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Die Fabel als Lernformat für Kinder? Eine Untersuchung

Autor: Katja Küchemann
Fach: Deutsch - Gattungen

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Details

Veranstaltung: Lesefrüchtekorb oder Arbeitstasche: Lernformate heutiger Deutsch(lese)bücher
Institution/Hochschule: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Tags: Fabel, Lernformat, Kinder, Eine, Untersuchung, Lesefrüchtekorb, Arbeitstasche, Lernformate, Deutsch(lese)bücher
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 32
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 343 KB
Archivnummer: V64324
ISBN (E-Book): 978-3-638-57173-9
ISBN (Buch): 978-3-638-72035-9

Zusammenfassung / Abstract

Der Wolf kam zum Bach. Da entsprang das Lamm. „Bleib nur, du störst mich nicht", rief der Wolf. „Danke", rief das Lamm zurück, „ich habe im Äsop gelesen." (Helmut Arntzen) Eine typische, klassische Fabel ist kurz und pointiert, leicht zu merken - wie ein guter Witz. Der Begriff Fabel ruft bei vielen Menschen zunächst die Assoziation Tierfabel hervor, obwohl sie sich nicht nur auf die Welt der Tiere, sondern auch auf die gesam-te belebte und unbelebte Natur, sowie die Menschen- und Götterwelt bezieht. Die handelnden Figuren innerhalb einer Fabel stellen überwiegend dem Leser bekannte Tiere dar. Grund hierfür sind der Bekanntheitsgrad dieser Tiere, da sie aus der Umgebung des Menschen stammen und keiner weiteren Beschreibung bedürfen, sowie die Verkörperung bestimmter Eigenschaften und Verhaltensweisen, die sich auch in Sprichwörtern und Redensarten finden lassen. Tiere als Akteure besitzen kein Eigen-leben, sondern dienen der Demonstration bestimmter menschlicher Verhaltenswei-sen. Die Fabel selbst hat viele Gesichter und eine lange Geschichte (von der Antike bis zur Moderne). Sie „ist von jeher eine volkstümliche Gattung, sie will auch den an-sprechen, der „nicht viel Verstand besitzt“ (Ch. F. Gellert). Aber bei aller poetischer Einkleidung (sprechende Tiere!) verlangt sie doch einen denkenden, kritischen Hörer, der die Übertragung aus dem fiktiven Bereich auf seine Wirklichkeit vornimmt. Die Fabel erweist sich damit als eine die ratio ansprechende Gattung.“ Jede Fabel, ob kurz oder lang, enthält eine Lehre, die sowohl vor- oder nachgestellt werden kann oder vom Leser selbst zu suchen ist. Oftmals ist sie Bestandteil der Fabelerzählung und wird einer Figur in den Mund gelegt. Aufgrund der Kürze und meist leichten Verständlichkeit des Textes ist die Fabel besonders für Kinder im Grundschulalter geeignet und regt zum kritischen Denken und Handeln an. Ist das wirklich so? Innerhalb dieser Hausarbeit soll versucht werden, dieser Frage auf den Grund zu gehen und eine entsprechende Antwort zu finden. Um einen theoretischen Hintergrund zu schaffen wird zunächst die Gattung Fabel genauer beleuchtet, was eine Begriffserklärung, einen geschichtlichen Rückblick, sowie die Analyse ihrer Strukturmerkmale (Umfang, Aufbau etc.) mit einbezieht.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Hannover, Philosophische Fakultät
Seminar: Lesefrüchtekorb oder Arbeitstasche:
Lernformate heutiger Deutsch(lese)bücher
Wintersemester 2005/ 2006

Fabeln

von: Katja Küchemann

 


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort 1

2. Wort und Begriff 2

3. Die Geschichte der Fabel 3

3.1. Entstehung der Fabel 3
3.2. Die griechisch – römische Fabel 3

3.2.1. Aesop 3
3.2.2. Phädrus 4

3.3. Die orientalische Fabel 5

3.3.1. Panschatantra 5

3.4. Deutsches Mittelalter 5

3.4.1. Sticker 6
3.4.2. Ulrich Boner 6

3.5. Zeitalter der Reformation 7

3.5.1. Martin Luther 7
3.5.2. Jean de La Fontaine 7

3.6. Zeitalter der Aufklärung 8

3.6.1. Christian Fürchtegott Gellert 9
3.6.2. Gotthold Ephraim Lessing 9

3.7. Das 19. Jahrhundert 10

3.7.1. Wilhelm Busch 11
3.7.2. Wilhelm Hey 12

3.8. Das 20. Jahrhundert 12

3.8.1. James Thurber 13

4. Strukturmerkmale 13

4.1. Umfang der Fabel 15
4.2. Aufbau der Fabel 15
4.3. Handelnde Figuren und ihre Eigenschaften 17

4.3.1. Die Anzahl der Akteure 17
4.3.2. Die Typisierung der Fabeltiere 18
4.3.3. Die Vermenschlichung der Fabelfiguren 19

4.4. Sprachliche Charakteristika der Fabel 19
4.5. Abgrenzung von verwandten Gattungsformen 20

4.5.1. Fabel und Parabel 20
4.5.2. Fabel und Märchen 21

5. Stilzüge der Fabel 21

5.1. Belehrender Stil 22
5.2. Kritisierender Stil 22
5.3. Satirischer Stil 23

6. Aufbautypen der Fabel 23

6.1. Die Normalform und ihre Abwandlungen 23
6.2. Die Sonderform bei Alberus 24
6.3. Die Kunstfabel 24

7. Fabel und Schule 25

7.1. Die Bedeutung der Fabel für die Schule 25
7.2. Einsatz der Fabel im Unterricht 26
7.2.1. Die Altersfrage 27

8. Resümee 28

9. Literaturverzeichnis 29

 




Der Wolf kam zum Bach. Da entsprang das Lamm.
„Bleib nur, du störst mich nicht", rief der Wolf.
„Danke", rief das Lamm zurück, „ich habe im Äsop gelesen."
(Helmut Arntzen)1

1. Vorwort

Eine typische, klassische Fabel ist kurz und pointiert, leicht zu merken - wie ein guter Witz. Der Begriff Fabel ruft bei vielen Menschen zunächst die Assoziation Tierfabel hervor, obwohl sie sich nicht nur auf die Welt der Tiere, sondern auch auf die gesamte belebte und unbelebte Natur, sowie die Menschen- und Götterwelt bezieht. Die handelnden Figuren innerhalb einer Fabel stellen überwiegend dem Leser bekannte Tiere dar. Grund hierfür sind der Bekanntheitsgrad dieser Tiere, da sie aus der Umgebung des Menschen stammen und keiner weiteren Beschreibung bedürfen, sowie die Verkörperung bestimmter Eigenschaften und Verhaltensweisen, die sich auch in Sprichwörtern und Redensarten finden lassen. Tiere als Akteure besitzen kein Eigenleben, sondern dienen der Demonstration bestimmter menschlicher Verhaltensweisen. Die Fabel selbst hat viele Gesichter und eine lange Geschichte (von der Antike bis zur Moderne). Sie „ist von jeher eine volkstümliche Gattung, sie will auch den ansprechen, der „nicht viel Verstand besitzt“ (Ch. F. Gellert). Aber bei aller poetischer Einkleidung (sprechende Tiere!) verlangt sie doch einen denkenden, kritischen Hörer, der die Übertragung aus dem fiktiven Bereich auf seine Wirklichkeit vornimmt. Die Fabel erweist sich damit als eine die ratio ansprechende Gattung.“2 Jede Fabel, ob kurz oder lang, enthält eine Lehre, die sowohl vor- oder nachgestellt werden kann oder vom Leser selbst zu suchen ist. Oftmals ist sie Bestandteil der Fabelerzählung und wird einer Figur in den Mund gelegt.

Aufgrund der Kürze und meist leichten Verständlichkeit des Textes ist die Fabel besonders für Kinder im Grundschulalter geeignet und regt zum kritischen Denken und Handeln an. Ist das wirklich so? Innerhalb dieser Hausarbeit soll versucht werden, dieser Frage auf den Grund zu gehen und eine entsprechende Antwort zu finden. Um einen theoretischen Hintergrund zu schaffen wird zunächst die Gattung Fabel genauer beleuchtet, was eine Begriffserklärung, einen geschichtlichen Rückblick, sowie die Analyse ihrer Strukturmerkmale (Umfang, Aufbau etc.) mit einbezieht.

2. Wort und Begriff

„Fabel (lat. fabula = Erzählung) […] im engeren Sinn (Äsoptische Fabel) selbständige, kurze episch – didaktische Gattung vorwiegend der → Tierdichtung in Vers oder Prosa, die als Beispielgeschichte eine allgemein anerkannte Wahrheit, einen moralischen Satz, eine praktische Lebensweisheit an Hand eines überraschenden, doch analogen Beispiels in uneigentlicher Darstellung veranschaulicht und besonders aus der anthropomorphisierenden Übertragung menschlicher Eigenschaften, Verhaltensweisen, Verhältnisse, Sitten, auch der Rede, auf die beseelte oder unbeseelte Natur (Pflanzen, Steine, bes. Tiere) witzig – satirische oder moralisch – belehrende Effekte erzielt. Die Tierfabel erspart durch Benutzung typisch feststehenden, allgemein anerkannten Charaktereigenschaften der einzelnen Tiere (List des Fuchses, Majestät des Löwen u.ä.) eine vorgegebene Charakterschilderung.“3

Dem Begriff „Fabel“ wurden im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Bezeichnungen zugeordnet. Phaedrus (1.Jahhundert n. Chr.) verwendete den Begriff Fabel mit dem Zusatz „äsoptisch“ zur Bezeichnung der Gattung. In der ionische Poesie wurde der Begriff ainos zur Bezeichnung von Fabel, Rätsel, Sprichwort und Gleichnis und die Begriffe mythos und logos zur Betonung bestimmter Elemente, wie z.B. das phantastisch Märchenhafte der Fabel verwendet. Im Mittelalter verwies das Wort bispel (Beispiel) auf eine belehrende Erzählung, die der Wahrheit entspricht und für etwas steht, dessen Sinn nicht im Erzählten verborgen liegt und bezeichnete die Gattung Fabel. Im 13. Jahrhundert wurde mit dem Begriff spel (Erzählung, Bericht) eine nicht wahre oder lügenhafte Erzählung bezeichnet, was gleichzeitig eine Abwertung des Begriffs selbst bedeutete. Das Lehnwort fabel wurde zur Bezeichnung von Erzählungen verwendet, die nur unterhaltsam waren oder dessen Wahrheit nicht belegt werden konnte. Das Wort Fabel, in seiner jetzigen Bedeutung wurde erst bei Steinhöwel (1476) verwendet. „Seit dem 18. Jahrhundert wird der Begriff „Fabel“ auch als Handlungsverlauf eines epischen oder dramatischen Werkes gebraucht, eine Bedeutung, die bis in die Gegenwart neben der Gattungsbezeichnung gilt.“4 Jedoch eine eindeutige und allgemein gültige Definition der Fabel gibt es nicht, da sich eine definitorische Bestimmung an den jeweiligen Autoren, Epochen oder Typen der Fabel orientiert.

3. Die Geschichte der Fabel

3.1. Entstehung der Fabel

Nach heutigen Erkenntnissen entstand die Fabel in vielen Völkern nahezu zeitgleich und unabhängig voneinander. Grund hierfür liegt vermutlich in der Veränderung der gesellschaftlichen Zustände und der Verschärfung der gesellschaftlichen Gegensätze. Der Ursprung der Fabel liegt laut mündlicher Überlieferung im Orient: Sumer, Indien und Arabien. Etwa zur selben Zeit, zu der die bekannten antiken Fabeln entstanden, wurden auch die frühen indischen Sammlungen angelegt. In der Folge gab es auch persische und türkische Sammlungen, deren Verfasser zumeist unbekannt blieben. Dies zeigt deutlich, dass die Fabel nicht nur eine europäische Erscheinung darstellt.

3.2. Die griechisch – römische Fabel

3.2.1. Aesop

Der griechische Sklave Aesop (ca. 550 v. Chr.) gilt als Ahnherr der Fabel. Er schrieb Fabeln als Berichte oder Erzählungen über wahre Begebenheiten. Seine Fabeln galten im Mittelalter als Vorbild der Fabeldichtung. Da seine Lebensdaten jedoch nicht gesichert sind, wird von manchen Forschern bezweifelt, dass er überhaupt gelebt hat. Sie gehen sogar soweit und behaupten Aesop sei eine Konstruktion und seine Fabeln anonyme Produkte aus dem Volk. Laut Überlieferung war Aesop in seiner gesellschaftlichen Existenz doppelt beeinträchtigt, d.h. nicht nur physisch, weil er einen verkrüppelten Rücken hatte, sondern auch in seiner sozialen Existenz: Als Sklave stand er auf der niedersten Sprosse der Gesellschaft. Im Laufe seines Lebens soll er sich durch seine witzigen, geistvollen und pointierten Erzählungen nicht nur vorerst seine persönliche Freiheit erworben haben, sondern sich später auch die Missgunst, den Neid und den Hass der delphischen Geistlichkeit zugezogen haben.

Diese Leute fürchteten offensichtlich seinen Einfluss auf das Volk. Sie ließen ihn heimlich verhaften aus Angst vor Reaktionen des Volkes. Danach schmuggelten sie eine goldene Schale aus dem Apollotempel in seinen Sack und stellten nun Aesop dem Volk als Kirchenräuber dar. Er wird in den Kerker geworfen, als Kirchenräuber zum Tode verurteilt und vom Felsen gestürzt. Aesop hat bis zuletzt versucht mit seinem einzigen Verteidigungsmittel, der Fabel, um sein Leben zu kämpfen. Die Fabel vom „Frosch und der Maus" erzählt er den Delphern, als sie ihn aus dem Gefängnis holen.

[...]


1 Dithmar, R. (19887), S. 195

2 Poser, T. (1993), S. 60

3 von Wilpert, G (20018), S. 254

4 Dithmar, R. (19887)*, S. 165

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