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Seminararbeit, 2006, 16 Seiten
Autor: Stefan Hinterholzer
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Institution/Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (Institut für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik)
Tags: Heinrich, Rhetorik, Theologie, Argumentation, Meierstochter, Hartmann, Heinrich, von Aue, Mittelalter, Legende
Jahr: 2006
Seiten: 16
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-58323-7
ISBN (Buch): 978-3-638-77968-5
Dateigröße: 200 KB
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Zusammenfassung / Abstract
„When the heroine of Der arme Heinrich opens her mouth to speak, she normally does so not simply to communicate information, but with the intention of persuading others to adopt her perspective on a situation or to comply with her wishes. In each case this centres around her desire to sacrifice herself for Heinrich.” Diese Aussage beschreibt wohl am besten aus welcher Perspektive die Meierstochter zu betrachten ist. In der bisherigen Forschung wurde sie eher in einer passiven Situation gesehen. Sie wurde nicht als eigene Handlungsträgering, „sondern einzig und allein als Schlüssel zur Heilung Heinrichs [gesehen]: sein Geschick steht zur Debatte, sie wird ausschließlich über ihren Stellenwert in der Entwicklung des Protagonisten definiert“. Dass die Meierstochter jedoch eine wesentlich zentralere Rolle spielt, zeigt sich etwa schon durch ihren – in Relation zu den anderen Figuren – sehr großen Redeanteil. Auch werden ihre Aussagen im Gegensatz zu Heinrichs fast immer in der direkten Rede wiedergegeben. In den folgenden Ausführungen wird die Meierstochter auf der Grundlage des Zitates von Andrea Fiddy betrachtet, nämlich als aktiv handelnde Figur, der eine zentrale Rolle in der Handlung zukommt. Sie versucht sowohl ihre Eltern, den armen Heinrich als auch den Arzt in Salerno in mehreren Reden von ihrem Vorhaben, sich zu opfern, zu überzeugen. Dabei bedient sie sich bestimmter rhetorischer Strategien und theologischer Argumente, um die Zweifel der anderen Figuren aufzuheben, ihren Widerstand zu durchbrechen und somit schließlich ihren Willen durchzusetzen. Im folgenden werden die sieben Reden des Mädchens analysiert (hier sei bewusst der Begriff „Rede“ verwendet, da die Figuren bis auf die Ausnahme des Gesprächs zwischen Heinrich und dem Mädchen nie in Dialogform miteinander sprechen, sondern mittels Reden und Gegenreden). Hierbei stehen die rhetorischen Mittel sowie die theologischen Argumente im Fokus, mit denen das Mädchen ihren Gesprächspartner versucht zu überzeugen. Diese Analyse wird sich im weitesten mit der Gestaltung der Reden beschäftigen, wobei vereinzelt auf die Motive der Meierstochter hingewiesen werden wird. Da dies jedoch nicht Hauptgegenstand dieser Arbeit ist, soll dies auch nur in einem sehr beschränkten Rahmen geschehen.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Innsbruck
Philologisch-kulturwissenschaftliche Fakultät
Institut für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik
PS Hartmann von Aue: Der arme Heinrich
Der arme Heinrich: Rhetorik und
Theologie in der Argumentation der Meierstochter
von
Stefan Hinterholzer
Abgabedatum: 25.08.2006
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Die erste Rede an die Eltern: Verlust von Besitz und Ansehen
(Verse 490-498) 4
2. Die zweite Rede an die Eltern: Der Entschluss zum Opfer
(Verse 558-564) 6
3. Die Rede an den Vater: Das Wohl aller
(Verse 593-628) 6
4. Die Rede an die Mutter: Die Überzeugung der Mutter
(Verse 663-854) 8
5. Das Gespräch mit Heinrich: Der Wert seines Lebens
(Verse 903-926) 12
6. Die Rede an den Arzt: Überzeugung des Arztes
(Verse 1111-1170) 13
7. Die Rede an Heinrich: Wehklagen und Beschimpfung
(Verse 1290-1304; 1310-1332d) 14
Bibliographie 16
Einleitung
„When the heroine of Der arme Heinrich opens her mouth to speak, she normally does so not simply to communicate information, but with the intention of persuading others to adopt her perspective on a situation or to comply with her wishes. In each case this centres around her desire to sacrifice herself for Heinrich.”1
Diese Aussage beschreibt wohl am besten aus welcher Perspektive die Meierstochter zu betrachten ist. In der bisherigen Forschung wurde sie eher in einer passiven Situation gesehen. Sie wurde nicht als eigene Handlungsträgering, „sondern einzig und allein als Schlüssel zur Heilung Heinrichs [gesehen]: sein Geschick steht zur Debatte, sie wird ausschließlich über ihren Stellenwert in der Entwicklung des Protagonisten definiert“.2 Dass die Meierstochter jedoch eine wesentlich zentralere Rolle spielt, zeigt sich etwa schon durch ihren – in Relation zu den anderen Figuren – sehr großen Redeanteil. Auch werden ihre Aussagen im Gegensatz zu Heinrichs fast immer in der direkten Rede wiedergegeben.3
In den folgenden Ausführungen wird die Meierstochter auf der Grundlage des Zitates von Andrea Fiddy betrachtet, nämlich als aktiv handelnde Figur, der eine zentrale Rolle in der Handlung zukommt. Sie versucht sowohl ihre Eltern, den armen Heinrich als auch den Arzt in Salerno in mehreren Reden von ihrem Vorhaben, sich zu opfern, zu überzeugen. Dabei bedient sie sich bestimmter rhetorischer Strategien und theologischer Argumente, um die Zweifel der anderen Figuren aufzuheben, ihren Widerstand zu durchbrechen und somit schließlich ihren Willen durchzusetzen.
Im folgenden werden die sieben Reden des Mädchens analysiert (hier sei bewusst der Begriff „Rede“ verwendet, da die Figuren bis auf die Ausnahme des Gesprächs zwischen Heinrich und dem Mädchen nie in Dialogform miteinander sprechen, sondern mittels Reden und Gegenreden). Hierbei stehen die rhetorischen Mittel sowie die theologischen Argumente im Fokus, mit denen das Mädchen ihren Gesprächspartner versucht zu überzeugen. Diese Analyse wird sich im weitesten mit der Gestaltung der Reden beschäftigen, wobei vereinzelt auf die Motive der Meierstochter hingewiesen werden wird. Da dies jedoch nicht Hauptgegenstand dieser Arbeit ist, soll dies auch nur in einem sehr beschränkten Rahmen geschehen.
Bei den sieben Reden, die betrachtet werden sollen, handelt es sich um folgende Textstellen:
.. zwei Reden an die Eltern (Verse 490-4984; 558-5645)
.. die Rede an den Vater (Verse 593-6286)
.. die Rede an die Mutter (Verse 663-8547)
.. das Gespräch8 mit Heinrich (Verse 903-9269)
.. die Rede an den Arzt (Verse 1111-117010)
.. die Rede an Heinrich (Verse 1290-1304; 1310-1332d11)
1. Die erste Rede an die Eltern: Verlust von Besitz und Ansehen
(Verse 490-498)
Diese erste Rede resultiert daraus, dass die Meierstochter in der Nacht von ihren Eltern geweckt wird und gefragt wird (oder besser gedrängt wird zu sagen), weshalb sie so traurig sei und weine. Sie begründet ihre Trauer mit der Angst um Heinrichs Tod und dem damit drohenden Verlust von Besitz und Ansehen. Die Familie werde es unter einem neuen Herrn, der gewiss nicht so großzügig sein werde wie Heinrich, um vieles schwerer haben.
Hier fällt zunächst auf, dass ihre Aussagen Heinrich gegenüber beinahe herzlos wirken und dass ihre relativ nüchterne Argumentation hier deplaziert wirkt, v.a. da direkt vor und nach dieser Rede ihre Hingabe für Heinrich beschreiben wird, die sogar die Sorge um sich selbst und die Familie zu übertreffen scheint. Es ist jedoch folgendes zu bedenken: sie wird zu dieser Rede gedrängt.
[....]
1 Fiddy, Andrea: The Presentation of the Female Characters in Hartmann’s Gregorius and Der arme Heinrich (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 715). Göppingen: Kümmerle Verlag 2004, S. 129.
2 Kindl, Ulrike: Der Pygmalion-Effekt. Literarische Deutungsmuster weiblicher Existenzdefinierung: über Ricarda Huchs Bearbeitung des „Armen Heinrich“, in: Bennewitz, Ingrid (Hrsg.): Der Frauwen Buoch. Versuche einer feministischen Mediävistik (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 517), Göppingen: Kümmerle Verlag 1989, S. 433-455.
3 vgl. Straub, Henriette: Die Meierstochter und Agnes. Ein Vergleich, in: Amsterdamer Beiträgte zur älteren Germanistik 43-44, 1995, S.467-475, hier: S. 471.
4 s. Hartmann von Aue: Der arme Heinrich. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co. 1993, S. 30-33.
5 s. ebda. S. 34-35.
6 s. ebda. S. 36-39.
7 s. ebda. S. 40-53.
8 Hier wird der Begriff „Gespräch“ verwendet, da es sich hierbei wirklich um einen Dialog handelt.
9 s. Hartmann: Der arme Heinrich S. 54-57.
10 s. ebda. S. 66-71.
11 s. ebda. S. 76-79.
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