Organisation oder totale Institution - Die begriffliche Fixierung von Institutio... close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Organisation oder totale Institution - Die begriffliche Fixierung von Institution, Organisation und totale Institution und deren begrifflicher Vergleich

Autor: Alex Theile
Fach: Soziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen

Lesen Sie im E-Book



Details

Veranstaltung: Theorie und Theoriegeschichte
Institut: Leipzig (Soziologie)
Tags: Organisation, Institution, Fixierung, Institution, Organisation, Institution, Vergleich, Theorie, Theoriegeschichte
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 23
Note: keine
Literaturverzeichnis: ~ 27  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 196 KB
Archivnummer: V65711
ISBN (E-Book): 978-3-638-58217-9
ISBN (Buch): 978-3-638-67082-1
Anmerkungen :
Diese Arbeit befasst sich mit dem Begriff der Totalen Institution, insbesondere der von Goffmann und Foucault geschaffenen Merkmale.

Zusammenfassung / Abstract

Goffman in Asyle und Foulcault in Überwachen und Strafen greifen auf den Begriff der „totalen Institution“ für psychiatrische Anstalten und Gefängnisse zurück. Die Verwendung des Begriffs der totalen Institution stieß in der Literatur auf Kritik. Esser formulierte beispielsweise folgendes: Totale Institutionen sind somit offensichtlich – vor dem Hintergrund des üblichen Verständnisses von Institutionen – keine Institutionen. Es sind spezielle Arten von Organisationen1. Allerdings lässt diese Kritik an sich wiederum Fragen offen. So ist z.B. unklar, was Institutionen sind. Auch steht in Frage, was das übliche Verständnis von Institutionen ist und was im Hintergrund dieser üblichen Auffassung eine Institution ausmacht. Was ist eine Organisation? Was ist eigentlich eine „totale Institution“? Im Alltagsverständnis scheint kein Konsens darüber zu bestehen, was Institution oder was Organisation genau sind. Vielfach wird nicht zwischen beiden unterschieden. So ist die Universität im Verständnis vieler zum Einen Institution, aber zum Anderen auch gleichzeitig eine Organisation. Auch wird vielfach die Behörde sowohl als Institution aber auch als Organisation bezeichnet. Spannend hingegen ist das Verständnis von dem Begriff der „totalen Institution“. Es scheint, als existiere eine immanente Einigkeit darüber, wie so ein Gebilde auszusehen hat. So wird unter einer „totalen Institution“ meistens das Gefängnis genannt, aber auch Einrichtungen wie das Militär und Krankenhäuser. Ausgehend von diesem Eindruck können die oben genannten Fragen also nicht mit den Alltagsverständnis beantwortet werden und bedürfen daher einer Untersuchung um festzustellen, ob Gefängnisse und Asyle „totale Institutionen“ oder doch Organisationen sind und Esser mit seiner Kritik an den Autoren Recht behalten soll.

Textauszug (computergeneriert)

Organisation oder totale Institution -
Die begriffliche Fixierung von Institution, Organisation
und totale Institution und deren begrifflicher Vergleich

von: Alex Theile

Leipzig, 01.05.2006

 


Gliederung

I. Einleitung 1

II. Institution 2

1. Etablierung der Institutionen als Forschungsgegenstand  2
2. Zum Begriff der Institution  3

III. Organisationen  6

1. Etablierung der Organisation als Forschungsgegenstand 6

a) Der traditionelle Ansatz  7
b) Human-Relations-Ansatz  8
c) Der systemtheoretische Ansatz  8

2. Zum Begriff der Organisation  9

IV. Die totale Institution 12

1. Die totale Institution nach Ervin Goffman 12

a) Hintergrund des Buches  12
b) Merkmale einer totalen Institution 13

2. Die totale Institution nach Foucault  15

a) Hintergrund des Buches  15
b) Merkmale einer totalen Institution 15

V. Vergleich der Definitionen Institution, Organisation und der totalen Institution  16

1. Institution und Organisation 16
2. Organisationen und totale Institutionen  17
3. Institution und Totale Institution 18

VI. Fazit 18

Literatur

 


 

I. Einleitung

Goffman in Asyle und Foulcault in Überwachen und Strafen greifen auf den Begriff der „totalen Institution“ für psychiatrische Anstalten und Gefängnisse zurück. Die Verwendung des Begriffs der totalen Institution stieß in der Literatur auf Kritik. Esser formulierte beispielsweise folgendes: Totale Institutionen sind somit offensichtlich – vor dem Hintergrund des üblichen Verständnisses von Institutionen – keine Institutionen. Es sind spezielle Arten von Organisationen1. Allerdings lässt diese Kritik an sich wiederum Fragen offen. So ist z.B. unklar, was Institutionen sind. Auch steht in Frage, was das übliche Verständnis von Institutionen ist und was im Hintergrund dieser üblichen Auffassung eine Institution ausmacht. Was ist eine Organisation? Was ist eigentlich eine „totale Institution“?

Im Alltagsverständnis scheint kein Konsens darüber zu bestehen, was Institution oder was Organisation genau sind. Vielfach wird nicht zwischen beiden unterschieden. So ist die Universität im Verständnis vieler zum Einen Institution, aber zum Anderen auch gleichzeitig eine Organisation. Auch wird vielfach die Behörde sowohl als Institution aber auch als Organisation bezeichnet. Spannend hingegen ist das Verständnis von dem Begriff der „totalen Institution“. Es scheint, als existiere eine immanente Einigkeit darüber, wie so ein Gebilde auszusehen hat. So wird unter einer „totalen Institution“ meistens das Gefängnis genannt, aber auch Einrichtungen wie das Militär und Krankenhäuser.

Ausgehend von diesem Eindruck können die oben genannten Fragen also nicht mit den Alltagsverständnis beantwortet werden und bedürfen daher einer Untersuchung um festzustellen, ob Gefängnisse und Asyle „totale Institutionen“ oder doch Organisationen sind und Esser mit seiner Kritik an den Autoren Recht behalten soll.

II. Institution

Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit dem Begriff der Institution. Dabei wird kurz auf die geschichtliche Entwicklung eingegangen und anschließend eine begriffliche Fixierung vorgenommen.

1. Etablierung der Institutionen als Forschungsgegenstand

Die Fragen, was Institutionen sind und welche Bedeutung sie für das gesellschaftliche Zusammenleben haben, sind in der soziologischen Literatur eines der wichtigsten Grundkonzepte überhaupt2. Dennoch ließ die Erkenntnis und die Bedeutung in der soziologischen Literatur lange auf sich warten. Ausgehend von getrennt nebeneinander sich entwickelnder3 Geschichte der Handlungstheorie und Geschichte der Staatstheorie wurde bis dato in einer Gegenüberstellung von individuellem Handeln und gesellschaftlicher Ordnung sachliche und begriffliche „Zwischeninstanzen“ nur unzureichend erfasst4. Der Begriff der Institution wurde zwar schon bei Luther und Calvin gebraucht, dennoch hatte er keine engere Beziehung zum sozialwissenschaftlichen Problem der „Zwischeninstanzen“5 als für das theologische Denken. Eingeführt wurde der Begriff der Institutionen in das soziologische Denken durch Herbert Spencer, welcher die Gesellschaft als ein Organismus eines lebendigen Funktionszusammenhangs sah. Hiernach bildeten Institutionen den Gliedern eines Organismus ähnliche, mehr oder minder spezialisierte Funktionsträger6. Ein ernsthafter Bezug zur Frage, was Institutionen sind und welche Bedeutung sie haben, entstand dennoch erst später durch Maurice Hauriou, welcher die Institutionen als soziale Tatsachen verstand7. Ihm zufolge sind Institutionen die einer Rechtsordnung zugrunde liegenden Leitideen, die unmittelbar verkörpert und mit den Sanktionen der gesellschaftlichen und staatlichen Macht verbunden werden8. Weiter etablierte Malinowski die Institutionen in der Soziologie. Anders als bei Hauriou sind Werte der Grund des sinnvoll menschlichen Handelns, die im Hauriouschen Sinn als Leitidee der Institution zugrunde liegen9. Konkret genommen sind Institutionen zwar Einheiten der gesellschaftlichen Organisation des Verhaltens, sie dienen aber dabei der stabilisierten und auf Dauer gestellten Befriedigung individueller Bedürfnisse10. Weitere Etablierungen fanden durch Talcon Parson und Gehlen statt. Parson verstand die Bedeutung der Institutionen als Orientierungsmuster für gesellschaftliches Handeln. Gehlen seinerseits verstand die Bedeutung der Institutionen als Instinktersatz11. Das heißt der Einzelne wird durch Institutionen dadurch entlastet, dass diese ein Handeln unabhängig vom Einzelnen festlegen. Eine Symbiose beider vorgenannten Ansätze fand sich in der gesellschaftstheoretischen Auseinandersetzung Helmut Schelskys wieder, welche später der Verfestigung der Bedeutung von Institution in der Soziologie dienlich war. Jüngere Autoren beantworten die Frage, was Institutionen sind und welche Bedeutung sie für das soziale Zusammenleben haben, wieder klassisch12. So sehen Berger und Luckmann die Funktion und die Bedeutung folgendermaßen: Institutionen sind Regeln für Problemlösungen des Alltags, sie „definieren“ das was möglich ist und gewinnen über das Handeln der Menschen bald eine objektive Macht, der sie sich kaum noch entziehen können, obwohl nur sie die Regeln und die darauf aufbauenden Institutionen geschaffen haben und durch ihr Tun auch fortwährend reproduziert13.

2. Zum Begriff der Institution

[...]


1 Esser, spezielle Grundlagen, Bnd. 5 S.14.

2 Esser, spezielle Grundlagen, Bnd. 5 S. 2.

3 Luckmann, Theorie des sozialen Handelns, S. 126.

4 Luckmann, Theorie des sozialen Handelns, S.126.

5 Luckmann, Theorie des sozialen Handelns, S. 127.

6 Luckmann, Theorie des sozialen Handelns, S. 128

7 Esser, spezielle Grundlagen, Bnd. 5 S.3.

8 Maurice Hauriou, Die Theorie der Institutionen; in : Roman Schnur (Hrsg.), Die Theorie der Institutionen und zwei andere Aufsätze von Mauriou, Berlin 1965, S. 26 ff.

9 Luckmann, Theorie des sozialen Handelns, S. 128.

10 Luckmann, Theorie des sozialen Handelns, S. 128.

11 Luckmann, Theorie des sozialen Handelns, S. 129.

12 Wie Fn. zu vor.

13 Esser, spezielle Grundlagen, Bnd. 5 S. 3.

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/65711/