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Autor: Mag. Stephan Burianek
Fach: Theaterwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Universität Wien (Theater-, Film- und Medienwissenschaft)
Tags: Menschenbild, Federico, García, Lorcas, Bauerntrilogie, Sozialkritik, Spanien, Jahre, Menschenbilder, Wandel, Zeit
Jahr: 2006
Seiten: 16
Note: Sehr Gut
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 114 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-57350-4
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Menschenauffassung bzw. das Menschenbild in den Werken García Lorcas zu determinieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Dramenautoren lieferte Lorca ganz bewusst gesellschaftliche Bestandsaufnahmen und beleuchtete die für das Individuum dadurch hervorgerufenen Probleme. Daher eignen sich Lorcas Werke besonders gut für die Analyse des Menschenbilds im Spanien seiner Zeit.
Textauszug (computergeneriert)
Das Menschenbild in
Federico García Lorcas Bauerntrilogie
Sozialkritik im Spanien der 1930er Jahre
Juni 2006
SE Theorien und Methoden der Theaterwissenschaft
Menschenbilder im Wandel der Zeit - SS 2005
Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft
Universität Wien
von
Stephan Burianek
Inhaltsverzeichnis
1 Ziel und Methode 3
2 Lorca und das Spanien seiner Zeit 4
3 Menschenbilder
3.1 Bildung und Erziehung 6
3.2 Heirat und Familie 7
3.3 Die Dorfgesellschaft 9
3.4 Das Frauenbild 12
4 Schlussbetrachtung 15
Literatur 16
1 Ziel und Methode
Das Theater bearbeitete im Laufe seiner Geschichte unterschiedlichste Themen und brachte unzählige Figuren hervor. Selten verfolgten Autoren das Ziel, Werke für die Ewigkeit zu schaffen. Dennoch überdauerten manche Theaterstücke die Jahrhunderte und werden, wenngleich in aktualisierter Form, bis heute gezeigt. Die Zeitlosigkeit der behandelten Themen war für solche Stücke zumeist eine wichtige Grundvoraussetzung für deren Überleben. Doch unabhängig von der Allgemeingültigkeit der Themen geben Theaterstücke häufig Aufschluss über soziale Faktoren zur Entstehungszeit – vor allem dann, wenn man sie in einen geschichtlichen Kontext setzt. Sie implizieren ein Gesamtbild der Gesellschaft, welches manchmal als „lebendiger Spiegel ihrer Menschenauffassung“1 in den Stücken zutage tritt.
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die „Menschenauffassung“ bzw. das „Menschenbild“ in den Werken García Lorcas zu determinieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Dramenautoren lieferte Lorca ganz bewusst gesellschaftliche Bestandsaufnahmen und beleuchtete die für das Individuum dadurch hervorgerufenen Probleme. Daher eignen sich Lorcas Werke besonders gut für die Analyse des Menschenbilds im Spanien seiner Zeit – auch wenn der Realismus in seinen Theaterstücken häufig einer „poetischen Phantasie“2 Platz macht.
Herangezogen werden hierfür die Werke seiner „Bauerntrilogie“3: „Bodas de sangre“ (1933), „Yerma“ (1934) und „La casa de Bernarda Alba“ (1936). Zu Beginn der Arbeit wird Lorcas familiärer Hintergrund erläutert sowie die politische und sozio-kulturelle Situation im Spanien der 1930er Jahre behandelt. Danach erfolgt eine Analyse des in der Bauerntrilogie gezeichneten Menschenbilds des Dorfmitglieds anhand der Aspekte Erziehung und Bildung, Heirat und Familie, Dorfgesellschaft sowie Bild der Frau. Diese Einteilung soll ein möglichst allgemein umfassendes Bild des mittelständischen Individuums in der Gesellschaft ermöglichen. Die Schlussfolgerungen werden mit Auszügen aus der Bauerntrilogie untermauert, wobei für die jeweilige Übersetzung der Autor verantwortlich zeichnet.
2 Lorca und das Spanien seiner Zeit
Als Lorca im Jahr 1898 in dem andalusischen Dorf Fuente Vaqueros nahe Granada das Licht der Welt erblickte, machte das von König Alfons XIII. regierte Spanien in politischer Hinsicht eine schwere Zeit durch. Die einst so mächtige Kolonialmacht musste Kuba, die Philippinen und Puerto Rico an die USA abtreten. Darüber hinaus regten sich ideologische Ideen in der Bevölkerung, welche durch eine kritische Einstellung gegenüber der Monarchie geprägt waren. Als Spanien im Jahr 1921 auch noch das 12 Jahre zuvor besetzte Protektorat in Nordmarokko gemeinsam mit tausenden Soldaten verlor, mündete der zwischenzeitlich unregierbar gewordene Staat in einer Militärdiktatur unter dem General Miguel Primo de Rivera. Als provisorische Diktatur proklamiert, hielt sie sich bis 1930.
Im April 1931 wurde nach Gemeindewahlen die Zweite Republik ausgerufen (die Erste Republik im Jahr 1873 dauerte 11 Monate). Die neue Verfassung führte neben dem Frauenwahlrecht die Zivilehe ein. Letztere lässt den starken Einfluss der katholischen Kirche erahnen. Das Neue Wiener Journal vom 5.5.1926 berichtete etwa von einem Autodafé auf Mallorca, bei dem „ketzerische“ Bücher feierlich in Rahmen einer Prozession verbrannt wurden:
So geschehen im 20. Jahrhundert, im Zeitalter des Radios, des Zeppelin-Luftschiffes, der Flüge um die Welt und der Fernphotographie, allerdings im dunkelsten Winkel Spaniens, wo man die Bevölkerung vor allen diesen Dingen noch getreulich behütet haben dürfte. 4
Die neue Regierung stand auf schwachen Beinen, Reformen waren nur schwer durchzusetzen. Zu groß war der Einfluss der Konservativen. Die politische Instabilität führte 1936 letztlich in den Spanischen Bürgerkrieg. Zu den ersten Opfern gehörte Federico García Lorca. Der Dichter wuchs wohlbehütet innerhalb einer großen und reichen Familie auf. Sein Vater war ein erfolgreicher Geschäftsmann, der u.a. durch die Auspflanzung von Zuckerrüben zu Wohlstand gekommen war. Das familiäre Umfeld des Dichters kann als liberal und teilweise als antiklerikal bezeichnet werden. Zudem lebte er von klein auf in dem Bewusstsein, Zigeuner- und Judenblut in sich zu tragen – was wohl sein Engagement für Minderheiten erklärt.5
[....]
1 Dietrich (1952), S. 5.
2 Federico García Lorca, in: Beck (1966), S. 39.
3 Vgl. Völpel (2004), S. 87.
4 Neues Wiener Journal vom 5.5.1996, S. 10.
5 Vgl. Gibson (1994), S. 23ff.
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