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Termpaper, 2006, 13 Pages
Author: Vanessa Lichtsinn
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Münster
Tags: Bibliothek, Umberto, Ecos, Name, Rose, Bibliotheken, Weltliteratur
Year: 2006
Pages: 13
Grade: 2
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-57646-8
ISBN (Book): 978-3-638-75301-2
File size: 205 KB
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Abstract
Es ist unübersehbar, dass der Bibliothek der Benediktinerabtei im nördlichen Apennin in diesem Roman, der eine Mischung aus Krimi und historischem Roman darstellt und im Jahre 1327 spielt, eine ganz zentrale Rolle zukommt: William von Baskerville und sein Novize Adson von Melk werden darum gebeten einen seltsamen Todesfall aufzuklären. Die beiden beginnen mit ihren Recherchen, können jedoch auch weitere mysteriöse Todesfälle in der Abtei nicht verhindern. Bei ihren Ermittlungen stoßen sie immer wieder auf die reich ausgestattete aber verbotene und labyrinthische Klosterbibliothek, die offensichtlich etwas beherbergt, das im Verborgenen bleiben soll und für das jemand Morde begeht. Wie und warum Umberto Eco diese Bibliothek so geheimnisumwoben, verwirrend, verboten und geradezu so negativ darstellt, soll im Folgenden näher dargelegt werden. Zu diesem Zweck wird der Schwerpunkt im ersten Teil dieser Arbeit, der den Titel „Die Bibliothek im Namen der Rose“ trägt, vor allem deskriptiv auf die besondere Architektonik („Die Bibliothek als Labyrinth“), das geheimnisvolle Inventar sowie den Bibliothekar als Machthaber der Bibliothek gelegt. Für den zweiten Teil der Hausarbeit wird auch Ecos autobiographisch gefärbter Essay Die Bibliothek herangezogen, um die Beweggründe des Autors – eine so benutzerunfreundliche Bibliothek zu erschaffen – ansatzweise interpretieren zu können. Ebenso wird untersucht, inwieweit sich Eco für seinen Roman von Jorge Luis Borges und dessen Erzählung Die Bibliothek von Babel inspirieren ließ. Demnach ist dieser Teil der vorliegenden Hausarbeit mit „Die Motive des Autors“ überschrieben
Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Germanistisches Institut
Hauptseminar: Bibliotheken in der Literatur
Sommersemester 2006, 6. Semester
Die labyrinthische Bibliothek in Umberto Ecos
"Der Name der Rose"
von: Vanessa Lichtsinn
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bibliothek im Namen der Rose
2.1 Die Bibliothek als Labyrinth
2.1.1 Gefährliche Literatur
2.1.2 Verschleierung des Wissens
2.1.3 Der eigentliche Bibliothekar und Machthaber über das Wissen
3. Die Motive des Autors
3.1 Ecos Negativmodell der Bibliothek
3.2 Vergleiche zu Jorge Luis Borges sowie zu seiner Erzählung ... Die Bibliothek von Babel
4. Resümee
5. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit soll im Rahmen des Hauptseminars „Bibliotheken in der Literatur“ explizit auf die Bibliothek im Roman Der Name der Rose von Umberto Eco (Erstausgabe: 1980) eingehen und diese genauer untersuchen. Es ist unübersehbar, dass der Bibliothek der Benediktinerabtei im nördlichen Apennin in diesem Roman, der eine Mischung aus Krimi und historischem Roman darstellt und im Jahre 1327 spielt, eine ganz zentrale Rolle zukommt: William von Baskerville und sein Novize Adson von Melk werden darum gebeten einen seltsamen Todesfall aufzuklären. Die beiden beginnen mit ihren Recherchen, können jedoch auch weitere mysteriöse Todesfälle in der Abtei nicht verhindern. Bei ihren Ermittlungen stoßen sie immer wieder auf die reich ausgestattete aber verbotene und labyrinthische Klosterbibliothek, die offensichtlich etwas beherbergt, das im Verborgenen bleiben soll und für das jemand Morde begeht.
Wie und warum Umberto Eco diese Bibliothek so geheimnisumwoben, verwirrend, verboten und geradezu so negativ darstellt, soll im Folgenden näher dargelegt werden. Zu diesem Zweck wird der Schwerpunkt im ersten Teil dieser Arbeit, der den Titel „Die Bibliothek im Namen der Rose“ trägt, vor allem deskriptiv auf die besondere Architektonik („Die Bibliothek als Labyrinth“), das geheimnisvolle Inventar sowie den Bibliothekar als Machthaber der Bibliothek gelegt.
Für den zweiten Teil der Hausarbeit wird auch Ecos autobiographisch gefärbter Essay Die Bibliothek herangezogen, um die Beweggründe des Autors – eine so benutzerunfreundliche Bibliothek zu erschaffen – ansatzweise interpretieren zu können. Ebenso wird untersucht, inwieweit sich Eco für seinen Roman von Jorge Luis Borges und dessen Erzählung Die Bibliothek von Babel inspirieren ließ. Demnach ist dieser Teil der vorliegenden Hausarbeit mit „Die Motive des Autors“ überschrieben.
2. Die Bibliothek im Namen der Rose
Schon zu Beginn der Erzählung wird das Aedificium, in dem sich im zweiten Geschoß die Klosterbibliothek befindet, als herausragend und gewaltig beschrieben: „Von allen anderen jedoch unterschied sich diese [Abtei] durch die Massigkeit ihres festungsartigen Aedificiums.“1
Doch nicht nur die Architektonik des Gebäudes imponiert, sondern vor allem die Tatsache „´[…], dass sie mehr Bücher als jede andere Bibliothek der Christenheit hat´“2. Ihr großes und wertvolles Inventar beeindruckt William von Baskerville stark und löst bei ihm reges Interesse aus:„`Ich wollte ohnehin schon seit langem – und das ist nicht der letzte Grund meines Besuches hier – Eure Bibliothek besichtigen, von der man bewundernd in allen Klöstern der Christenheit spricht.`“3 Doch Williams Unterfangen die Bibliothek zu besichtigen wird von Abt Abbo vehement abgeschmettert:
„Der Abt fuhr auf, tat fast einen Satz, und seine Züge verhärteten sich. `Ihr könnt Euch frei in der ganzen Abtei bewegen, wie ich gesagt habe. Nicht aber im Obergeschoß des Aedificiums, nicht in der Bibliothek!´“4
2.1 Die Bibliothek als Labyrinth
Für William und den Leser drängt sich hier nun die Frage auf, warum man eine solch wertvolle Bibliothek nicht besichtigen darf. In diesem Zusammenhang wird hier das erste Mal von einem „Labyrinth der Bücher“ gesprochen, indem nur eine Person das Geheimnis dieser Bibliothek/dieses Labyrinthes kennt:
„´Die Bibliothek ist nach einem Plan entstanden, der allen Beteiligten dunkel geblieben ist in all den Jahrhunderten, keiner der Mönche war und ist je befugt, ihn zu kennen. Allein der Bruder Bibliothekar weiß um das Geheimnis, er hat es von seinem Vorgänger erfahren und gibt es vor seinem Tode weiter an seinen Adlatus, damit, falls ein plötzlicher Tod ihn heimsucht, die Bruderschaft nicht dieses kostbaren Wissens beraubt wird. Doch beider Lippen sind versiegelt. Allein der Bibliothekar hat das Recht, sich im Labyrinth der Bücher zu bewegen, er allein weiß, wo die einzelnen Bände zu finden sind […]´“5
Aber Abt Abbo beruft sich hier nicht nur auf das Recht, das einzig und allein dem Bibliothekar zugesprochen wird, sich in der Bibliothek aufzuhalten, sondern ebenfalls auf die Tatsache, dass sich die Bibliothek selbst verteidige: „´Unergründlich wie die Wahrheit, die sie beherbergt, trügerisch wie die Lügen, die sie hütet, ist sie ein geistiges Labyrinth und zugleich ein irdisches. Kämt Ihr hinein, Ihr kämt nicht wieder heraus. ´“6
[...]
1 Eco, Umberto: Der Name der Rose. Übers. von Burkhart Kroeber, 29.Aufl., München: dtv 2006. S. 40.
2 Ebd. S. 52.
3 Ebd. S. 52.
4 Ebd. S. 52.
5 Eco, Umberto: Der Name der Rose. Übers. von Burkhart Kroeber, 29. Aufl., München: dtv 2006. S. 55.
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