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"Es ist ein eigentümlicher Apparat" - Schuld und Strafe im Rechtssystem "der Strafkolonie" Franz Kafkas

Autor: Michelle Bayona
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

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Details

Veranstaltung: Traumkraut. Wahrnehmungsänderungen in der literarischen Moderne
Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur)
Tags: Apparat, Schuld, Strafe, Rechtssystem, Strafkolonie, Franz, Kafkas, Traumkraut, Wahrnehmungsänderungen, Moderne
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 15
Note: 2.0
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 104 KB
Archivnummer: V65349
ISBN (E-Book): 978-3-638-57943-8

Textauszug (computergeneriert)

Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
PS: Traumkraut. Wahrnehmungsänderungen in der literarischen Moderne

Sommersemester 2005
05.07.2005

„Es ist ein eigentümlicher Apparat“
Schuld und Strafe im Rechtssystem „der Strafkolonie“ Franz Kafkas

Michelle Bayona

 

Inhaltsverzeichnis

A) „Kaum zu zweifeln, (…) dass Franz Kafkas „In der Strafkolonie“ vom Bösen handelt“ 2

B) Die Verwendung von Schuld und Strafe „[i]n der Strafkolonie“ 3

1. „Ein primitives Rechtssystem“ 3
1.1. Der Urheber 3
1.2. Schuld und Strafmaß des Gefangenen 4
1.3. „Das Recht ist Mittel der Macht“ – das Rechtssystem der 5 „Strafkolonie“
1.4. Die Exekutions-Maschine 6

2. Der Offizier als Vollstrecker des Urteils 7
2.1. Vertreter der (alten) Autorität – und deren Schuld-Bewusstsein 7
2.2. In Konfrontation mit europäischen Werten 8
2.3. „Sei gerecht“ – Selbst-Bestrafung im Dienste der Einsicht 9

3. Der Forschungsreisende und der Zusammenbruch des Systems 10
3.1. Der stumme Beobachter 10
3.2. Im Zwiespalt 11

4. Alte Mächte versus Neue Mächte 12

C) „Es ist ein eigentümlicher Apparat“ 13

D) Literaturverzeichnis/Siglenverzeichnis 14

 

A) „Kaum zu zweifeln, (…) dass Franz Kafkas „In der Strafkolonie“ vom Bösen handelt“ 1

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der ungewöhnlichen Verwendung der Thematik von Schuld und Strafe in Franz Kafkas Erzählung „In der Strafkolonie“2.

Die positive Konnotation von Begriffen wie Gesetz, Vernunft, Gerechtigkeit und Menschlichkeit wandeln in einigen von Franz Kafkas Werken – u.a. auch in Texten wie „Der Prozess“ oder „Das Urteil“ – ihre Bedeutung, so dass sie gleichsam für Gewalt, Strafe, Schuld, Tod und Grausamkeit stehen. Genau dies trifft auf sein Werk „In der Strafkolonie“ zu. Hier zeigt sich eine absolute Macht, die das unumschränkte Recht beansprucht, Todesurteile zu verhängen und zu vollstrecken.

So soll „In der Strafkolonie“, als Kafka diesen Text am 10.November 1916 in München vorlas, vor allem „Abscheu erregt“3 haben. Kafka selbst plante, die Geschichte mit einigen anderen unter dem Titel „Strafen“ zu publizieren. Es handelt sich um einen der wenigen Texte, in denen von Seiten der Protagonisten diese Thematik der Strafe in ihrer Anwendung kritisch gesehen wird.

Daher soll untersucht werden, wie sich „[i]n der Strafkolonie“ der Begriff von Schuld und Strafe darlegt, was er in diesem abgeschlossenen Rechts-System bedeutet und wie sich letztlich durch das Zusammenspiel der Personen der Prozess der Exekution entwickelt. In diesem Sinne wird nach der allgemeinen Bestimmung von Schuld und Strafmaß der Schwerpunkt auf die beiden Protagonisten gelegt – den Offizier und den Forschungsreisenden.

Der Text soll intern untersucht werden, ungeachtet jeglicher biographischen Bezüge zu Franz Kafka oder Personen aus seiner Umwelt. In Anbetracht des vorgegebenen Umfangs der Hausarbeit werden auch keine Bezüge zu anderen Texten des Autors hergestellt.

B) Schuld und Strafe „[i]n der Strafkolonie“

1. „Ein primitives Rechtssystem“4

Die „Strafkolonie“ befindet sich auf einer Insel im fernen Osten. Ein umher reisender Forscher stattet der Kolonie für einen Tag einen Besuch ab und wird dort mit dem hiesigen Rechtssystem konfrontiert.

1.1. Der Urheber

Das Rechtssystem der „Strafkolonie“ geht zurück auf einen früheren Kommandanten, der als „gottähnliche Gründerfigur“5 bis zu seinem Tod als höchste Autorität fungierte. Sein Wille und Werk scheinen unantastbar und keiner höheren Instanz untergeordnet.6 Das System basiert darauf, dass der Kommandant die letzte Gerichtsinstanz ist, er fällt und vollzieht das Urteil, so dass sich ein Gerichtsverfahren im üblichen Sinne erübrigt. Er ist es auch, der die Hinrichtungsmaschine erfunden hat, deren Funktion der Offizier und Richter dem Reisenden im Laufe der Erzählung erklärt. Somit fungiert er als „Soldat, Richter, Konstrukteur, Chemiker und Zeichner“ (K60) in einer Person.

[...]


1 Zimmermann, Hans Dieter: In der Strafkolonie – Die Täter und die Untätigen. In: Interpretationen Franz Kafka. Romane und Erzählungen. Hg. von Michael Müller. Stuttgart: Reclam 2003 (= Universalbibliothek 17521). [Anm. MB: Im folg. abgekürzt: Zimmermann 2003]

2 Kafka, Franz: Das Urteil und andere Prosa. Hg. von Michael Müller. Stuttgart: Reclam 1995. [Anm. MB: Im folgenden Sigle: K]

3 Zimmermann 2003, S.168.

4 Politzer, Heinz: Franz Kafka. Der Künstler. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1978, S.172. [Anm. MB: Im folg. abgekürzt: Politzer 1978]

5 Hecker, Axel: An den Rändern des Lesbaren. Dekonstruktive Lektüren zu Franz Kafka: Die Verwandlung, In der Strafkolonie und Das Urteil. Wien: Passagen 1998, S. 91. [Anm. MB: Im folg. abgekürzt: Hecker 1998]

6 Honegger bezeichnet die Figur sogar als die „größte Machtgestalt Kafkas überhaupt“. Vgl. Honegger, Jürg Beat: Das Phänomen der Angst bei Franz Kafka. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1975 (=Philologische Studien und Quellen 81), S. 233. [Anm. MB: Im folg. abgekürzt: Honegger 1975]

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