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Details

Veranstaltung: Hauptseminar: Die Wikinger im Westen
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Institut für Nordische Philologie)
Tags: Kolonisation, Grönlands, Wikinger, Hauptseminar, Wikinger, Westen
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 40
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 35  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 748 KB
Archivnummer: V65143
ISBN (E-Book): 978-3-638-57783-0

Textauszug (computergeneriert)

Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Nordische Philologie
Hauptseminar: Die Wikinger im Westen
WS 2003/04

Die Kolonisation Grönlands durch die Wikinger

von: Marion Mertl

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  3

2. Literarische Quellen: Historiographische Beschreibungen Grönlands  4

2.1 Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum  4
2.2 Íslendingabók  5
2.3 Historia Norvegiae  6
2.4 Konungsskuggsjá  7
2.5 Landnámabók  8

3. Literarische Quellen: Die isländische Sagaliteratur  11

3.1 Eiríks saga rauða  11
3.2 Gr(?)nlendingaþáttr 13
3.3 Weitere Sagaliteratur 15

4. Archäologische Quellen  17

4.1 Überblick über die Forschungsgeschichte 17
4.2 Die materielle Kultur 19

4.2.1 Langhaus – Ganghaus – Zentralhof  21
4.2.2 Kirchen 25

4.3 Brattahlíð: „Thjodhilds Kirche“  26
4.4 Der Hof Ø 17a  28

5. Runendenkmäler auf Grönland  29

5.1 GR 76 M - Narsaq Ø 17a  29
5.2 GR 1 M – Der Stein von Kingittorsuaq 30

6. Das Ende der grönländischen Kolonie  32

6.1 Der Untergang der Vesterbygd nach Ívarr Bárðarson 32
6.2 Verschiedene Theorien zum Untergang 33

7. Zusammenfassung 36

8. Literaturverzeichnis 38

Primärliteratur  38
Nachschlagewerke 38
Sekundärliteratur  39





 

1. Einleitung

In dieser Arbeit wird die Kolonisation Grönlands durch die Wikinger anhand von literarischen Quellen und archäologischen Funden dargestellt. Die schriftliche Überlieferung teile ich in zwei Abschnitte auf, in historiographische Werke und in isländische Sagaliteratur. Bei den historiographischen Werken liegt der Schwerpunkt auf altnordischen Quellen, bei den Sagas ein Hauptgewicht auf der Eiríks saga rauða und dem Gr(?)nlendingaþáttr, der einen guten Einblick in die politische und soziale Situation auf Grönland im 12. Jahrhundert gibt.

Zur archäologischen Erforschung der grönländischen Kolonie werde ich einen kurzen Überblick über die Forschungsgeschichte geben. Bei den archäologischen Erkenntnissen zur materiellen Kultur werde ich einen Schwerpunkt auf die Architektur legen. Auf zwei Ausgrabungsstätten, Thjodhilds Kirche und den Hof Ø 17a in Narsaq, werde ich gesondert eingehen. Im Anschluss daran werde ich mich den grönländischen Runendenkmälern widmen, wobei ich mich auf den Holzstab von Narsaq aus der Frühzeit der Besiedlung und den Stein von Kingittorsuaq aus späterer Zeit konzentrieren werde. Abschließend will ich noch den Untergang der Kolonie ansprechen und neben archäologischen Aussagen eine literarische Quelle zum Untergang der Vesterbygd vorstellen. Weitere Theorien werden kurz angerissen.

Die Schreibweise altnordischer Namen in einem deutschen Text erfordert immer Kompromisse. Ich habe mich entschieden, die Namen von Erik dem Roten und seinem Sohn Leif in der eingedeutschten Form zu verwenden. Alle anderen Namen habe ich in der altnordischen Form (mit Endungs-r) übernommen. Bei den Ortsnamen habe ich die altnordische Form verwendet (z.B. Austmannadalr, Herjólfsnes), bei noch auf Island gebräuchlichen Ortsbezeichnungen jedoch die neuisländische Form (z.B. Breiðfjörður, Haukadalur). Bei “Thjodhilds Kirche” habe ich die Schreibweise der archäologischen Literatur übernommen, da ich weder den altnordischen Genitiv „Þjóðhildarkirkja“ noch die hybride Mischform „Þjóðhilds Kirche“ als angemessen erachtete.

2 Literarische Quellen: Historiographische Beschreibungen Grönlands

Bei der Untersuchung der literarischen Quellen werde ich einen Schwerpunkt auf nordische historiographische Werke legen und sie in chronologischer Reihenfolge nach ihrer geschätzten Entstehungszeit vorstellen. Darüber hinaus werde ich noch zwei lateinische Werke berücksichtigen, die ‚Historia Norvegiae’ aus dem nordischen Raum und die ‚Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum’ von Adam von Bremen, die ich deshalb aufgenommen habe, weil es die älteste Beschreibung Grönlands ist. Noch früher wurde Grönland nur in der Bulle des Papstes Leo IX vom 6. Januar 1053 erwähnt. Hierin bestätigt er dem Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen, dass Grönland zu seinem Erzbistum gehört. Dies wurde von Papst Victor II in seiner Bulle vom 29. Oktober 1055 abermals bestätigt1. Die beiden Bullen enthalten jedoch außer der Namensnennung keine weiteren Informationen über Grönland. Deshalb soll nun die älteste Beschreibung ausführlicher vorgestellt werden.

2.1 Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum

Die Forschung geht davon aus, dass Adam von Bremen dieses vierbändige Werk um das Jahr 1075 herum schrieb.2 In den ersten beiden Bänden zeichnet Adam die Geschichte des Erzbistums Bremen-Hamburg von den Anfängen bis zum Tod des Bischofs Alebrand im Jahr 1043 nach. Im dritten Buch beschreibt er ausführlich das politische und missionarische Wirken des Erzbischofs Adalbert in der Zeit von 1043 bis zu dessen Tod 1072, im vierten Buch geht er auf die Geographie und die Bewohner der nordischen Länder ein. Später fügte er noch ca. 140 Nachträge an, die bis ins Jahr 1085 reichen.3 Über Adam selbst ist wenig bekannt, es wird angenommen, dass er zumindest im Jahr 1068 nach Dänemark reiste.4

Grönland ist nach Adam eine große Insel,5 die man in fünf bis sieben Tagen von Norwegen aus erreichen kann, genau wie Island. Er erklärt den Namen Grönland damit, dass die Bewohner vom Salzwasser cærulei, blaugrün, sind. Sie leben wie die Isländer, sind aber grausamer und gehen zuweilen der Seeräuberei nach. Zur Frage der Christianisierung wählt Adam die vorsichtige Formulierung: Ad eos etiam sermo est nuper Christianitatem pervolasse6. Obwohl zu diesem Zeitpunkt schon 20 Jahre vergangen waren, dass Papst Leo IX Grönland dem Erzbistum Hamburg-Bremen unterstellt hatte, scheint sich das Erzbistum über den Erfolg der Christianisierung nicht ganz sicher zu sein. In Island dagegen gedeiht der rechte Glaube. Adam lobt die Isländer enthusiastisch als armes und bescheidenes Naturvolk, dass durch die Annahme des Christentums den Gipfel der Glückseligkeit erreicht hat.7

2.2 Íslendingabók

Die Íslendingabók von Ari Þorgilsson ist die älteste isländische Quelle, die Grönland erwähnt. 8 Die ursprüngliche Fassung wurde zwischen 1122 und 1133 geschrieben, die überlieferte Version ist eine Überarbeitung, die der Autor selbst nach 1134 redigiert hat. Ari untergliedert in zehn Kapitel, thematisch sind es aber nur fünf Teilbereiche: Die Besiedlung Islands, die Gerichtsbarkeit auf Island, die Christianisierung Islands, die Besiedlung Grönlands und die ersten isländischen Bischöfe. Obwohl das Kapitel über Grönland nur sehr kurz geraten ist, enthält es aufschlussreiche Informationen. Schon der erste Satz unterstreicht die Bedeutung der Isländer bei der Kolonisation Grönlands: Land þat es kallat es Grønland, fanzc bygþisc af Islande9. Die Entdeckung Grönlands durch Erich den Roten wird in relativer Chronologie datiert, was dem Jahr 985 oder 986 entspricht.10 Ari führt Erik als maþr breiþfirscr,11 als Mann aus dem Breiðfjörður, ein. Nach der Eiríks saga rauða hält sich Erik der Rote nur kurze Zeit dort auf. Aris Familie stammt jedoch aus dem Breiðfjörður; vielleicht ist Ari die geographische Nähe seiner Familie zu einer berühmten Person der isländischen Vergangenheit so wichtig, dass er kurzerhand die anderen isländischen Wohnorte Eriks unterschlägt.

Dazu passt auch, dass Ari den schwierigen Charakter Eriks unerwähnt lässt, wogegen in der Landnámabók und in der Sagaliteratur Eriks sozialen Schwierigkeiten einen breiten Raum einnehmen. Ari erklärt den Namen ‚Grönland’ mit einer Werbemaßnahme Eriks: Han gaf nafn landino oc kallaþi Grønland. oc qvaþ menn þat myndi fysa þangat farar at landet ætti nafn gótt.12 Schließlich berichtet er, dass die ersten Siedler Spuren der Eskimobevölkerung fanden, von Begegnungen mit ihnen wird aber nichts berichtet. Wie in der Historia Norvegiae werden die Eskimos in der Íslandingabók Scrælinga13 (Akk. Pl.) genannt.

2.3 Historia Norvegiae14

[...]


1 Henrik M. Jansen: A Critical Accout of the Written and Archaeological Sources’ Evidence Concerning the Norse Settlements in Greenland. København 1972, (=Meddelelser om Grønland; 182, 4), S. 12f.

2 Jansen 1972: 16f.

3 Kindlers neues Literatur-Lexikon. Das 23-bändige Werk auf einer CD-Rom. Update. München 2000. [Buchvorlagen: „Kindlers Neues Literaturlexikon“ herausgegeben von Prof. Dr. Walter Jens enschließlich Supplementsbände 21, 22 und 23, Reinbeck bei Hamburg 1996.].

4 Jansen 1972: 15.

5 Grönlands historiske Mindesmærker, udgivne af Det Kongelige Nordiske Oldskrift-Selskab. Tredie Bind. Kjøbenhavn 1845 (Reprint als: Grønlands historiske Mindesmærker. Tredie Bind, København 1976), S. 404.

6 Man sagt, dass zu ihnen kürzlich das Christentum hinübergekommen sei. (Übers. d. V.), Mindesmærker 3: 404.

7 Mindesmærker 3: 402.

8 Simek, Rudolf / Pálsson, Hermann: Lexikon der altnordischen Literatur, Stuttgart 1987 (=Kröners Taschenausgabe; 490), S. 167.

9 Das Land, das Grönland genannt wird, wurde von Island aus entdeckt und besiedelt (Übers. d. V.), Are hinn fróðe Þorgilsson: Íslendingabók, udgiven ved Finnur Jónsson. København 1930, S. 26.

10 En þat vas es hann toc bygva landi XIIII vetrom eþa XV fyrr en cristni qvæme her a Island (...). (Als man begann, das Land zu besiedeln, war es 14 oder 15 Winter bevor das Christentum hierher nach Island kam; Übers. d. V.), Íslendingabók: 26.

11 Íslendingabók: 26.

12 Er gab dem Land einen Namen und nannte es Grönland. Und er meinte, dass es den Menschen Lust machen würde, dorthin zu fahren, wenn das Land einen schönen Namen hätte. (Übers. d. V.), Íslendingabók: 26

13 Scrælinga siehe Íslendingabók: 26; Screlinga siehe Symbolæ ad Historiam Antiquiorem Rerum Norvegicarum. Edidit, suasque annotationes adjecit P.A. Munch, Christianiæ 1850, S. 2.

14 Das Werk ist hier nicht nach der Standardedition von G. Storm aus dem Jahr 1880 zitiert, da mir das Buch nicht zur Verfügung stand, sondern nach der o.g. Edition von P. A. Munch aus dem Jahr 1850. Im Vergleich der von Jansen zitierten Edition von Storm (Jansen: 35) und der Edition von Munch konnte ich für die von mir bearbeiteten Textstellen nur geringfügige Unterschiede in der Orthographie feststellen.

Kommentare

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