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Scholary Paper (Seminar), 2006, 22 Pages
Author: Robin Wuchter
Subject: Psychology - Social Psychology
Details
Institution/College: University of Cologne
Tags: Naive, Theorien, Zusammenhänge, Psychologie, Wohlfahrtsstaates
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 25 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-57228-6
File size: 1233 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität zu Köln
Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie
Seminar: „Psychologie des Wohlfahrtstaates“
Naive Theorien über wirtschaftliche Zusammenhänge
Robin Wuchter
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung: ... 2
2. Grundlagen ... 3
2.1. Warum sind naive Theorien von Interesse für die Wissenschaft? ... 3
2.2. Woher stammen die Informationen zur Bildung naiver Theorien? ... 4
2.3. Theoretischer Hintergrund: Attributionstheorie ... 6
3. Naive Theorien zu wirtschaftlichen Problemen ... 9
3.1. Arbeitslosigkeit ... 9
3.2. Armut und Reichtum ... 10
3.3. Inflation ... 12
4. Kognitive Modelle naiver Wirtschaftstheorien ... 14
5. Zusammenfassung ... 19
6. Literaturverzeichnis ... 20
1. Einführung:
Wenn die Ergebnisse jahrelanger Forschung im politischen Tagesgeschäft als „Professorengeschwätz“ abgetan werden, welche Vorstellungen macht sich dann „Otto Normalverbraucher“ über die Zusammenhänge unseres Wirtschaftssystems? Wieso beschäftigt er sich überhaupt mit derart komplexen Problemen, auf die selbst Experten oft keine klaren Antworten liefern können? Um es mit den Worten von Williams (1977, S. 12) zu sagen:
“If a car breaks down nobody but a fool expects to be able to repair it without some elementary understanding of the mechanism, and the economic system is a good deal more dangerous to tinker around with than a car. Unfortunately it is also much more difficult to understand.”
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Allerweltstheorien, die sich trotz mangelnder Fachkenntnis auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaft bilden. Sie sollen in Art, Struktur und Funktion dargestellt werden um die Frage zu klären, wie „naiv“ diese Theorien tatsächlich sind.
2. Grundlagen
2.1. Warum sind naive Theorien von Interesse für die Wissenschaft?
Zunächst soll der Begriff einer „naiven Theorie“ geklärt werden: Der Definition Meyers (2003, S.2) folgend, ist eine Theorie ein System zentraler Annahmen über einen Gegenstand oder Sachverhalt, das dazu dienen soll, den Sachverhalt zu erklären sowie Voraussagen über zukünftige Entwicklungen zu ermöglichen und Wege der Beeinflussung darzustellen.
Wissenschaftliche Theorien genügen bestimmten Standards und methodologischen Anforderungen. Es gibt aber auch vorwissenschaftliche Theorien, so genannte naive Laien- oder Alltagstheorien. Diese zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie nicht grundsätzlich konsistent sind und auf Annahmen beruhen, die nicht implizit offen oder bekannt sind (Reisenzein, Meyer & Schützwohl, 2003).
Naive Theorien können sich in allen Bereichen des täglichen Lebens bilden. Im Bereich der Psychologie spricht man von Alltagspsychologie (common sense psychology), die der Amerikaner Harold Kelley so beschreibt:
„Die Alltagspsychologie enthält die Meinungen der gewöhnlichen Leute über ihr eigenes Verhalten und das anderer Personen sowie über die vorauslaufenden Bedingungen und Konsequenzen dieses Verhaltens“ (Kelley, 1992, S. 4).
Nun könnte man argumentieren, dass solche Theorien abzulehnen sind, da sie eben nicht herkömmlichen Wissenschaftsstandards entsprechen. Dagegen forderte Fritz Heider, eben diese naiven Theorien in die Wissenschaft mit einzubeziehen. Er begründete diese Forderung mit einem simplen Beispiel:
“Wenn ein Mensch glaubt, dass seine Handlinien seine Zukunft vorhersagen, dann muss dieser Glaube berücksichtigt werden bei dem Versuch, bestimmte Erwartungen und Handlungen zu erklären.“ (Heider, 1977, S. 14)
Der Gedanke ist klar: Alltagstheorien sind in der Lage, das Verhalten und die Wahrnehmung von Menschen zu beeinflussen. Wenn wissenschaftliche Theorien die Realität widerspiegeln und vorhersagen wollen, müssen sie also auch diese naiven Theorien berücksichtigen und zwar völlig unabhängig davon, ob diese Theorien einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten oder nicht.
Heider sieht außerdem die Möglichkeit, aus Alltagstheorien wichtige Anregungen für die wissenschaftliche Forschung zu gewinnen. Er spricht in diesem Zusammenhang von intuitiver Psychologie, aus der man fruchtbare Modelle formulieren könne (Heider, 1977). Bei diesem deskriptiven Ansatz lautet die Frage dann nicht mehr: Wie sollten sich Menschen verhalten? Sondern: Wie verhalten sie sich tatsächlich und lassen sich daraus mathematische Modelle ableiten?
Bei den im Folgenden behandelten naiven Theorien handelt es sich um die Wahrnehmung von Ursache und Wirkung wirtschaftlicher Zusammenhänge. Untersucht wird also z.B. worin Laien die Erklärung für Arbeitslosigkeit oder Armut sehen und welche Einstellung sie gegenüber solchen Phänomenen haben. Der wissenschaftliche Wert, bzw. die Korrektheit dieser Wahrnehmungen wird nicht geprüft.
2.2. Woher stammen die Informationen zur Bildung naiver Theorien?
Als die drei wesentliche Informationsquellen naiver Wirtschaftstheorien werden im Folgenden betrachtet: die Medien, die Politik und das direkte soziale Umfeld. Natürlich sind die Wirtschaftswissenschaften ein breites Forschungsgebiet zu dem Unmengen an Fach- und Sachliteratur existiert. Trotzdem dürften die meisten wirtschaftswissenschaftlichen Theorien der breiten Öffentlichkeit weder bekannt, noch verständlich sein. Viele Theorien setzen ein hohes Maß an Wissen und Verständnis voraus und sind daher schlichtweg schwer vermittelbar. Die Forschung und ihre Literatur selbst werden daher nicht als wesentliche Quelle der Information für die betrachtete Gruppe der Laien erachtet (Furnham, 1988).
[...]
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