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Wahrnehmung fremder Kulturen: I. "Türkenbilder" in Europa

Termpaper, 2003, 15 Pages
Author: Edgar Deibert
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Event: "Reich und Türkengefahr": Kulturkontakte zwischen islamischer und christlicher Welt in der Frühen Neuzeit
Institution/College: University of Osnabrück
Tags: Wahrnehmung, Kulturen, Türkenbilder, Europa, Reich, Türkengefahr, Kulturkontakte, Welt, Frühen, Neuzeit
Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 15
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V64951
ISBN (E-book): 978-3-638-57633-8
ISBN (Book): 978-3-640-41209-9
File size: 216 KB

Abstract

Die Quellenlage zum Thema „Türkenbilder“ in Europa ist breit gefächert. Zahlreiche uns heute überlieferte Sagen, Lieder und Balladen befassen sich mit der Türkenthematik der damaligen Zeit. Hinzu kommen eine Vielzahl von Reise- und Gesandtschaftsberichten, sowie Berichten von Kriegsgefangenen. Flugblätter und Flugschriften waren das wichtigste Medium zur Verbreitung eines bestimmten Türkenbildes. Und dieses war in der Regel ein fest gefügtes Feindbild, welches beim „Aufeinanderprall zweier völlig divergierender Kulturen, kontroverser Religionen und unterschiedlicher strukturierter Gesellschaftsordnungen“ entstand. Wie sah dieses Bild aus, welches eine ungeheuere Furcht vor den Türken auslöste? Inwiefern diese Türkenfurcht zu Propagandazwecken benutzt wurde soll hier auch untersucht werden. In meiner Arbeit konzentriere ich mich im Wesentlichen auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Ausgenommen von Ungarn war es am meisten von dem Osmanischen Reich direkt bedroht. Luther und seine Lehre soll als Vertreter dieser Zeit näher untersucht werden. Denn er ist eine „Fundgrube für Wahrnehmung und Einschätzung der Türken seiner Zeit“. Die Hausarbeit wird auf seine heilsgeschichtliche Deutung der Türkenproblematik eingehen. Zum Ende des 17. Jahrhunderts erfährt das Türkenbild in Europa einen bemerkenswerte Wandlung. Es reicht über Triumphgefühl und Spott bis hin zur Türkenbewunderung im 18. Jahrhundert. Ich möchte die Ursachen für diesen Mentalitätswandel näher beleuchten. Zudem stellt sich die Frage, welcher Art die Bewunderung war. Und gab es sie vielleicht auch schon früher? Das Türkenbild im Europa der Frühen Neuzeit schwankte zwischen „Turkophilie und Turkophobie“.


Excerpt (computer-generated)

Universität Osnabrück
Proseminar: „Reich und Türkengefahr“: Kulturkontakte
zwischen islamischer und christlicher Welt in der Frühen Neuzeit
4. Semester, Sommersemester 2003

Wahrnehmung fremder Kulturen: I. "Türkenbilder" in Europa

von: Edgar Deibert

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite 1-2

2. Die Angst vor den Türken

2.1. „Die Türken vor Brüssel“ Seite 2
2.2. Türkenfurcht Seite 2-5

3. Die Sicht der katholischen Kirche Seite 5-6

4. Luthers Türkenbild Seite 6-8

5. Türkenkriegspropaganda Seite 8-9

6. Wandel des Türkenbildes Seite 9-10

7. Zusammenfassung Seite 11

8. Literaturverzeichnis Seite 12-13

 


 

1. Einleitung

Zwei geschändete Frauen liegen tot am Boden. Ihre neugeborenen Kinder sind zwei offensichtlich türkischen Soldaten in die Hände gefallen. Eines der Kinder wird von einem Soldaten auf einen Holzzaun aufgespießt, ein anderes hat dieses Schicksal schon erfahren und hängt leblos am Zaun. Der dritte Säugling wird von dem Soldaten im Bildvordergrund kopfüber am Bein gehalten. Mit seinem Krummsäbel holt er aus, um das Kind in der Mitte auseinander zu schlagen. Dieses Bild von vermeintlich unmenschlich grausamen türkischen Soldaten liefert uns der Holzschnitt von Hans Weigel aus dem Jahr 1530. Es ist eine Verarbeitung der Geschichte in Bildern, weitere Holzschnitte und volkstümliche Malereien stellen kriegerische Auseinandersetzungen der Frühen Neuzeit dar (z.B. die Schlacht von Lepanto von Paolo Veronese 1572). Die Quellenlage zum Thema „Türkenbilder“ in Europa ist breit gefächert. Zahlreiche uns heute überlieferte Sagen, Lieder und Balladen befassen sich mit der Türkenthematik der damaligen Zeit. Hinzu kommen eine Vielzahl von Reise- und Gesandtschaftsberichten, sowie Berichten von Kriegsgefangenen. Flugblätter und Flugschriften waren das wichtigste Medium zur Verbreitung eines bestimmten Türkenbildes. Und dieses war in der Regel ein fest gefügtes Feindbild, welches beim „Aufeinanderprall zweier völlig divergierender Kulturen, kontroverser Religionen und unterschiedlicher strukturierter Gesellschaftsordnungen“ entstand.1 Wie sah dieses Bild aus, welches eine ungeheuere Furcht vor den Türken auslöste? Inwiefern diese Türkenfurcht zu Propagandazwecken benutzt wurde soll hier auch untersucht werden.

In meiner Arbeit konzentriere ich mich im Wesentlichen auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (im folgenden nur „Reich“). Ausgenommen von Ungarn war es am meisten von dem Osmanischen Reich direkt bedroht. Luther und seine Lehre soll als Vertreter dieser Zeit näher untersucht werden. Denn er ist eine „Fundgrube für Wahrnehmung und Einschätzung der Türken seiner Zeit“.2 Die Hausarbeit wird auf seine heilsgeschichtliche Deutung der Türkenproblematik eingehen.

Zum Ende des 17. Jahrhunderts erfährt das Türkenbild in Europa einen bemerkenswerte Wandlung. Es reicht über Triumphgefühl und Spott bis hin zur Türkenbewunderung im 18. Jahrhundert. Ich möchte die Ursachen für diesen Mentalitätswandel näher beleuchten. Zudem stellt sich die Frage, welcher Art die Bewunderung war. Und gab es sie vielleicht auch schon früher? Das Türkenbild im Europa der Frühen Neuzeit schwankte zwischen „Turkophilie und Turkophobie“.3 (Philie = Liebe/ Freundschaft; Phobie = krankhafte Angst)

2. Die Angst vor den Türken

2.1. „Die Türken vor Brüssel“

Der Schreckensausruf „Die Türken vor Wien“ verbreitete sich im 16.Jahrhundert wie ein Lauffeuer in Europa. Und selbst in unserer Gegenwart ist er noch vielen Menschen geläufig. Die Zeitung „Die Welt“ änderte ihn ab und titelte in ihrer Ausgabe vom 02.09.2003 auf der ersten Seite unter der Rubrik „Der Kommentar“: „Die Türken vor Brüssel“. Damit spielte sie auf das Vorhaben des amtierenden Ministerpräsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, sein Land in absehbarer Zeit Mitglied der Europäischen Union werden zu lassen, an. In Deutschland löste dies eine heftige Debatte aus. Während der amtierende Bundeskanzler Gerhard Schröder der Türkei seine Unterstützung zusicherte, kritisierte der CSULandesgruppenchef Michael Glos in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom 04.09.2003, die Türkei gehöre nicht „zum deutschen und europäischen Kulturraum“. Diese ablehnende Haltung der Türkei gegenüber fiel in der Frühen Neuzeit um ein etliches höher aus?

2.2. Türkenfurcht

[...]


1 Winfried Schulze, Reich und Türkengefahr im späten 16. Jahrhundert. Studien zu den politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen einer äußeren Bedrohung, München 1978, S.27.

2 Martin Brecht, Luther und die Türken, In: Bodo Guthmüller und Wilhelm Kuhlmann (Hg.), Europa und die Türken in der Renaissance, Tübingen 2000, S.9.

3 Cornelia Kleinlogel, Exotik-Erotik. Zur Geschichte des Türkenbildes in der deutschen Literatur der frühen Neuzeit (1453-1800), In: Bochumer Schriften zur deutschen Literatur, Band 8, Frankfurt a.M. 1989, S.19.


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