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'Kalt steht Stück neben Stück' - Zur Gegensätzlichkeit in Franz Kafkas 'Heimkehr'

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 20 Pages
Author: Christopher Bünte
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Hauptseminar: Franz Kafka
Institution/College: University of Freiburg (Deutsches Seminar)
Tags: Kalt, Stück, Gegensätzlichkeit, Franz, Kafkas, Heimkehr, Hauptseminar, Franz, Kafka
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 20
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V65099
ISBN (E-book): 978-3-638-57747-2

File size: 141 KB


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. B.
Deutsches Seminar II
Wintersemester 2003/2004
Hauptseminar: Kafkas Erzählungen

„Kalt steht Stück neben Stück“
Zur Gegensätzlichkeit
in Franz Kafkas Heimkehr

von

Christopher Bünte

Neuere und Neueste Geschichte (5. Semester)
Neuere deutsche Literaturgeschichte (5. Semester)
Kunstgeschichte (1. Semester)

 

 

Inhaltsverzeichnis.

1. Einleitung. Seite 03

2. Der Berliner Winter 1923/24 - Zur Textgenese. Seite 04

3. Georg Simmel: Brücke und Tür (1909). Seite 06

4. Schwellensituationen. Seite 08
4.1. Die Heimkehr - Handlungsoptionen. Seite 09
4.2. Innen- und Außenansicht. Seite 11
4.3. Die Vergangenheit der Gegenwart. Seite 13
4.4. Vater und Sohn. Seite 15

5. Schlussbetrachtung. Seite 18

Literaturverzeichnis. Seite 20

 

 

1. Einleitung.

In germanistischen Fachbibliotheken füllen sich die Regale mit Interpretationsansätzen zu dem Werke Franz Kafkas. Im Laufe der Jahrzehnte hat die Deutung von den Texten des berühmten jüdischen Schriftstellers aus Prag eine Eigendynamik entwickelt, die schon selber einer Reflexion bedarf.1 Es ist beinahe unmöglich geworden, die gesamte Fachliteratur zu Franz Kafka zu überblicken. Wer Kafka interpretiert, verrät dabei oft Vieles über sich selbst und nur wenig über Franz Kafka. Lediglich eine Groborientierung darf versucht werden, um nicht im Meer der Sekundärliteratur unterzugehen. In dieser Hinsicht waren die Untersuchungen von Malcolm Pasley, Klaus Wagenbach und Hartmut Binder für diese Arbeit besonders hilfreich.

Die vorliegende Arbeit hat das kurze Stück Heimkehr von Franz Kafka zum Thema. Nach einer kurzen Einführung, die die Entstehung des Textes im biographischen Kontext beleuchtet, soll der Frage nachgegangen werden, warum der heimkehrende Sohn nicht wagt, die Küchentür zu öffnen. Der Heimkehrer zögert, als er an der Schwelle zu seinem ehemaligen Zuhause, dem Hof seines Vaters, angelangt ist. Es wird nach Gründen gefragt und zur Unterstützung ein Text von Georg Simmel herangezogen, der die Tür als Element der Kunst thematisiert. Dieser Arbeit liegt die These zugrunde, dass Kafka der Darstellung von Schwellensituationen große Bedeutung beimaß. Nachdem Simmels Text in aller Knappheit wiedergegeben wurde, setzt die Untersuchung bei Kafkas Heimkehr an. Die verwendete Methode versucht dabei Gegensätze aufzuzeigen, die die Optionen der Heimkehr, den Raum, die Zeit und das Vater-Sohn-Verhältnis aufgreifen. 

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass andere Ansätze der Wissenschaft vernachlässigt werden. Genannt seien beispielsweise die Verbindung zum biblischen Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ (Lukas 15, 11-32) oder eine Betrachtung hinsichtlich Kafkas Beziehung zu seinem Vater Hermann. Versuche dieser Art hätten den Rahmen dieser Arbeit gesprengt.

2. Der Berliner Winter 1923/24 - Zur Textgenese.

Franz Kafkas Heimkehr ordnet sich in die lange Reihe seiner Texte ein, die nur mit viel Glück vor der Vergessenheit gerettet wurden. Dass dieses Bruchstück seines literarischen Schaffens nicht der Vernichtung anheim fiel, ist zu einem großen Teil der Verdienst Max Brods. Er widersetzte sich nicht nur Kafkas testamentarischen Anweisungen, seinen Nachlass zu vernichten, sondern floh auch mit einer Anzahl Schriften seines Freundes vor den Nationalsozialisten. Nicht alles konnte er retten, vieles fiel der Gestapo in die Hände und wurde vernichtet.

Im Exil arbeitete Max Brod daran, den Nachlass seines Freundes zu editieren und zu veröffentlichen. Der hier behandelte Text findet sich in Franz Kafkas Aufzeichnungen ohne Überschrift wieder. Der Titel Heimkehr wurde von Max Brod bei der Bearbeitung hinzugefügt. So tauchte Heimkehr erstmals 1936 wieder auf, im fünften Band der Gesammelten Schriften. Der Text war nun zum ersten Mal einem breiteren Lesepublikum zugänglich. Franz Kafka hatte dagegen nie an den Druck dieses Textes gedacht, seinem Willen folgend wäre die Schrift nach seinem Tod vernichtet worden.2

Die Entstehung der Heimkehr lässt sich inzwischen relativ genau einordnen. Offensichtlich verfasste Kafka den Text zwischen Ende November 1923 und Anfang Januar 1924.3 Gemessen am Rahmen seiner schriftstellerischen Gesamtarbeit zählt Heimkehr zu Kafkas Spätwerk, das von dem vorangehenden Schaffensprozess durch eine Ruhepause getrennt wird. In der Zeit von 1917 bis 1920 schrieb Kafka kaum, danach lässt sich - bis zu seinem Tod 1924 - die letzte Schaffensperiode seines Lebens festmachen. Andere Texte aus jener Zeit, die mehr Beachtung bei der Wissenschaft gewonnen haben, sind Ein Hungerkünstler (erstmals veröffentlicht: 1922) und Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse (erstmals veröffentlicht:

[....]


1 vgl. HENEL, INGEBORG C., Die Deutbarkeit von Kafkas Werken (1967), in: POLITZER, HEINZ (Hg.), Franz Kafka, Darmstadt 1973 (S. 406-430).

2 Malcolm Pasley zieht einen Vergleich zwischen einem geborenen Kind und einem Kafka-Text, die beide erst als „kompletter Organismus“ einen Namen bzw. Titel erhalten, um dann eine „mögliche Reise in die weitere Welt“ anzutreten. vgl. PASLEY, MALCOLM, »Die Schrift ist unveränderlich...«. Essays zu Kafka, Frankfurt a. M. 1995 (S. 115).

3 HERMES, ROGER (Hg.), Franz Kafka. Die Erzählungen. Und andere ausgewählte Prosa. Frankfurt a. M. 2002 (S. 574).


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