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Amerika als Mythos der modernen Welt - Wunsch und Alptraum um 1900

Autor: Bianca Stärk
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

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Details

Veranstaltung: Kafkas Romane als Beispiele der klassischen Moderne
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Institut für deutsche Sprache und Literatur )
Tags: Amerika, Mythos, Welt, Wunsch, Alptraum, Kafkas, Romane, Beispiele, Moderne
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 28
Note: 2,5
Literaturverzeichnis: ~ 17  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 245 KB
Archivnummer: V64261
ISBN (E-Book): 978-3-638-57130-2
ISBN (Buch): 978-3-638-73573-5

Zusammenfassung / Abstract

Amerika, das gelobte Land. So sahen viele Einwanderer im 19. Jahrhundert Nordamerika, das allgemein gültig mit dem Namen Amerika überschrieben wurde. Amerika wurde als die ‚Neue Welt’ gepriesen und als das Land der Hoffnung dargestellt. Die Wurzeln des allgemeinen Interesses für Nordamerika liegen im Europa des 19. Jahrhunderts im erfolgreichen amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, der die Amerikaner frei von der englischen Kolonialherrschaft machte. Auch in den darauf folgenden Jahrhunderten waren die Begriffe des ‚American Dream’ und der ‚Chance für jeden’ geläufig. Jedoch wurde das Amerikabild zunehmend kontrovers diskutiert und es herrschte nicht mehr primär das Bild des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten vor. Die Begriffe Ausbeutung und Elend rückten immer mehr in das Blickfeld der Einwanderer und Amerika erschien nicht mehr als das gepriesene Land, in dem jeder Arbeit finden und erfolgreich sein konnte, wenn er nur wollte. Anonymität, Ersetzbarkeit und Entpersönlichung bestimmten immer mehr den Alltag und die Arbeitsverhältnisse. Diese Arbeit orientiert sich vorrangig am literarischen Beispiel des Romans Der Verschollene von Franz Kafka, der auch als ‚Amerikaroman’ bekannt wurde.

Textauszug (computergeneriert)

Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität zu Köln
Hauptseminar NDL: „Kafkas Romane als Beispiele der klassischen Moderne“
Sommersemester 2006

Amerika als Mythos der modernen Welt –
Wunsch und Alptraum um 1900

von: Bianca Singer

 


Inhalt

1 EINLEITUNG  2

2 DAS MOTIV DER ANKUNFT 4

3 DAS AMERIKABILD ANFANGS DES 20. JAHRHUNDERTS 6

3.1 POLITIK UND SOZIOLOGIE  6
3.2 WUNSCHBILDER UND ALBTRÄUME  7

4 DAS DEUTSCHE AMERIKABILD IN DER LITERATUR AM BEISPIEL KAFKAS 9

4.1 DAS ALLERMODERNSTE NEW YORK 9
4.2 KAFKAS INFORMATIONEN ÜBER AMERIKA 11
4.3 KAFKAS AMERIKADARSTELLUNG  12
4.4 FANTASIE ODER REALITÄT MIT WELCHEM ENDE?  14

5 AMERIKABILDER ANDERER AUTOREN DES 20. JHDS 17

5.1 GUSTAV FRENSSENS BRIEFE AUS AMERIKA 17
5.2 B.TRAVENS ROMAN DAS TOTENSCHIFF 19
5.3 ADOLF HALFELDS AMERIKA UND DER AMERIKANISMUS  20

6 UNTERSCHIEDE ZU KAFKA 23

7 SCHLUSSBETRACHTUNG  25

8 LITERATURVERZEICHNIS  26


 

 

1 Einleitung

Amerika, das gelobte Land. So sahen viele Einwanderer im 19. Jahrhundert Nordamerika, das allgemein gültig mit dem Namen Amerika überschrieben wurde. Amerika wurde als die ‚Neue Welt’ gepriesen und als das Land der Hoffnung dargestellt. Die Wurzeln des allgemeinen Interesses für Nordamerika liegen im Europa des 19. Jahrhunderts im erfolgreichen amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, der die Amerikaner frei von der englischen Kolonialherrschaft machte. Auch in den darauf folgenden Jahrhunderten waren die Begriffe des ‚American Dream’ und der ‚Chance für jeden’ geläufig. Jedoch wurde das Amerikabild zunehmend kontrovers diskutiert und es herrschte nicht mehr primär das Bild des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten vor. Die Begriffe Ausbeutung und Elend rückten immer mehr in das Blickfeld der Einwanderer und Amerika erschien nicht mehr als das gepriesene Land, in dem jeder Arbeit finden und erfolgreich sein konnte, wenn er nur wollte. Anonymität, Ersetzbarkeit und Entpersönlichung bestimmten immer mehr den Alltag und die Arbeitsverhältnisse. Diese Verschiebung in der Sichtweise kann, wie in Kapitel vier klar wird, anhand der Literatur der jeweiligen Zeit deutlich gemacht werden. Trotz dieser Veränderung scheint das Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch immer im Hintergrund zu lauern, wie beispielsweise in Kafkas Der Verschollene. Das große Theater von Oklahoma verspricht jedem Arbeit und weist auf die Erfüllung des amerikanischen Traums hin. Auch wenn der Roman an sich eher das Gegenteil des amerikanischen Traums zu proklamieren scheint, war Kafka doch davon überzeugt, dass Amerika das „Zauberland der unbeschränkten Möglichkeiten“ ist im Gegensatz zu Europa, das „immer mehr und mehr zum Land der unmöglichen Beschränktheit wird“.1

Diese Arbeit orientiert sich vorrangig am literarischen Beispiel des Romans Der Verschollene von Franz Kafka, der auch als ‚Amerikaroman’ bekannt wurde. Unter all den Darstellungen des modernen Amerika in der Literatur ist auf den ersten Blick kaum eine befremdlicher als diejenige von Franz Kafka. Viele Autoren vor Kafka hatten sich auf Amerika als das Land unzähliger Möglichkeiten und Chancen, als ein Asyl für unterdrückte und verfolgte Europäer, bezogen. Kafkas Darstellung ist jedoch weitaus kritischer, denn er wusste unter anderem durch Arthur Holitschers Artikel in der Neuen Rundschau über die Kehrseite des hochgelobten Landes Bescheid. Zum Vergleich mit anderen zeitgenössischen Darstellungen über Amerika werden zusätzliche nicht so bekannte Beispiele aus der Literatur des 20. Jahrhunderts herangezogen. Anfangs wird das Motiv der Ankunft thematisiert, das sich wiederholt in der Literatur findet und das auf prägnante Weise den Amerikamythos mit seinem Freiheitsglauben widerspiegelt. Das erste Stück Amerika, das die Einwanderer zu Gesicht bekommen, ist das Symbol der Freiheit, verkörpert durch die Freiheitsstatue.

2 Das Motiv der Ankunft

Das Motiv der Ankunft zieht sich seit der Landung der Pilgerväter durch die amerikanische Literatur. Die Einwanderer erreichten Ellis Island und das zentrale Element, das die Freiheitsstatue verkörperte, war die Hoffnung. Sie hofften auf Freiheit: religiöse Freiheit und weltliche Freiheit zur Selbstbestimmung. Der Mythos des armen, aber arbeitswilligen Einwanderers, der vie erreichen kann, wenn er sich nur bemüht, ist hier am prägnantesten vertreten. In der Literatur findet sich ein solches Beispiel für die Statue als Hoffnungsträger bei Emma Goldman in Living my Life (1931): Ah, da war sie, Symbol der Hoffnung, der Freiheit, der (unbegrenzten) Möglichkeiten. Sie hob die Fackel in die Höhe, um den Weg in ein freies Land zu leuchten, das Asyl für die Unterdrückten aller Länder.2 Eine andere Sicht der Dinge weist die fiktive Figur des Seemanns Gale aus dem Totenschiff auf:

Und wenn ich bei einer Einfahrt in den Hafen eines großen Landes eine Riesenstatue der Freiheit sehe, so braucht mir niemand zu erzählen, was hinter der Statue los ist. Wo man so laut schreien muss: Wir sind ein Volk von freien Menschen!, da will man nur die Tatsachen verdecken, dass die Freiheit vor die Hunde gegangen ist [...].3 Gegen Ende des 19. Jahrhunderts geht der Siedlungsraum in Amerika allmählich zur Neige und die Freiheitsgöttin symbolisiert nicht länger die Mutter aller Verbannten und Ausgestoßenen, denn jetzt kann nicht mehr jeder ohne Formalitäten nach Amerika einreisen. Es wird ausgemustert, wer das Geschenk der Freiheit verdient und wer nicht. Auch bei Kafka erscheint die Freiheitsstatue im Verschollenen als eine Art Göttin, die jedoch anstatt der Fackel ein Schwert in der Hand hält.

Das Schwert steht für die Gerechtigkeit, nach der Karl Roßmann im Roman durchgehend trachtet, die ihm jedoch bis zuletzt vorenthalten wird. Erst als er dem Theater von Oklahoma beitritt, scheint sich seine Lage zu verbessern, wobei allerdings der Ausgang dieser Anstellung ungewiss bleibt. Die Freiheitsstatue verkörpert, wie ihr Name schon sagt, für viele die Freiheit in einem neuen Land, in dem ihre Anstrengungen honoriert werden. Andere jedoch erkennen in ihr eine unübersehbar zur Schau getragene Illusion, die das verkörpert, das sein sollte, in der Realität aber nicht vorhanden ist.

3 Das Amerikabild anfangs des 20. Jahrhunderts

3.1 Politik und Soziologie

[...]


1 Janouch, Gustav: Gespräche mit Kafka. Erinnerungen und Aufzeichnungen. Frankfurt: S. Fischer 1951. S. 89.

2 Zitiert nach: Bischoff, Volker /Maria Mania: Melting Pot-Mythen als Szenarien amerikanischer Identität zur Zeit der New Immigration. In: Bernhard Giesen (Hrsg.): nationale und kulturelle Identität. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewusstseins in der Neuzeit. Frankfurt am Main: 1993. S. 513.

3 Traven, B.: Das Totenschiff. S. 99.

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