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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 53 Pages
Author: cand. rer. oec. Manuel Rimkus
Subject: Geography / Earth Science - Economic Geography
Details
Tags: Regionalwirtschaftliche, Effekte, Transferzahlungen
Year: 2006
Pages: 53
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 80 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-57328-3
ISBN (Book): 978-3-638-70096-2
File size: 466 KB
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Abstract
In Zeiten leerer öffentlicher Kassen, schwachen Wirtschaftswachstums und hoher Arbeitslosigkeit beherrscht das Thema Transferzahlungen und Übertragungen die aktuelle politische Diskussion und führt immer wieder zu kontroversen Auseinandersetzungen bei der Frage einer sozialgerechten Umverteilung staatlicher Mittel an strukturschwache Regionen und bedürftige Leistungsempfänger. Die höchsten Transferzahlungen in der Bundesrepublik Deutschland finden im Rahmen des Länderfinanzausgleichs und der Bund-Länder Gemeinschaftsaufgabe zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ statt. Allein der West-Ost Nettotransfer durch den Bund, Westdeutschland und die Sozialversicherungen betrug nach Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle zwischen 2001 und 2003 über 202 Mrd. Euro und war damit für rund 25 Prozent der gesamten Nachfrage sowie zwischen 13 und 16 Prozent der nominalen Wertschöpfung in den neuen Bundesländern verantwortlich. Daneben leistete Deutschland in 2004 mit ca. 8,5 Mrd. Euro die höchsten absoluten Transferzahlungen zum EU-Haushalt. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es ein differenziertes Bild über die Komplexität von Transferzahlungen und Übertragungen mit ihren unterschiedlichen Zielsetzungen und Ausprägungen als eines der wichtigsten Instrumente der Regionalpolitik zu vermitteln und die verschiedenen Wirkungsrichtungen ihrer regionalwirtschaftlichen Effekte zu klären. Durch die modelltheoretische Falldiskussion des Core-Periphery-Modells von Krugman (1991) konnte bewiesen werden, dass eine reine Veränderung lediglich einer Stellgröße durch staatliche Transferzahlungen, wie die Senkung der Fix- und Transportkosten für Unternehmen oder die Erhöhung der staatlichen Nachfrage in der Peripherie, ohne die Berücksichtigung der gegenseitigen Ausstrahlungseffekte von Wirtschafts- und Investitionsförderungen zwischen den Regionen, nicht den von der Regionalpolitik gewünschten zirkulären Prozess industrieller Konzentration im strukturschwachen Umland mit sich bringt. Der Anspruch der Forschung muss dahingehend in der Entwicklung praxisnaher Instrumente liegen mit deren Hilfe die Politik die Konsequenzen einseitiger regionalwirtschaftlicher Förderungen bereits im Vorfeld besser beurteilen kann.
Excerpt (computer-generated)
Hauptseminararbeit am Institut für Wirtschaftsgeographie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Studiengang BWL
7. Semester
Finanzgeographie - Kapital und Finanzierung in räumlicher Perspektive
Regionalwirtschaftliche Effekte von Transferzahlungen und Übertragungen
Manuel Rimkus
Sommersemester 2006
Inhaltsverzeichnis:
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ... II
Abkürzungsverzeichnis ... III
1. Einleitung und Zielsetzung der Arbeit ... 4
2. Definitorische Einordnung von Transferzahlungen und Übertragungen bei der Analyse regionalwirtschaftlicher Effekte ... 6
2.1. Systematisierung und Begriffsbestimmung von Transferzahlungen und Übertragungen
2.2. Zielsetzungen von Transferzahlungen und Übertragungen ... 7
2.3. Darstellung regionalwirtschaftlicher Effekte von Transferzahlungen und Übertragungen ... 9
3. Theorie zur Wirkung regionalwirtschaftlicher Effekte von Transferzahlungen und Übertragungen ... 12
3.1. Übersicht theoretischer Grundlagen zur Untersuchung regionalwirtschaftlicher Effekte
3.2. Diskussion des Core-Periphery-Modells von Krugman (1991) ... 17
3.3. Kritische Würdigung und Weiterentwicklung ... 21
4. Empirie zur Wirkung regionalwirtschaftlicher Effekte von Transferzahlungen und Übertragungen ... 27
4.1. Auswahl empirischer Untersuchungen zur Modelltheorie
4.2. Räumliche Ausstrahlungseffekte von Investitionsförderungen ... 30
4.3. Exkurs 1: Analyse staatlicher Finanzströme und die Bedeutung der Investitionsförderung beim West-Ost Transfer ... 32
4.4. Exkurs 2: Statistischer Vergleich der Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte in Bayern von 1998 und 2003 ... 38
5. Ergebnisse der Analyse und Ausblick ... 40
Literaturverzeichnis ... 42
Anhang ... 49
1. Einleitung und Zielsetzung der Arbeit
In Zeiten leerer öffentlicher Kassen, schwachen Wirtschaftswachstums und hoher Arbeitslosigkeit beherrscht das Thema Transferzahlungen und Überragungen die aktuelle politische Diskussion und führt immer wieder zu kontroversen Auseinandersetzungen bei der Frage einer sozialgerechten Umverteilung staatlicher Mittel an strukturschwache Regionen und bedürftige Leistungsempfänger. Die neuesten Zahlen des statistischen Bundesamtes beziffern den aktuellen Schuldenstand von Bund, Länder, Gemeinden und Zweckverbänden Ende 2005 auf insgesamt 1,45 Billionen Euro und damit um 52,4 Milliarden Euro oder 3,8 Prozent höher als im Dezember 2004.1
Diese Entwicklung verstärkt den Konsolidierungsdruck auf die öffentlichen Haushalte und die Notwendigkeit nach einer nachhaltigen Finanzpolitik. So sollen laut dem neunzehnten Subventionsbericht der Bundesregierung die Haushalte mittelfristig um rund 40 Mrd. Euro entlastet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden bereits zwischen 2001 und 2004 die Finanzhilfen des Bundes um 26,2 Prozent gesenkt, was insbesondere zu Lasten der subventionierten Bereiche Bergbau, Landwirtschaft oder der sozialen Wohnungsraumförderung ging.2
Die höchsten Transferzahlungen in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) finden im Rahmen des Länderfinanzausgleichs (LFAs) und der Bund-Länder Gemeinschaftsaufgabe (GA) zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ statt.3 Allein der West-Ost Nettotransfer durch den Bund, Westdeutschland und die Sozialversicherungen betrug nach Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zwischen 2001 und 2003 über 202 Mrd. Euro und war damit für rund 25 Prozent der gesamten Nachfrage sowie zwischen 13 und 16 Prozent der nominalen Wertschöpfung in den neuen Bundesländern verantwortlich.4 Daneben leistete Deutschland in 2004 mit rund 8,5 Mrd. Euro die höchsten absoluten Transferzahlungen zum EU-Haushalt, an denen indirekt auch die neuen Länder als Ziel-1-Förderregion des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) partizipierten.5
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es ein differenziertes Bild über die Komplexität von Transferzahlungen und Übertragungen mit ihren unterschiedlichen Zielsetzungen und Ausprägungen als eines der wichtigsten Instrumente der Regionalpolitik zu vermitteln und die verschiedenen Wirkungsrichtungen ihrer regionalwirtschaftlichen Effekte zu klären. Dabei fokussiert sich die Analyse auf die strukturpolitische Bund-Länder GA und legt den inhaltlichen Schwerpunkt auf die Untersuchung regionalwirtschaftlicher Effekte der Wirtschafts- und Investitionsförderung.
Da regionalwirtschaftliche Effekte der Förderpolitik stark kontextabhängig sind, werden hierfür im ersten Abschnitt der Analyse eine Systematisierung und definitorische Einordnung der Begriffe Transferzahlungen und Übertragungen vorgenommen und im Zusammenhang regionalwirtschaftlicher Effekte dargestellt. Anschließend erfolgt im zweiten Abschnitt die theoretische Modellentwicklung aus dem Theoriegebäude der Neuen Ökonomischen Geographie (NÖG) und dem Core-Periphery-Modell (CPM) von Krugman (1991)6 . Zur Weiterentwicklung des Modells wird auf die Erkenntnisse der erweiterten Wirkungskontrolle aus der Untersuchung über Ausstrahlungseffekte der Investitionsförderung von Eckey und Kosfeld (2004)7 zurückgegriffen. Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der empirischen Anwendbarkeit der getroffenen Modellannahmen. Im Rahmen zweier Exkurse wird die Bedeutung von Transferzahlungen aus staatlicher Perspektive am Beispiel des West-Ost Transfers und aus Sicht der Leistungsempfänger durch einen statistischen Vergleich der Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte in Bayern von 1998 und 2003 verdeutlicht. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Analyseergebnisse und Ausblick schließen die Arbeit ab.
[...]
1 Vgl. FAZ.NET (Öffentliche Haushalte 2006).
2 Vgl. BMF (Subventionsbericht 2003), S.7f.
3 Vgl. Lammers/Niebuhr (Erfolgskontrolle Regionalpolitik 2002), S.6.
4 Vgl. Lehmann/Ludwig/Ragnitz (Wirtschaftskraft der neuen Länder 2005), S.132.
5 Vgl. Deutsche Bundesbank (EU-Haushalt 2005).
6 Vgl. Krugman, P. (Geography and Trade 1991), S.14ff.
7 Vgl. Eckey/Kosfeld (Ausstrahlungseffekte der Investitionsförderung 2004), S.3ff.
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