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Details

Veranstaltung: Proseminar Räume des Wissens
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Kunstgeschichtliches Institut)
Tags: Wunderkammer
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 14
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 171 KB
Archivnummer: V6548
ISBN (E-Book): 978-3-638-14091-1

Textauszug (computergeneriert)

Erzherzog Ferdinand und die Ambraser Sammlung

von Anne Katrin Kaiser

 

Inhaltsverzeichnis:

1. Allgemeines

2. Biographisches

3. Museum in Schloss Ambras

4. Aufstellung der Kunstkammer

5. Prinzipien und Vorbilder

6. Gang der Kunstkammer nach Ferdinands Tod

7. Kurze Erwähnung des Inhalts der Kästen

8. Auftreten des "stil rustique" in Ferdinands Sammlung, bezogen auf verschiedene Fallbeispiele

9. Literatur



1. Allgemeines

Erzherzog Ferdinand II. lebte von 1529 - 1595. Er selbst und sein Herrschaftssitz Schloss Ambras galten während des Lebens des Regenten und auch nach seinem Tode als ein Symbol habsburgischer Sammeltätigkeit.
Zur damaligen Zeit war auch unter den Sammlungen anderer europäischer Fürsten kaum Vergleichbares zu finden. Ferdinands Kunstkammer zog bereits zu seinen Lebzeiten interessierte Fürstlichkeiten und gebildete Reisende "magisch" an.
Für die Kunstkammer waren seit dem 17. Jahrhundert Führungen eingerichtet, viele "prominente" Besucher waren im Gästebuch nachzulesen, so z.B. der Augsburger Patrizier und Sammler

Phillip Hainhofer 1628, Christina v. Schweden oder sogar Johann Wolfgang Goethe.
Dreh- und Angelpunkt Ferdinands war unbestritten der Mensch selbst: Ihm galten des Erzherzogs wissenschaftliche und musesalische Unternehmungen.
Seine Kunstkammer auf Schloss Ambras war in drei Teile unterteilt:

I. Die Portraitsammlung ( nach dem Tode Ferdinands wies sie weit über 1000 Gemälde auf )
II. Die Waffensammlung, die sich auf vier Säle erstreckte und
III. Die eigentliche Kunstkammer

Die Herkunft und Entstehung der ausgestellten Objekte war vielseitig: In den 18 Vitrinen der Kunstkammer fand sich Ererbtes und Erworbenes aus allen Gegenden der Welt, Geschenke aus dem Adel aber auch einfache Produkte der Handwerkskunst.
Obwohl einige Werke durchaus wichtig für Kunstgeschichte und Völkerkunde sind, fand bis heute keine wissenschaftliche Würdigung des Inhalts der Ambraser Kunstkammer statt.
Auch sind einige entscheidende Fragen über die Sammlung bis heute noch nicht geklärt, so z.B. das Zusammenwirken des Sammlers mit den Künstlern selber. Bekannt ist nur, dass Ferdinand seine Kunstkammer nicht allein verwalten konnte und es auch nicht wollte. Als Kustoden wählte er den Holländer Erhard van Roo - dieser fungierte für Ferdinand als Bibliothekar und Kunstkämmerer.
Jakob Schrenk von Notzing erledigte schon 1565 als Ferdinands Sekretär die wichtige Korrespondenz mit den Künstlern.
Viele Agenten waren für Ferdinand im gesamten Habsburgerreich auf der Suche nach Sammel- und Kunstgegenständen.
Ferdinand hielt außerdem rege Korrespondenz mit anderen Sammlern, um das eine oder andere Sammlerstück zu einem guten Preis erstehen zu können

2. Biographisches

1529 wurde Erzherzog Ferdinand II. in Linz als zweiter Sohn Kaiser Ferdinands I. geboren. Er war mit sämtlichen großen Sammlern und Kunstliebhabern fürstlichen Geblüts verwandt.
Zusammen mit seinem Bruder ( dem späteren Kaiser Maximilian II. ) wurde er während der Abwesenheit des Vaters durch bekannte Größen, z.B. den Dichter Caspar Ursinus Velius oder den Mathematiker Colimitius erzogen. Doch der Vater selbst unterrichtete seine Söhne so oft wie ihm nur eben möglich.
Die Jahre 1533-1543 verbrachten die Geschwister in Tirol: Dort lebten sie unter relativ einfachen Lebensbedingungen, doch das Familienleben war herzlich. Dann wurde der junge Ferdinand zu seinem Onkel in die Niederlande zum Hofdienst geschickt; er wurde in die stabilisierende Politik gegenüber dem Rivalen Frankreich verhältnismäßig früh miteinbezogen. Schon im Alter von zehn Jahren dachte man bei ihm an ( Zweck- ) Heirat gedacht, außerdem nahm er an diversen Staatsakten außerhalb der österreichischen Erblande teil.
Dieses Leben zwischen emotionalen Verhältnissen, der Natur und weltpolitischen Dimensionen wird sicherlich auch den ( Sammel- ) Stil Ferdinands geprägt haben: Seine Vorliebe für den "stil rustique" , die Verbindung von Natur und Kunst, zeigt die Realitätsnähe seiner Jugend in Tirol auf, gepaart mit dem ( Kunst-) Verhalten am Hofe und findet ihren Niederschlag auch in der Kunstkammer.
Mit 18 Jahren wurde Ferdinand schließlich zum Stadthalter von Böhmen ernannt und begann kurz danach seine Sammeltätigkeit. Als Aufstellungsort diente ihm zunächst sein erster Herrschaftssitz Schloss Bürgerlitz. Dort führte er auch die zwar unstandesgemäße, aber glückliche Ehe mit der Bürgerin Phillipine Welser.
Ferdinand liess die Formung von "Natur" zu "Kunst" ( siehe "stil rustique" ) keine Ruhe. Er beteiligte sich an verschiedenen künstlerischen Unternehmungen; er dilettierte in Architektur ( Schloss "Stern" ), Musik und Theaterwesen, und besaß später in Ambras eine Gießerei und eine Glashütte, in der er selbst tätig war.
1563 wurde Ferdinand Landesfürst von Tirol und den Vorlanden. Als Residenz, fernab vom Hofbetrieb, wählte er Schloss Ambras, welches er sofort nach dem Einzug seiner Ehefrau als finanzielle Absicherung schenkte. Ambras war ein Hochschloss mit einem Innenhof, welches Ferdinand II. nach eigenen Wünschen umgestaltete bzw. teilweise sogar neu erbaute. Die Sammlung bewahrte er während der Umbauarbeiten vorerst in der Hofburg in Innsbruck auf.

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