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Studienarbeit, 2006, 49 Seiten
Autor: Diplom-Ingenieur Bernd Müller
Fach: Umweltwissenschaften
Details
Tags: Hirschberger, Ergebnis, Entwicklung
Jahr: 2006
Seiten: 49
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 43 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-56929-3
Dateigröße: 487 KB
Diese Studienarbeit entstand im Rahmen eines Projektes bezüglich des Hirschberger Tals in Schlesien und beleuchtet seine sozio-ökonomische Entstehung.
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Cottbus, 15. September 2006
Das Hirschberger Tal als Ergebnis feudal-ständischer Entwicklung
von: Bernd Müller
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 4
KURZER HISTORISCHER ABRISS 7
Fronhof 7
Das Lehnwesen 10
Fehdewesen und Rittertum 12
Die Burg 15
Die Entstehung der Stadt 18
DIE LANDWIRTSCHAFT IN PREUßEN 25
Die Schichtung der ländlichen Gesellschaft (um 1800) 31
Der gutsbesitzende Adel 32
Die Pächter 35
Die Bauern und die ländlichen Unterschichten 36
Die „Bauernbefreiung“ 41
SCHLUSSFOLGERUNG 44
LITERATURVERZEICHNIS 46
Die schlesischen Weber
Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
"Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem Götzen, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!
Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!"
Heinrich Heine
Einleitung
Das Hirschberger Tal, wie wir es heute vorfinden, ist eine mit der Zeit gewachsene Kulturlandschaft. Als Talkessel wird es einerseits vom Riesengebirge und andererseits von der Schneekoppe begrenzt. Neben der natürlichen Schönheit hat es eine Fülle kultureller Sehenswürdigkeiten zu bieten. Mit einer kaum zu findenden hohen Dichte an Burgen und Landschlössern ist es ein ausgezeichnetes Denkmal kultureller Entwicklung. Damit ist das Hirschberger Tal als Kulturlandschaft durch die Natur und durch die menschliche Kultur geprägt. Das eine ohne das andere ist nicht zu denken – nur das Zusammentreffen beider Faktoren bestimmt das letztendliche Aussehen einer Kulturlandschaft.
Die natürliche Entwicklung ist nicht Gegenstand dieser Arbeit. Hier soll ein Beitrag zum Verständnis des Werdens der kulturellen Seite geleistet werden. Wovon ist dieses aber abhängig? Manche meinen, die Ideen, die Politik usw. bestimmen als Letztes das kulturelle Werden. Dem ist aber nicht so. Das Denken, und damit die Ideen oder die Politik, resultiert aus einer materiellen Grundlage. Das Leben des Menschen, wie er sein Leben produziert und reproduziert, bestimmt seine Ideen und Vorstellungen. Was hier untersucht werden soll, sind die sozio-ökonomischen Grundlagen dieser Entwicklung. Sie zu betrachten, bringt ein Ergebnis hervor, dass sehr umfangreich ist.
Anfangs war geplant, in jener Zeit anzufangen, als die slawischen Stämme damit begannen, in das Gebiet vorzustoßen, welches von den Germanen verlassen wurde. Bis zur Elbe drangen die slawischen Stämme vor und herrschten dort über einige Jahrhunderte. Vom gesellschaftlichen Aufbau unterschieden sie sich kaum von den abgezogenen Germanen. Ihre Gesellschaft glich anfangs einer großen Genossenschaft1, in der es kein Privateigentum am Hauptproduktionsmittel – Grund und Boden – gab. Brandrodungen schufen die Grundlagen für den Getreideanbau und die Viehzucht. Eine hohe Mobilität war für die Stämme notwendig, da die Böden schnell erschöpften. Im Gegensatz zu den leichten Böden Großpolens und Masowiens konnte in Schlesien, in dem schwere und fruchtbare Böden vorherrschten, erst mit dem sich langsam verbreitenden eisenbeschlagenen Pflug beackert werden. Anfangs wurde in Einzelhöfen oder kleinen Hofgemeinschaften gesiedelt. Mit dem Anwachsen der Produktivkräfte geriet aber diese Einrichtung ins Wanken. Privateigentum am Grund und Boden und eine zunehmende soziale Differenzierung entstand. Schon früh wurden Unfreie bei den Slawen durch die Sprachwissenschaften nachgewiesen. Unfreie waren rechtlich und politisch von Flurzwang bedeutet: Zwang für jeden Bauern, sich im Rahmen der Dreifelderwirtschaft streng an den gemeinsamen Bestellungsplan der Genossenschaft zu richten, der die Saat- und Erntefristen und die Fruchtfolge in den einzelnen Gewannen genau vorschrieb. Er sollte die im Falle einer Missachtung wegen des Fehlens von Feldwegen innerhalb der einzelnen Gewanne unvermeidbare Schädigung der Äcker anderer verhindern und die Nutzung der abgeernteten und brachliegenden Gewanne als gemeinsame Weidefläche für alle Bauern der Genossenschaft sichern. einem Herrn abhängig und mussten für ihn arbeiten und ihm Abgaben entrichten. Dieses Gebiet ist aber zu umfangreich, um es hier darstellen zu können. Deshalb wurde die Entstehung des Feudalismus aus der Urgemeinschaft heraus, weggelassen und wird in einer späteren, umfangreicheren Arbeit wieder aufgenommen werden.
Es war auch geplant, die Ostkolonisation näher zu betrachten. Aber auch dieses Feld erwies sich als zu umfangreich und konnte nicht mit aufgenommen werden. Für die Entstehung einer Kulturlandschaft spielt sie auch nicht die entscheidende Rolle. Zwar kamen deutsche Siedler in die slawischen Gebiete und brachten ihre Kultur mit. Aber ihre Rolle wird weithin überschätzt. Im 14. Jahrhundert machte der deutsche Bevölkerungsanteil in Schlesien lediglich 15 Prozent aus.2 Das führte sicherlich nicht zu einer Dominanz der deutschen Kultur. Noch in späteren Jahrhunderten ist es nicht zu einer Vermischung der Kulturen gekommen. Ernst Klein schreibt über den Bauernaufstand im Schlesien von 1811: „Die Gründe für den schlesischen Aufstand ergeben sich nach der Meinung der Berichterstatter aus der besonders ungünstigen Lage, in welcher sich die Landbevölkerung in Schlesien befindet.
Zunächst bestehe schon eine erhebliche Schwierigkeit darin, dass der oberschlesische Bauer im allgemeinen kein Deutsch verstehe, sondern nur einen besonderen Dialekt der polnischen Sprache, der sich vom Hochpolnischen unterscheidet, während die preußischen Beamten wiederum kein Polnisch verstünden. Da es für das Polnische überhaupt, und für diesen Dialekt speziell, an zuverlässigen Dolmetschern fehle, sei stets die Möglichkeit des Missverständnisses gegeben mit allen den daraus folgenden Unzuträglichkeiten.“3
Die deutsche Ostkolonisation spielt für die Entstehung der Kulturlandschaft Hirschberger Tal nur eine untergeordnete Rolle. Auch wenn die slawischen Stämme in der Zeit der blutigen Niederwerfung durch die Deutschen nicht dieselbe kulturelle Höhe erreicht hatten, kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie ihre kulturelle Höherentwicklung den Deutschen zu verdanken hätten. Das Stadtwesen war vorhanden und hatte schon teilweise die Entwicklungsstufe der deutschen Städte erreicht. In der Landwirtschaft wurden kleine Neuerungen durch die ankommenden Siedler mitgebracht, die Struktur der Gesellschaft wurde dadurch aber keineswegs verändert. Was die Ostkolonisation allerdings bewirkt hat, war die über viele Jahre festgeschriebene rechtliche und ökonomische Privilegierung der deutschen Siedler. Nach dem Großen Deutschen Bauernkrieg war dies aber auch vorbei. Die Untersuchung fängt deshalb mit den Fronhöfen an. Es werden ausdrücklich Quellen verwandt, die sich auf die Entwicklung der Fronhöfe bei den Germanen bezogen. Durch die allgemeine Gleichartigkeit der sozio-ökonomischen Entwicklung bei Slawen und Germanen können die Aussagen ohne Probleme aufgenommen werden. Fronhöfe sind die Grundlage, auf der die späteren Burgen und Gutshöfe aufbauten. Im Eigentum von Freien wurde hier die Arbeitskraft der Unfreien genutzt. Dieses Prinzip hat sich bis zur „Bauernbefreiung“ im 19. Jahrhundert erhalten. Der Fronhof stellt die Grundlage dar, von der sich die späteren Burgen und Gutshöfe ableiteten. Die Größe des Fronhofes hatte starke Auswirkungen auf die Entwicklung von Handel und Gewerbe. In einer auf Landwirtschaft fußenden Gesellschaft stellt der Fronhof den treibenden Moment in der ökonomischen Entwicklung dar, was natürlich nicht als absolut bezeichnet werden kann. Als Handel und Gewerbe größere gesellschaftliche Bedeutung erlangt hatten, wurde das fronherrliche Rechtssystem zu einem Hemmschuh der weiteren Entwicklung, der früher oder später überall abgelegt wurde. Das Lehnwesen wird hier behandelt, weil es grundlegend für die Entwicklung des Feudalismus ist und dessen Reste bis ins 19. Jahrhundert hinein zu finden sind. Es beschreibt ein Abhängigkeitsverhältnis und erklärt, wie sich bereits im hohen Mittelalter riesige Ländereien in den Händen weniger Personen konzentrieren konnten, wie bestimmte Titel, Privilegien und Rechte zu bestimmten Personen gelangten usw.
Das Fehdewesen stammt aus der Urgemeinschaft und hielt sich über lange Jahrhunderte. Anfangs war es das Recht einzelner Personen oder Familien, entstandenen Schaden zu vergelten. Im Mittelalter prallten dann schon ganze Armeen aufeinander, die die Fehde für einen Herren schlugen, Landstriche verwüsteten u.v.m. Hierdurch blühte das Burgenwesen auf. Das ganze Land wurde mit neuen Burgen übersät, nur um den eigenen feudalen Besitz gegen die Ansprüche anderer Feudalherren zu schützen. Aber mit den ökonomischen Bedürfnissen der großen Landesherren und der Städte musste der Landfrieden hergestellt werden, musste das eigene Hinterland befriedet werden. Mit dem Kampf gegen das Fehdewesen wurde der Kampf gegen die Burgen aufgenommen und in diese Zeit fällt die Zerstörung vieler. Mit einem befriedeten Hinterland und neuer Waffentechnik hatte die Burg ihren Zweck verloren und sie begann sich zum Schloss oder zum reinen Herrensitz zu transformieren.
Die Kulturlandschaft Hirschberger Tal lässt sich nur in seiner derzeitigen Form erhalten, wenn sie nachhaltig genutzt wird. Ihre Schlösser und Burgen sind ideale touristische Ziele und deshalb sind hier gute Konzepte im Denkmalschutz und Landschaftsschutz verlangt. Das ist aber ein Politikum der brisantesten Art. Manche wollen ihren alten Besitz in Schlesien zurück und malen die Vergangenheit in den rosigsten Farben, verklären und entstellen die Geschichte, verkehren die Unterdrückung der Bauern in eine Wohltat gegenüber diesen. Auch hier muss untersucht werden, ob ein künftiges Konzept auf den alten Gutsbesitzern aufbauen kann.4
Kurzer historischer Abriss
Fronhof
[...]
1 Diese Genossenschaft hat sich teilweise bis in das 19. Jahrhundert hinein gehalten z.B. als Dorfgenossenschaft. Wälder, Weiden und Gewässer blieben im gemeinsamen Eigentum und deren Nutzung musste geregelt werden. Die Mitglieder der Genossenschaft unterlagen dem Flurzwang und mussten das Ackerdrittel, welches im Rahmen der Dreifelderwirtschaft brach lag, als allgemeine Weide von den anderen mitnutzen lassen.
2 H. Gericke in: „Deutsche Geschichte von den Anfängen bis 1945“ S. 83
3 Klein S. 41
4 Das prächtigste Exemplar dieser Entstellungen, das sich direkt auf das Hirschberger Tal bezieht, ist der Sammelband „Das Tal der Schlösser und Gärten. Das Hirschberger Tal in Schlesien – ein gemeinsames Kulturerbe“. Besonders tut sich hier Andrzej Tomaszewski in seinem Aufsatz „Der Herrensitz als politisch-denkmalpflegerisches Problem“ hervor. Unter dem Deckmantel des Denkmalschutzes versucht er zu begründen, warum eine Rückgabe der Kulturgüter an die alten Besitzer zwingend notwenig ist. Er schrieb: „Für gewöhnlich blieben sie über Generationen in der Hand ein und desselben Geschlechts. Dies ist die beste denkmalpflegerische Lösung. Sie gewährleistet den Schutz des Objekts aus Liebe, als Familienreliquie.“ Weiter schrieb er: „Eine globale Bedrohung erfuhr die Residenzarchitektur im 20. Jahrhundert durch die Demokratisierung der Gesellschaften sowie freiheitliche und revolutionäre Bewegungen, die sich gegen Feudalherrschaft und –besitz richteten.“ Im Großen und Ganzen heißt das, dass die Errungenschaften des polnischen Volkes, wie die demokratische Bodenreform, rückgängig gemacht werden sollen und dass er wünscht, dass die alten Feudalstrukturen wiederhergestellt werden.
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