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'Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt' - zu Schillers Briefen 'Über die ästhetische Erziehung des Menschen'

Termpaper, 2005, 21 Pages
Author: Elisabeth Donhauser
Subject: Pedagogy - History of Pedagogy

Details

Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 21
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V64545
ISBN (E-book): 978-3-638-57331-3
ISBN (Book): 978-3-638-79200-4
File size: 160 KB

Abstract

In seinen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ entwirft Friedrich Schiller das Bild eines idealen Staates, in dem sich der einzelne Mensch frei entfalten kann, ohne dass die Interessen der Gemeinschaft verletzt werden. Das Mittel, um einen solchen Staat zu schaffen, ist für Schiller die Ästhetik, beziehungsweise die ästhetische Bildung des Menschen. Ausgehend von den gegenwärtigen Bedingungen seiner Zeit greift er die rousseauistische Theorie auf, dass sich der Mensch bei wachsendem wissenschaftlich-technischen Fortschritt zunehmend von sich selbst entfremdet. In dieser Gespaltenheit der menschlichen Seele – zwischen sinnlich-emotionaler und vernünftig-rationaler Welt – sieht Schiller die Ursache aller negativen Entwicklungen des Individuums und somit auch der Gesellschaft. Um diese Entwicklung aufzuheben proklamiert Schiller die alles versöhnende Kraft der Ästhetik. Nur im ästhetischen Zustand, wenn der Mensch mit der Schönheit spielt, wie Schiller es nennt, werden die beiden antagonistischen Prinzipien „Gefühl“ und „Verstand“ miteinander harmonisch verbunden. Diese Verbindung muss im idealen Staat realisiert werden. Im Folgenden soll diese Philosophie Schillers möglichst kompakt zusammengefasst und erklärt werden. Dabei ist es zum besseren Verständnis von Vorteil, die logische Struktur der Briefe beizubehalten, ihre jeweiligen Kernaussagen jedoch übersichtlich zusammenzufassen. Auch werden einige grundlegende Begriffe erklärt werden, die für die aufschlussreiche Rezeption hilfreich sind.


Excerpt (computer-generated)

Bayrische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Tutorium Pädagogik

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ - zu Schillers Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“

Elisabeth Donhauser

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einführung ins Thema und Darstellung der Vorgehensweise ... 2

2. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ zu Schillers Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ ... 3

2.1 Schillers politische Zeitdiagnose und seine philosophische Anthropologie ... 3
2.1.1 Naturstaat und moralischer Staat ... 4
2.1.2 Physischer und moralischer Mensch ... 6
2.2 Schillers Idee der versöhnenden Wirkung der Ästhetik ... 8
2.2.1 Zustand und Person ... 8
2.2.2 Stofftrieb und Formtrieb ... 10
2.2.3 Spieltrieb, Schönheit und ästhetischer Zustand ... 11
2.3 Schillers Utopie eines ästhetischen Staates ... 15
2.3.1 Welt des schönen Scheins ... 15
2.3.2 Möglichkeiten und Grenzen der Ästhetik ... 16

3. Nachüberlegungen ... 18

Literaturverzeichnis ... 20

 

 

1. Einführung ins Thema und Darstellung der Vorgehensweise

In seinen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ entwirft Friedrich Schiller das Bild eines idealen Staates, in dem sich der einzelne Mensch frei entfalten kann, ohne dass die Interessen der Gemeinschaft verletzt werden, oder in dem „ihm das ‚sittliche Betragen’ zur ‚Natur’ werde.“1
Das Mittel, um einen solchen Staat zu schaffen, ist für Schiller die Ästhetik, beziehungsweise die ästhetische Bildung des Menschen.

Ausgehend von den gegenwärtigen Bedingungen seiner Zeit greift er die rousseauistische Theorie auf, dass sich der Mensch bei wachsendem wissenschaftlich-technischen Fortschritt zunehmend selbst entfremdet.
In dieser Gespaltenheit der menschlichen Seele – zwischen sinnlich-emotionaler und vernünftig-rationaler Welt – sieht Schiller die Ursache aller negativen Entwicklungen des Individuums und somit auch der Gesellschaft.

Um diese Entwicklung aufzuheben proklamiert Schiller die alles versöhnende Kraft der Ästhetik. Nur im ästhetischen Zustand, wenn der Mensch mit der Schönheit spielt, wie Schiller es nennt, werden die beiden antagonistischen Prinzipien „Gefühl“ und „Verstand“ miteinander harmonisch verbunden.
Diese Verbindung muss im idealen Staat realisiert werden.

Im Folgenden soll diese Philosophie Schillers möglichst kompakt zusammengefasst und erklärt werden.
Dabei ist es zum besseren Verständnis von Vorteil, die logische Struktur der Briefe beizubehalten, ihre jeweiligen Kernaussagen jedoch übersichtlich zusammenzufassen. Auch werden einige grundlegende Begriffe zu klären sein, die für die aufschlussreiche Rezeption hilfreich sind.

Im Zentrum der Briefe „Über die ästhetische Erziehung des Menschen, kann ein konkreter Satz heraussegmentiert werden, der den Kern der Philosophie Schillers relativ knapp wiedergibt:


„Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Dieser Satz […] wird […] eine große Bedeutung erhalten […]; er wird, ich verspreche es Ihnen, das ganze Gebäude der ästhetischen Kunst und der noch schwierigern Lebenskunst tragen.“2

Dieser Satz kann auch innerhalb der folgenden Erläuterungen als Leitfaden angesehen werden.


2.1 Schillers politische Zeitdiagnose und seine philosophische Anthropologie

In den ersten beiden Briefen stellt Schiller seine Vorgehensweise dar und weist auf die Problematik der genauen begrifflichen Trennung hin, die für die rationale Abhandlung zwar notwendig, für das emotionale Nachempfinden jedoch hinderlich sei.


„Wie der Scheidekünstler, so findet auch der Philosoph nur durch Auflösung die Verbindung […]. Um die flüchtige Erscheinung zu haschen, muß er sie in die Fesseln der Regel schlagen […].“3

In der Tat scheint es zunächst paradox, Begriffe wie „Ästhetik“ oder „Schönheit“ theoretisch erklären zu wollen. Das System der jeweiligen Gegenüberstellung gegensätzlicher Begrifflichkeiten ist jedoch in Schillers Briefen elementar, da es die Voraussetzung für den Alles verbindenden Ästhetikbegriff ist und somit zum besseren Verständnis beiträgt.


2.1.1 Naturstaat und moralischer Staat

Ausgehend von den gesellschaftspolitischen Umständen seiner Zeit unterscheidet Schiller zwei Möglichkeiten der Staatsbildung.
Alles beginnt damit, dass der Mensch bereits in ein bestehendes Staatssystem hineingeboren wird. Schiller bezeichnet das typische Staatssystem seiner Zeit als „Naturstaat“.
Dieser Staat ist für ihn ein “Notstaat, der aus seiner Naturbestimmung hervorgegangen“4. Er stellt sozusagen die notwendige Rohform menschlichen Zusammenlebens dar, die für das Überleben der Gemeinschaft unumgänglich ist. In ihm herrschen bloße Naturgesetze, wie beispielsweise das Recht des Stärkeren, und der einzelne Mensch ist diesen Gesetzen ausgeliefert und muss sich ihnen unterordnen.
Auch der gegenwärtige Staat stellt für Schiller einen Naturstaat dar. Durch den zunehmenden wissenschaftlich-technischen Fortschritt der Aufklärung verliert der einzelne Staatsbürger an Bedeutung.
Schiller bezeichnet den Staat auch als ein Uhrwerk, in dem der einzelne Bürger lediglich „funktionieren“ muss.


„Auseinandergerissen wurden jetzt der Staat und die Kirche, die Gesetze und die Sitten; der Genuß wurde von der Arbeit, das Mittel vom Zweck, die Anstrengung von der Belohnung geschieden. Ewig nur an ein einzelnes kleines Bruchstück des Ganzen gefesselt, bildet sich der Mensch selbst nur als Bruchstück aus;
[…] Aber selbst der karge fragmentarische Anteil, der die einzelnen Glieder noch an das Ganze knüpft, [...] wird ihnen mit skrupulöser Strenge durch ein Formular vorgeschrieben, in welchem man ihre freie Einsicht gebunden hält.“
5

 

[...]


1 Vosskühler, Friedrich: Kunst als Mythos der Moderne. Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 2004. S. 38
2 Schiller, Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen. Stuttgart: Reclam Universal-Bibliothek 1986. S. 63
3 Ebd. S. 4
4 Schiller, Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen. Stuttgart: Reclam Universal-Bibliothek 1986. S. 8
5 Ebd. S. 20


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