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Autor: Isabel Findeiss
Fach: Kunst - Malerei
Details
Tags: Aelbert, Cuyp, Kontext, Landschaftsmalerei
Jahr: 2004
Seiten: 152
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 117 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1476 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-58184-4
Textauszug (computergeneriert)
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Aelbert Cuyp
im Kontext der niederländischen Landschaftsmalerei
Isabel Findeiss
23.08.2004
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort ... 4
2. Die europäische Landschaftsmalerei im Kontext des Themas „Aelbert Cuyp“ ... 6
2.1 Allgemeine Bemerkungen ... 6
2.2 Die spezielle Situation im 17. Jahrhundert ... 9
2.3 Die Umstände in den Niederlanden ... 11
3. Zur Person Aelbert Cuyps ... 18
3.1 Familie ... 18
3.2 Wohn- und Wirkungsort ... 19
3.3 Zeitliche Einordnung seines Oeuvres ... 21
3.4 Cuyps Sujets ... 22
4. Aelbert Cuyps Frühwerk (ca. 1639 – ca. 1645) ... 24
4.1 Lehre ... 24
4.2 Einflüsse ... 24
4.2.1 Jacob Gerritsz Cuyp ... 25
4.2.2 Jan van Goyen ... 26
4.2.3 Die Utrechter Malerschule ... 28
4.3 Bildvergleich Aelbert Cuyp – Jan van Goyen ... 30
4.3.1 Aelbert Cuyp: Zwei Reiter an einem Gebirgskamm ... 30
4.3.2 Jan van Goyen: Blick auf Rhenen ... 33
4.3.3 Zusammenschau beider Werke ... 36
5. Aelbert Cuyps reife Werke (ca. 1645 – ca. 1655/60) ... 39
5.1 Einflüsse ... 40
5.1.1 Die italianisierenden Landschaftsmaler ... 40
5.1.2 Exkurs: Adam Elsheimer ... 43
5.1.3 Jan Both ... 46
5.2 Bildvergleich Aelbert Cuyp – Jan Both ... 51
5.2.1 Aelbert Cuyp: Flucht nach Ägypten ... 52
5.2.2 Jan Both: Italianisierende Abendlandschaft ... 57
5.2.3 Zusammenschau beider Werke ... 61
6. Aelbert Cuyps Spätwerk (ab ca.1655/60) ... 65
6.1 Weiterentwicklungen des reifen Stils ... 65
6.2 Verbindungen zu Claude Lorrain ... 74
6.3 Bildvergleich Aelbert Cuyp – Claude Lorrain ... 75
6.3.1 Aelbert Cuyp: Reiter mit Hirten und Vieh ... 76
6.3.2 Claude Lorrain: Landschaft mit Jacob und Laban ... 83
6.3.3 Zusammenschau beider Werke ... 88
7. Aelbert Cuyps Personalstil ... 92
8. Schüler und Nachfolger Aelbert Cuyps ... 95
8.1 Abraham und Barent van Calraet ... 95
8.2 Abraham und Jacob van Strij ... 96
9. Rezeption und kunsthistorische Würdigung Aelbert Cuyps ... 98
9.1 Würdigung zu seinen Lebzeiten ... 98
9.2 Würdigung im 18. und 19. Jahrhundert ... 98
9.3 Würdigung im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart ... 99
10. Schlussbemerkung ... 100
11. Anhang ... 102
11.1 Abbildungsverzeichnis ... 102
11.2 Abbildungen ... 109
11.3 Abbildungsnachweis ... 140
12. Literaturverzeichnis ... 142
1. Vorwort
Aelbert Cuyp – mit diesem Namen wissen die wenigsten Menschen etwas anzufangen. Selbst in den Niederlanden, dem Herkunftsland des Malers aus dem 17. Jahrhundert, wird „Aelbert Cuyp“ eher mit einem Markt bzw. einer Strasse in Amsterdam in Verbindung gebracht, die den Namen des Künstlers tragen, als dass jemand wüsste, um wen es sich dabei konkret handelt.
Der 1620 geborene Maler, Spross einer ganzen Malerfamilie, der sein gesamtes Leben – er starb 1691 – in seiner Heimatstadt Dordrecht zubringt und sich dort fast ausschließlich mit dem Thema der Landschaftsmalerei auseinandersetzt, wird auch in der kunsthistorischen Forschung lange Zeit kaum beachtet. Es scheint fast, dass seine Werke, hauptsächlich Variationen der typisch holländischen Landschaft, die er in ein völlig „un-holländisches“ goldenes Sonnenlicht taucht, sowohl in seiner eigenen Zeit wie auch später, zwischen den Werken seiner „großen“ Zeitgenossen wie Jan van Goyen oder Jacob van Ruisdael völlig untergegangen sind. Erst in jüngerer Zeit setzt sich auch die internationale Forschung mit Aelbert Cuyp und seinem Oeuvre auseinander.1
Das Anliegen dieser Arbeit ist es nun, das Werk Aelbert Cuyps in das größere Themengebiet der niederländischen Landschaftsmalerei einzuordnen und dabei den konkreten Personalstil des Künstlers herauszuarbeiten. Der Schwerpunkt wird bei den Landschaftsgemälden liegen. Zeichnungen, sowie die für ihn nicht so typischen Genres – Porträts, Tierdarstellungen, Seestücke – sollen deshalb nur am Rande erwähnt werden.
Einleitend wird zunächst ein Blick auf die Landschaftsmalerei im Allgemeinen geworfen, sowie das 17. Jahrhundert und die damalige Situation in den Niederlanden kurz charakterisiert. Nach Bemerkungen zu Aelbert Cuyps Person werden dann sowohl einige seiner frühen, als auch seiner reifen und späten Werke betrachtet. Sie sollen innerhalb der vorherrschenden Kunstströmungen positioniert werden und zeigen, welchen wechselnden Einflüssen Aelbert Cuyp im Laufe seiner Karriere unterliegt. Dabei kann in diesem Rahmen nicht im Detail auf die Datierungsproblematik der einzelnen Werke eingegangen werden. Die Jahreszahlen, die in der Arbeit genannt werden, entsprechen den in der dazugehörigen Literatur angegebenen Datierungen.2
Zu Frühwerk, reifem Werk und Spätwerk soll jeweils ein prägnanter Bildvergleich, der einem Werk Cuyps ein Werk eines seiner Vorbilder gegenüberstellt, seinen Personalstil illustrieren. Um weder Text noch Anmerkungsapparat unnötig zu belasten, sind die wichtigsten Angaben zu den erwähnten Bildern im Anhang wiedergegeben. Abschließend werden Schüler und Nachfolger Aelbert Cuyps behandelt, ebenso wird ein Blick auf seine kunsthistorische Würdigung geworfen.
2. Die europäische Landschaftsmalerei im Kontext des Themas „Aelbert Cuyp“
2.1 Allgemeine Bemerkungen
In seiner vornehmlichen Beschäftigung mit der Landschaftsdarstellung steht Aelbert Cuyp in der Tradition der europäischen Landschaftsmalerei, wobei sich diese im Laufe der Zeit zu einer der wichtigsten Bildgattungen entwickelt hat. Während sie in früheren Jahrhunderten als einer niederen Gattung zugehörig betrachtet wurde (mit der Historienmalerei als Maß aller Dinge), hat sie sich bis in unsere Zeit kontinuierlich hochgearbeitet, so dass man jetzt davon sprechen kann, dass die Landschaft den wichtigsten Platz innerhalb der Bildgattungen einnimmt.3
Die Frage, wie sich die Landschaftsmalerei als eigenständige Gattung überhaupt entwickeln konnte, welche Voraussetzungen dazu nötig waren und warum sie sich letztendlich gegenüber anderen Bildgattungen behaupten konnte, hat die Kunstwissenschaft schon immer beschäftigt. Heinrich Lützeler erkennt treffend, dass „Landschaftsmalerei (...) dort unmöglich [ist ], wo die Kunst einseitig theozentrisch oder anthropozentrisch gerichtet ist. Der Kult der Götter und das Betroffensein vom Menschen drängen im künstlerischen Bewusstsein notwendig die Natur zurück und machen sie relativ uninteressant.“4
Erich Steingräber hebt besonders die Kluft zwischen wilder Natur und bebautem Land, zwischen Stadt und Land hervor, die dem Menschen immer mehr bewusst wird: „Aus dem Bedürfnis des Städters nach verlorenem Glück, nach Frieden und Ursprünglichkeit entstanden utopische „geistige“ Landschaften, die in (...) gemalten Landschaftsbildern Gestalt gewannen.“5
Alexander Wied schließlich spricht davon, „ein ganzes Bündel von historischen Gegebenheiten in Kalkül zu ziehen: Das erwachende „Naturgefühl“, das neue Individuum der Renaissance, der selbstbewusste Maler und seine „Weltanschauung“, die Kartographie, das Interesse an den Entdeckungen und Reisen, die Lockerung oder Loslösung von der Gebundenheit an den christlichen Kult, schließlich noch der neu entstehende Kunstmarkt und die Nachfrage.“6
Die frühesten Beispiele der Landschaftsmalerei sind aus der römischen Antike überliefert, die Odyssee-Landschaften einer Villa am Esquilin (ca. 40 v.Chr.). Hier lässt sich jedoch noch nicht von einer eigenständigen Landschaftsdarstellung sprechen. Sie dient nur als Folie für die im Vordergrund agierenden Personen. Im Mittelalter, stark geprägt von christlichem Glauben und Spiritualität, lebt die Landschaftsdarstellung weiter, jedoch allein in stilisierter Form, die sich der religiösen Funktion jedes damaligen Bildwerkes unterordnen muss. Erst in der Frührenaissance Italiens beginnt die Landschaftsmalerei sich weiterzuentwickeln. Ambrogio Lorenzettis Fresko „Folgen der guten und der schlechten Regierung“ (1338-1339) im Ratssaal von Siena zeigt einen wahrheitsgetreuen Ausblick auf die Siena umgebende Landschaft. Man nimmt an, dass auch der im gleichen Zeitraum entstandene Bericht Petrarcas über seine Besteigung des Mont Ventoux Einfluss auf die Entwicklung der Landschaftsmalerei nimmt. Er formuliert als erster die sinnliche Schönheit der Natur, die sich ab dem 14. Jahrhundert auch zaghaft in der Landschaftsdarstellung der Kunstwerke zu zeigen beginnt. Einen Schritt weiter geht im 15. Jahrhundert dann die Hofkunst (v.a. die Buchmalerei) in den Niederlanden und in Burgund. In den Kalenderillustrationen und den Stundenbüchern – zu erwähnen wäre hier das Stundenbuch der Gebrüder Limburg für den Duc de Berry (1411-1416), sowie das Turin-Mailänder-Gebetbuch – wird der mittelalterliche Goldgrund zugunsten eines naturalistischen Landschaftshintergrundes nach und nach aufgegeben. In Jan van Eycks 1432 entstandenem Genter Altar wird dieser Prozeß dann nochmals gesteigert.7
In Italien beschäftigt sich zur gleichen Zeit auch das Universalgenie der Renaissance, Leonardo da Vinci, mit der Landschaftsmalerei. 1473 fertigt er eine Federzeichnung an, die als eine der frühesten autonomen Landschaften gesehen werden kann.8
Die „ersten menschenleeren Porträt-Landschaften der europäischen Malerei“9 werden dann 1498 von Albrecht Dürer auf seiner Reise nach Italien geschaffen. Das bahnbrechende daran ist, „Berge, Wälder, Felder und Flüsse sind von einem festen Standpunkt aus in einem von Licht und Atmosphäre durchdrungenen weiten Raum als „Landschaft“ ordnend zusammen gesehen.“10
In Deutschland wird dies im 16. Jahrhundert von der Donauschule um Albrecht Altdorfer aufgegriffen und weiterentwickelt. Im Gegensatz dazu entwickelt sich zur gleichen Zeit in Italien die „klassische“ Landschaft, ein arkadisch anmutender, idealisierender Landschaftstypus, oft mit mythologischen Themen. Künstler, die sich vornehmlich dieser „Unterart“ der Landschaftsdarstellung widmen, sind Annibale Carracci in Italien, der Flame Paul Bril und der aus Deutschland stammende Adam Elsheimer. Zur Vollkommenheit geführt wird die klassische Landschaft im 17. Jahrhundert schließlich durch Claude Lorrain und Nicolas Poussin. Auch in Holland ist das 17. Jahrhundert äußerst fruchtbar im Bereich der Landschaftsmalerei. Dort wird die Schönheit des eigenen Landes entdeckt und es entstehen Werke, die sich in realistischer Weise mit der typisch holländischen Küstenlandschaft auseinandersetzen, worin die menschliche Gestalt nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Der Weite des Himmels mit den sich immer wieder verändernden Wolkenformationen wird hierbei erstmals besondere Aufmerksamkeit zuteil. Man denke nur an die exemplarischen Gemälde von Jan van Goyen und Jacob van Ruisdael.11
[...]
1 Hierbei ist auf die Forschung des Dordrechts Museum in Dordrecht hinzuweisen, das sich schon seit den 1970er Jahren intensiver mit der Künstlerfamilie Cuyp beschäftigt. Besonders hervorzuheben ist für dieses Thema der 1977 erschienene Ausstellungskatalog AELBERT CUYP EN ZIJN FAMILIE. Ab den 1990er Jahren wendet sich auch der Amerikaner Alan Chong Aelbert Cuyp zu und bringt in zahlreichen Artikeln sowie in seiner Dissertation viele neue Ergebnisse hervor. 2001 findet als Zusammenarbeit der National Gallery of Art, Washington, der National Gallery London und des Rijksmuseums Amsterdam die erste große internationale Ausstellung mit Gemälden und Zeichnungen von Aelbert Cuyp statt. Der dazugehörige Ausstellungskatalog AELBERT CUYP fasst die neuesten Forschungsergebnisse zusammen und bietet die besten Farbabbildungen. Für weitere Details siehe
auch Punkt 9 dieser Arbeit.
2 Zur Datierungsproblematik wird auf die von Hofstede de Groot 1908, Reiss 1975 und Chong 1992 erarbeiteten Werkkataloge sowie die Aufsätze von Holmes 1929/30, Reiss 1953, Stechow 1960, Burnett 1969, Yapou 1981 und Chong 1991 hingewiesen.
3 vgl. Friedländer 1947, S. 9f.
4 Lützeler 1950, S. 212.
5 Steingräber 1985, S. 12.
6 Ertz/Schütz/Wied 2003, S. 13.
7 vgl. Ertz/Schütz/Wied 2003, S. 13ff.
8 vgl. Roethlisberger 1983, S. 21f.
9 Roethlisberger 1983, S. 22.
10 Ebd.
11 Vgl. Roethlisberger 1983, S. 22ff.
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