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Die Überlieferung der epischen Werke Hartmanns von Aue

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 22 Pages
Author: M.A. Marion Mertl
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Event: Hauptseminar: Das epische Werk Hartmanns von Aue
Institution/College: LMU Munich (Institut für Deutsche Philologie)
Tags: Werke, Hartmanns, Hauptseminar, Werk, Hartmanns
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 29  Entries
Language: German
Archive No.: V65146
ISBN (E-book): 978-3-638-57785-4

File size: 238 KB


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Deutsche Philologie
Hauptseminar: Das epische Werk Hartmanns von Aue
SoSe 2004, 4. Fachsemester

Die Überlieferung der epischen Werke Hartmanns von Aue

von: Marion Mertl

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Hartmann von Aue, ein „Klassiker“ des frühen 13. Jh. 3

2. Allgemeine Vorbemerkungen zu mittelalterlichen Texten 4

2.1. Die Edition mittelalterlicher Texte 6

3. Die Überlieferung der epischen Werke Hartmanns von Aue 7

3.1. ‚Erec’ 8
3.2. ‚Gregorius’ 10
3.3. ‚Der arme Heinrich’ 12
3.4. ‚Iwein’ 13

4. Schlussbemerkung: Gegebenes und Gewesenes 16

5. Literaturverzeichnis 17





 

1. Einleitung: Hartmann von Aue, ein „Klassiker“ des frühen 13. Jh.

Durch den Abstand von acht Jahrhunderten wissen wir wenig über die Person Hartmann von Aue und seine Werke liegen uns nur in Abschriften vor, deren Originalnähe oder – ferne die Germanistik seit ihren Anfängen beschäftigt. Aber wir können die Bedeutung Hartmanns zu seiner Zeit erahnen: Er selbst zeigt in seinen epischen Werken ein für das Mittelalter nicht selbstverständliches Autorenbewusstsein, denn er nennt sich in den Prologen als Urheber.1 Auch wird an fremden Textzeugnissen deutlich, dass er schon für die nächste Dichtergeneration ein „Klassiker“ war. Gottfried von Straßburg erkennt ihm in seinem ‚Tristan’ (V 4619-4653) das höchste Dichterlob zu:

Hartman der Ouwære, / ahî, wie der diu mære
beide ûzen unde innen / mit worten und mit sinnen
durchverwet und durchzieret! / wie er mit rede figieret
der âventiure meine! / wie lûter und wie reine
sîne kristallînen wortelîn / beidiu sint und iemer müezen sîn!2

Wolfram von Eschenbach spielt dagegen respektlos mit dem Hartmann’schen Artushof im ‚Parzival’ (V 143,21-144,4):

mîn hêr Hartman von Ouwe, / frou Ginovêr iwer frouwe
und iwer hêrre der künc Artûs / den kumt ein mîn gast ze hûs.
bitet hüeten sîn vor spotte. / ern ist gîge noch diu rotte:
si sulen ein ander gampel nemn: / des lâzen sich durch zuht gezemn.
anders iwer frouwe Enîde / unt ir muoter Karsnafîde
werdent durch die mül gezücket / unde ir lop gebrücket. 3

Er scheut auch nicht deutliche Kritik an Hartmanns Frauenfiguren Lunete und Laudine (Parzival, V 253,20-24 u. 436,4-10). Diese Dreistigkeiten zeigen jedoch auch, dass Hartmann für Wolfram eine dichterische Instanz gewesen sein muss, andernfalls wären die ironischen Spitzen ins Leere gelaufen.

In dieser Arbeit soll dargestellt werden, in welchen Abschriften uns die Epen Hartmanns heute vorliegen und welche Forschungspositionen zur Originalnähe diskutiert werden. Dazu werde ich nach einigen allgemeinen Vorbemerkungen und einer Übersicht über die räumliche Verteilung der Handschriftenfunde aller Hartmann-Epen auf die Überlieferung der einzelnen Werke eingehen, wobei ich der internen Chronologie ihrer Entstehung folgen werde.

2. Allgemeine Vorbemerkungen zu mittelalterlichen Texten

Bevor ich mich der Überlieferung der einzelnen Werke Hartmanns zuwende, möchte ich einige allgemeine Anmerkungen zu mittelalterlichen Texten und ihrem Trägermaterial voranstellen. Bis in die 20er Jahre des 14. Jh. wurde fast ausschließlich auf Pergament geschrieben. Pergament war rar und sehr teuer, da es in einem aufwändigen Verfahren aus Tierhäuten hergestellt wurde. Die Größe der Häute bestimmte das Buchformat, denn diese wurden zu einem Rechteck zugeschnitten und bildeten ein Doppelblatt des Buches. Nur von Kälbern und großen Schafen ließen sich Häute für das seltene Großfolioformat (50- 55 cm x 35-40 cm) einzelner Choralhandschriften und Prachtcodices gewinnen. Kleinere Schafshäute wurden auf ca. 50 cm x 35 cm zugeschnitten. Diese Größe ist ein Doppelblatt im Folioformat. Durch weiteres Falten entstanden daraus zwei Doppelblätter im Quartformat bzw. vier Doppelblätter im Oktavformat. Das nochmals gefaltete Oktav wurde im Spätmittelalter manchmal für Frauengebetbücher verwendet, die Einzelblätter waren nur mehr 8 cm x 5-6 cm groß.4

Ab dem 14. Jh. gewann die Papierherstellung an Bedeutung. Das wesentlich billigere Papier verdrängte das Pergament in der Buchherstellung und löste darüber hinaus eine Produktionsexpansion aus. Schließlich wurden im 15. Jh. nur mehr 30 % aller Handschriften auf Pergament geschrieben. Das Papierformat war in der Regel genormt und konstant. Papierhandschriften sind oft gut datierbar anhand ihrer Wasserzeichen. Diese entstanden durch Drahtfiguren, die auf den Papierschöpfformen befestigt waren. Zwar wurden sie erst ab etwa 1500 als ‚Firmenzeichen’ der jeweiligen Papiermühle verwendet, aber auch die Verbreitung und zeitliche Einordnung der meisten Wasserzeichen aus dem 14. und 15. Jh. konnte durch sicher datierte und lokalisierte Schriftstücke erfolgen. Sie sind in Findbüchern dokumentiert und dienen zum Abgleich undatierter Papierhandschriften. Mit der Wasserzeichenbestimmung ist eine genauere Eingrenzung des Handschriftenalters möglich als durch Schriftanalyse, da gelegentlich auch völlig zeituntypische Schriftarten verwendet wurden. Die ersten Ansätze der Wasserzeichenforschung entstanden schon Anfang des 20. Jh., jedoch erst in den letzten Jahrzehnten konnte sie sich wissenschaftlich etablieren.5

[...]


1 wobei hier der ‚Erec’ ausgeklammert werden muss, da der Prolog verloren ging.

2 Tristan (V 4619-4653), zitiert nach: Gottfried von Straßburg: Tristan, herausgegeben von Karl Marold. Unveränd. vierter Abdr. nach d. dritten mit einem auf Grund von F. Rankes Kollationen verb. Apparat, besorgt von Werner Schröder, Berlin, New York 1977, [photomechan. Nachdr. d. Ausg. Leipzig, Avenarius, 1906].

3 Parzival (V 143,21-144,4), zitiert nach: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Studienausgabe, 2. Auflage. Mhd. Text nach d. sechsten Ausg. v. Karl Lachmann. Übersetzung v. Peter Knecht. Mit Einführungen z. Text d. Lachm. Ausg. und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bern Schirok. Berlin, New York 2003.

4 vgl. Karin Schneider: Paläographie und Handschriftenkunde für Germanisten. Eine Einführung, Tübingen 1999 (= Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte, B. Ergänzungsreihe; 8), S. 103ff.

5 vgl. Schneider: 107-115.


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