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Intermediate Examination Paper, 2006, 25 Pages
Author: Charlie Rutz
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Details
Tags: Gibt, Handeln
Year: 2006
Pages: 25
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-57859-2
ISBN (Book): 978-3-638-67051-7
File size: 249 KB
Ich werde u.a. der Frage nachgehen, ob äußere Instanzen wie Politik, Religion, Medien und Gesellschaft oder innere wie das sogenannte Gewissen der Maßstab dafür sein können, ob und wie wir moralisch grundsätzlich richtig oder falsch handeln. Von besonderem Interesse wird das konfliktreiche Verhältnis zwischen persönlichen Beziehungen (z.B. zwischen zwei sich liebenden Menschen) und universellen moralischen Forderungen (z. B. die Aufforderung, im Sinne des Allgemeinwohls zu handeln) sein.
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Abstract
Gibt es ein grundsätzlich richtiges moralisches Handeln? Die Beschäftigung mit dieser Fragestellung erwächst aus einem ureigensten Interesse meinerseits: Denn Tag für Tag sehe ich mich im Umgang mit meiner Umwelt vor Situationen gestellt, in denen ich entscheiden muss, wie ich zu handeln oder einen Sachverhalt zu bewerten habe. Zum Beispiel: Ist es in Ordnung, eine auf der Straße gefundene Brieftasche zu behalten, anstatt sie dem Besitzer zurückzugeben? Meine Antwort: Nein! Doch was ist die Ursache für meine Haltung bzw. woran orientiere ich mich bei meiner Entscheidungsfindung? An Recht und Gesetz? Oder vielleicht an der Instanz der Moral? Was ist Moral überhaupt? Gibt es ein richtiges und falsches moralisches Handeln? Sind es allgemeine gesellschaftliche Normen und Werte, die mir Orientierung bieten? Oder eigene moralische Grundsätze? Gibt es eine universelle Moral? All diese Fragen zeigen bereits die Komplexität der Thematik. Damit verbunden werde ich u.a. der Frage nachgehen, ob äußere Instanzen wie Politik, Religion, Medien und Gesellschaft oder innere wie das sogenannte Gewissen der Maßstab dafür sein können, ob und wie wir moralisch grundsätzlich richtig oder falsch handeln. Von besonderem Interesse wird das konfliktreiche Verhältnis zwischen persönlichen Beziehungen (z.B. zwischen zwei sich liebenden Menschen) und universellen moralischen Forderungen (z. B. die Aufforderung, im Sinne des Allgemeinwohls zu handeln) sein.
Excerpt (computer-generated)
HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN
Institut für Philosophie, Zwischenprüfungsarbeit
WS 2005/06
Gibt es ein grundsätzlich richtiges moralisches Handeln?
von: Charlie Rutz
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 1
2. HAUPTTEIL 2
2.1 Der Begriff der Moral 2
2.1.1 Begriffsgeschichte 2
2.1.2 Der Moralbegriff aus moderner Sicht 3
2.2 Wer oder was kann bestimmen, was ein grundsätzlich richtiges oder falsches moralisches Handeln ist? 5
2.3 Gibt es ein grundsätzlich richtiges moralisches Handeln? 15
3. SCHLUSSBEMERKUNG 19
4. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS 22
1 Einleitung
Im Folgenden werde ich die Frage zu beantworten versuchen, ob es ein grundsätzlich richtiges moralisches Handeln gibt. Die Beschäftigung mit dieser Fragestellung erwächst aus einem ureigensten Interesse meinerseits: Denn Tag für Tag sehe ich mich im Umgang mit meiner Umwelt vor Situationen gestellt, in denen ich entscheiden muss, wie ich zu handeln oder einen Sachverhalt zu bewerten habe. Zum Beispiel: Ist es in Ordnung, eine auf der Straße gefundene Brieftasche zu behalten, anstatt sie dem Besitzer zurückzugeben? Meine Antwort: Nein! Doch was ist die Ursache für meine Haltung bzw. woran orientiere ich mich bei meiner Entscheidungsfindung? An Recht und Gesetz? Oder vielleicht an der Instanz der Moral? Was ist Moral überhaupt? Gibt es ein richtiges und falsches moralisches Handeln? Sind es allgemeine gesellschaftliche Normen und Werte, die mir Orientierung bieten? Oder eigene moralische Grundsätze? Gibt es eine universelle Moral? All diese Fragen zeigen bereits die Komplexität der Thematik. Nach den Worten von Anton Leist, derzeit Professor für Philosophie an der Universität von Zürich, hat die „akademische Moralphilosophie in den letzten Jahren [...] ausführliche Stellungnahmen und Argumente“1 zu bestimmten konkreten Problemen, also „solche der Wissenschaft, der Umwelt oder wiederum der Politik, etwa der internationalen Konflikte und Katastrophen“2, entwickelt. Doch haben in seinen Augen insbesondere die Arbeiten der Angewandten Ethik nicht sonderlich zu befriedigenden Problemlösungen beigetragen. Leist befindet, dass die Fragen der Ethik zwar theoretisch mit den Mitteln der Philosophie zu behandeln sind, deren Analysen aber zugleich praktische sein müssen. Sein Anspruch einer Verbindung von Theorie und Praxis in der Ethik hat mich dazu bewogen, unter anderem das von ihm verfasste Werk Die gute Handlung als Forschungsliteratur für diese Zwischenprüfungsarbeit heranzuziehen, wobei mein Hauptaugenmerk auf der Alltagsmoral liegen wird. Doch bevor ich hinterfrage, ob es ein grundsätzlich richtiges moralisches Handeln gibt, versuche ich mich zunächst einmal an einer Definition des Begriffes Moral. Denn ohne eine Erklärung dessen, was unter Moral zu verstehen ist, würde meine Argumentation zur Beantwortung der Hauptfragestellung auf äußerst tönernen Füßen stehen. Anschließend setze ich mich mit der Hauptfragestellung auseinander und werde in der Schlussbemerkung die von mir gewonnenen Erkenntnisse aus meinen Überlegungen zusammenfassen und schließlich ein Resumè ziehen.
2 Hauptteil
2.1 Der Begriff der Moral
2.1.1 Begriffsgeschichte
Der griechische Philosoph Aristoteles, der als Begründer der Ethik als eine selbstständige Disziplin gilt und diese als praktische Philosophie von der theoretischen unterschied, beschrieb in seinem Werk Nikomachische Ethik zwei Arten von Tugenden, die den Charakter eines Menschen prägen, einerseits die intellektuellen (Verstand), andererseits die ethischen (Sittlichkeit) Tugenden: Seinen Überlegungen zufolge „verdankt jene, die intellektuelle, Ursprung und Wachstum am meisten der Belehrung; sie bedarf deshalb der Erfahrung und der Zeit. Die rechte ethische Beschaffenheit dagegen wird durch Gewöhnung erlangt und hat davon auch ihren Namen (Ethos mit langem e) erhalten, der sich von dem Ausdruck für Gewöhnung (Ethos mit kurzem e) nur ganz leise unterscheidet.“3 Für Aristoteles bezieht sich die Ethik auf das „Handeln des Individuums in einem umfassenden sozialen Gefüge“4 und beinhaltet „sowohl die Lehre vom Hauswesen, die Ökonomik, als auch die Lehre von der Polis, die Politik als Sozial-, Rechts- und Staatsphilosophie.“5 Aber was hat all dies nun mit dem Begriff Moral zu tun? Antwort: Das lateinische Wort mos, das Sitte als auch Brauch, Gewohnheit und Charakter bedeutet, ist eine Übersetzung der beiden eben genannten ethos- Begriffe (eethos mit langem e und ethos mit kurzem e). Vom lateinischen Substantiv mos bzw. Adjektiv moralis (sittlich bzw. die Sitten betreffend) leitet sich das deutsche Wort Moral ab. Das Wort moralis „hat in den indogermanischen Sprachen gemeinsame Wurzeln mit dem deutschen Wort Mut.“6 Gerade im Deutschen und Französischen standen mos sowie mores (Plural) und ihre Ableitungen „auch für Lebensart, Anstand, Benehmen und wurden in Wendungen gebraucht, die eine sittliche Belehrung durch Beispiele oder eine Zurechtweisung ausdrücken“7, wie z. B. Die Moral von der Geschicht′. Summa summarum kann man schlussfolgern, das das Wort Moral traditionell der „Inbegriff jener Normen und Werte [ist], die durch gemeinsame Anerkennung als verbindlich gesetzt worden sind und [...] an die Gemeinschaft der Handelnden appellieren“8, was Geboten (Du sollst...) oder Verboten (Du sollst nicht...) ist.
2.1.2 Der Moralbegriff aus moderner Sicht
Im modernen Sprachgebrauch wird Moral als eine Sammelbezeichnung für das sittliche Empfinden bzw. Verhalten eines Einzelnen oder einer Gruppe als auch die der jeweiligen gesellschaftlichen bzw. kulturellen Praxis zugrunde liegenden und als verbindlich akzeptierten oder zumindest tolerierten ethisch-sittlichen Werte und Normen(-systeme) des Handelns bezeichnet – so jedenfalls steht es in gängigen Lexika wie der Brockhaus Enzyklopädie. Man kann auch sagen, dass der Begriff der Moral aus Konventionen, überlieferten Traditionen bzw. wechselseitigen Anerkennungsprozessen hervorgegangene Ordnungs- und Sinngebilde (Regelsysteme) bezeichnet, die „in Form eines Katalogs materialer Normen und Wertvorstellungen einerseits die Bedürfnisbefriedigung einer menschlichen Handlungsgemeinschaft regeln und andererseits in dem, was von dieser allgemein als verbindlich (als Pflicht) erachtet wird, Auskunft über das jeweilige Freiheitsverständnis der Gemeinschaft geben.“9
[...]
1 Leist, Anton: Die gute Handlung. Eine Einführung in die Ethik, Berlin 2000, S. 2.
2 Ebd. S. 2.
3 NE, II, 1, 1103a 14ff.
4 Rohls, Jan: Geschichte der Ethik, Tübingen 1991, S. 1.
5 Ebd. S. 1.
6 Fischer, Peter: Einführung in die Ethik, München 2003, S. 10.
7 Ebd. S. 10-11.
8 Pieper, Annemarie: Einführung in die Ethik, Tübingen 1994, S. 30.
9 Pieper S. 41.
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