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Seminararbeit, 1991, 23 Seiten
Autor: Dr. Klaus Geyer
Fach: Skandinavistik
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Institut für Deutsche Sprache und Literatur, Nordische Philologie)
Tags: Saga, Njals Saga, Njáls Saga, Frauenrolle, Frauenbild
Jahr: 1991
Seiten: 23
Note: sehr gut (1)
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-14041-6
Dateigröße: 191 KB
War die Gesellschaft im mittelalterlichen Island tatsächlich so männerdominiert, wie die Sagas glauben machen, oder lassen sich in der bekannten Njáls Saga Hinweise auf eine stärkere Stellung der Frauen finden? Um diese Frage beantworten zu können, werden in einer detaillierten Untersuchung alle Frauengestalten des Textes, ihre Darstellung und ihre Rolle kritisch durchleuchtet.
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Textauszug (computergeneriert)
Auf der Suche nach Spuren einer vormals matriarchalen Gesellschaftsordnung
Friedrich Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Nordische Philologie
Proseminar "Njáls saga"
Sommersemester 1991
Autor Klaus Geyer
Inhalt
1. Vorbemerkungen
2. Zu den matriarchalen Grundstrukturen
2.1 Frauen, die für den Gang der Geschichte von Bedeutung sind
2.2 Frauen, die zudem vom Verfasser näher charakterisiert werden
3. Zum Weltbild und zur Intention des Autors
4. Beispiele für Spuren matriarchaler Gesellschaftsorganisation
4.1 Der religiös - rituelle Bereich
4.2 Der soziale Bereich (mit ökonomischen Aspekten)
5. Schlußbetrachtung
6. Quellen- und Literaturnachweis
1. Vorbemerkungen
Außer Zweifel steht, daß die Njala in der vorliegenden Form nicht das Ergebnis jahrhundertelanger mündlicher Erzähltradition ist, sondern das Werk eines Autors oder Kompilators, was gerade im Falle der Njala wegen des enormen Umfangs, der Vielzahl der Personen und deren komplizierter Verknüpfung untereinender überzeugt. Rolf Heller verwendet in seinen Untersuchungen über "Die literarische Darstellung der Frau in den Isländersagas" (1) große Mühe darauf zu zeigen, daß im Grunde kein einziges erzähltes konkretes Ereignis als "kulturgeschichtlich wahr" (2) angesehen werden kann. Dies erscheint für einzelne, detaillierte Begebenheiten auch einleuchtend. Zu dem Schluß, daß es sich bei der Njala dennoch nicht um bloße Fiktion handelt, kommt Lars Lönnroth: "Suffice it to say that the plot was built up traditional material which existed in some form before the writing of the saga, but that the material was then thoroughly transformed by the author to suit his particular idiom, style, ideology, and artistic vision. We may thus conclude that even though the plot was traditional, the saga was not; it was an individual literary creation" (3).
Inwieweit die Saga letztendlich die Vorstellung des Autors von der isländischen Welt von über 200 Jahren vorher wiedergibt, inwieweit er repräsentativ für seine Zeitgenossen steht, inwieweit die Saga auch, nach Hellers Vorschlag, eine Reflexion des Zeitraums darstellt, in dem die Saga geschrieben wurde (4), spielt für die angestrebte Suche nach matriarchalen Spuren eine nur untergeordnete Rolle.
Wann immer Frauen in der Saga auftreten, stets ist es nach Heller so, "daß die Frau für die Verfasser nicht Ziel der Darstellung ist, sondern überwiegend in dienender Funktion steht bei der Darstellung männlichen Heldentums" (5). Die Handlungen der Frauen werden also als literarische Motive gedeutet. Dennoch: "Fast alle Motive haben ihre Wurzeln in der Wirklichkeit isländischen Lebens" (6), und genau diese Wurzeln sind der Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Es stellt sich nicht die Frage nach der Authentizität einzelner erzählter Ereignisse oder Ereignisketten, sondern nach der Authentizität der Motive, d.h. danach, inwieweit sich in der Njala Spuren einer zurückliegenden matriarchalen Gesellschaftsstruktur wiedererkennen lassen.
In folgenden Schritten möchte ich deshalb in dieser Arbeit vorgehen:
- Erläuterung der für die Saga relevanten matriarchalen Grundstrukturen.
- Überblick über die vorkommenden Frauengestalten und deren Handlungen.
- Betrachtung der didaktisch-christlichen Intention des Autors.
- Daß die Handlungen der Frauen in der Njala mehr sind als bloße literarische Motive, wird dann ebenso zu diskutieren sein wie der Umstand, daß diese Handlungen von dem christlich geprägten Autor teilweise uminterpretiert worden sind.
2. Zu den matriarchalen Grundstrukturen (7)
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