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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 26 Pages
Author: Anne Hessel
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Friedrich, Dürrenmatt, Kriminalautor, Eine, Analyse, Kriminalromans, Verdacht
Year: 2004
Pages: 26
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-57972-8
ISBN (Book): 978-3-638-72518-7
File size: 268 KB
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Abstract
„In den fünfziger Jahren Kriminalromane zu schreiben, schadet[e] dem guten Ruf des Schriftstellers und nützt[e] seinem Geldbeutel. Zu den Entstehungsbedingungen der Dürrenmattschen Erzählungen dieser Zeit gehört die Lust, aus einem literarischen Elfenbeinturm auszubrechen, der ihn immer mehr zu isolieren droht[e], wie das Vergnügen, die etablierten Erwartungen an Literatur zu provozieren, den Bildungshochmut anzukratzen.“ Dieser kritischen Einstellung gegenüber der Kriminalliteratur zum Trotz werden Dürrenmatts Kriminalromane „Der Richter und sein Henker“ (1951) und „Der Verdacht“ (1952) zuerst als Fortsetzungsromane im Schweizer Beobachter publiziert und sind eine wichtige Einnahmequelle für den jungen Dichter. Zwar verweist Dürrenmatt in aller Offenheit in späteren Interviews darauf, dass es seine katastrophale finanzielle Situation gewesen ist, die ihn dazu getrieben hat sich mit dem Kriminalroman zu befassen, doch lässt sich dem Schriftsteller eine gewisse Faszination an der Trivialliteratur nicht absprechen. Weshalb gerade die Kriminalliteratur gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf solch breites öffentliches Interesse stößt und damit auch kommerziellen Erfolg verspricht, darauf soll im Verlauf der Arbeit noch näher eingegangen werden. Denn weder die Lust an der Provokation noch die reine ökonomische Notwendigkeit können die Wahl des von Dürrenmatt bevorzugten Genres hinlänglich erklären. Auch lassen sie kaum verständlich werden, dass der Dichter immer wieder in seinem Lebenswerk auf Kriminalliteratur zurückgekommen ist- in dem Roman „Justiz“ etwa, dessen Manuskript er bereits 1959 begonnen und erst 1985 abgeschlossen hat. Man kann also nur vermuten, dass es sich hierbei um einen Mischung aus Faszination und einer „...vehementen Abwehr [Dürrenmatts] gegen das Feierliche, gegen den Weihrauch in der Literaturpflege [handelt], [...] lange bevor auch die Antikunst zu den etablierten Kategorien der Literatur gehört.2
Excerpt (computer-generated)
Ruprecht- Karls-Universität Heidelberg, Germanistisches Seminar
Hauptseminar: Friedrich Dürrenmatt
SS 2004
Friedrich Dürrenmatt als Kriminalautor:
Eine gattungstypische Analyse seines Kriminalromans
"Der Verdacht"
von: Anne Hessel
Gliederung
1. Zur Person Dürrenmatts S.3
1.1 Biographie S.3
1.2 Dürrenmatt als Kriminalautor S.3
2. Der Kriminalroman S.5
2.1 Die Geschichte des Kriminalromans S.5
2.2 Terminologische Unterscheidungen zwischen Kriminal-, Verbrechensliteratur und dem Detektivroman S.7
2.3 Gattungstypische Merkmale des Detektivromans S.9
2.3.1 Die Handlung S.9
2.3.2 Die Figuren S.12
2.3.3 Räume und Gegenstände S.14
3. Analyse des Kriminalromans „Der Verdacht“ S.15
3.1 Übereinstimmungen und Abweichungen vom klassischen Detektivroman S.15
3.2 Die Rolle des Zufalls bei Dürrenmatt S.21
4. Dürrenmatts Beitrag zur Entwicklung der Kriminalliteratur S.23
5. Literatutverzeichnis S.24
6. Endnoten S.25
1. Zur Person Dürrenmatts
1.1 Biographie
Friedrich Dürrenmatt wird am 5. Januar 1921 als Sohn eines protestantischen Pfarrers in Konolfingen bei Bern geboren. Er studiert Philosophie, Germanistik und Naturwissenschaften in Zürich und Bern (und keineswegs, wie zumeist falsch wiedergegeben wird, Theologie), arbeitet zunächst als Zeichner und Graphiker und schreibt Literatur- bzw. Theaterkritiken für die Zürcher Weltwoche. Darüber hinaus entstehen erste Texte fürs Kabarett. 1946 heiratet Dürrenmatt Lotti Geißler (drei Kinder). Die Theaterstücke „Die Ehe des Herrn Mississippi“ (1952, Neubearbeitung 1957) und „Ein Engel kommt nach Babylon“ (1954, Neubearbeitung 1957) machen ihn als Dramatiker einem breiten Publikum bekannt. Nach dem Tod seiner ersten Frau geht Dürrenmatt 1984 eine Verbindung mit Charlotte Kerr ein. Der Autor stirbt am 14. Dezember 1990 in Neuchâtel an den Folgen eines Herzinfarkts.
1.2 Dürrenmatt als Kriminalautor
„In den fünfziger Jahren Kriminalromane zu schreiben, schadet[e] dem guten Ruf des Schriftstellers und nützt[e] seinem Geldbeutel. Zu den Entstehungsbedingungen der Dürrenmattschen Erzählungen dieser Zeit gehört die Lust, aus einem literarischen Elfenbeinturm auszubrechen, der ihn immer mehr zu isolieren droht[e], wie das Vergnügen, die etablierten Erwartungen an Literatur zu provozieren, den Bildungshochmut anzukratzen.“ 1
Dieser kritischen Einstellung gegenüber der Kriminalliteratur zum Trotz werden Dürrenmatts Kriminalromane „Der Richter und sein Henker“ (1951) und „Der Verdacht“ (1952) zuerst als Fortsetzungsromane im Schweizer Beobachter publiziert und sind eine wichtige Einnahmequelle für den jungen Dichter. Zwar verweist Dürrenmatt in aller Offenheit in späteren Interviews darauf, dass es seine katastrophale finanzielle Situation gewesen ist, die ihn dazu getrieben hat sich mit dem Kriminalroman zu befassen, doch lässt sich dem Schriftsteller eine gewisse Faszination an der Trivialliteratur nicht absprechen. Weshalb gerade die Kriminalliteratur gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf solch breites öffentliches Interesse stößt und damit auch kommerziellen Erfolg verspricht, darauf soll im Verlauf der Arbeit noch näher eingegangen werden (s. 2.1 Die Geschichte des Kriminalromans).
Dürrenmatt gelingt es also mit dem krebskranken Berner Kommissär Bärlach eine Detektivfigur von alttestamentarischer Wucht zu schaffen und diese zugleich ironisch in Frage zu stellen. „Das Versprechen“ (1958 im Untertitel als Requiem auf den Kriminalroman bezeichnet), „Justiz“ (1985) und „Der Auftrag“ (1986) entstehen anschließend im Zusammenhang mit Filmprojekten. Besonders in ihnen wird der vom Detektivroman implizierte Zusammenhang von Moral und Logik vollends ad absurdum geführt; zugleich eröffnen Dürrenmatts Romane stets philosophische Perspektiven auf das Verhältnis von Recht und Moral, auf die Ursache des Bösen und auf die Möglichkeiten von Erkenntnis. Der letzte Roman, „Durcheinandertal“ (1989), spielt in virtuoser und verwirrender Art und Weise theologische, kosmologische und mythische Motive durch und verbindet sie mit einer satirischen Gangstergeschichte in einem alpinen Kurort. Doch weder die Lust an der Provokation noch die reine ökonomische Notwendigkeit können die Wahl des von Dürrenmatt bevorzugten Genres hinlänglich erklären. Auch lassen sie kaum verständlich werden, dass der Dichter immer wieder in seinem Lebenswerk auf Kriminalliteratur zurückgekommen ist- in dem Roman „Justiz“ etwa, dessen Manuskript er bereits 1959 begonnen und erst 1985 abgeschlossen hat. Man kann also nur vermuten, dass es sich hierbei um einen Mischung aus Faszination und einer „...vehementen Abwehr [Dürrenmatts] gegen das Feierliche, gegen den Weihrauch in der Literaturpflege [handelt], [...] lange bevor auch die Antikunst zu den etablierten Kategorien der Literatur gehört.2
2. Der Kriminalroman
2.1 Die Geschichte des Kriminalromans3
Geht man nun auf die Geschichte des Kriminalromans ein, so wird man sich an dieser Stelle ( wie oben bereits erwähnt) fragen, weshalb sich gerade der Kriminalroman zu einem der begehrtesten und meist gelesenen Gattungen seiner Zeit etabliert hat und warum sich sogar Dichter und Schriftsteller diesem Genre unterwerfen, um sich ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Um diese Frage beantworten zu können, gilt es zunächst einmal ihre näheren sozialgeschichtlichen, geistesgeschichtlichen und publizistischen Entstehungsbedingungen zu kennen.
So begründet sich das wachsende Interesse an Rechtsfragen und daher auch an Literatur über Recht- und Rechtsverwirklichung sozialgeschichtlich mit der Entwicklung und Konsolidierung des bürgerlichen Rechtsstaates im 19. Jahrhundert, mit dem das Verlangen der Bürger nach einem verlässlichen Justizverfahren einhergeht. Von besonderer Bedeutung sind hierbei Veränderungen in der Strafprozessform, der Aufbau privater und staatlicher Detekteien, der Ausbau des staatlichen Polizeiapparates und die Entwicklung kriminalistischer Ermittlungsmethoden.
[...]
1 Pasche, Wolfgang: Interpretationshilfen Friedrich Dürrenmatts Kriminalromane. Stuttgart 1997, S.5
2 Pasche, Wolfgang, a.a.O., S.5
3 Nach: Nusser, Peter: Der Kriminalroman. Stuttgart-Weimar 2003, S.
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