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Zu Max Herrmann-Neißes "Das Sittlichkeitsdelikt" - Subjektivierung durch Sprache

Hausarbeit, 2002, 24 Seiten
Autor: Bastian Rittinghaus
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Veranstaltung: Einführung in die neuere deutsche Literatur
Institution/Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Deutsches Seminar 2)
Tags: Herrmann-Neiße, Sittlichkeitsdelikt, Subjektivierung, Sprache, Einführung, Literatur
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 24
Note: 13
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V6423
ISBN (E-Book): 978-3-638-13991-5
ISBN (Buch): 978-3-640-20253-9
Dateigröße: 184 KB
Anmerkungen :
Kurze Biographie Max Herrmann-Neißes und eine Interpretation des Gedichts Sittlichkeitsdelikt, auch anhand der Biographie.Kurze Biographie Max Herrmann-Neißes und eine Interpretation des Gedichts Sittlichkeitsdelikt, auch anhand der Biographie.


Zusammenfassung / Abstract

Max Herrmann, genannt Herrmann-Neiße, wurde in der Stadt Neiße in Schlesien am 23. Mai 1886 geboren. Diese katholische Provinzstadt erlebte der Protestant Herrmann als "lokalisierte Düsternis und Beklemmung". Als körperlich mißgestalteter Mensch - er war kleinwüchsig und buckelig - machte er hier früh die Erfahrung des Außenseitertums. Das Gefühl des Andersseins, das Erleben von Ressentiments und eine fast immer unerfüllte Sehnsucht, dennoch dazuzugehören, prägten sein gesamtes dichterisches Werk bis in die Emigration. Schon als junger Mensch erkannte er "in den Kräften eines nur ihm eigenen Intellekts die heimliche Waffe, sich des Zugriffs einer höhnenden Umgebung zu erwehren" . Trotz dieser Funktion, ist Herrmanns "Schicksal", wie Thomas Mann 1936 im Vorwort zu einer Gedichtsammlung Max Herrmann-Neißes betont , "durch seine sprachlich-ideelle Formung so sehr dem Persönlichen enthoben, so stark vermenschlicht", womit allgemein-menschheitlich gemeint ist, "und dem allgemeinen Erlebnis seiner Zeit verschmolzen, [daß man] (...) dennoch das Leid dieser Lieder, ihre Klage (...) aufs Wort verstehen und die eigene innerste Erfahrung mit der ihren vereinigen kann". Während der letzten Schuljahre am Gymnasium entstehen die ersten Gedichte, die Herrmann bereits 1906 bei Joseph Singer, Straßburg unter dem Titel "Ein kleines Leben. Gedichte und Skizzen" veröffentlichen kann. 1905 beginnt er das Studium der Literatur- und Kunstgeschichte in München, auch, um der Kleinstadt Neiße zu entkommen, ist jedoch enttäuscht von der leidenschaftlosen "Verstaubtheit" der Kollegs. Die literarischen und künstlerischen Zirkel Münchens bleiben ihm weitgehend verschlossen (immerhin war München die Stadt der "Jugend" und des "Simplicissimus"), lediglich mit Wedekind hat er hier Bekanntschaft gemacht, den er später als "das große, nie vergessene, blutsverwandte Mysterium" beschreibt. Bereits nach dem ersten Semester wechselt Herrmann nach Breslau, doch auch hier erfüllen sich seine Erwartungen an das Studium nicht. In den folgenden Jahren entdeckt Herrmann die Welt der Studentenlokale, Kabaretts und Nachtcafés für sich, in denen er zunehmend verkehrt und "zum ersten Mal im Milieu unbürgerlicher Existenzen einen Hauch von Geborgenheit findet".


Textauszug (computergeneriert)

Max Herrmann-Neiße - Das Sittlichkeitsdelikt - Subjektivierung durch Sprache

von Bastian Rittinghaus


Inhalt:

1. Max Herrmann-Neiße

Leben und Werk

2. Die Zeitschrift ′Die Aktion′

2.1. Geschichte der Zeitschrift
2.2. Vergleich mit anderen Autoren der ′Aktion′

3. Das Sittlichkeitsdelikt

3.1. Form
3.1.1. Metrik
3.1.2. Syntax

3.2. Interpretation
3.2.1. Rausch
3.2.2. Subjektivierung

4. Schluß

5. Bibliographie


1. Max Herrmann-Neiße

Leben und Werk

Max Herrmann, genannt Herrmann-Neiße, wurde in der Stadt Neiße in Schlesien am 23. Mai 1886 geboren. Diese katholische Provinzstadt erlebte der Protestant Herrmann als "lokalisierte Düsternis und Beklemmung". Als körperlich mißgestalteter Mensch - er war kleinwüchsig und buckelig - machte er hier früh die Erfahrung des Außenseitertums. Das Gefühl des Andersseins, das Erleben von Ressentiments und eine fast immer unerfüllte Sehnsucht, dennoch dazuzugehören, prägten sein gesamtes dichterisches Werk bis in die Emigration. Schon als junger Mensch erkannte er "in den Kräften eines nur ihm eigenen Intellekts die heimliche Waffe, sich des Zugriffs einer höhnenden Umgebung zu erwehren" . Trotz dieser Funktion, ist Herrmanns "Schicksal", wie Thomas Mann 1936 im Vorwort zu einer Gedichtsammlung Max Herrmann-Neißes betont , "durch seine sprachlich-ideelle Formung so sehr dem Persönlichen enthoben, so stark vermenschlicht", womit allgemein-menschheitlich gemeint ist, "und dem allgemeinen Erlebnis seiner Zeit verschmolzen, [daß man] (...) dennoch das Leid dieser Lieder, ihre Klage (...) aufs Wort verstehen und die eigene innerste Erfahrung mit der ihren vereinigen kann".
Während der letzten Schuljahre am Gymnasium entstehen die ersten Gedichte, die Herrmann bereits 1906 bei Joseph Singer, Straßburg unter dem Titel "Ein kleines Leben. Gedichte und Skizzen" veröffentlichen kann. 1905 beginnt er das Studium der Literatur- und Kunstgeschichte in München, auch, um der Kleinstadt Neiße zu entkommen, ist jedoch enttäuscht von der leidenschaftlosen "Verstaubtheit" der Kollegs. Die literarischen und künstlerischen Zirkel Münchens bleiben ihm weitgehend verschlossen (immerhin war München die Stadt der "Jugend" und des "Simplicissimus"), lediglich mit Wedekind hat er hier Bekanntschaft gemacht, den er später als "das große, nie vergessene, blutsverwandte Mysterium" beschreibt. Bereits nach dem ersten Semester wechselt Herrmann nach Breslau, doch auch hier erfüllen sich seine Erwartungen an das Studium nicht.
In den folgenden Jahren entdeckt Herrmann die Welt der Studentenlokale, Kabaretts und Nachtcafés für sich, in denen er zunehmend verkehrt und "zum ersten Mal im Milieu unbürgerlicher Existenzen einen Hauch von Geborgenheit findet". Hier wuchs sein Entschluß, das Studentendasein mit dem des freien Schriftstellers zu vertauschen, weshalb er 1909 das Studium ohne Abschluß beendet und ins Elternhaus zurückkehrt. Zunächst beschränkt sich seine literarische Tätigkeit jedoch auf das Verfassen von Theaterkritiken für eine lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Rezensionen Kerrs in dem "Tag" bewegen ihn, dessen Stil zu imitieren und einen "Miniatur-Kerr" hinzulegen, "so radikal es nur ging" .
1913 veröffentlicht Herrmann einen zweiten Gedichtzyklus, in dem er die bürgerlichen Figuren seiner Heimatstadt vorführt, unter dem Titel "Porträte des Provinztheaters", bei Alfred Richard Meyer in Berlin. Die Neißer Bürger waren entsetzt und Herrmann verlor seinen Posten als Rezensent.

Bereits 1911 war in der expressionistischen "Aktion" ein Gedicht Herrmanns erschienen, 1912 folgen weitere im "Pan", der Zeitschrift Kerrs, der den Gedichten einige empfehlende Zeilen vorausschickt. Jedoch wirken seine Gedichte immer wieder unzeitgemäß, provinziell und epigonal an den jungen Rilke, Hofmannsthal und George angelehnt. Herrmann war bemüht, Anschluß an die junge expressionistische Lyrikergeneration zu bekommen und imitiert den Stil, den er in den Zeitschriften findet. Immer wieder wird die Ambiguität einer "verzweifelten Klage und Sentimentalität" gegenüber einem "antibürgerlichen Affekt" deutlich, eine Spannung zwischen Banalität und Zynismus, in der Herrmann sich bewegt. In dieser Zeit lernt Herrmann Leni Gebek kennen, die er liebt, und die später seine Frau wird.
1912 fährt Herrmann auch erstmals auf Einladung des A. R. Meyer-Verlags nach Berlin, wo er an einem Autorenabend teilnimmt. Berlin ist für Herrmann zu dieser Zeit Inbegriff des Unbürgerlichen und ersehntes geistiges Zentrum. Zwar erfüllt sich sein Wunsch, Kerr zu treffen, den er sich zum Freund machen kann, die Begegnung mit der expressionistischen Generation jedoch enttäuscht ihn, da es keine große geschlossene Gruppe gibt, sondern kleine Cliquen, die sich gegeneinander abschotten.

[...]


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