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Scholary Paper (Seminar), 2006, 19 Pages
Author: David Hohm
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Tags: Nicht, Gesunden, Arzt, Kranken
Year: 2006
Pages: 19
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 22 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-58761-7
File size: 193 KB
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Abstract
Die Menschen des Mittelalters bedurften, genau wie neuzeitliche Menschen, einer gewissen medizinischen Gesundheitspflege und Fürsorge, zumal es wesentlich mehr Risikofaktoren gab zu erkranken und das Kranksein an sich eine existenzielle Bedrohung darstellte. Zudem standen für die meisten Krankheiten nur unzureichende Medikamente und Behandlungsmethoden zur Verfügung. Nicht nur die Unfälle des Alltags und leichtere Krankheiten mussten mit diesen Mitteln der einfachen Medizin bewältigt werden, sondern vor allem auch große Epidemien wie die Pestwellen zur Mitte des 14. Jahrhunderts oder die Lepra, die sich über eine sehr lange Zeit endemisch hielt und periodisch immer wieder zu einer Epidemie aufflammte. In dieser Arbeit sollen zunächst kurz die antiken und arabischsprachigen Grundlagen der mittelalterlichen Medizin dargestellt werden, und zwar anhand der Vier-Säfte-Theorie, die Hippokrates zugesprochen wird, sowie der Einbettung der Krankheit in das christliche System. Auf die Funktion der Magie im Mittelalter kann in dieser Arbeit nicht eingegangen werden. Im nächsten Schritt wird die medizinische Bedeutung der frühen Klöster gezeigt. Schon die Regel des Hl. Benedikt zeigt die medizinischen Aufgaben eines Klosters. Das Idealbild des Klosterplanes von St. Gallen stellt die verschiedenen medizinischen Einrichtungen eines Klosters sowie das Wirken von Klosterärzten dar, und weiterhin wird auf die spezielle Bedeutung der Klostergärten eingegangen. Im zweiten Teil der Arbeit geht es um das Umfeld der Krankheit des Lazarus, den Aussatz, der im Mittelalter verallgemeinernd Lepra genannt wurde. Es sollen die mittelalterliche Wahrnehmung, die Behandlung und die Aufnahme von Leprakranken in die Leprosorien gezeigt werden, mit einer kurzen Erwähnung der Praxis der Nürnberger Siechenkobel.
Excerpt (computer-generated)
Friedrich Alexander Universität Erlangen – Nürnberg
Institut für Geschichte, Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters
Proseminar: Bauer – Bürger – Edelmann. Lebensformen im Mittelalter (Modul IVb)
Sommersemester 2006, 4. Semester
„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken“
von: David Hohm
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Grundlagen der mittelalterlichen Medizin 2
3. Medizinische Versorgung in den Klöstern 5
3.1 Theologische Rechtfertigung der Sorge um Kranke 5
3.2 Medizinische Gebäude eines mittelalterlichen Klosters 6
3.3 Mönchsarzt und Klostergarten 6
3.4 Das Ende der Klostermedizin 8
4. Lepra – Der Umgang mit der Krankheit im Mittelalter 9
4.1 Das Krankheitsbild des Aussatzes (Lepra) und die Wahrnehmung durch die Zeitgenossen 9
4.2 Die Lepraschau – Beginn der Ausgrenzung 11
4.3 Die Leprosorien und Nürnberger Siechenkobel 13
5. Zusammenfassung 15
6. Quellen und Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
Die Menschen des Mittelalters bedurften, genau wie neuzeitliche Menschen, einer gewissen medizinischen Gesundheitspflege und Fürsorge, zumal es wesentlich mehr Risikofaktoren gab zu erkranken und das Kranksein an sich eine existenzielle Bedrohung darstellte. Zudem standen für die meisten Krankheiten nur unzureichende Medikamente und Behandlungsmethoden zur Verfügung. Nicht nur die Unfälle des Alltags und leichtere Krankheiten mussten mit diesen Mitteln der einfachen Medizin bewältigt werden, sondern vor allem auch große Epidemien wie die Pestwellen zur Mitte des 14. Jahrhunderts oder die Lepra, die sich über eine sehr lange Zeit endemisch hielt und periodisch immer wieder zu einer Epidemie aufflammte. In dieser Arbeit sollen zunächst kurz die antiken und arabischsprachigen Grundlagen der mittelalterlichen Medizin dargestellt werden, und zwar anhand der Vier-Säfte-Theorie, die Hippokrates zugesprochen wird, sowie der Einbettung der Krankheit in das christliche System. Auf die Funktion der Magie im Mittelalter kann in dieser Arbeit nicht eingegangen werden. Im nächsten Schritt wird die medizinische Bedeutung der frühen Klöster gezeigt. Schon die Regel des Hl. Benedikt zeigt die medizinischen Aufgaben eines Klosters. Das Idealbild des Klosterplanes von St. Galle n stellt die verschiedenen medizinischen Einrichtungen eines Klosters sowie das Wirk en von Klosterärzten dar, und weiterhin wird auf die spezielle Bedeutung der Klostergärten eingegangen. Im zweiten Teil der Arbeit geht es um das Umfeld der Krankheit des Lazarus, den Aussatz, der im Mittelalter verallgemeinernd Lepra genannt wurde. Es sollen die mittelalterliche Wahrnehmung, die Behandlung und die Aufnahme von Leprakranken in die Leprosorien gezeigt werden, mit einer kurzen Erwähnung de r Praxis der Nürnberger Siechenkobel.
2. Die Grundlagen der mittelalterlichen Medizin
Eine ihrer wichtigsten Grundlagen übernahm die Medizin des Mittelalters aus den Lehren des Hippokrates von Kos, der in einer langen Tradition griechischer Ärzte stand: di e so genannte Säftelehre.1 Im ‚Corpus Hippocraticum’, dessen Autorenschaft sich nicht eindeutig Hippokrates zuweisen lässt, findet sich der Traktat ‚Über die Natur des Menschen’. Gemäß den vier Jahreszeiten kämen demnach auch im menschlichen Körper vier ‚Säfte’ vor: „das Phlegma, kalt und feucht, herrscht im Winter vor; das Blut, heiß und feucht im Frühling; die gelbe Galle, heiß und trocken, im Sommer; und die schwarze Galle, kalt und trocken, im Herbst“ 2. Welche Flüssigkeit im menschlichen Körper der „schwarzen Galle“ zugeordnet wurde, ist nicht eindeutig klar. Solange di ese Säfte des Körpers in einem natürlichen Gleichgewicht stehen, lebt der Mensch im Einklang mit der Natur und mit Gott und wurde daher nicht krank. Eine Krankheit tritt nach Hippokrates dann im Körper auf, „wenn sich einer dieser Säfte absondert und zu fließen beginnt“ 3 , also die Harmonie der Flüssigkeiten gestört ist. Eine solche „schlechte Mischung der Körpersäfte (dyskrasie)“ 4, muss durch einen „Ausgleich der Säfte (eukrasie oder synkrasie)“ 5 mittels medizinischer Verfahren oder natürlicher Selbstheilungskräfte wieder hergestellt werden. Tritt eine Ungleichheit auf, wird nach der Lehre ein doppelter Schmerz verursacht, nämlich dort, wo der Fluss beginnt, und dort, wo er hin fließt. Dies ist auch gut verständlich, schließlich schmerzt beispielsweise eine Wunde genau an der Stelle, an der das Blut austritt.
Diese antiken Theorien wurden im 2. Jahrhundert nach Christus von dem in Kleinasien geborenen Arzt Galen kanonisiert und weiterentwickelt. „Mit ihm kommt das Wissen der Antike zur Vollendung, denn Galen hat alles gele sen, nahezu alles verstanden, gesichtet, seiner Kritik unterworfen, neu geordnet“ 6. Er setzte nicht nur die vier wichtigsten Organe des Menschen, die Jahreszeiten und die Säfte eines Menschen untereinander in Verbindung, er ordnete auch gemäß des übermäßigen Auftretens eines Saftes dem jeweiligen Patienten einen bestimmten Charakter zu 7 , was die jeweilige Behandlung beeinflusste. So wurde beispielsweise auch nach mittelalterlicher Auffassung die Lepra durch ein „Übermaß an schwarzer Galle verursacht […] und dem Erkrankten entsprechend Übellaunigkeit und Hinterhältigkeit nachgesagt“ 8 , weshalb der Melancholiker mehr als andere gefährdet war, an der Lepra zu erkranken. Für die ‚rechte Mischung der Säfte im Bauch’ führt der Autor des ‚Lorscher Arzneibuches’, Bischof Rîchbodo von Lorsch, auch einen entsprechenden Vorschlag auf:
[…] in einem gut gefüllten Becher, auch bei Fieber.
Desgleichen: Man bestreicht den Nabel mit gesalzenen Laxierfischlein und Stiergalle.
Desgleichen: Man trinkt Ziegenmilch mit Salz und Honig.
Desgleichen: Eigens gekochter Kopflauch wird mit Essig eingenommen.
Desgleichen: Man ißt nüchtern Zwetschgen.
Desgleichen: Man legt Schwalbendreck mit Honig auf.
Desgleichen: Man kocht Wegerich und trinkt das mit Honig vermischte Wasser. 9 Galen greift auch die schon von Hippokrates begründete ‚Diätik’ au f. Als wichtigstes therapeutisches Mittel stand sie den Ärzten zur Verfügung. „Ihr Prinzip ist das ausgewogene Gleichmaß, etwa im Schlafen und Wachen, im Arbeiten und Ruhen, im Essen und Trinken, im Liebesleben und in der Enthaltsamkeit, in der intellektuellen Beanspruchung und in der Muße etc.“ 10
[...]
1 Vgl. für dieses Kapitel: Kay Peter Jankrift, Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Darmstadt 2003, S. 7-20.
2 Jacques Jouanna, Die Entstehung der Heilkunst im Westen, In: Mirko D. Grmek (Hrsg.), Die Geschichte des medizinischen Denkens, Antike und Mittelalter, München 1996, S. 49f.
3 Jouanna, Die Entstehung der Heilkunst im Westen, S. 68.
4 Wolfgang U. Eckart, Geschichte der Medizin, Heidelberg 2000, S. 56.
5 Eckart, Geschichte der Medizin, S. 56.
6 Danielle Gourevitch, Wege der Erkenntnis: Medizin in der römischen Welt, In: Mirko D. Grmek (Hrsg.), Die Geschichte des medizinischen Denkens, Antike und Mittelalter, München 1996, S. 147.
7 Beim Sanguiniker (lat. sanguis) überwiegt das Blut, beim Phlegmatiker (griech. phlégma) der Schleim, beim Choleriker (griech. cholè) die Galle.
8 Jankrift, Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, S. 8.
9 Ulrich Stoll, Das ‚Lorscher Arzneibuch’, Ein medizinisches Kompendium des 8. Jahrhunderts (Codex Bambergensis medicinalis 1), Text – Übersetzung und Fachglossar (= Sudhoffs Archiv, Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte, Heft 28), Stuttg art 1992, Zweites Buch Nr. 89, S. 165.
10 Eckart, Geschichte der Medizin, S. 58.
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