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Autor: Janine Wergin
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Tags: Analyse, Fernsehbeitrags, Nazi-Zentrale, Kleinstadt, ARD-Magazin, Panorama, Medienseminar, Fernsehen
Jahr: 2006
Seiten: 34
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 21 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 249 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-57151-7
ISBN (Buch): 978-3-638-66990-0
Struktur-, Sequenz- und Feinprotokoll befinden sich im Anhang.
Zusammenfassung / Abstract
In den Film- und Medienwissenschaften hat sich noch kein einheitliches Verfahren zur Analyse vor Film- und Fernsehbeiträgen durchgesetzt. Diese Arbeit zeigt einen praktikablen Weg zur Analyse eines Fernsehbeitrags anhand eines Beispiels. Die Untersuchung des im ARD-Magazin „Panorama“ gesendeten Beitrags „Nazi-Zentrale unterwandert Kleinstadt“ macht deutlich, dass eine Analyse mit Hilfe von wissenschaftlichen Instrumenten wichtige Erkenntnisse über einen Film liefern kann.
Textauszug (computergeneriert)
Freie Universität Berlin
Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
HS 28601: Medien-Seminar Fernsehen
Sommersemester 2006, 6. Semester
Analyse des Fernsehbeitrags "Nazi-Zentrale unterwandert
Kleinstadt" aus dem ARD-Magazin "Panorama"
von: Janine Wergin
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung 1
2. Journalistische Aussage 2
3. Bildsprache 3
3.1. Einstellungsgrößen 3
3.2. Perspektiven 5
3.3. Bildkomposition 9
3.4. Bilddramaturgie 10
4. Filmsprache 10
4.1. Einstellungslängen und Schnittrhythmus 10
4.2. Kamera- und Objektbewegung 12
5. Bild-Ton-Verhältnis 15
5.1. Geräusche 15
5.2. Musik 17
5.3. Sprache 18
5.4. Bild-Text-Verhältnis 20
6. Fazit 23
Literaturverzeichnis 24
Materialanhang 26
1. Fragestellung
Die folgende Arbeit widmet sich der Analyse des Fernsehbeitrages „Nazi-Zentrale – NPD unterwandert Kleinstadt“ aus dem ARD-Magazin „Panorama“ vom 29. Juni 2006. Der etwa siebenminütige Film von Andrea Röpke und Volker Steinhoff befasst sich mit der problematischen Situation in der mecklenburgischen Kleinstadt Lübtheen. Weil die Gemeinde strategisch günstig im Eck von drei Bundesländern liegt, lassen sich dort immer mehr Nazis nieder. Ein Großteil der Einwohner akzeptiert die ungewöhnlichen Zuzügler. Durch ihr soziales Engagement in der Gemeinde haben sie sich Sympathien erworben. Hingegen fürchten die NPD-Gegner den Einfluss, den die Nazis gewinnen könnten.
Der Beitrag erscheint aus mehreren Gründen für eine Analyse besonders interessant. Die Berichterstattung über die rechte Szene ist ein zwiespältiges Feld. Wer über rechte Parteien berichtet, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, der NPD und anderen ein Forum zu bieten. Andererseits sehen sich die Medien in der Pflicht, gefährliche Entwicklungen aufzuzeigen und auf diese Weise gegenzusteuern. Andrea Röpke und Volker Steinhoff haben sich gegen das Schweigen entschieden. Die Analyse soll zeigen, wie sie sich dem Thema nähern. Inwiefern beziehen die Autoren Position? Motivieren sie ein bestimmtes Rezeptionsverhalten? Der Beitrag bietet sich auch aufgrund seiner gestalterischen Besonderheiten für eine Analyse an. Beim ersten Anschauen fallen beispielsweise die vielfältigen Schwenks und Zooms auf. Der Film wirkt an einigen Stellen sehr hektisch. Die Kamera kehrt immer wieder an einen Ort zurück: zur Straße. Die Analyse soll solche Auffälligkeiten erklären. Die Eigenheiten des Beitrags werden herausgearbeitet.
Das erste Kapitel befasst sich mit der journalistischen Botschaft. Anschließend wird die Bildsprache untersucht. Im dritten Kapitel geht es um Aspekte der Filmsprache. Als Letztes erfolgt die Analyse des Text-Bild-Verhältnisses. In jedem Abschnitt ist ein entsprechender Theorieteil integriert. Die Regeln und Gesetze aus der Literatur zur Fernsehanalyse werden als Bewertungskriterien herangezogen. Die Arbeit stützt sich auf Veröffentlichungen aus der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie der Filmwissenschaft. Weil die Autoren zum Teil selbst nicht zwischen Fernseh- und Filmanalyse unterscheiden, scheint die fachübergreifende Quellenauswahl gerechtfertigt. Die Analyse soll zeigen, inwiefern der Beitrag den Anforderungen der Fachliteratur entspricht. Anhand des Fallbeispiels lässt sich zudem überprüfen, inwiefern die Vorgaben sinnvoll sind. Die Autoren verwenden im Text sehr häufig den Begriff Nazi. Der Einfachheit halber wird diese Bezeichnung in der Hausarbeit übernommen. Der Autorin ist die subjektive Komponente des Begriffs bewusst.
2. Journalistische Aussage
In Fernsehbeiträgen wird die Botschaft über das Bild und den Ton (Sprache, Geräusche, Musik) vermittelt. Dem Rezipienten kommt in kommunikativen Prozessen allgemein eine aktive Rolle zu. Nicht der Film vermittelt Bedeutung, sondern der Zuschauer erkennt aufgrund bestimmter Bedingungen in ihm Bedeutungen.1 Dem Fernsehjournalisten obliegt es, die von ihm gewünschte Aussage durch eine Vielzahl von Gestaltungsmitteln in den Kopf des Rezipienten zu transferieren. Der Beitrag zu den NPD-Zuzüglern hat eine klare journalistische „Botschaft“: Er legt gefährliche Entwicklungstendenzen in Deutschland offen. Die Nationalsozialisten sind mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem besten Weg, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Mit einer neuen Strategie – freundliches Auftreten und soziales Engagement statt Gewalttaten – erwerben sie sich Sympathien in der Bevölkerung. Der Fall Lübtheen verdeutlicht, dass die NPD die Mitte der Gesellschaft im lokal begrenzten Rahmen schon erreicht hat. Der Beitrag warnt, indem er die Strategie und ihre Folgen vorführt.
Fernsehtexte sind in der Regel Erzählungen. Allen Erzählungen ist gemein, dass sie Geschichten erzählen.2 Im „Panorama“-Beitrag wird die Problematik anhand einer Beispiel-geschichte dargestellt. Das mecklenburgische Lübtheen bietet sich an, weil am 17. September Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden. Die neue Strategie der NPD könnte dann auch Erfolg im großen Rahmen zeigen. Die Geschichte wird anhand von zwei Gegenspielern erzählt: der Lübtheener Bürgermeisterin Ute Lindenau und dem Spitzenkandidat der NPD in Mecklenburg- Vorpommern Udo Pastörs, der vor geraumer Zeit nach Lübtheen gezogen ist. Der Beitrag lässt sich in acht Sequenzen unterteilen (siehe Anhang, Sequenzprotokoll). Die dramaturgische Strukturierung, die festlegt, auf welche Weise Informationen den Zuschauer erreichen und wie diese Informationen kognitiv und emotional verarbeitet werden,3 ist gut auf den Aussagewunsch abgestimmt. Die Dramaturgie macht die Geschichte spannend und bedrohlich. Die Autoren führen zunächst die Bürgermeisterin und ihr Problem ein: Immer mehr Nazis ziehen nach Lübtheen. Dann konkretisiert der Text, um welche Mitglieder der rechten Szene es sich handelt. Die Strategie, mit der die NPD Sympathisanten im Ort gewinnt, wird angesprochen und anschließend an einem praktischen Beispiel verdeutlicht (Pastörs als Handwerker mit „braunem Sendungsbewusstsein“). In der sechsten Sequenz fragen die Autoren nach der Wirksamkeit dieser Vorgehensweise. Die Einwohner äußern sich über die Zuzügler. Das Ergebnis: Die Strategie geht auf. Schließlich stellt der Beitrag die erste problematische Folge dar: Nicht die Nazis, sondern ein Gegner, der NPD-Mitglieder in einer Bürgerinitiative nicht dulden wollte, wurde ausgeschlossen. Der Beitrag endet wieder mit der Bürgermeisterin. Sie hat Angst vor der weiteren Entwicklung im Ort.
Zu filmischen Idee gehört, dass die Mitglieder der rechten Szene direkt zu Wort kommen. Die Autoren setzen darauf, dass der Zuschauer die Statements ihrem Aussagewunsch entsprechend beurteilt. Der Beitrag ist nicht als Anklage konzipiert. Die Bürger, bei denen die Strategie der NPD fruchtet, werden nicht moralisch verurteilt. Inwiefern die Autoren dennoch Position beziehen, wird sich im weiteren Verlauf der Analyse zeigen. Auffällig ist, dass sich der Beitrag auf die Beispielgeschichte beschränkt. Die Autoren ziehen keine Parallelen zu ähnlichen Entwicklungen an anderen Orten. Ein allgemeiner Überblick zur Entwicklung der rechten Szene fehlt. Die Einordnung des Fallbeispiels in größere Zusammenhänge hätte den Beitrag um eine Dimension erweitert und noch informativer gemacht.
3. Bildsprache
3.1. Einstellungsgrößen
Die Einstellung ist die kleinste Einheit des Films. Werner Faulstich definiert sie als „Abfolge von Bildern, die von der Kamera zwischen dem Öffnen und dem Schließen des Verschlusses aufgenommen werden.“4 Die Einstellung kann nach unterschiedlichen Gesichtpunkten bestimmt werden: nach Größe, Perspektive, Länge, Kamerabewegung und Objektbewegung sowie den Achsenverhältnissen. Im Folgenden sollen zunächst die Einstellungsgrößen im ausgewählten Beitrag untersucht werden. Sie legen die Nähe und Distanz der Kamera zum abgebildeten Geschehen fest und bestimmen damit auch die Nähe und Distanz, die der Zuschauer zum Geschehen entwickeln kann.5 In der Fachliteratur wird zwischen drei6, fünf7, sechs8, sieben9 oder acht10 Einstellungsgrößen unterschieden. Diese Arbeit orientiert sich an Kerstan, der eine fünfstufige Skala anführt: Totale, Halbtotale, Halbnahaufnahme, Nahaufnahme und Großaufnahme.11 Diese Einteilung ermöglicht eine differenzierte Analyse, ohne zu kleinteilig zu werden.
Teilweise finden sich in der Literatur widersprüchliche Angaben zu einzelnen Einstellungsgrößen. So schreibt Faulstich, dass die Halbnahaufnahme den Menschen vom Kopf bis zu den Füßen zeigt.12 Die meisten Autoren bezeichnen eine Einstellung mit solchen Merkmalen als Halbtotale.13 Dieser Analyse liegen die gängigen Begriffzuordnungen zugrunde, die unter anderem Hickethier verwendet14.
[...]
1 Vgl. Knut Hickethier: Film- und Fernsehanalyse. 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart/Weimar 1996, S. 107. Vgl. Helmut Korte: Einführung in die systematische Filmanalyse. 2., durchgesehene Auflage. Berlin 2001, S. 13. Vgl. Peter Kerstan: Der journalistische Film. Jetzt aber richtig. Bildsprache und Gestaltung. 2. Aufl. Frankfurt am Main 2002, S. 32f.
2 Vgl. Lothar Mikos: Film- und Fernsehanalyse. Konstanz 2003, S. 44.
3 Vgl. Ebd., S. 45.
4 Werner Faulstich: Grundkurs Filmanalyse. München 2002, S. 113.
5 Vgl. Mikos: Film- und Fernsehanalyse, S. 184.
6 Vgl. Bernward Wember: Filmische Fehlleistungen. Ideologische Implikationen des Dokumentarfilms „Bergarbeiter im Hochland von Bolivien“. In: Jugend-Film-Fernsehen 2-3. 1971, S. 90ff.
7 Vgl. Daniel Arijon: Grammatik der Filmsprache. Das Handbuch. Frankfurt am Main 2003, S. 29.
8 Vgl. William H. Phillips: Film. An Introduction. Boston/New York 1999, S. 93 ff.
9 Vgl. David Bordwell/Kristin Thompson: Film Art. An Introduction. New York u.a. 1993, S. 212f. Vgl. Korte: Einführung, S. 25. Vgl. Thomas Kuchenbuch: Filmanalyse. Theorien. Methoden. Kritik. Wien/Köln/Weimar 2005, S. 45.
10 Vgl. Mikos: Film- und Fernsehanalyse, S. 185. Vgl. Faulstich: Grundkurs Filmanalyse, S. 115f. Vgl. Hickethier: Film- und Fernsehanalyse, S. 58f. Vgl. Nils Borstnar/Eckhard Pabst/Hans J. Wulff: Einführung in die Film- und Fernsehwissenschaft. Konstanz 2002, S. 90ff. Vgl. Friedrich Knilli/Erwin Reiss: Einführung in die Film- und Fernsehanalyse. Ein ABC für Zuschauer. Steinbach 1971, S. 57. Vgl. Michael Schaaf: Theorie und Praxis der Filmanalyse. In: Alphons Silbermann/Michael Schaaf/Gerhard Adam: Filmanalyse. Grundlagen – Methoden – Didaktik. München 1980, S. 33-140, hier S. 52.
11 Vgl. Peter Kerstan: Bildsprache. In: Axel Buchholz/Gerhard Schult (Hrsg.): Fernsehjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. 6., aktualisierte Auflage. München 2002, S. 22-46, hier S. 25.
12 Vgl. Faulstich: Grundkurs Filmanalyse, S. 116.
13 Vgl. Hickethier: Film- und Fernsehanalyse, S. 58.
14 Vgl. Ebd.
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