Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
"Störenfriede" am Verhandlungstisch - Die Demobilisierung des Paramilitärs - ein... close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

"Störenfriede" am Verhandlungstisch - Die Demobilisierung des Paramilitärs - ein kolumbianisches Rätsel

Diploma Thesis, 2006, 116 Pages
Author: Katrin Planta
Subject: Politics - International Politics - Topic: Peace and Conflict Studies, Security

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2006
Pages: 116
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 170  Entries
Language: German
Archive No.: V64971
ISBN (E-book): 978-3-638-57647-5

File size: 5837 KB
Notes :
Deutsche und französische Version



Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Philosophische Fakultät
Deutsch-Französischer Doppeldiplomstudiengang Politikwissenschaft
(Schwerpunkt Europastudien)

„Störenfriede“ am Verhandlungstisch
Die Demobilisierung des Paramilitärs –
ein kolumbianisches Rätsel?

Diplomarbeit
Zur Erlangung des Titels
Diplom Sozialwissenschaftler

vorgelegt von: Katrin Planta
vorgelegt im: September 2006

 

Inhaltsverzeichnis

I „Störenfriede“ am Verhandlungstisch. Die Demobilisierung des Paramilitärs – ein kolumbianisches Rätsel? ... 1

1 Untersuchungsgegenstand und Fragestellung ... 2
1.1 Hintergrund: das kolumbianische Paramilitär – ein „Störenfried“ am Verhandlungstisch ... 2
1.2 Fragestellung: Warum verhandelt das Paramilitär? ... 4
1.3 Konzept und Methodik ... 5
1.4 Begriffsbestimmungen ... 7
1.4.1 Begriffserklärung Paramilitär ... 8
1.4.2 Wer oder was ist ein „Störenfried“? ... 10
1.4.3 Friedensverhandlungen? ... 12

2 Die Demobilisierung des Paramilitärs – ein kolumbianisches Rätsel? ... 14
2.1 Hintergrund: Vier Jahrzehnte bewaffneter Konflikt in Kolumbien ... 14
2.1.1 Geschichte des bewaffneten Konflikts ... 14
2.1.2 ... und seine bisherige Bilanz ... 16
2.2 Das kolumbianische Paramilitär: die Entstehung eines „Störenfriedes” ... 19
2.2.1 Ein „uneheliches Kind des Staates“? Die staatlich geplante Entstehung des Paramilitärs im Rahmen der Aufstandsbekämpfung der 60er Jahre ... 20
2.2.2 Die Entstehung privat finanzierter „Autodefensas“ als Reaktion auf die Friedensverhandlungen der Regierung Betancur (1982-1986) ... 22
2.2.3 Ausbreitung und Konsolidierung des Paramilitärs: der Einfluss des Drogenhandels und die Gründung der AUC ... 25
2.2.4 Spielverderber AUC: Die Friedensverhandlungen der Regierung Pastrana (1998-2002) mit der Guerilla ... 28
2.2.5 Das Paramilitär vor der Demobilisierung. Mit wem wird eigentlich verhandelt? ... 34
2.3 Die Verhandlungen mit dem Paramilitär: Ein Rätsel? ... 40
2.3.1 Der Verhandlungsprozess: Schlüsselelemente und Verlauf ... 40
2.3.2 Motive der Paramilitärs ... 46
2.3.2.1 Ein zunehmend unvorteilhafter internationaler Kontext ... 46
2.3.2.2 Ein veränderter nationaler Kontext ... 47
2.3.2.3 Die AUC in internen Schwierigkeiten ... 51
2.4 Ein Wolf im Schafspelz? Die Konsolidierung wirtschaftlicher, politischer und sozialer Macht ... 55
2.4.1 Wirtschaftliche Macht der Paramilitärs ... 55
2.4.2 Soziale und politische Kontrolle ... 59
2.5 Fazit: ein Blick in die Zukunft Kolumbiens ... 67

3 Ausblick: Kolumbien als Modell? ... 71
3.1 Die Demobilisierung des Paramilitärs – übertragbar auf zukünftige
Verhandlungen mit der Guerilla? ... 71
3.2 Störenfriede am Verhandlungstisch – Kolumbien als Beispiel? ... 72

II Résumé: Des perturbateurs à la table des négociations. La démobilisation des groupes paramilitaires – une énigme colombienne? ... 76

1 Introduction ... 76
1.1 Problématique ... 76
1.2 Concept et méthode ... 78
1.3 Explications théoriques ... 78

2 La démobilisation des paramilitaires – une énigme colombienne? ... 80
2.1 Contexte: le conflit armé en Colombie ... 80
2.2 L’émergence et l’évolution du phénomène paramilitaire ... 81
2.3 Pour quelles raisons négocient-ils? ... 83
2.3.1 Le contexte international ... 83
2.3.2 Le contexte national: un nouveau président et sa stratégie militaire ... 84
2.3.3 L’existence de problèmes internes ... 85
2.4 Les paramilitaires: des loups déguisés en moutons? ... 86
2.5 Conclusion ... 88

3. La Colombie – un modèle à suivre? ... 89
3.1 Les négociations actuelles – un exemple pour le traitement de la guérilla? ..89
3.2 Des perturbateurs de paix à la table des négociations – la stratégie colombienne comme modèle pour d’autres pays? ... 90

III Quellenangaben ... 92

1 Sekundärliteratur, (Online)Dokumente verschiedener (Regierungs)Organisationen, Vertragstexte, Zeitungsartikel mit Autorenangabe ... 92
2 Presse, Pressemitteilungen ... 102
3 Experteninterviews: Person, Funktion, Arbeitgeber, Datum, Ort ... 105
4 Weiterführende Links ... 106

IV Anhang ... 107

1 Fotomaterial ... 107
2 Leitfaden für die Experteninterviews ... 109
3 Abkürzungsverzeichnis ... 110
4 Abbildungsverzeichnis ... 111

 

I „Störenfriede“ am Verhandlungstisch. Die Demobilisierung des Paramilitärs – ein kolumbianisches Rätsel?

(Abb. 1: Kolumbienkarte - in der Downloadversion enthalten)
 

1 Untersuchungsgegenstand und Fragestellung

Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit dem im Ausland leider nicht umfassend verfolgten aktuellen Verhandlungsprozess des kolumbianischen Paramilitärs mit der Regierung Álvaro Uribes. Unter welchen Umständen und Bedingungen kam der Dialog mit einer der weltweit größten illegal bewaffneten Gruppen, den „Autodefensas Unidas de Colombia“ (AUC), zu Stande? Welche Risiken bergen die Verhandlungen mit Kolumbiens „rechter Guerilla“, welche Herausforderungen erwarten das Land bei der Reintegration von über 30.000 Ex-Kombattanten? Sollte die Demobilisierung des Paramilitärs zwar Mut für eine friedlichere Zukunft Kolumbiens machen, fällt die Analyse ihrer Hintergründe ernüchternd aus.
 

1.1 Hintergrund: das kolumbianische Paramilitär – ein „Störenfried“ am Verhandlungstisch

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der heraufziehenden Bedrohung der westlichen Welt durch den Kommunismus hat sich eine Unzahl (wissenschaftlicher) Veröffentlichungen mit dem Thema linker Aufstandsbewegungen befasst. Die Gegenseite jedoch, die vom Staat finanzierten und ideologisch unterstützten paramilitärischen Verbände, sind in der Literatur viel weniger dokumentiert.1 Dabei war und ist die Aufstellung paramilitärischer Einheiten ein weltweit verbreitetes System der staatlichen Aufstandsbekämpfung.2 Als aktuelle Beispiele nennen Kalyvas und Arjona die Kooperation des russischen Staates mit tschetschenischen Milizen oder die Unterstützung der serbischen Armee durch Paramilitärs während des Bosnienkriegs. 3 In Lateinamerika gab es paramilitärische Einheiten sowohl in den Ländern des Cono Sur, als auch in Mittelamerika (insbesondere in Guatemala und El Salvador) und in Kolumbien.

Von den verschiedenen kolumbianischen Regierungen entweder offen unterstützt oder stillschweigend geduldet, vom Militär gefördert, von Großgrundbesitzern, Agrarunternehmern und letztendlich der Drogenmafia finanziert, breitete sich das kolumbianischen Paramilitär Ende der 80er Jahre aus: Von der „Wiege des Paramilitärs“, der Großregion Magdalena Medio, ausgehend bildeten sich zunächst im Norden des Landes, in den Regionen Urabá, Córdoba, Chocó, Bolívar und Boyacá weitere Gruppierungen. Später tauchten paramilitärische Einheiten auch im bis dahin von der Guerilla beherrschten und vom Kokaanbau geprägten Südwesten auf. Dabei erwarben die Paramilitärs (auf legale und illegale Weise) im Laufe der Zeit nicht nur große Mengen von Ländereien und verwickelten sich ins Drogengeschäft, sie knüpften auch Kontakte in die legale Wirtschaft und begannen staatliche Institutionen zu infiltrieren. Vom Drogengeschäft, von Erpressung, Vertreibung und Entführung – kurz von Gewalt und zum großen Teil von dem bewaffneten Konflikt – lebend, sabotierten die Paramilitärs, die sich durch ihre zunehmend autonome Finanzierung immer mehr vom Staat emanzipierten, dessen Verhandlungen mit den Guerillagruppen. So Eppert:


„Schon vor einiger Zeit wurde klar, dass die Paramilitärs, die sich daran gewöhnt hatten, von der Gewalt zu leben, ein Hindernis für jeden Friedensschluss zwischen Regierung und Rebellen werden könnten. Sie waren an Frieden schlicht nicht interessiert.” 4

Hatte das Paramilitär bereits in den 80er Jahren als Reaktion auf die Friedensgespräche mit der Guerilla starken Zulauf erhalten, torpedierte es unter der Regierung Pastrana (1998 – 2002) mutwillig die Verhandlungen mit den Rebellen. Dabei standen zwei Handlungsmotive im Vordergrund. Zum einen fürchteten das Paramilitär und seine Hintermänner die Möglichkeit politischer Reformen und den Verlust ihrer bisherigen Macht, zum anderen zogen sie aus der Konfliktsituation und der Schwäche des Staates wirtschaftlichen Profit. Von einem geschwächten Staat ungestört gingen sie ihren illegalen Geschäften nach und plünderten die Bevölkerung aus. Jahrelang als „Störenfried“ der Regierungsverhandlungen mit der Guerilla kategorisiert, kündigte die größte paramilitärische Organisation, die AUC, im November 2002 jedoch plötzlich einen einseitigen Waffenstillstand5 an und nahm selbst Verhandlungen mit der Regierung Uribe auf. Ziel des Verhandlungsprozess: die vollständige Entwaffnung des Paramilitärs und seine Rückkehr in das zivile Leben. Die Öffentlichkeit reagierte überrascht. Das Rätsel über das „Warum?“ der Verhandlungsaufnahme, die Frage nach den Motiven der Paramilitärs, rückte in den Mittelpunkt des Interesses. Und zu Recht! Denn nur, wer weiß, warum eine der größten illegalen Organisationen der Welt ihre Waffen niederlegt, kann die Konsequenzen ihrer Demobilisierung beurteilen und sich den Herausforderungen ihrer Reintegration stellen. Die Lösung des Rätsels „Warum verhandelt das Paramilitär?“ steht im Mittelpunkt vorliegender Arbeit, wenn auch mit ernüchternden Ergebnissen.

[...]


1 Vgl. Romero 2005: 15.

2 Paramilitärische Einheiten dienten von jeher dazu, reguläre Streitkräfte für militärische Angriffe frei zu halten, während das Paramilitär die lokale Ordnung aufrechterhielt. Vgl. Interview mit Carlo Nasi, 12.06.2006, Bogotá. Vgl. auch Restrepo/Spagat/Vargas 2004: „One of the most common phenomena in civil wars is that they spawn paramilitary activities. There is a need for local long-term security operations and interested parties tend to organise paramilitary corps to provide this security.” S. 413.

3 Vgl. Kalyvas/Arjona 2005: 27; siehe auch Münkler 2005: 16.

4 Eppert 2002: 43.

5 Wobei der Begriff „Waffenstillstand“ hier nicht etwa eine Waffenruhe zwischen regulären Truppen und den paramilitärischen Einheiten bezeichnet, sondern den Stopp von Angriffen auf die Zivilbevölkerung.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Verhandlungsführung

Author: Meike Berner
Economics / Business: Personnel and Organisation, 2005 Download as PDF-file for 7,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/64971/stoerenfriede-am-verhandlungstisch-die-demobilisierung-des-paramilitaers
please wait Please wait