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Thesis (M.A.), 2006, 108 Pages
Author: Sinologe, M.A. Markus Schilling
Subject: Orientalism / Sinology - Chinese / China
Details
Tags: Frauenbewegung, Taiwan, Beispiel, Diskriminierungen, Zeitschrift, Awakening
Year: 2006
Pages: 108
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 95 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-57618-5
ISBN (Book): 978-3-638-71040-4
File size: 1618 KB
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Abstract
Die vorliegende Arbeit „Die Frauenbewegung in Taiwan am Beispiel von Diskriminierungen in der Zeitschrift Awakening von 1996 bis 2005“ entstand im Wintersemester 05/06 und wurde als Magisterarbeit am Institut für Aussereuropäische Sprachen und Kulturen im Fach Sinologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg angefertigt. Sie ist der Versuch, einen Überblick über die Frauenbewegung und die Probleme der Frauen in Taiwan zu geben, um am Ende einen möglichen Zusammenhang zwischen den gegenwärtigen Problemen und den Diskriminierungen der Frauen in der chinesischen Vergangenheit herzustellen. Es sollen dabei nicht nur die Hintergründe dieser Entwicklung untersucht werden, sondern auch versucht werden, eine Antwort darauf zu finden, warum die Frauenbewegung in Taiwan erst spät Erfolge verzeichnen konnte. Ausgaben der Zeitschrift Awakening (funu xinzhi妇女新知) aus dem Zeitraum von 1995 bis 2005 dienen in diesem Zusammenhang als Quelle für Beispiele von Diskriminierungen. Zu diesem Zweck wird unter anderem auf Begrifflichkeiten, wie zum Beispiel der Frauenbewegung und des Feminismus, eingegangen, die Bedeutung der Awakening Foundation aufgezeigt und die Geschichte der Frauenbewegung in China und in westlichen Ländern betrachtet. Im Hauptteil steht die Frauenbewegung Taiwans im Mittelpunkt der Betrachtung. Dabei wird Anhand von Beispielen von Diskriminierungen, entnommen aus der Zeitschrift Awakening und anderen Quellen, ein Bild der Rolle der Frau in der heutigen taiwanesischen Gesellschaft gezeichnet. Am Ende der Arbeit wird ein möglicher Zusammenhang der traditionellen Rolle der Frau und der gegenwärtigen Stellung der Frau in der taiwanesischen Gesellschaft betrachtet. Am Ende werden die Ergebnisse der Arbeit, ergänzt durch ein Interview mit der Präsidentin der Awakening Foundation, Frau Ceng Zhaoyuan曾昭媛, zusammengefasst.
Excerpt (computer-generated)
Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen – Nürnberg
Die Frauenbewegung in Taiwan am Beispiel von Diskrimi-
nierungen in der Zeitschrift Awakening von 1996 bis 2005
Markus Schilling
Februar 2006
INHALTSVERZEICHNIS
Inhaltsverzeichnis…i
1. Einleitung…4
2. Bedeutungen von Begriffen ... 7
2.1 Feminismus und Frauenbewegung ... 7
2.2 Gender Mainstream ... 9
3. Frauenbewegung im Westen und in China ... 10
3.1 Die Wege der Frauenbewegung im Westen ... 11
3.2 Die Anfänge der Frauenbewegung in der chinesischen Gesellschaft ... 16
4. Die Frauenbewegung in Taiwan ... 19
4.1 Das „Erwachen“ der Frauen in Taiwan ... 20
4.1.1 Von den Anfängen bis 1980 ... 21
4.1.2 Die Zeitspanne von 1980 bis 1990 ... 23
4.1.3 Die Frauenbewegung nach 1990 ... 25
4.2 Die Awakening Foundation und die Zeitschrift Awakening ... 28
4.3 Probleme der Frauen in der taiwanesischen Gesellschaft im Diskurs über Diskriminierungen in der Zeitschrift Awakening von 1996 bis 2005 ... 29
4.3.1 Die Stellung der Frauen in der Politik ... 30
4.3.2 Die Rechte der Frauen ... 33
4.3.3 Beschäftigungsverhältnisse und wirtschaftliche Situation von Frauen ... 36
4.3.4 Frauen und Gesundheit ... 43
4.3.5 Frauen und Sicherheit ... 44
4.3.6 Frauen und Medien ... 49
4.3.7 Frauen und Bildung ... 51
4.3.8 Frauen und ihr Umfeld ... 55
4.3.9 Unterdrückte Minderheiten und deren Menschenrechte ... 61
4.4. Erfolge und deren Implikationen ... 65
4.5. Zusammenfassung ... 69
5. Zusammenhang von Tradition und gegenwärtiger Stellung der Frau in der taiwanesischen Gesellschaft? ... 72
5.1 Die Rolle der Frauen im kulturellen Kontext ... 73
5.2 Vergangene Formen der Diskriminierung? ... 78
5.3 Die untergeordnete Stellung der Frau in der traditionellen chinesischen Gesellschaft und Lü Xiulian´s Neuer Feminismus ... 84
5.4 Zusammenfassung ... 88
6. Fazit, Interview mit Ceng Zhaoyuan曾昭媛 ... 90
Anhang ... 95
Literaturverzeichnis ... 101
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit „Die Frauenbewegung in Taiwan am Beispiel von Diskriminierungen in der Zeitschrift Awakening von 1996 bis 2005“ ist der Versuch, einen Überblick über die Frauenbewegung und die Probleme der Frauen in Taiwan zu geben, um am Ende einen möglichen Zusammenhang zwischen den gegenwärtigen Problemen und den Diskriminierungen der Frauen in der chinesischen Vergangenheit herzustellen. Es sollen dabei nicht nur die Hintergründe dieser Entwicklung untersucht werden, sondern auch versucht werden, eine Antwort darauf zu finden, warum die Frauenbewegung in Taiwan erst spät Erfolge verzeichnen konnte. Ausgaben der Zeitschrift Awakening (funu xinzhi妇女新知) aus dem Zeitraum von 1995 bis 2005 dienen in diesem Zusammenhang als Quelle für Beispiele von Diskriminierungen. Literatur in deutscher, englischer und chinesischer Sprache aus den Bereichen Populärwissenschaft sowie der Forschung ergänzen diese Quelle. In den Kapiteln zur Frauenbewegung in Taiwan wurden überwiegend chinesische Quellen verwendet, zum Beispiel „die Geschichte der Befreiungsbewegung der Frauen in Taiwan“ von Wang Yake王雅各.1
Der Feminismus in Taiwan hat seine ganz spezifische Entwicklungsgeschichte und spielt bezüglich der gesellschaftlichen Veränderungen in Taiwan eine wichtige Rolle. Nachdem ich auf einige Begriffe, die in der späteren Analyse von Bedeutung sein werden, näher eingehe, erscheint es mir lohnenswert, Formen des Feminismus in der westlichen Gesellschaft der Entwicklung der Frauenbewegung in Taiwan gegenüberzustellen, um die Besonderheiten der Frauenbewegung in Taiwan deutlicher herausstellen zu können.
Nach der Machtübernahme durch die Kommunistische Partei Chinas und dem Rückzug der Guomindang nach Taiwan, gingen die Frauen in Taiwan und auf dem Festland getrennte Wege. Die Entwicklung der Liberalisierung geriet am Anfang des 20. Jahrhunderts in den Konflikt zwischen Kommunismus und Nationalismus, als die Guomindang versuchte, konfuzianische Werte zu erhalten. Während die Rolle der Frau unter den Kommunisten neu definiert wurde, wollte die Guomindang traditionelle Werte bewahren und sah die Hauptaufgabe der Frauen weiterhin in der Erfüllung der häuslichen Pflichten. In den 60er und 70er Jahren wurde der Modernisierungsprozess von der Guomindang vorangetrieben. Es wurden Arbeitsplätze für Frauen geschaffen, gleiche Löhne gesetzlich festgelegt, eine freie Wahl des Ehepartners, gleiche Scheidungsrechte und Erbschaftsansprüche garantiert. Ferner wurde der Schutz des Eigentums von verheirateten Frauen gesetzlich festgelegt. Die Realität blieb davon jedoch vorerst unberührt, aber mit dieser Maßnahme nahm man der Frauenbewegung damals wichtige kritische Ansatzpunkte.2 Die Frauen- und Menschenrechtlerin Lü Xiulian呂秀莲 kämpfte für mehr Freiheit und schrieb Artikel für das Formosa Magazin. Nach der Menschenrechtsdemonstration in Gaoxiong 1979 wurde sie jedoch zu zwölf Jahren Haft verurteilt.3 Zu dieser Zeit gab es sehr wenige positive reale Veränderungen für die Frauen in der Gesellschaft und auch heute sind die Frauen von einer Situation der Gleichberechtigung, vor allem in der Privatsphäre, weit entfernt.
Die Zeitschrift Awakening stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der Frauenbewegung auf Taiwan dar. Sie entstand 1982 auf Initiative von Li Yuanchen李 元貞und ihren Freunden, um das Selbstbewusstsein von Frauen zu stärken und sie zur Weiterentwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit zu ermutigen. Die Zeitschrift ist ein Forum für Feministinnen aus der Region, lässt aber auch westliches Gedankengut einfließen.4 Die vielen Beispiele von Diskriminierungen in der Zeitschrift geben sowohl einen guten Überblick über die Probleme von Frauen, als auch über die Frauenbewegung an sich. Die Ausgaben dieser Zeitschrift von 1996 bis 2005 bieten jedoch lediglich eine Basis, die durch wissenschaftliche Arbeiten und Veröffentlichungen der taiwanesischen Regierung ergänzt werden.
Im letzten Abschnitt möchte ich versuchen, die Frauenbewegung im kulturellen und geschichtlichen Kontext zu betrachten, um einen etwas tieferen Einblick in die gegenwärtige Stellung der Frau in der taiwanesischen Gesellschaft zu erhalten. Ebenfalls werde ich auf den Zusammenhang von Konfuzianismus und Feminismus eingehen, den Christiane Zimmermann in ihrem Buch „Konfuzianismus und Feminismus in Taiwan“ ausführlich behandelt hat. Frauen hatten und haben in der chinesischen Gesellschaft einen niedrigeren Stand als Männer. Diese Ungleichstellung wurde im Konfuzianismus festgehalten und prägt die chinesische Gesellschaft bis heute. Frauen hatten in der chinesischen Gesellschaft lange eine untergeordnete Stellung und mussten viele Erniedrigungen ertragen. Oft lässt sich kein direkter Zusammenhang mit dem Konfuzianismus herstellen, jedoch hatte dieser auf die Stellung der Frau in der Gesellschaft großen Einfluss und wirkte auf diese Weise unterstützend für eine von Männern dominierten Gesellschaft. Der Prozess der Unterordnung der Frauen erreichte im 10. Jahrhundert seinen Höhenpunkt; zu dieser Zeit herrschte die Mode der „goldenen Lilien“, bei der den Frauen die Füße gebunden wurden. Das Binden der Füße verursachte nicht nur körperliche Qualen, sondern wirkte sich darüber hinaus destruktiv auf die Psyche der Frauen aus.
Als Wegbereiter der Gleichstellung von Frauen gilt Li Ruzhen 李汝珍. Er stellte mit seinem Roman Jing Huayuan 鏡花缘 (Flowers in the mirror) die gesellschaftliche Unterdrückung der Frauen in Frage.5 Ausdruck der Ungleichstellung waren zum Beispiel: Kein Zugang zu Bildung und öffentlichen Ämtern, beziehungsweise Arbeitsplätzen allgemein, Ausschluss von Erbschaftsansprüchen, Kindermord (überwiegend bei Mädchen), Prostitution (oftmals aufgrund einer schlechten finanziellen Situation) oder der Behandlung der Frau im Hause des Ehemanns als Fremde.
Vor dem Hintergrund einer ungleichen Behandlung der Frauen, deren Wurzeln weit in die Geschichte Chinas zurückreichen, möchte ich versuchen, einen möglichen Zusammenhang mit den Problemen der Frauen heute zu erörtern. Lü Xiulian 呂秀莲 stellt dazu den Konfuzianismus in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Sie grenzt ihre Idee des neuen Feminismus von der allgemeinen ab, indem sie sagt, dass man erst Mensch ist und dann erst Mann oder Frau; und nicht der Mann ein Mensch ist und die Frau nur eine Frau, wie das Beziehungsverhältnis im Konfuzianismus oft interpretiert wird. Sie kämpft gegen Vorurteile und sieht dabei den Mann nicht als Feind, der in den USA verwendete Begriff des Feminismus geht ihr zu weit. Nach Meinung von Christine Zimmermann propagiert Lü 呂 keinen neuen Feminismus, sondern einen neuen Humanismus. Auch vom amerikanischen Begriff der Frauenbewegung „Befreiungsbewegung“ (jiefang yundong 解放运动) will sich Lü 呂 distanzieren. Ihr geht es nicht um eine Befreiung von den Männern und eine Bewegung will sie auch nicht auslösen, da diese meist nur von kurzer Dauer sind.6
Auch auf dem Festland gab es Schriftstellerinnen, die sich von amerikanischen Autoren missverstanden fühlten und sich nicht mit deren Feminismus identifizieren wollten. Vertreterinnen des Feminismus in westlichen Ländern übersehen oft die Vielzahl der Formen, die Feminismus annehmen kann und übertragen ihre Sicht des Feminismus auf China. Dagegen wollen Schriftstellerinnen wie Wang Anyi 王安忆 oder Dai Qing 戴晴 ihre Ideen nicht mit Begriffen des Feminismus aus dem Westen beschreiben lassen. Auch geht ihnen die Betonung der Unterschiede zu Männern zu weit: „According to their understanding, one of the premises of (western) feminism is to deny the distinction between men and women.“ 7
Sie ist sogar der Meinung, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts in gewissen Situationen bevorteilt behandelt werden. Zum Beispiel würden Schriftstellerinnen überdurchschnittlich bezahlt.8 Ein weiteres Beispiel ist der Film „Oh, Cradle!“ (a, yaolan!啊,摇蓝!) von Huang Shuqin 黄蜀芹. Ihr Film war nicht mit Blick auf männliche oder feministische Aspekte entstanden, genau dies wurde ihr jedoch von westlichen Frauenrechtlerinnen unterstellt. Die Unterschiede zwischen den Arten von Feminismus in den unterschiedlichen Nationen und Ethnizitäten beachten westliche Feministinnen nur unzureichend und dies hat statt Solidarität zu einem Konflikt geführt.9 Dies spiegelt sich unter anderem in den Terminologien nüquan zhuyi (女权主义) und nüxing zhuyi (女性主义) wider. Der Begriff des Feminismus chinesischer Prägung schließt zum Beispiel den speziellen historischen und sozialen Hintergrund Chinas mit ein.10
Genauso wenig, wie sich Feminismus eindeutig definieren lässt, gibt es keinen universal gültigen Feminismus, der für jede Frauenbewegung auf der Welt der passende wäre. Die allgemeine Theorie des Feminismus kann in jeder Gesellschaft ihre ganz eigene Bedeutung haben. Der Fokus in dieser Arbeit liegt nicht in der Betrachtung der unterschiedlichen Theorien des Feminismus, sondern richtet sich auf die Frauenbewegung in Taiwan und soll einen etwas tieferen Einblick in die spezifischen Bestimmungsgrößen dieser Bewegung geben. Dies beinhaltet auch eine historische Betrachtung der Stellung der Frauen in der chinesischen Gesellschaft. Zum besseren Verständnis der nachfolgenden Ausführungen werden zunächst die Begriffe Feminismus, Frauenbewegung und Gender Mainstream erläutert.
[...]
1 Wang Yake王雅各, taiwan funü jiefang yundongshi 台湾妇女解放运动史 [Die Geschichte der Befreiungsbewegung der Frauen in Taiwan], juliu tushu youxiangongsi巨流图书有限公司, Taibei, 1999
2 Zimmermann Christine, Konfuzianismus und Feminismus in Taiwan, Ute Schiller, Berlin, 1987, S. 22f.
3 Zimmermann Christine, S. 42
4 Gail Hershatter, Emily Honig, Susan Mann, and Lisa Rofel, Guide to Women´s Studies in China, University of California, Berkeley, 1998, S. 117
5 Zimmermann Christine, S. 15f.
6 Zimmermann Christine, S. 54ff.
7 Wu Yenna, The ´communicatioan gap´ between western feminists and chinese women intellectuals and its implications for feminist readings of Chinese literature, in: tamkang review, Vol XXXII, No.2, tamkang university, Hongkong, S.71, 75
8 Wu Yenna, S. 71-75
9 Wu Yenna, S. 84
10 Wu Yenna, S. 92
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