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Die Ursachen und Voraussetzungen zum Entstehen der griechischen Biographie

Autor: B.A. Karsten Schulze
Fach: Latein

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 19
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 184 KB
Archivnummer: V65777
ISBN (E-Book): 978-3-638-58267-4
ISBN (Buch): 978-3-638-75367-8
Anmerkungen :
Die Arbeit fußt im Proseminar "Sueton, Nero". In diesem Seminar wurden auch Fragen nach der Entstehung der Literaturgattung Biographie behandelt. Die vorgelegte Arbeit untersucht an Werken der klassischen Zeit Griechenlands die Entstehung der Biographie als Literaturgattung. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Erkenntnis des biographischen Verständnisses, welches in der ausgehenden klassischen Zeit im Übergang zum Hellenismus aufkeimte.

Zusammenfassung / Abstract

Die Arbeit behandelt die Ursprünge der griechischen Biographie. Die Probleme, die hierbei auftreten, sind grundlegend, da man das literarische Genus der Biographie selbst streitet. Die antike Biographie ist nie durch eine feste Tradition geformt worden, ihre Anfänge lagen selbst für antike Stimmen im Dunkeln, ein antikes Lehrwerk existiert hierfür nicht. Nicht zu leugnen ist, dass einige gesellschaftliche Indizien für die Entstehung der Biographie existieren, Entwicklungen, die den Focus von der Gesamtgesellschaft auf das Individuum, von den Leistungen der Gesamtheit auf die Art Einzelner, von den Taten auf den Charakter lenken. In der Forschung gibt es verschiedenste Ansatzpunkte für die Biographie, einige reichen ins fünfte Jahrhundert vor Christus zurück, andere setzen sie im vierten Jahrhundert an. Hier muss untersucht werden, ob die Menschen im 5. Jahrhundert überhaupt fähig waren, einen individuellen Charakter zu erfassen. Dies nimmt sich die vorliegende Arbeit vor und zieht dazu Herodot, Thukydides und die sokratischen Schriften heran.

Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin, Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
Seminar für klassische Philologie, S 16215 Sueton, „Nero“
WS 2005/2006

Die Ursachen und Voraussetzungen zum Entstehen
der griechischen Biographie

von: Karsten Schulze

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 2

2 Versuch einer Definition  3

3 Entstehung der griechischen Biographie – ein gesellschaftliches Merkmal  5

4 Anfänge der griechischen Biographie  7

4.1 Biographien bei Herodot  7

4.1.1 Das Kyros-Portrait 7
4.1.2 Das Kambyses-Portrait 9
4.1.3 Portraits griechischer Feldherren und Politiker 9

4.2 Biographisches bei Thukydides 11

4.2.1 Kleine Portraits (Perikles, Kleon, Brasidas, Alkibiades)  12
4.2.2 Große Portraits (Pausanias, Thukydides)  14

4.3 Sokratische Schriften 15

5 Schlussbemerkungen  17

6 Literaturliste 18

 


 

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit behandelt die Ursprünge der griechischen Biographik. Die Probleme, die hierbei auftreten, sind grundlegend, da man über das literarische Genus der Biographie selbst streitet. Die antike Biographie ist nie durch eine feste Tradition geformt worden, ihre Anfänge lagen selbst in der Antike im Dunkeln. Man prägte den Begriff der „biographischen Tradition1“, der einen allzu engen Genusbegriff verhindern sollte. Nicht zu leugnen ist, dass es einige gesellschaftliche Indizien für die Entstehung der Biographie gibt, Entwicklungen, die den Focus von der Gesamtgesellschaft auf das Individuum, von den Leistungen der Gesamtheit auf die Art Einzelner, von den Taten auf den Charakter lenken. In der Forschung gibt es verschiedenste Ansatzpunkte für die Biographie, einige reichen ins fünfte Jahrhundert vor Christus zurück, andere setzen sie im vierten Jahrhundert an. Hier muss untersucht werden, ob die Menschen im 5. Jahrhundert überhaupt fähig waren einen individuellen Charakter zu erfassen.

2 Versuch einer Definition

Bevor man damit beginnt festzulegen, welcher Autor oder welche Werke in die Gattung Biographie einzuordnen sind, ist es nötig, eine Definition der Biographie zu geben. Die Biographie ist nicht „durch eine lange und vieldiskutierte Stiltradition diszipliniert worden“, sondern „hat in vielen ihrer Werke eine Art Mittelstellung zwischen Literatur und Wissenschaft eingenommen.“2 Ein erschwerender Faktor zur Eingrenzung der griechischen Biographie liegt in der Tatsache, dass auch die Biographie das Schicksal vieler Werke des Hellenismus teilt: sie ist heute sehr schlecht erhalten. Gerade diese schlechte Lage der Überlieferung und die fehlende Stiltradition bieten den Nährboden für viele verschiedene Definitionen.

So definiert Arnaldo Momigliano die antike Biographie als „an account of the life of a man from birth to death.“3 Diese äußerst bescheidene Definition hat zur Konsequenz, dass die Darstellung eines Teils eines Lebens nicht zur Gattung der Biographie gehört, während einfachste und schlichteste Datensammlungen als Biographie verstanden werden können. Momigliano entgeht somit der Frage nach der literarischen Form der Biographie, die sich Friedrich Leo stellt.

Dieser nämlich versucht die Biographie nach ihrer Ausgestaltung zu ordnen und zu definieren: literarisch anspruchsvolle Lebensbeschreibungen sind bei Personen des Staatslebens zu finden, literarisch anspruchslose bei Personen des Geisteslebens. Die Entdeckung der Vita des Euripides, abgefasst von Satyros in Dialogform4, macht diese Definition nach formalen Kriterien obsolet.

Dihle sieht die Biographie einer Person dort, wo „das Wesen dieser Persönlichkeit durch die als Einheit aufgefasste Gesamtheit ihrer Handlungen und Schicksale, kurz durch ihren Lebenslauf, erfasst und ausgedrückt wird.“5 Er sieht drei Punkte als wichtige Voraussetzung zur Entstehung der antiken Biographie: die Bedeutung des ersten nach einer individuellen Sittlichkeit gestalteten Lebenslaufes, die Fähigkeit des 5. Jahrhunderts, Menschen aus einer Alltagssituation heraus zu charakterisieren und das „ethisch-psychologische Begriffsystem des Peripatos.“ Es verwundert daher nicht, dass Dihle aufgrund dieser Definition Platons Apologie zum Beginn der Biographie macht. Wenn man Dihle folgt, die Apologie des Sokrates als eine Biographie auffasst und dies dann mit Leos Ansätzen vergleicht, widerspricht dies der Definition Leos. Eine Biographie als Gerichtsrede ist auch ein künstlerisches Produkt, so schlicht die Apologie äußerlich gehalten sein und auch von einigen Konventionen abweichen mag. Holger Sonnabend sammelt diese Ansätze und versucht so ein allgemeines Schema der Biographie der Griechen zu entwickeln: eine weitestgehend chronologische Lebensdarstellung von Geburt bis Tod, Gruppierung der Ereignisse um die Person, Erfassung des Lebens in Rubriken, Zielsetzung des Werks.6 Man sieht, dass die Schwierigkeiten bei der Definition der griechischen Biographie auch Schwierigkeiten bei der Findung des primus inventor machen.

3 Entstehung der griechischen Biographie – ein gesellschaftliches Merkmal

[...]


1 KRISCHER, Tilman: Die Stellung der antiken Biographie in der griechischen Literatur, Hermes 110 (1982), S. 51

2 DIHLE, Albrecht: Studien zur antiken Biographie, Göttingen, 1956, S. 7

3 MOMIGLIANO, Arnaldo: The development of Greek biography, Cambridge, 1971, S. 11

4 Papyrus, Ox. 1176

5 DIHLE, 1956, S. 11

6 SONNABEND, Holger: Geschichte der antiken Biographie. Von Isokrates bis zur Historia Augusta, Darmstadt, 2003, S. 18

Kommentare

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