger bereits vor dem Konklave mit dessen Vergangenheit als Hitlerjunge und Flakhelfer zu konfrontieren. Die Aussage, er stehe mit seiner Vergangenheit in starkem Kontrast zu seinem Vorgänger Johannes Paul II., der im Krieg in Polen Theaterstücke gegen die Nationalsozialisten aufgeführt hatte, spiegelte die Zweifel wieder, die an dem Deutschen laut wurden1. Die englische Zeitung THE SUN titelte am Tag nach der Papstwahl: „From Hitler Youth to... Papa Ratzi“2 und druckte dazu ein Bild Ratzingers, das in seiner Zeit als Hitlerjunge aufgenommen wurde. Die türkische Zeitung „Sabah“ nannte den zum Papst Gewählten sogar einen „ehemaligen Nazi“3. Die kritischen Reaktionen der internationalen Boulevardpresse auf die Tatsache, dass ein im nationalsozialistischen Deutschland aufgewachsener Geistlicher zum Oberhaupt der Katholischen Kirche gewählt wurde, mögen nicht die öffentliche Meinung widerspiegeln, dennoch zeigen sie, wie sehr die deutsche Vergangenheit bis in die Gegenwart nachwirkt. Dies betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche, auch den der deutschen Kirchenvertreter.
Vorliegende Arbeit will sich auch aufgrund der bis zum heutigen Tag andauernden Nachwirkungen der deutschen Vergangenheit, eben auch im kirchlichen Bereich, der Frage widmen, wie das Verhältnis der Katholischen Kirche zum Nationalsozialismus charakterisiert werden kann. In der Literatur gibt es hierzu vielfältige Ansichten4. Deren Bandbreite erstreckt sich von der Auffassung, die Kirche habe versagt, sie habe sich verweigert, einen aufkommenden Widerstand gegen ein verbrecherisches Regime zu unterstützen, über die Meinung, die Kirche habe in einer Zeit existenzieller Bedrohung gar nicht anders handeln können, als sie es tat, bis hin zu der Aussage, es sei gar nicht die Aufgabe der Kirche gewesen, aktiven politischen Widerstand zu leisten, es sei vielmehr deren Anspruch, ihre Anhänger in ihrem christlichen Glauben zu bestärken und diese auch in schwieriger Zeit auf dem Wege Christi zu halten.
Vorliegende Arbeit versucht, diese Bandbreite differierender Ansichten abzuwägen und ein möglichst objektives Urteil über das Verhältnis der Katholischen Kirche zum Nationalsozialismus zu fällen.
Der Zeitraum, der dieser Arbeit zugrunde liegt, beginnt mit den Anfängen der Nationalsozialistischen Bewegung, beinhaltet die Phase nach der Machtergreifung Adolf Hitlers ab dem 30. Januar 1933 und endet mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen und dem damit verbundenen Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Während das Ende des angeführten Zeitraums auf den Tag genau zu datieren ist, fällt es wesentlich schwerer, den Anfang exakt zu benennen. Bis zum Ende der nationalsozialistischen Kampfzeit, welche mit dem gescheiterten Hitlerputsch vom 09. November 1923 zusammenfällt, hatte der Nationalsozialismus „im deutschen Katholizismus außerhalb Bayerns nur ein geringes Echo gefunden“5. In der nachfolgenden Zeit fand angesichts der schwachen Wahlergebnisse der Nationalsozialisten ebenfalls keine große, öffentliche Auseinanderersetzung mit diesen in katholischen Kreisen statt6. Erst durch den Wahlerfolg der NSDAP bei den Reichstagswahlen am 12. September 1930 wurde die Aufmerksamkeit der Katholischen Kirche wieder auf die Partei am rechten Rand gelenkt und der Katholizismus begann sich mit dieser auseinander zu setzen. Aus diesem Grund liegt das Hauptaugenmerk der Arbeit auf den neun Jahren zwischen dem ersten großen Wahlerfolg der Nationalsozialisten und dem Anfang des Zweiten Weltkrieges.
Nachdem die Geschichte den zeitlichen Rahmen vorgegeben hat, liefert der innere Aufbau der Institution „Katholische Kirche“ die Gliederung dieser Arbeit. Ein Kapitel beschäftigt sich mit dem Heiligen Stuhl und dem Papst als Kirchenoberhaupt. Ein weiteres beleuchtet den deutschen Episkopat, die Gesamtheit der Bischöfe. Ein nächstes beschäftigt sich mit dem Kirchenvolk und ein abschließender Exkurs thematisiert den Komplex Katholische Kirche und Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Es bedarf keiner Erläuterung, dass diese hier vorgenommene Gliederung eine starke Vereinfachung der Wirklichkeit darstellt und dennoch erscheint sie dem Verfasser geeignet, das Verhältnis der Katholischen Kirche zum Nationalsozialismus differenziert zu betrachten.
Das erste Kapitel behandelt das Verhältnis des Heiligen Stuhls zum Nationalsozialismus. Dabei soll ein Blick auf die Haltung des Vatikans gegenüber der Nationalsozialistischen Bewegung den Anfang machen. Die Zeit vor der Machtergreifung findet in diesem Kapitel genauso Berücksichtigung, wie die Ereignisse nach dem 30. Januar 1933. Das zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich geschlossene Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 sowie dessen Folgen bilden den nächsten Abschnitt. Die Behandlung des „Päpstlichen Rundschreibens gegen den Nationalsozialismus und seine Folgen in Deutschland“, die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ vom 21. März 1937, rundet die Betrachtung des Verhältnisses zwischen dem Heiligem Stuhl und dem Nationalsozialismus ab.
Das folgende Kapitel hat das Verhältnis des deutschen Episkopats zum Nationalsozialismus als Thema. Die Haltung der deutschen Bischöfe gegenüber der Nationalsozialistischen Bewegung soll hier den Anfang der Schilderung bilden. Eine solche Gemeinschaft von kirchlichen Würdenträgern ist und war keineswegs eine homogene Masse. Deutlich wird dies durch die einzelnen bischöflichen Stellungnahmen zur Beurteilung des Nationalsozialismus7. Aus diesem Grund sollen neben der mehrheitlichen und offiziellen Meinung des Episkopats Stimmen und Personen Aufnahme in die vorliegende Arbeit finden, welche zwar Teil dieser bischöflichen Gemeinschaft waren, deren Ansichten und Äußerungen jedoch von den offiziellen Verlautbarungen abwichen. Im Weiteren soll die Haltung der Bischöfe zu Beginn des Zweiten Weltkrieges aufgezeigt werden. Dabei soll geklärt werden, inwieweit das Verhalten der Ordinaten Hitlers Krieg beeinflusste. Anschließend soll ein Blick auf den Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen erfolgen. Der durch seinen „Ruhm als unerschrockener Prediger gegen den braunen Antichristen“8 zum Helden des katholischen Widerstands gewordene von Galen wurde am 09. Oktober 2005 selig gesprochen. Nach einer Biografie des streitbaren Bischofs soll eine genauere Betrachtung seines Handelns während des Dritten Reichs bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges zeigen, ob er den Namen „Der Löwe von Münster“ zu Recht trägt.
Das dritte Kapitel soll die nationalsozialistischen Maßnahmen zur Entkirchlichung und Entchristlichung der deutschen Gesellschaft schildern und die kirchlichen Gegenmaßnahmen dazu darlegen. Im Bereich der Zerschlagung des politischen Katholizismus ist die Frage zu beantworten, ob die Katholische Kirche ihre politischen Vertretungen, die Zentrumspartei und die Bayerische Volkspartei, für das Reichskonkordat „geopfert“ hat. Des Weiteren sollen die Zurückdrängungen und die Ausschaltung der katholischen Verbände sowie der katholischen Presse betrachtet werden. Neben dem Einreißen der Stützpfeiler des katholischen Milieus war die Entchristlichung der Jugend ein weiteres nationalsozialistisches Ziel. Dies lag zum einen in der Ansicht begründet, den Katholiken ihren Nachwuchs zu entreißen und zum anderen, diesen dem eigenen Einfluss zu unterwerfen, um ihn zu treuen Nationalsozialisten zu erziehen. Im abschließenden Exkurs wird die nationalsozialistische Ersatzreligion, die das Bedürfnis des Volkes nach Transzendentem befriedigen sollte, dargestellt. Dies soll an dem von Leni Riefenstahl inszenierten Film „Triumph des Willens“ geschehen. Kaum ein anderer Film zeigt in solch deutlicher Weise die der Religion entnommenen Symbole und Handlungen, derer sich der Nationalsozialismus in seiner Außendarstellung bediente.
Im letzten Kapitel soll der kirchliche Widerstand gegen den Nationalsozialismus das Thema sein. Hier wird der wissenschaftliche Diskurs über den Widerstand der Kirche dargelegt und versucht, das Verhalten der Katholischen Kirche in ein Schema einzuordnen. Dabei soll die Frage beantwortet werden, inwieweit sich die Kirche dem verbrecherischen Regime des Nationalsozialismus entgegengestellt hat.
[...]
1 Vgl.: Kulke, Ulli: Hitlerjunge Ratzinger. Wie Papst Benedikt XVI. die deutsche Vergangenheit sieht, in: Die Welt 21.04.2005, Online verfügbar unter http://www.welt.de/data/2005/04/21/707652.html, Stand: 16. Februar 2006
2 Matussek, Matthias: England fumes over Selection of “Papa Ratzi”, Online verfügbar unter http://service.spiegel.de/cache/international/0,1518,352550,00.html, Stand: 16. Februar 2006
3 Vgl.: Kulke, Ulli: Hitlerjunge Ratzinger. Wie Papst Benedikt XVI. die deutsche Vergangenheit sieht
4 Literaturverweis: u.a.: Cornwell, John: Hitler´s pope. The secret history of Pius XII., New York 1999; Hochhuth, Rolf: Der Stellvertreter. Ein christliches Trauerspiel, Reinbek bei Hamburg 1994; Senninger, Gerhard: Glaubenszeugen oder Versager? Katholische Kirche und Nationalsozialismus, St. Ottilien 2003; Hürten, Heinz: Die katholische Kirche zwischen Nationalsozialismus und Widerstand, Berlin 1989
5 Morsey, Rudolf: Die katholische Volksminderheit und der Aufstieg des Nationalsozialismus 1930-1933, in: Bendel, Rainer (Hg.): Die katholische Schuld? Katholizismus im Dritten Reich zwischen Arrangement und Widerstand, Münster 2002, S.43
6 Vgl.: Weis, Roland: Würden und Bürden. Katholische Kirche im Nationalsozialismus, Freiburg im Breisgau 1994, S.28
7 Vgl.: Zimmermann-Buhr, Bernhard: Die katholische Kirche und der Nationalsozialismus in den Jahren 1930-1933, Frankfurt / Main 1982, S.11
8 Klausa, Ekkehard: Ein Löwe für den Himmel, in: Die Zeit 40 (2005), Online verfügbar unter http://www.zeit.de/2005/40/A-Galen_neu, Stand: 16. Februar 2006
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