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Oppida - Städte der Vorzeit? Ausführungen am Beispiel der Heuneburg und Manchings

Autor: Jana Vogt
Fach: Archäologie

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 30
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 29  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 2165 KB
Archivnummer: V64135
ISBN (E-Book): 978-3-638-57022-0
Anmerkungen :
Zuerst wird versucht den Unterschied zwischen den oft fälschlich als Oppidum bezeichneten hallstattzeitlichen Fürstensitzen und den eigentlich keltischen Oppida zu klären. Des Weiteren werden die Kritieren, die eine Stadt im heutigen Sinne definieren, auf die Fürstensitze und Oppida angwandt, um die Frage nach deren städtischen Charakter zu klären. Dies wird zusammenfassend tabellarisch aufgelistet.

Textauszug (computergeneriert)

EMA-Universität Greifswald
Seminar: Stadtarchäologie
Semester: WS 2003/04

Oppida - Städte der Vorzeit?
Ausführungen am Beispiel der Heuneburg und Manchings

von: Jana Vogt

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. örtliche Begebenheit 5

3. soziales Gefüge 7

4. Bevölkerungsballung 9

5. Verwaltungszentrum 10

6. kultisches und sakrales Zentrum 11

7. Handwerk/Gewerbe 14

8. Handel 16

9. Münzwesen 19

10. Verteidigung 21

11. Zusammenfassung 24

Literaturverzeichnis 27

Anlage 1 Chronologietabelle 29


 

 

1. Einleitung

Um die eingangs gestellte Frage beantworten zu können, muss zunächst sowohl der Begriff Oppidum als auch der Terminus Stadt einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Oppidum, aus dem Lateinischen übersetzt, bedeutet Feste, geschützter Ort (Döbler 2000, 216), ebenso kleine Landstadt ohne besonderen Rechtsstatus (Fries-Knoblach 2002, 111). Im archäologischen Sinne bezeichnet dieser Terminus eine befestigte Großsiedlung mit stadtähnlichen Merkmalen des 2. und 1. Jh.s v. Chr. (RGA 22, 131ff.), der von den Kelten geprägten Spätlatènezeit. Als klassisches Beispiel gilt Manching, welches aufgrund kontinuierlicher Besiedlungsbedingungen am längsten existierte. Es entstand wie viele andere Oppida im heutigen Bayern durch die Ost- bzw. Südexpansion der Kelten zu Beginn des 4. Jh.s v. Chr. (Sievers 1999, 7; Fries-Knoblach 2002, 106f.).

Bisweilen werden auch die hallstattzeitlichen Fürstensitze wie etwa die Heuneburg, die ihre Hauptbesiedlungszeit ab der Mitte des 7. Jh.s v. Chr. bis zum Beginn des 4. Jh.s v. Chr. hatten, unter der Begrifflichkeit Oppidum geführt. Hekataios von Milet berichtet um 550 v. Chr. zum ersten Mal von den „Keltoi“: “Massalia, eine Stadt Liturgiens in der Gegend des Keltenlandes, eine Kolonie der Phönikaier.“ (Éluère 1994, 131) Massalia entspricht dem heutigen Marseille. Herodot schrieb dann in seinen „Historien“ um 450 v. Chr.: “Die Donau entspringt im Keltenlande bei der Stadt Pyrene…die Kelten aber leben außerhalb der Säulen des Herakles1, sie grenzen an die Kynesier an, die unter allen Bewohnern im äußersten Westen wohnen.“ (Éluère 1994, 131). Somit beweisen beide griechischen Autoren, dass schon während der späten Hallstattzeit in Baden-Württemberg von Kelten zu sprechen ist (Schußmann 2000, 9). Der Begriff Oppidum, welcher als Synonym für die befestigten Siedlungen der Kelten gilt, lässt sich folglich auf die Fürstensitze anwenden. zumal sie einen identischen Charakter wie latènezeitliche Oppida besaßen. Wenn man nicht soweit gehen will, kann man J. Collis (1984) folgen. Er wählte den Begriff „pre-oppidum“, da er die Fürstensitze als Vorgänger der Oppida ansah.

Abb. 1: Oppida der Spätlatènezeit, 13: Manching (Spuren der Jahrtausende 2002, 28, Abb. 410) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

Abbildung 2 zeigt die Verbreitung der befestigten, hallstattzeitlichen Siedlungen, welche bis weit in den heutigen bayrischen Bereich hineinreichten. Es bleibt letztendlich jedem Einzelnen selbst überlassen, inwieweit er den Kreis des keltischen Einflussgebietes nach Mitteleuropa in der späten Hallstattzeit ziehen und ob er die Vertreter der Hallstattzeit als „wahre Kelten“ ansprechen mag. Allein dieser Exkurs beweist, wie schwammig die Begriffsdefinition Oppida angewendet wird. Vom historischen Standpunkt betrachtet, müsste man die Fürstensitze sicher ausgrenzen, denn der Erste, der diese Begrifflichkeit gebrauchte, war um 50 v. Chr. Caesar, zu einer Zeit in der die Präoppida schon lange nicht mehr bestanden. Daraus resultiert, dass in dieser Arbeit die Heuneburg entweder als Fürstensitz, hallstattzeitliche Befestigung oder Präoppidum bezeichnet wird und nicht als Oppidum. Caesar beschrieb gallische Siedlungen wie Bibracte in seinem „De bello gallico“ als Oppida und bezeichnete sie wohl absichtlich nicht mit Urbs/Villa (= Stadt) oder Vicus (=Dorf). In der Antike fehlen Zeugnisse, die genauere Auskunft über die Verwendung der einzelnen Termini geben könnten. So wird auch bei Caesar nicht deutlich, welche Argumente er für seine Begriffsvergabe wählte. Urbs und Villa bleiben meist schemenhaft in ihrer Bedeutung. Am sinnvollsten scheint in der Spätantike die Unterscheidung im politisch-administrativen Sinne (Vittinghoff 1975, 92).

Will man versuchen, die Charakteristik einer Stadt zu definieren, stößt man gleichfalls auf Schwierigkeiten. Zu Zeiten früher Stadtgründungen im mittelalterlichen Europa kann nicht davon ausgegangen werden, dass es einen absoluten bzw. begrifflich festgelegten Stadtterminus (Dilcher 1975, 14) gab.

Abb. 2: Verbreitungskarte der hallstattzeitlichen Fürstensitze, 7: Heuneburg (Spuren der Jahrtausende 2002, 216, Abb. 379a ) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

So finden sich in mittelalterlichen Schriften eine Fülle von Siedlungsbezeichnungen: Oppidum, Villa, Vicus, etc., alles vermutlich in Anlehnung an antike Autoren. Bei der Betrachtung jener Schriften entsteht das Gefühl, dass die verschiedenen Chronisten sich über die Begriffsverwendung uneins waren und die ihrer Meinung nach passende Auslegung gebrauchten.

Die Frage nach einer allgemein gültigen Formel für die Bezeichnung Oppidum und Stadt in vorgeschichtlicher und frühmittelalterlicher Zeit ist aber von besonderer Wichtigkeit, will man die urbanen Anfänge Mitteleuropas chronologisch genauer fassen. Zwar unterschieden Caesar und Wiedukind von Corvey zwischen „Urbs“ und „Oppidum“; Thietmar von Merseburg zwischen Villa beziehungsweise Oppidum, doch verschließt sich uns heute die exakte Auslegung. Ein Beispiel: Die Oppida Eythra und Görschen, die Thietmar in seiner Chronik Ende des 10. Jh.s erwähnt, sind als Oppidum und Villa genannt (Köbler 1975, 65). Demzufolge spielte die genaue Titulierung vielleicht keine große Rolle. Eine andere Möglichkeit, die durchaus in Betracht zu ziehen sei: die Begrifflichkeiten waren im Mittelalter nicht mehr eindeutig zu unterscheiden. Ein Grund mehr sich mit der Problematik, ob „Oppida“ „vorzeitliche“ Städte in Mitteleuropa sind, zu beschäftigen. Eine Definition soll nach dem Verständnis der „Städte Neuer Ordnung“, wie sie sich seit dem 11. Jh. abzeichnen (Jankuhn 1975, 9/10), aufgebaut werden. Dies umfasst ein Kriterienbündel, welches heute allgemeingültig für eine „Stadt im mittelalterlichen Sinne“ ist. Dazu gehören:

1. örtliche Lage
2. soziales Gefüge
3. relativ hohe Bevölkerungszahl u. –dichte im Vergleich zum Umland
4. Verwaltungszentrum verbunden mit Rechtswesen, politischer und administrativer Funktion
5. kulturelles und sakrales Zentrum
6. Handwerks- u. Gewerbezentrum vor allem spezialisiertes Handwerk
7. Handelszentrum im Zusammenhang mit Infrastruktur (besonders Verkehrswege), Marktplatz und Kulturaustausch
8. Münzwesen unter dem Gesichtspunkt Umschlagplatz und Prägestätte
9. militärisches Zentrum vor allem in Bezug auf Verteidigung mit dazugehörigen Befestigungsanlagen und Truppenstationierung
10. später: Versorgungsfunktion im Hinblick auf Kranke und Arme

In den nachfolgenden Seiten soll anhand der Heuneburg und Manchings geprüft werden inwiefern sich diese obigen Punkte auf die Präoppida und Oppida anwenden lassen. Dabei ist bewusst ein hallstatt- und ein latènezeitliches Beispiel gewählt, schon um ihre Ähnlichkeit nochmals zu unterstreichen und um vorhandene Unterschiede greifbar zu machen.

2. Örtliche Begebenheiten

[...]


1 Mit den „Säulen des Herakles“ ist Gibraltar gemeint. (Anmerkung der Autorin)

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