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Sind "neue Kriege" wirklich neu?

Zwischenprüfungsarbeit, 2006, 33 Seiten
Autor: Magister Artium Sebastian Schütz
Fach: Politik - Int. Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Details

Kategorie: Zwischenprüfungsarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 33
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 50  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V64240
ISBN (E-Book): 978-3-638-57112-8
ISBN (Buch): 978-3-638-66986-3
Dateigröße: 452 KB
Anmerkungen :
Die vorliegende Arbeit stellt sich die Frage, ob die zweifellos veränderten weltweiten Kriegsgeschehen nach dem Ende des Ost-West Konflikts den Begriff der "Neuen Kriege" rechtfertigen, oder das "Chamäleon Krieg" nur seine Farbe gewechselt hat...


Zusammenfassung / Abstract

Mit dem Ende des Kalten Krieges haben sich die geopolitischen Parameter substantiell verschoben. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die einzige noch existierende Supermacht und auch die sicherheitspolitischen Herausforderungen haben sich mit dem Ende des Ost-West Konflikts fundamental geändert. Anstelle der Konfrontationen zwischen den beiden Blöcken sind lokale Konflikte getreten, welche sich zumeist innerhalb von Staatsgrenzen abspielen. Des weiteren stellt die Problematik des global agierenden Terrorismus eine neue Herausforderung dar. Wer zu Beginn der neunziger Jahre glaubte, der Wegfall der Systemkonfrontation würde den Beginn eines neuen, friedlicheren Zeitalters markieren, sah sich getäuscht. Die Zeit nach dem Kalten Krieg war geprägt vom Zerfall der ehemals kommunistischen Vielvölkerstaaten, dem Völkermord in Ruanda oder auch den blutigen Bürgerkriegen in Sri Lanka, Kongo und Angola. Alle diese Kriege haben oder hatten eines gemeinsam, sie finden zwischen bewaffneten Gruppierungen innerhalb eines Staatsgebietes statt. Für diese Art von Konflikten hat Mary Kaldor den Begriff der „neuen Kriege“ geprägt um sie einerseits von den Konflikten während der Zeit des Kalten Krieges, welche zumeist Ausdruck des Systemkonflikts zwischen den beiden Blöcken waren, andererseits von den klassischen zwischenstaatlichen Kriegen abzugrenzen. Was aber zeichnet nun diese „neuen Kriege“ aus? In der vorliegenden Arbeit soll die Frage behandelt werden, ob diese „neuen Kriege“ wirklich neu sind oder, um mit Clausewitz zu sprechen, ob das „Chamäleon Krieg“ nur seine Farbe geändert hat, oder tatsächlich ein neues Tier geworden ist. Grundlage der Ausführungen über die „neuen Kriege“ bilden größtenteils die Darstellungen Herfried Münklers, welcher sich in verschiedensten Publikationen umfas¬send mit der Thematik befasst. Daneben werden auch andere Autoren wie Kaldor, van Crefeld oder von Trotha ergänzend herangezogen.


Textauszug (computergeneriert)

Georg-August-Universität Göttingen
Seminar für Politikwissenschaft

Sind "neue Kriege" wirklich neu?

Sebastian Schütz

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 3

2. Die „alten Kriege“ ... 4

2.1. Krieg – Ein Begriff ohne klare Definition ... 4
2.2. Merkmale „alter Kriege“ ... 4

3. Die „neuen Kriege“ ... 6

3.1. Wandel der Kriegsformen seit 1945 ... 7
3.2. Entstehung der Begrifflichkeit ... 8

4. Merkmale des Wandels ... 8

4.1. Asymmetrische Akteurskonstellationen - Staat gegen substaatlichen Akteur ... 9
4.2. Wandel der Gewaltakteure - Staatszerfall, Entstaatlichung und Privatisierung ... 10
4.3. Wandel der Gewaltmotive - Kriminalisierung, Ökonomisierung und Entpolitisierung ... 11
4.4. Wandel der Gewaltstrategien - Enthegung und Brutalisierung des Kriegsgeschehens ... 14

5. „Neuer Krieg“ – „Chamäleon“ oder neues Tier? ... 15

5.1. Das Merkmal der Asymmetrisierung der Gewaltakteure ... 16
5.2. Das Merkmal des Staatszerfalls, der Entstaatlichung und Privatisierung der Gewaltakteure ... 17
5.3. Das Merkmal der zunehmenden Ökonomisierung, und die damit einhergehende Entpolitisierung der Gewaltakteure ... 19
5.4. Das Merkmal der zunehmenden Enthegung und Brutalisierung des Kriegsgeschehens ... 22

6. Fazit und Ausblick ... 23

7. Literatur- und Quellenverzeichnis ... 25

8. Anhang ... 31

 

 

1. Einleitung

„Der klassische Staatenkrieg scheint zu einem historischen Auslaufmodell geworden zu sein: die Staaten haben als Monopolisten des Krieges abgedankt. Was aber ist an ihre Stelle getreten? Und wodurch zeichnen sich die neuen Kriege aus?“ 1

Mit dem Ende des Kalten Krieges haben sich die geopolitischen Parameter substantiell verschoben. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die einzige noch existierende Supermacht und auch die sicherheitspolitischen Herausforderungen haben sich mit dem Ende des Ost-West Konflikts fundamental geändert. Anstelle der Konfrontationen zwischen den beiden Blöcken sind lokale Konflikte getreten, welche sich zumeist innerhalb von Staatsgrenzen abspielen. Des weiteren stellt die Problematik des global agierenden Terrorismus eine neue Herausforderung dar.
Wer zu Beginn der neunziger Jahre glaubte, der Wegfall der Systemkonfrontation würde den Beginn eines neuen, friedlicheren Zeitalters markieren, sah sich getäuscht. Die Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges war geprägt vom Zerfall der ehemals kommunistischen Vielvölkerstaaten, dem Völkermord in Ruanda oder auch den blutigen Bürgerkriegen in Sri Lanka, dem Kongo und Angola. Viele dieser gewaltsamen Konflikte entzogen bzw. entziehen sich durch veränderte Akteurskonstellationen und Austragungsformen den herkömmlichen Klassifikationsmustern und Erklärungsansätzen der Friedens- und Konfliktforschung. Mary Kaldor hat in diesem Zusammenhang den Begriff der „neuen Kriege“ geprägt 2, um auf diese veränderte Wirklichkeit vieler aktueller Kriege aufmerksam zu machen und sie einerseits von den Konflikten während der Zeit des Kalten Krieges, welche zumeist Ausdruck des Systemkonflikts zwischen den beiden Blöcken waren, andererseits auch von den klassischen zwischenstaatlichen Kriegen abzugrenzen. Was aber macht diese Kriege neu ? In der vorliegenden Arbeit soll die Frage behandelt werden, ob diese „neuen Kriege“ wirklich neu sind oder, um mit Clausewitz zu sprechen, ob das „Chamäleon Krieg“ tatsächlich ein neues Tier geworden ist, oder nur seine Farbe gewechselt hat. Ausgehend von dieser Fragestellung werden zunächst die „alten“ bzw. klassischen Kriege, sowie deren Hauptmerkmale dargestellt. Anschließend wird auf den Wandel der Kriegsformen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eingegangen und die Entstehung der Begrifflichkeit „neuer Krieg“ erläutert.
Darauf aufbauend werden im folgenden Kapitel die Aspekte des Wandels vorgestellt, welche von verschiedenen Autoren übereinstimmend als ausschlaggebend dafür angesehen werde, dass man von „neuen Kriegen“ sprechen kann. Anschließend werden diese einzelnen Aspekte, ausgehend von der anfänglichen Fragestellung, daraufhin untersucht, ob sie wirklich neue Aspekte darstellen oder vielleicht doch nur eine Wiederkehr dessen sind, was schon in früheren Kriegen zu beobachten war. Das Fazit fasst schließlich die Ergebnisse zusammen und versucht eine Antwort auf die aufgeworfene Fragestellung zu geben.
Grundlage der Ausführungen über die „neuen Kriege“ bilden größtenteils die Darstellungen Mary Kaldors und Herfried Münklers, welche als bekanntester Vertreter der These gelten. Daneben wird noch Bezug auf eine Reihe anderer Autoren genommen, die anderer Begrifflichkeiten verwenden, im Kern aber ähnliche Phänomene beschreiben.


2. Die „alten Kriege“

Wenn verschiedene Autoren von „neuen Kriegen“ sprechen so impliziert dies, das es zuvor andersartige, also „alte Kriege“ gegeben habe.3 In Abgrenzung zu der These der „neuen Kriege“ werden zunächst die „alten“, bzw. klassischen Kriege, deren Begriffsdefinition und Hauptmerkmale dargestellt.


2.1. Krieg – Ein Begriff ohne klare Definition

„Es mag zwar befremden, aber es gibt auf diese, wie man denken würde, sehr einfache Frage – Was ist ein Krieg? – gar keine eindeutige Antwort. Oder besser gesagt: Es gibt beinahe ebenso viele Antworten, wie es Leute gibt, die die Antworten zu formulieren versuchen.“ 4

Dazu wäre es zweckmäßig, zunächst den Kriegsbegriff zu definieren, was sich jedoch bei genauere Hinsehen als nahezu unmöglich herausstellt. Es gibt unzählige begriffliche und typologische Einordnungen, welche neben dem theoretischen Standort des Betrachters häufig auch den historischen Kontext widerspiegeln, in welchem sie entstanden sind. All diese Definitionen des Kriegsbegriffs erheben Anspruch auf Gültigkeit, eine allgemein anerkannte und unumstrittene Definition der Begrifflichkeit existiert bis dato nicht.

 

[...]


1 Münkler, Herfried (2004): Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg, Rückseite des Einbands.
2 Vgl. Kaldor, Mary (2000): Neue und alte Kriege – Organisierte Gewalt im Zeitalter der Globalisierung, Frankfurt a.M..
3 Vgl. Münkler, Herfried (2004): Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg, S.91ff.
4 Kende, Istvan (1982): Kriege nach 1945. Eine empirische Untersuchung. In: Militärpolitik Dokumentationen, Heft 27/1982, Frankfurt a.M., S.4.


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