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Termpaper, 2006, 39 Pages
Author: Thomas Horn
Subject: Nursing / Foster Care Management / Social Services
Details
Institute: TÜV Akademie
Tags: Pflegevisite, Instrument, Qualitätssicherung, Weiterbildung, Pflegedienstleiter
Year: 2006
Pages: 39
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 28 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-57225-5
ISBN (Book): 978-3-638-66999-3
File size: 285 KB
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Abstract
Die Pflege befindet sich im Wandel. Sie vollzieht die Entwicklung vom paramedizinischen Hilfsberuf, der sich am medizinisch naturwissenschaftlichen Pflegemodell orientiert, zu einem autonomen Beruf, der auf Grundlage seines eigenen Pflegeverständnisses handelt. Dieses professionelle Pflegeverständnis stellt den Pflegeempfänger in den Mittelpunkt und nicht das medizinische Krankheitsbild. Die Pflegevisite ist ein Bestandteil dieser Entwicklung. Ihr Wesen beruht auf einem Menschenbild, das den Pflegeempfänger als eine eigenverantwortlich denkende, fühlende und wollende Persönlichkeit betrachtet. Die Bezeichnung des Pflegeempfängers als Patient steht im Widerspruch zu dieser Betrachtungsweise. Es „verdeutlicht das hierarchische Abhängigkeitsverhältnis zwischen Behandelten und Behandelnden“ und somit ein Autoritätsgefälle, dass den Zielen der Pflegevisite abträglich ist. Ich schließe mich Heering an und bezeichne im Verlauf dieser Hausarbeit den Pflegeempfänger als Klient. Der Klient „ist ein informierter autonomer Empfänger professioneller Pflege. Der Begriff leitet sich ab von lat.: clinare: sich anlehnen bzw. cliens: jemand, der Anlehnung gefunden hat“. Das deutet auf ein partnerschaftliches Miteinander hin bzw. eine Beziehung zweier Partner, die sich gegenseitig beratend zur Seite stehen. In dieser Hausarbeit soll die Pflegevisite als ein Instrument der Qualitätssicherung vorgestellt werden, mit dem Hinweis das auch andere Instrumente existieren und somit nicht die Notwendigkeit besteht, den Begriff der Pflegevisite bis zur Unkenntlichkeit zu erweitern. Dass eine kontroverse Auseinandersetzung mit dem Begriff Pflegevisite stattfindet, beweist die Vielfalt an Definitionen, die zum Teil unterschiedliche Schwer-punkte festlegen. Einen Überblick gibt das 2.Kapitel. Danach findet eine Betrachtung der Begriffe Qualität und Qualitätssicherung statt. Das Anliegen dieses Kapitels ist es einen geeigneten Rahmen zu schaffen in dem die Pflegevisite, dann im 4. Kapitel, mit Bezug auf ihre qualitätssichernde Funktion diskutiert werden kann. Die Diskussion soll verdeutlichen, welches Potential sie im Rahmen eines klientenzentriert durchgeführten Pflegeprozesses besitzt. Es thematisiert des Weiteren konträre theoretische Sichtweisen und deren Auswirkung auf das praktische Verständnis und beleuchtet den Erfolgsanteil der Partizipation beim Erreichen der Qualitätsziele im Rahmen der Pflegevisite.
Excerpt (computer-generated)
Die Pflegevisite - Ein Instrument der Qualitätssicherung
von: Thomas Horn
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Entstehung und Definition der Pflegevisite 4
3. Qualität und Qualitätssicherung in der Pflege 7
3.1. Was ist Qualität ? 7
3.2 Die Erfassung von Pflegequalität 9
3.3 Qualitätssicherung 10
3.4 Die gesetzlichen Grundlagen zur Qualitätssicherung 11
4. Die Pflegevisite - Instrument der Qualitätssicherung 14
4.1 Der Pflegeprozess 15
4.2. Die Pflegevisite - Führungsinstrument vs. Instrument der klientenzentrierten Pflege 20
4.3 Diskussion zur praktischen Anwendung 24
4.4 Partizipation 27
5. Perspektiven der Hauptakteure 30
5.1 Aus Sicht der Klienten 30
5.2 Aus Sicht der Pflegenden 32
6. Zusammenfassung 34
7. Anhang 36
Literaturverzeichnis: 36
Bücher und Beiträge aus Sammelwerken 36
Artikel aus Zeitschriften 37
Abkürzungsverzeichnis 38
1. Einleitung
Die Pflege befindet sich im Wandel. Sie vollzieht die Entwicklung vom paramedizinischen Hilfsberuf, der sich am medizinisch naturwissenschaftlichen Pflegemodell orientiert, zu einem autonomen Beruf, der auf Grundlage seines eigenen Pflegeverständnisses handelt. Dieses professionelle Pflegeverständnis stellt den Pflegeempfänger in den Mittelpunkt und nicht das medizinische Krankheitsbild. Die Pflegevisite ist ein Bestandteil dieser Entwicklung.
Ihr Wesen beruht auf einem Menschenbild, das den Pflegeempfänger als eine eigenverantwortlich denkende, fühlende und wollende Persönlichkeit betrachtet. Die Bezeichnung des Pflegeempfängers als Patient steht im Widerspruch zu dieser Betrachtungsweise. Es „verdeutlicht das hierarchische Abhängigkeitsverhältnis zwischen Behandelten und Behandelnden“ und somit ein Autoritätsgefälle, dass den Zielen der Pflegevisite abträglich ist.1 Ich schließe mich Heering an und bezeichne im Verlauf dieser Hausarbeit den Pflegeempfänger als Klient. Der Klient „ist ein informierter autonomer Empfänger professioneller Pflege. Der Begriff leitet sich ab von lat.: clinare: sich anlehnen bzw. cliens: jemand, der Anlehnung gefunden hat“.2 Das deutet auf ein partnerschaftliches Miteinander hin bzw. eine Beziehung zweier Partner, die sich gegenseitig beratend zur Seite stehen.
In dieser Hausarbeit soll die Pflegevisite als ein Instrument der Qualitätssicherung vorgestellt werden, mit dem Hinweis das auch andere Instrumente existieren und somit nicht die Notwendigkeit besteht, den Begriff der Pflegevisite bis zur Unkenntlichkeit zu erweitern. Dass eine kontroverse Auseinandersetzung mit dem Begriff Pflegevisite stattfindet, beweist die Vielfalt an Definitionen, die zum Teil unterschiedliche Schwerpunkte festlegen. Einen Überblick gibt das 2.Kapitel. Danach findet eine Betrachtung der Begriffe Qualität und Qualitätssicherung statt. Das Anliegen dieses Kapitels ist es einen geeigneten Rahmen zu schaffen in dem die Pflegevisite, dann im 4. Kapitel, mit Bezug auf ihre qualitätssichernde Funktion diskutiert werden kann. Die Diskussion soll verdeutlichen, welches Potential sie im Rahmen eines klientenzentriert durchgeführten Pflegeprozesses besitzt. Es thematisiert des Weiteren konträre theoretische Sichtweisen und deren Auswirkung auf das praktische Verständnis und beleuchtet den Erfolgsanteil der Partizipation beim Erreichen der Qualitätsziele im Rahmen der Pflegevisite. Den Abschluss dieser Hausarbeit bildet eine Beschreibung zu den Sichtweisen der Hauptakteure, um zu zeigen, welche Qualitätsziele hier existieren und ob die Pflegevisite geeignet ist, einen positiven Einfluss auszuüben. Die Verwendung der Begriffe klientenzentriert und patientenzentriert erfolgt in weiten Teilen der Literatur in ähnlicher Bedeutung. Einige Autoren nutzen den Begriff patientenorientiert speziell für das Arbeiten mit und die Pflege von bewusstseinseingeschränkten Pflegeempfängern. Diesen Autoren schließe ich mich an. Des Weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass im Rahmen dieser Abschlussarbeit, die Bezeichnung Klient für das männliche und das weibliche Geschlecht steht.
2. Entstehung und Definition der Pflegevisite
Visite, abgeleitet vom lateinischen Wort visitare, bedeutet: besuchen, hingehen. Das Bertelsmann Lexikon definiert Visite als Besuch und genauer als „Besuch zur Untersuchung von Kranken“.3 Der Duden definiert Visite als „Krankenbesuch des Arztes im Krankenhaus“.4 Daraus lässt sich einerseits schließen, dass die Abstammung des Begriffes aus der Terminologie der Mediziner stammt und andererseits, dass es sich um eine interaktive und beziehungsgestützte Maßnahme handelt, die dem Kennen lernen und dem Austausch dient.5 Die Araber benutzten das Wort bereits im 10. Jahrhundert für die Befragung des Patienten nach seinem körperlichen und seelischen Befinden, also im Sinne einer ganzheitlichen körperlichen Medizin.6 Der Begriff Pflegevisite tauchte erstmals 1978 in Verbindung mit einer Übergabe am Bett auf einer Intensivstation auf.7 In der Folge entwickelten sich viele unterschiedliche Durchführungsformen mit der Auswirkung, dass die Fachwelt immer noch kein einheitliches Verständnis ihrer Anwendung besitzt. Die folgenden zeitlich geordneten Definitionen geben diesbezüglich einen Überblick.
Die Pflegevisite ist „eine Interaktion von Sachverständigen der Pflege
• initiiert von Pflegedienstleitung und Pflegenden,
• durchgeführt mit dem Patienten,
• analog der Methode des Pflegeprozesses
• mit dem Ziel der Qualitätssicherung und der Entwicklung einer Pflegekultur im Krankenhaus“. 8
„Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei und ein Gespräch mit der/ dem Klienten/ in über ihren/ seinen Pflegeprozess. Die Pflegevisite dient der gemeinsamen:
• Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen beziehungsweise der Pflegediagnose
• Vereinbarung der Pflegeziele
• Vereinbarung der Pflegeinterventionen
• Überprüfung der Pflege“.9
„Pflegevisite ist ein regelmäßiger, gemeinsamer Besuch der Krankenschwestern und - pfleger des Pflegeteams bei Patienten, um im Gespräch alle Schritte der Pflege zu erörtern. Gruppen-/ Schicht-/ Stations- und Abteilungsleitung/ PDL sollten sich durch die Teilnahme einen Überblick über die geleistete und zu leistende Pflege verschaffen sowie ihrer Verpflichtung zur Fachaufsicht und Kontrolle nachkommen. Der Krankenpflegeprozess muss der thematische Mittelpunkt der Pflegevisite sein“.10 „Pflegevisite: regelmäßiger Besuch von Pflegekräften bei der KundIn zwecks Informationsaustausch und gleichzeitiger Kontrolle des Pflegeprozesses. Es gibt Mikro- und Makrovisiten“.11
„Die Pflegevisite ist ein Instrument zur Überprüfung von pflegerischen Leistungen und deren Qualität. Sie wird in festgelegten Abständen von den zuständigen Pflegemitarbeiter/ innen als strukturierter Klientenbesuch durchgeführt. Die Teilnahme von Angehörigen oder anderen Bezugspersonen sowie weiteren an der Betreuung beteiligten Berufsgruppen ist wünschenswert. Grundsätzlich werden zwei Formen der Pflegevisite unterschieden:
• Die Supervidierende Pflegevisite: Sie wird von einer leitenden bzw. vorgesetzten Pflegefachkraft mit der zuständigen Pflegekraft vor Ort durchgeführt.
• Die kollegiale Pflegevisite: Sie wird von hierarchisch gleichgestellten Pflegenden durchgeführt, z.B. führt eine Pflegemitarbeiterin der Station A eine Pflegevisite auf Station B mit einer dortigen Kollegin durch.
[...]
1 Heering; Heering; Bode; Müller, Pflegevisite und Partizipation, Berlin/ Wiesbaden 1997, S. XIII
2 Heering; Heering; Bode; Müller, Pflegevisite und Partizipation, Berlin/ Wiesbaden 1997, S. XIII
3 Bertelsmann, Die deutsche Rechtschreibung, Wiesbaden 1999, S. 952
4 Duden, Das Fremdwörterbuch, Wiesbaden 2004
5 Hollick, Jürgen; Kerres, Andrea, Pflegevisite, Stuttgart 2004, S. 18
6 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/visite, 29.08.2006, 13 Uhr
7 Panka, Christiane, Pflegevisiten, in: Heilberufe, Nr.: 4/ 2006, S. 26
8 Bieg, Ute, Theorie und Praxis der Pflegevisite 5.Folge, in: Die Schwester/ Der Pfleger, Nr.: 3/ 95, S. 208
9 Heering; Heering; Bode; Müller, Pflegevisite und Partizipation, Berlin/ Wiesbaden 1997, S. XX
10 Augsten, Martin, Kloster, Werner, Knipfer, Ernst, Selent, Karl, Theorie und Praxis der Pflegevisite, in: Die Schwester/ Der Pfleger, Nr.: 12/ 1997, S. 1045
11 Barth, Myriam, Qualitätsentwicklung und -sicherung in der Altenpflege, München 1999, S. 17
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