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Thesis (M.A.), 2006, 121 Pages
Author: M.A. Florian Rosenbauer
Subject: Communications: Research, Studies, Enquiries
Details
Tags: Deutsche, Lebensrealitäten, Identitätskonstruktionen, Hauptschule, HIPHOP-Video
Year: 2006
Pages: 121
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 31 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-57461-7
File size: 9511 KB
Die vorliegende Magisterarbeit geht von einem Ereignis in der deutschen HipHop Szene aus, welches weit über die Szene hinaus zu kontroversen Diskussionen führte. 2005 veröffentlichte der Berliner Rap-Musikers Fler unter dem Titel Neue Deutsche Welle 2005 ein Musikvideo, in dem sich dieser unter Rückgriff auf eine provokative und zweifelhafte Symbolik, die vom Kampfhund über Mercedes-Benz bis zum Bundesadler reicht, als deutschen HipHoper zu präsentieren suchte...
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Abstract
Als der Berliner Rapmusiker Fler im Jahr 2005 sein Musikvideo NDW2005 veröffentlicht, geht ein Aufschrei moralischer Empörung durch die Medien. Die Rede ist von Nazi-Rap und Fascho-Ästhetik und davon, ob Deutsch-Sein überhaupt artikuliert werden darf, und wenn ja, wie. Anlass genug, sich dem Medientext unter medienwissenschaftlichen Gesichtspunkten zu nähern, und ihn soweit zu zerlegen, bis klar wird, welche Identitäten konstruiert und angeboten werden, und was daran ein solches Medieninteresse begründet Die Erkenntnisse überraschen und nähren einen Verdacht: Gibt es unter bestimmten deutschen Jugendlichen das Bedürfnis nach einer deutschen Identität, nach der Zugehörgikeit zu einer deutsch-indigenen Minderheiten-Community als einer/ bzw. inmitten von anderen Communities einer multikulturellen Gesellschaft?
Excerpt (computer-generated)
Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Philologie
»Kuck wie’s der Deutsche macht«
Lebensrealitäten und Identitätskonstruktionen zwischen Hauptschule und HipHop-Video
Schriftliche Hausarbeit für die Magisterprüfung
(Magisterprüfungsordnung vom 8. Dezember 1998)
vorgelegt von: Florian Rosenbauer
vorgelegt am: 28. 8. 2006
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 5
2. Grundlagen ... 7
2.1 HipHop und „Glokalität“ ... 9
2.2 HipHop in Deutschland ... 12
2.3 Deutschrap in der Krise? ... 14
3. Medienanalyse I – „Fler: NDW2005“ (Video/Promo) ... 16
3.1 Vorbemerkung ... 18
3.2 Analyse-Ansatz ... 19
3.3 Methodik ... 19
3.4 Semiotische Analyse ... 20
3.5 Shots: Bildaufbau, Denotation, Lyrics ... 20
3.6 Paradigmatische Dimension ... 28
3.7 Diskursivität ... 32
3.8 Schlussfolgerungen ... 35
4. Medienanalyse II – „K.I.Z.: Was willst du machen?“ (Lyrics/Promo) ... 38
4.1 Vorbemerkung ... 38
4.2 Methodischer Ansatz ... 40
4.3 Analyse ... 40
4.3.1 Denotativ ... 43
4.3.2 Konnotativ ... 43
5. Die Interviews ... 46
5.1 Selbst-Positionierung ... 47
5.2 Anonymisierung ... 48
5.3 Vorbereitung ... 49
5.3.1 Die Fragebögen ... 49
5.3.2 Fragebögen-Ergebnisse ... 50
5.3.2 Fragebögen-Auswertung ... 56
5.4 Interview-Konzeption ... 59
5.4.1 Frage- und Auswertungskategorien ... 59
5.5 Interview-Auswertung ... 60
6. Zusammenfassung und Schluss ... 65
7. Anhang ... 67
7.1 Interview-Materialien ... 68
7.1.1 Einverständniserklärung ... 68
7.1.2 Fragebögen ... 69
7.1.3 Interview-Transkript (Video-Interviews) ... 96
8. Quellenverzeichnis ... 118
8.1 Literatur ... 118
8.2 Vorträge ... 120
8.3 Zeitungs-, Magazin- und Internetartikel ... 120
8.4 Bildnachweise ... 121
8.5 Filme ... 121
1. Einleitung
Wir leben in einer Welt der globalen Kulturen, die heute von Menschen überall auf dieser Erde lokal angeeignet werden. Dies geschieht über die Medien, die uns tagtäglich eine gewaltige Masse an Bildern und Texten unterschiedlichster Art zur Verfügung stellen. HipHop ist eine dieser globalen Kulturen und wie keine andere erfreut sie sich eine vor allem jugendliche Anhängerschaft, die sie in so unglaublicher Heterogenität und Vielfalt bis in die kleinsten Einheiten sozialen Zusammenlebens hinein weiterentwickelt, ausformt und –füllt, und immer wieder scheinbar neu erfindet. Der Reiz dieser HipHop-Kultur liegt in dem, was der Medienwissenschaftler und Soziologe Lothar Mikos (2005, 1) darin sieht, den Spannungsbogen zwischen Gemeinsamkeit und Differenz über das gleiche Medium simultan auszudrücken: „Der venezuelanische HipHopper, der auf Salsa zurückgreift unterscheidet sich natürlich von dem deutschen HipHopper der auf Mozart zurückgreift, gleizeitig sind sie aber Teil einer globalen HipHop-Kultur“ (ebd., 1). Entstanden in den 1970er Jahren im Millieu karibischer Einwanderer, die auf den Straßen der New Yorker Bronx ihre Identität ausdrückten, half und hilft sie auch heute noch Migranten und deren Nachkommen – auch in Deutschland - Brücken zwischen der Kultur der Eltern und der Kultur in der neuen Heimat zu schlagen (Vgl. Loh/Güngör 2002, 54 ff). Doch was geschieht wenn in Deutschland, einem Land mit zwiespältigem Verständnis der eigenen nationalen Identität, Rapper damit beginnen, über die Kulturform HipHop eine eigene, deutsche Identität zu erzeugen? Solange sie dieses Anliegen nicht explizit als deutsch formulieren – wenig. Kritik, die an deutschen HipHoppern, die auf deutsch rappten, geübt wurde, beschränkte sich darauf, sie als zu kommerziell, nicht glaubhaft oder nicht real zu bezeichnen. HipHop-Kritiker wie Hannes Loh sprachen dem Deutschrap die credibility ab, weil er eben nicht aus Migrantenkreisen kam, weil er eben nicht die seiner Ansicht nach nötige Aura der sozialen Ausgrenzung und Unterdrückung sein eigen nennen konnte (Loh/Güngör 2002, 13). Und dann mischt plötzlich ein deutscher Rapper im nationalen HipHop-Diskurs mit, der mit provokanten Symbolen und Texten spielt und sich öffentlichkeitswirksam das Deutschtum auf die Fahnen schreibt – um gerade die genannte credibility zu erlangen: Als Deutscher, als Ausgegrenzter, als underdog. Die Veröffentlichung des Titels NDW2005 des Künstlers Fler im Mai 2005 löste eine zu diesem Zeitpunkt ungekannte Diskussion aus. Als ich das Musikvideo zu NDW2005 erstmals auf dem Musiksender VIVA bewusst wahrnahm, wollte ich wissen, was dahinter steckt. Was dran ist, an dem scheinbaren Bedürfnis einiger deutscher Jugendlicher, sich eine solche Identität anzueignen. Was für eine Identität sollte das überhaupt sein?
Andreas Hepp schreibt in Cultural Studies und Medienanalyse: „Vor dem Hintergrund, dass Medien zentrale Kristallisationspunkte für vielfältige Jugendkulturen sind, hat die Frage der Medienaneignung von Jugendlichen in den Jugendstudien von Anfang an einen großen Stellenwert gehabt. Dabei werden Medien als keine die Jugendlichen manipulierenden oder die Alltagswelt der Jugendlichen nivellierenden Kräfte gesehen, vielmehr wird davon ausgegangen, dass Medienprodukte für die Jugendlichen symbolische Ressourcen sind, die es ihnen ermöglichen, eigene Erfahrungen in medienbezogenen Jugendkulturen auszudrücken“ (ebd. 1999, 186) (Vgl auch: Vogelsang 1994 und Willis/Jones/et al. 1991 – angeführt im selben Artikel).
Was, wenn nun diese „eigenen Erfahrungen“ rekursiv oder in einer Schleife immer wieder durch die Medien zurück zu den Jugendkulturen und wieder zu den Medien laufen? Müsste dann nicht die Überprüfung eines derart aufgeladenen Medientextes wie NDW2005 an der jugendkulturellen Basis Aufschluss geben?
Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt darin, herauszufinden, inwieweit NDW2005 der Lebensrealität der Individuen der angesprochenen und zielgruppenmäßig anvisierten Jugendkultur entspricht, und welche Reaktionen die Identitätskonstruktionen/-angebote des Textes sozusagen an der Basis auslösen. Versucht soll dies werden, indem in einem ersten Schritt der betreffende Medientext mit Hilfe medienwissenschaftlicher Methoden so weitgehend wie möglich auf seine Aussage und Intention festgelegt wird (zu diesem Zweck soll eine Medienanalyse erstellt werden). In einem zweiten Schritt sollen die so gewonnenen Erkenntnisse in eine 9. Klasse einer Hauptschule getragen werden, um die Schüler dazu einzuladen, sich damit auseinanderzusetzen (im Rahmen von qualitativen Interviews).
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