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Das Unheimliche in Daphne du Mauriers Jamaica Inn

Termpaper, 2005, 13 Pages
Author: Dr. phil. Daria Hagemeister
Subject: English - Literature, Works

Details

Event: VO "Das Unheimliche" am Germanist. Inst. der Univ. Wien
Institution/College: University of Vienna (Institut für Germanistik)
Tags: Unheimliche, Daphne, Mauriers, Jamaica, Unheimliche, Germanist, Inst, Univ, Wien, Verfilmung
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 13
Grade: 1
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V65596
ISBN (E-book): 978-3-638-58122-6
ISBN (Book): 978-3-638-76776-7
File size: 220 KB
Notes :
Wir durften statt einer Prüfung eine Hausarbeit verfassen. Enger Zeilenabstand.


Abstract

In "Jamaica Inn" hausen keine Geister und Gespenster, Tote erscheinen Joss nur im Rausch, nichts ist unerklärlich, nur undurchsichtig, Helden gibt es keine. Der Horror spielt sich auf einer rein materiellen Ebene ab und wird somit zum Terror. Somit ließe sich die besonders in der englischen Sekundärliteratur formulierte geschlechtsspezifische Unterscheidung in Horror als supernatural und Terror als explained supernatural hier anwenden. Das Angst einflößende ist eine männlich dominierte Welt, in der Geld, Macht, Sex und Gewalt herrschen. Die Frau erfährt sich selbst als - von sozialen Gewaltverhältnissen, die den Strukturen einer patriarchal organisierten Gesellschaft immanent sind, - abhängiges Individuum. Es stellt sich die Frage, ob es einen typisch weiblichen Zugang zu den unterschiedlichen Formen der Angsterzeugung und Angstbewältigung innerhalb der Schauerliteratur gibt. Sind es bei den männlichen Autoren oft Geister- und Geheimbundromane, Volkssagen und Schauerballaden, in denen der Schrecken zum Beispiel, wie in der "Braut von Korinth" etwa an das männliche Individuum von außen herantritt, in Form von dämonischen Frauengestalten, oder etwa in Form des "bösen" Vaters als der personifizierte Ödipuskomplex in E.T.A. Hoffmanns "Sandmann", so stellen viele Schauerromane, die von Autorinnen verfasst worden sind, einen Gegendiskurs dar. Denn das Gefühl des Terrors speist sich in erster Linie aus den inneren, uneindeutigen Bildern der Protagonistinnen, ausgelöst durch Gefährdungen in dem ihnen zugeschriebenen, ... Bereich der Familie und des eigenen Heims. Und der "Spuk" hat einen oder mehrere Namen und einen materiellen Körper, nämlich den eines Mannes, oder einer Gruppe von Männern, wie in dem Roman "Jamaica Inn".


Excerpt (computer-generated)

Neuere dt. Lit.: Literatur und das Unheimliche
Universität Wien/Inst. f. Germanistik

Das Unheimliche in Daphne du Mauriers "Jamaica Inn"

von

Dr. phil. Daria Hagemeister

 

 

Inhaltsangabe:

1. Einleitung 3
1.1 Der Begriff der Gattung und des Genres 3
1.2. Das Unheimliche 3
1.3. "Gothic Literature" oder der Schauerroman 4
1.3.1. Daphne du Mauriers "Jamaica Inn" - ein Schauerroman 5

2. Daphne du Maurier 5
2.1. Biografie 5
2.2 Die Inspiration 6

3. Die Geschichte 6
3.1. Das Unheimliche in "Jamaica Inn" 8
3.1.1. Stilistische Mittel - das "Setting" 8
3.1.2. Ein gender-orientierter Ansatz 10
3.1.2.1. Häuslicher Terror - Masochismus und Liebe 10
3.1.2.2. Terror versus Horror - die rationale Erklärbarkeit 11
3.1.2.3. Die Begriffe: "heimlich", "Wiederkehr" und "Verdrängung" 11
3.2. Zusammenfassung 12

4. Literatur- und Quellenverzeichnis 13

 

 

1. Einleitung:

1.1 Der Begriff der Gattung und des Genres:

Der Begriff der Gattung bezeichnet zweierlei. Zunächst einmal meint man mit diesem Terminus eine Einteilung der literarischen Darbietungsformen in die drei "Naturformen der Poesie" (Goethe), oder in die Gattungs-Trias der typologischen Grundgattungen: Epik, Lyrik und Drama. Die Grundlage, nach welcher diese Kategorisierung - ohne dass damit ein Werturteil verbunden wäre - vorgenommen wird, bildet die allgemeine Gattungstheorie. Die Abgrenzung voneinander und Aufdeckung ihrer Gestaltungsprinzipien ist Aufgabe der Gattungspoetik, während die Entstehung, historische Entwicklung, der Wandel und das ev. Absterben einer Gattung von der Gattungsgeschichte untersucht werden. War in der Antike die Einteilung in verschiedene Gattungen noch unbekannt - es ging damals mehr um die Begriffsbestimmung der einzelnen Dichtarten - wurden in Deutschland Ende des 18. Jhdts. erstmals Gattungsbegriffe formuliert. In neuerer Zeit gibt es allerdings Theoretiker, wie etwa B. Croce, die die Berechtigung zur Einteilung in Gattungen bestreiten, allerdings nicht widerspruchslos. Die zweite Verwendungsmöglichkeit desselben Begriffes ist die in "Dichtarten" (Goethe), d.h. in historisch bedingte Untergattungen oder auch Genres genannt. Ihre Einteilung und Unterteilung erfolgt sowohl nach formalen, als auch nach inhaltlichen Kriterien. Oftmals bedingen Inhalt und Gestalt sich gegenseitig. Oftmals ist aber auch eine eindeutige Zuordnung nicht möglich, da es immer wieder zu gattungsüberschneidenden Mischformen, Übergangsformen und historisch bedingten Abwandlungen der Einteilungsprinzipien kommt. Strukturveränderungen innerhalb der Gesellschaft, aber auch eigenwillige Benennungen durch die Autoren selbst, neue Medien, neue theoretische Ansätze bezüglich der Beschäftigung mit Textsorten, andere Gliederungsaspekte, wie etwa im Bezug auf die Kommunikationsfunktion eines Textes tragen ebenfalls dazu bei.1

1.2. Das Unheimliche:

Das Unheimliche als Teilbereich der Fantastik wird dem Genre der fantastischen Literatur zugeordnet. Nach Todorov ist das Fantastische die Unschlüssigkeit, "die ein Mensch empfindet, der nur die natürlichen Gesetze kennt und sich einem Ereignis gegenübersieht, das den Augenschein des Übernatürlichen hat. (Todorov, 1972, S. 26)"2 Einzig und allein im Moment der Unschlüssigkeit des impliziten Lesers, solange es nicht zur Auflösung derselben kommt, handelt es sich um Fantastik. 

Es bieten sich jedoch zwei Entscheidungsalternativen bezüglich der Beschaffenheit der Ereignisse an. Kommt es zur Auflösung der Unschlüssigkeit durch Anerkennung übernatürlicher Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, dann spricht man vom Wunderbaren. Kommt es hingegen zu einer Auflösung durch rationale Erklärungsmöglichkeiten, dann handelt es sich um das Unheimliche, in welchem Fall die Gesetze der Welt, in der sich der Leser befindet, nicht angezweifelt werden müssen. Für Todorov ist die Abgrenzung zwischen dem Fantastischen und seinen beiden benachbarten Domänen eine Gratwanderung auf dem Gebiet des Fantastisch-Wunderbaren, das sich in Erzählungen manifestiert, die sich als fantastisch präsentieren und schließlich das Übernatürliche anerkennen, bzw. auf dem Gebiet des Fantastisch-Unheimlichen, bei dem es schließlich zu einer rationalen Auflösung kommt, sei es, dass der Leser entdeckt, sich in einer Traumwelt befunden zu haben, sei es, dass ungewöhnliche Ereignisse sich als Zufälle oder Betrug entlarven lassen.

Das Unheimliche selbst lässt ebenfalls die Gesetze der Realität intakt, außergewöhnliche oder schockierende Phänomene erscheinen dem Leser allerdings während der ganzen Erzählung unheimlich. Das dieser Definition entsprechende Genre wäre somit der "Schauerroman", oder "the Gothic novel", wenn man es auf Englisch ausdrücken möchte, da es sich bei der vorliegenden Lektüre um einen in englischer Sprache verfassten Roman handelt.

Während sich Todorov dem Problem nach den Methoden des Strukturalismus nähert, versucht es Freud über eine sprachliche Analyse. Er erkennt, dass das Unheimliche nicht immer genau abgegrenzt werden kann, jedoch immer "zum Schreckhaften, Angst- und Grauen erregenden gehört".3 Als Ergebnis dieser auf Vertrautes und Altbekanntes zurückführen lässt. Er entdeckt, dass die Unterscheidung zwischen "unheimlich" und "heimlich" nicht ganz so eindeutig ist, wie sie bei oberflächlicher Betrachtung etwa scheinen möge. Freud verweist dabei auch auf Schelling, der schon darauf hingewiesen hat, dass "unheimlich" dasjenige ist, welches ein Geheimnis hätte bleiben sollen, jedoch hervorgetreten ist. "Also heimlich ist ein Wort, das seine Bedeutung nach einer Ambivalenz hin entwickelt, bis es endlich mit seinem Gegensatz unheimlich zusammenfällt. ... Die Einzeluntersuchung der Fälle des Unheimlichen wird uns diese Andeutung verständlich machen."4 Freud nennt dies den "Prozess der Verdrängung"5

[....]


1 Wilpert, Gero von: "Sachwörterbuch der Literatur", A. Kröner Verlag Stuttgart, 8. verb. u. erw. Aufl., 2001, S. 290 - 292.

2 www.ph-heidelberg.de/wp/rank/fantastik/theorien/todorov/tod_01.htm

3 Freud, Sigmund: "Psychologische Schriften", Studienausg. Bd. 4, Fischer Taschenb. Verl. Frankf./Main, 2000, S. 243.

4 Freud, Sigmund : "Psychologische Schriften", Studienausg. Bd. 4, Fischer Taschenb. Verl. Frankf./Main, 2000, S. 250.

5 Freud, Sigmund : "Psychologische Schriften", Studienausg. Bd. 4, Fischer Taschenb. Verl. Frankf./Main, 2000, S. 264..


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