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Stunde Null, Re-Education und Re-Orientation - Planung, Probleme und Folgen der Entnazifizierung und Demokratisierung Deutschlands

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 25 Pages
Author: Patrick Wilke
Subject: History - Postwar Period, Cold War

Details

Event: Seminar: „Coca-Colonisation und die Marilyn-Monroe-Doktrin: Die kulturelle Bindung Westeuropas an die USA in der Frühzeit des Kalten Kriegs.“
Institution/College: Justus-Liebig-University Giessen (FB 04)
Tags: Stunde, Null, Re-Education, Re-Orientation, Planung, Probleme, Folgen, Entnazifizierung, Demokratisierung, Deutschlands, Seminar, Marilyn-Monroe-Doktrin, Bindung, Westeuropas, monroe-doktrin, coca cola, denazification, cold war, democratization, occupation, besatzung, nachkrieg, politik, offizier, militär, kalter krieg, kalter, krieg
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 22  Entries
Language: German
Archive No.: V64706
ISBN (E-book): 978-3-638-57452-5
ISBN (Book): 978-3-638-95201-9
File size: 273 KB
Notes :
Logisch aufgebaute Arbeit, auch sprachlich stark. Ausführungen können voll überzeugen. Agumentation abgewogen und zusammenhängend, sehr gute Kenntnisse der Literatur nachgewiesen. Inhaltlich nichts zu kritisieren. Abbewertung auf 1,3 wegen leichter Überlänge und formalen Flüchtigkeitsfehlern.


Abstract

Deutschlands Situation nach der bedingungslosen Kapitulation am achten Mai 1945 war in jeder Hinsicht eine Besonderheit: Das dritte Reich war „erobert, besetzt, von den Siegern verwaltet, Kriegsverluste nicht nur an der Front – auch bei den Frauen und Kindern zu Hause, zerbombte Städte, Krüppel, Gefangene, Not und Elend, eine Flüchtlingswelle aus dem Osten und wenig später die Vertriebenen von jenseits der Oder und Neiße“. Die Einführung einer neuen Staatsform unter diesen besonderen Umständen und innerhalb weniger Jahre war ein „bemerkenswerter Lern- und Wandlungsprozess“9, und brachte neben politischem und strukturellem Wandel für Deutschland auch massive organisatorische und informationspolitische Probleme für die Alliierten mit sich. Gleichzeitig fanden - gewollte oder ungewollte – Kulturtransfers statt, deren Folgen niemand abschätzen konnte, und die bis in die heutige Zeit nachwirken. Die Entnazifizierung und Demokratisierung Deutschlands durch die Briten und vor allem US-Amerikaner sowie die damit verbundenen Probleme, Diskussionen und Folgen sind Gegenstand dieser Arbeit. Die französische und die sowjetische Besatzungspolitik werden nur vergleichend gestreift, um den Umfang der Arbeit nicht zu sprengen. Ebenso soll diese Arbeit einen Überblick über die aktuelle und die immer noch aktuelle Forschungsliteratur geben. Eine detaillierte Gesamtdarstellung des Komplexes Besatzung-Entnazifizierung- Demokratisierung, ist in diesem Rahmen nicht zu geben - vielmehr sollen besondere Probleme und Zusammenhänge aufgezeigt, sowie zu weiterführender Forschung angeregt werden.


Excerpt (computer-generated)

Justus Liebig Universität Gießen
Seminar: „Coca-Colonisation und die Marilyn-Monroe-Doktrin:
Die kulturelle Bindung Westeuropas an die USA
in der Frühzeit des Kalten Kriegs“
September 2006

Stunde Null, Re-Education und Re-Orientation –
Planung, Probleme und Folgen der Entnazifizierung
und Demokratisierung Deutschlands

von: Patrick Wilke

 


Inhalt

1. EINLEITUNG 3

1.1 ALLIIERTE DEUTSCHLANDPOLITIK IM KONTEXT ALLIIERTER INTERESSEN 3
1.2 FORSCHUNGSSTAND 4

2. PROBLEME DER BESATZUNGS- UND DEUTSCHLANDPOLITIK 7

3. RE-EDUCATION, UMORIENTIERUNG UND DEMOKRATISIERUNG 13

3.1 VON DER UMERZIEHUNG ZUR UMORIENTIERUNG 13
3.2 DEMOKRATISIERUNG 15
3.3 PROBLEME DER DEMOKRATISIERUNG 16

4. ZUSAMMENFASSUNG DER US-DEUTSCHLANDPOLITIK 20

4.1 FAZIT - STUNDE NULL UND DIE ERFOLGE DER UMERZIEHUNG 22

5. QUELLEN UND LITERATUR 24

QUELLEN 24

LITERATUR 24



 

 

1. Einleitung

1.1 Alliierte Deutschlandpolitik im Kontext alliierter Interessen

Die außenpolitischen Interessen der USA waren spätestens seit dem Ersten Weltkrieg gespalten. Bis dahin hatte man gewollte Isolation betrieben. Speziell die Nichteinmischung zwischen amerikanischer und europäischer Politik war zur politischen Linie erklärt worden - eine Haltung, die sich bereits 1823 in der Monroedoktrin manifestiert hatte, in der die Grundzüge einer langfristigen USamerikanischen Außenpolitik definiert wurden1. Andererseits gab es wirtschaftspolitische Aktivitäten in Asien2 und Europa sowie militärische Interventionen, vor allem im Ersten3 und noch stärker im und nach dem Zweiten Weltkrieg, wenn auch stets nach einigem Zögern und unter heftigen inneren Diskussionen4. Man kann sagen, die beiden Weltkriege reaktivierten das internationale politische Engagement der USA - eine Entwicklung hin zu einer neuen Politik der jungen Weltmacht, die in der Trumandoktrin 1947 verschriftlicht und gerechtfertigt wurde5 und bis heute je nach Anlass unter so unterschiedlichen wie unscharfen Begriffen ‚Amerikanischer Traum’, ‚Modernisierung’, ‚Amerikanisierung’ oder ‚Weltpolizist USA’ zusammengefasst wird6.

Zwischen Vertretern der unterschiedlichsten Denkrichtungen - hauptsächlich Einmischung contra Isolation - entbrannten immer wieder Kämpfe um die außenpolitischen Aktivitäten der Vereinigten Staaten7. In diesem Zusammenhang stehen bezüglich der nach 1945 neu entstehenden Bundesrepublik Deutschland und dem zusammenwachsenden Europa auch die oft thematisierten ‚Transatlantischen Beziehungen’, die NATO und der bis heute ungebrochene missionarische Eifer der führenden Westmächte: die Demokratie und die Moderne in die Welt hinauszutragen sowie ihre Märkte auszudehnen, so auch auf das zum zweiten Mal besiegte Deutschland. Um das Land, dass wiederholt durch Völkermord und Angriffskriege Europa an den Rand des Abgrundes gebracht hatte, zu befrieden, später auch um es zu re-integrieren, führten die Alliierten eine Umerziehung der Bevölkerung durch. Diese Re- Education und die Etablierung der Demokratie in Westdeutschland stellten politische Projekte von bis dahin ungekannten Ausmaßen dar.

Deutschlands Situation nach der bedingungslosen Kapitulation am achten Mai 1945 war in jeder Hinsicht eine Besonderheit: Das dritte Reich war „erobert, besetzt, von den Siegern verwaltet, Kriegsverluste nicht nur an der Front – auch bei den Frauen und Kindern zu Hause, zerbombte Städte, Krüppel, Gefangene, Not und Elend, eine Flüchtlingswelle aus dem Osten und wenig später die Vertriebenen von jenseits der Oder und Neiße“8. Die Einführung einer neuen Staatsform unter diesen besonderen Umständen und innerhalb weniger Jahre war ein „bemerkenswerter Lern- und Wandlungsprozess“9, und brachte neben politischem und strukturellem Wandel für Deutschland auch massive organisatorische und informationspolitische Probleme für die Alliierten mit sich. Gleichzeitig fanden - gewollte oder ungewollte – Kulturtransfers statt, deren Folgen niemand abschätzen konnte, und die bis in die heutige Zeit nachwirken. Die Entnazifizierung und Demokratisierung Deutschlands durch die Briten und vor allem US-Amerikaner sowie die damit verbundenen Probleme, Diskussionen und Folgen sind Gegenstand dieser Arbeit. Die französische und die sowjetische Besatzungspolitik werden nur vergleichend gestreift, um den Umfang der Arbeit nicht zu sprengen. Ebenso soll diese Arbeit einen Überblick über die aktuelle und die immer noch aktuelle Forschungsliteratur geben. Eine detaillierte Gesamtdarstellung des Komplexes Besatzung-Entnazifizierung- Demokratisierung, ist in diesem Rahmen nicht zu geben - vielmehr sollen besondere Probleme und Zusammenhänge aufgezeigt, sowie zu weiterführender Forschung angeregt werden.

1.2 Forschungsstand

Viele bisherige Arbeiten beziehen sich auf einen Besatzungssektor, einen alliierten Besatzer, ein Bundesland oder ein spezielles Thema10; dies ist aufgrund der Teilung des besetzten Deutschland und der individuellen Entwicklungen innerhalb der Sektoren und Länder verständlich11. Karl-Ernst Bungenstab legte um 1970 eine erste „quellenmäßig fundierte und methodisch einwandfreie historische und politologische“ Arbeit zum komplizierten Thema Re-Education und der Bewertung dieses umwälzenden Prozesses vor12 und unterteilte die Demokratisierungsbestrebungen der Alliierten in zwei Ebenen: Parteiengründungen, demokratische Wahlen und demokratische Verfassungen stellen demnach Teile der ersten, institutionellen Ebene dar, die durch die zweite Ebene, die Re-Education ergänzt wurde, „Re-Education kann somit als der geistige Prozess der Demokratisierung [...] bezeichnet werden“13. Norbert Frei14 und Hermann-Josef Rupieper15 geben hervorragende Übersichten über die Besatzungspolitik und Demokratisierung Deutschlands nach 1945 und die Verarbeitung jüngster Vergangenheit in der Ära Adenauer. Norbert Frei prägte den Begriff der „Vergangenheitspolitik“, womit er die in den 40er und 50er Jahren von der Regierung Adenauer mit Sympathie weiter Teile der Bevölkerung unternommenen Bemühungen zusammenfasste, die auf eine Entlastung der Deutschen im Kontext der Kollektivschuldthese zielten16.

[...]


1 Murphy, Gretchen: Hemispheric imaginings. The Monroe Doctrine and narratives of U.S. empire, University Press, Durham 2005.

2 Zum US-Engagement im Pazifik und Kanonenbootdiplomatie siehe Notehelfer, F. G.: Japan Through American Eyes: The Journal of Francis Hall Kanagawa and Yokohama 1859-1866 : From the Cleveland Public Library John G White Collection, Princeton University Press, Princeton 1993, siehe auch: John Jay College of Criminal Justice, http://web.jjay.cuny.edu/~jobrien/reference/ob25.html, Stand: Mai 2006.

3 Siehe Woodrow Wilsons Ansprache an den Congress am achten Januar 1918, in: Schambeck, Herbert / Widder, Helmut (Hg) / Bergmann, Marcus (Hg): Dokumente zur Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, Duncker & Humblot, Berlin 1993, S. 436-440.

4 Bungenstab, Karl-Ernst: Umerziehung zur Demokratie? Re-education-Politik im Bildungswesen der US-Zone 1945-49, Bertelsmann Universitätsverlag, Gütersloh 1970, S. 145ff.

5 Zitat Truman: „Ich glaube, wir müssen allen freien Völkern helfen, damit sie die Geschicke auf ihre Weise selbst bestimmen können. Unter einem solchen Beistand verstehe ich vor allem wirtschaftliche und finanzielle Hilfe“, In: Schambeck, Herbert / Widder, Helmut (Hg) / Bergmann, Marcus (Hg): Dokumente zur Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, S. 507ff.

6 Zur Begriffsbestimmung und Diskussion von Modernisierung, Amerikanisierung und Westernisierung siehe: Bauerkämper, Arndt (Hg), Jarausch, Konrad H.(Hg), Payk, Markus M. (Hg): Demokratiewunder: transatlantische Mittler und die kulturelle Öffnung Westdeutschlands 1945 – 1970, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 13-23.

7 Bauerkämper, Arndt (Hg), Jarausch, Konrad H.(Hg), Payk, Markus M. (Hg): Demokratiewunder: transatlantische Mittler und die kulturelle Öffnung Westdeutschlands 1945 – 1970, S. 41-45.

8 Franz Schneider (Hg.): Der Weg der Bundesrepublik – von 1945 bis zur Gegenwart, Verlag C. H. Beck, München 1985, S. 11.

9 Bauerkämper, Arndt (Hg), Jarausch, Konrad H.(Hg), Payk, Markus M. (Hg): Demokratiewunder : transatlantische Mittler und die kulturelle Öffnung Westdeutschlands 1945 – 1970, S. 12.

10 Zur Schul- und Jugendpolitik der Alliierten: Füssl, Karl-Heinz: Die Umerziehung der Deutschen : Jugend und Schule unter den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs 1945-1955, Schöningh, Paderborn 1994; zu Kulturpolitik in Hessen: Fedler, Patricia: Anfänge der staatlichen Kulturpolitik in Hessen nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1955) : Schule, Erwachsenenbildung, Kunst und Theater im Spannungsfeld zwischen amerikanischer Re-educationpolitik und deutscher Kulturtradition, Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1993; zur politischen Geschichte in der Besatzungszeit Hessens: Mühlhausen, Walter: Hessen 1945-1950 – Zur politischen Geschichte eines Landes in der Besatzungszeit; zur Re-Education in Schule und Universitäten: Karl-Ernst Bungenstab: Umerziehung zur Demokratie? Re-education-Politik im Bildungswesen der US-Zone 1945-49; zu deutsch-deutschen Konflikten um Aufarbeitung, Westbindung und staatliche Legitimation: Weinke, Anette: Die Verfolgung von NS-Tätern im geteilten Deutschland – Vergangenheitsbewältigung 1949-1969 oder: Eine deutsch-deutsche Beziehungsgeschichte im Kalten Krieg, Ferdinand Schöningh, Paderborn 2002; zu geschlechterspezifischen Fragen, Annäherung zwischen Besatzern und Besetzten sowie die Evolution der Feindbilder siehe: Goedde, Petra: Gis and Germans: Culture, Gender and Foreign Relations, 1945-1949, Yale University Press, Yale 2003.

11 Patricia Fedler: Anfänge der staatlichen Kulturpolitik in Hessen nach dem Zweiten Weltkrieg (1945 - 1955) : Schule, Erwachsenenbildung, Kunst und Theater im Spannungsfeld zwischen amerikanischer Reeducationpolitik und deutscher Kulturtradition, S. 2.

12 Karl-Ernst Bungenstab: Umerziehung zur Demokratie? Re-education-Politik im Bildungswesen der US-Zone 1945-49, S. 9.

13 Ebd., S. 18.

14 Norbert Frei, Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, S. 13.

15 Rupieper, Herrmann-Josef: Die Wurzeln der westdeutschen Nachkriegsdemokratie – Der amerikanische Beitrag 1945-1952, Westdeutscher Verlag, Opladen 1993.

16 Frei, Norbert: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, 1996.


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