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Das Konzept der Antipädagogik im Überblick

Autoren: Dana Bochmann, Sylvia Dreßler, Chr. Schaan
Fach: Pädagogik - Allgemein

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Details

Veranstaltung: Pädagogik und Pluralismus
Institution/Hochschule: Universität Trier (Abt.I - Fachbereich Pädagogik)
Tags: Antipädagogik, Pädagogik, Pluralismus
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1998
Seiten: 62
Note: 2-3
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 207 KB
Archivnummer: V6450
ISBN (E-Book): 978-3-638-14016-4
ISBN (Buch): 978-3-640-21109-8

Zusammenfassung / Abstract

Die Antipädagogik sieht die Erziehung als einen moralisch verwerflichen Eingriff in das Leben von Kindern an und fordert die Abschaffung der Erziehung. Sie stellt eine neue Lebensphilosophie dar, über die diese Hausarbeit berichten wird. ”Es ist seltsam, daß man seit man sich mit der Erziehung der Kinder beschäftigt hat, auf keine anderen Mittel, sie zu leiten, verfallen ist als auf Wetteifer, Eifersucht, Neid, Eitelkeit, Habgier, Feigheit, also gerade die gefährlichsten Leidenschaften, die am schnellsten emporschießen und am geeignetsten sind, die Seele zu verderben.” 1 ”Schafft die Erziehung ab!” - so lautet die radikale Forderung der Antipädagogen. Was sich noch alles hinter diesem Begriff verbirgt, werden folgende Ausführungen versuchen, zu verdeutlichen. Dem traditionellen pädagogischen Bild vom Menschen als ein erziehungsbedürftiges Wesen stellt die Antipädagogik eine radikale Antithese gegenüber: Kein Mensch ist erziehungsbedürftig. Die Erwachsenen sind nicht für die Kinder verantwortlich. Wenn man Kinder liebt, erzieht man sie nicht! Die Antipädagogik wendet sich von sämtlichen pädagogischen Theorien radikal ab und ersetzt das pädagogische Menschenbild durch ein antipädagogisches.2 Die Antipädagogik ist eine Bewegung, die heftig alle Erziehungsansprüche attackiert und die Notwendigkeit und den Nutzen von Erziehung verneint: ”Schafft die Erziehung ab!”3 Der Beginn der Antipädagogik im deutschsprachigen Raum liegt im Jahre 1975 und fällt mit der Veröffentlichung des Buches „Antipädagogik - Studien zur Abschaffung der Erziehung” (Braunmühl) zusammen. Dieses Buch ist ein kompromißloser, leidenschaftlicher Frontalangriff auf die Pädagogik und wurde in der pädagogischen Diskussion vorerst ignoriert. Anfang der 80er Jahre erschien das Buch „Am Anfang war Erziehung” von der Psychonanalytikerin Alice Miller. Dieser Bestseller sorgte für einen starken Aufschwung der Antipädagogik und somit war die Erziehungswissenschaft zum Handeln gezwungen. Ab den späten 70er Jahren wurde auch den griffigen und viel Staub aufwirbelnden antipädagogischen Postulaten in den Medien mehr Raum gewährt. 1 Zit. J. J. Rousseau aus Flitner, A. : Konrad, sprach die Frau Mama... Über Erziehung und Nicht-Erziehung. München 1985, S. 47 2 Vgl. Berner, H.: Aktuelle Strömungen in der Pädagogik. Stuttgart -Wien 1992, S. 222 3 Vgl. Flitner, A.: Konrad, sprach die Frau Mama... Über Erziehung und Nicht-Erziehung. München 1985, (Einleitung)

Textauszug (computergeneriert)

UNIVERSITÄT TRIER
Fachbereich I - Abt. Pädagogik

ANTIPÄDAGOGIK

Sylvia Dreßler, Dana Bochmann, Christoph Schaan

Pädagogik/ 3. Semester

Pädagogik und Pluralismus

WS 1997/1998

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1. Die Antipädagogik - allgemeine Betrachtung ... 1

2. Entwicklung einer Antipädagogik ... 3

3. Antipädagogik <-> Antiautoritäre Erziehung ... 7

4. Die Parallele zur Antipsychiatrie ... 9

5. Kinderrechtsbewegung bzw: Die juristische statt pädagogische
Beziehung ... 12

6. Die "Schwarze Pädagogik" ... 17

7. Die Pädagogik der Antipädagogik ... 20

8. Einer der Hauptverfechter: Ekkehard von Braunmühl ... 22
   
8.1. Kinderwunschmotiv und Kinderfeindlichkeit ... 22
    8.2. Autonomie ... 24
    8.3. Erziehung und ihr Erfolg ... 25
    8.4. und die PraxisS? ... 26

9. Die pädagogische Anthropologie als Rechtfertigung der Erziehung ... 28

10. Verschiedene Erziehungsbegriffe und kritische Stellungnahmen ... 29

11. Die Umrisse des antipädagogischen Gedankengebäudes
= das antipädagogische Menschenbild ... 31

12. Die Umsetzung des antipädagogischen Ansatzes ... 32
   
12.1. Grenzverletzung ... 33
    12.2. Überlegungen ... 33
    12.3. Erfahrungen ... 34
    12.4. Konstruktionsversuche ... 34

13. Die Bedeutung der Antipädagogik für den Erziehungs-Auftrag
der Schule ... 36

14. Die Antipädagogik oder die Kraft der Negation ... 41

15. Kritik an der Antipädagogik ... 43
   
15.1. Vereinfachungen ... 46
    15.2. Wissenschaftsfeindlichkeit ... 48
    15.3. Attraktivität ... 49

Schlußwort

Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

Die Antipädagogik sieht die Erziehung als einen moralisch verwerflichen Eingriff in das Leben von Kindern an und fordert die Abschaffung der Erziehung. Sie stellt eine neue Lebensphilosophie dar, über die diese Hausarbeit berichten wird.


"Es ist seltsam, daß man seit man
sich mit der Erziehung der Kinder
beschäftigt hat, auf keine anderen
Mittel, sie zu leiten, verfallen ist als
auf Wetteifer, Eifersucht, Neid,
Eitelkeit, Habgier, Feigheit, also
gerade die gefährlichsten Leidenschaften,
die am schnellsten emporschießen
und am geeignetsten sind, die
Seele zu verderben."

"Schafft die Erziehung ab!" - so lautet die radikale Forderung der Antipädagogen. Was sich noch alles hinter diesem Begriff verbirgt, werden folgende Ausführungen versuchen, zu verdeutlichen.

1. ANTIPÄDAGOGIK - ALLGEMEINE BETRACHTUNG

Dem traditionellen pädagogischen Bild vom Menschen als ein erziehungsbedürftiges Wesen stellt die Antipädagogik eine radikale Antithese gegenüber: Kein Mensch ist erziehungsbedürftig. Die Erwachsenen sind nicht für die Kinder verantwortlich. Wenn man Kinder liebt, erzieht man sie nicht! Die Antipädagogik wendet sich von sämtlichen pädagogischen Theorien radikal ab und ersetzt das pädagogische Menschenbild durch ein antipädagogisches. Die Antipädagogik ist eine Bewegung, die heftig alle Erziehungsansprüche attackiert und die Notwendigkeit und den Nutzen von Erziehung verneint: "Schafft die Erziehung ab!" Der Beginn der Antipädagogik im deutschsprachigen Raum liegt im Jahre 1975 und fällt mit der Veröffentlichung des Buches "Antipädagogik - Studien zur Abschaffung der Erziehung" (Braunmühl) zusammen. Dieses Buch ist ein kompromißloser, leidenschaftlicher Frontalangriff auf die Pädagogik und wurde in der pädagogischen Diskussion vorerst ignoriert. Anfang der 80er Jahre erschien das Buch "Am Anfang war Erziehung" von der Psychonanalytikerin Alice Miller. Dieser Bestseller sorgte für einen starken Aufschwung der Antipädagogik und somit war die Erziehungswissenschaft zum Handeln gezwungen. Ab den späten 70er Jahren wurde auch den griffigen und viel Staub aufwirbelnden antipädagogischen Postulaten in den Medien mehr Raum gewährt. 1979 kam das Lied "We don´t need education" von der englischen Popgruppe Pink Floyd auf den Markt.


"We don´t need education
We don´t need no thought control
No dark sarcasm in the classroom
Teachers leave the kids alone"

Dieser Song landete einen Millionenhit und vermittelte schmackhaft ein besonders auf Erziehung und Schule bezogenes Anti-Gefühl. Auch die modische Bewunderung der kindlichen Fähigkeiten führte zur Stärkung des antipädagogischen Ansatzes. Grönemeyer besingt in seinem Lied "Kinder an die Macht" das kindlich Geniale und Kompromißlose: "Sie sind die wahren Anarchisten/ lieben das Chaos/ räumen ab/ kennen keine Rechte/ keine Pflichten/ noch ungebeugte Kraft/ massenhaft ungestümer Stolz". Deshalb forderte Grönemeyer 1986, daß den Kindern das Kommando gegeben werden soll. Die Zahl von Erwachsenen, die von der Sehnsucht erfaßt werden, einmal wieder Kind zu sein, wird immer größer. Montagu schrieb 1984, daß die Kinder in den Bereichen Wissbegierde, Lernwilligkeit, Phantasie, Spielfreude, Aufgeschlossenheit, Flexibilität, Humor und Liebesbereitschaft den Erwachsenen überlegen sind. Er ist der Ansicht, daß es das Beste ist, wenn man die Kindheit bis zum sechzigsten Lebensalter verlängern würde. Das die Antipädagogik so erfolgreich in den 80er Jahren sein konnte, beruht also im wesentlichen auf diesen Grundstimmungen.

2. ENTWICKLUNG EINER ANTIPÄDAGOGIK

Antipädagogik kann nicht ohne Pädagogik existieren. Letzteres ist demnach Voraussetzung. Beinahe solange wie schriftliche Überlieferungen aus den Kulturen existieren, besteht auch die Pädagogik. Bevor die Entstehung der Antipädagogik näher beschrieben werden soll, wird der Begriff Erziehung definiert: "Erziehung ist die Einwirkung einzelner Personen oder der Gesellschaft auf einen sich entwickelnden Menschen und Erziehung im engeren Sinne ist die planmäßige Einwirkung von Eltern und Schule auf den Zögling, d.h. auf den unfertigen Menschen zu dessen Wesen die Ergänzungsbedürftigkeit und -fähigkeit, auch das Ergänzungsbestreben gehören.

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