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Doctoral Thesis / Dissertation, 2001, 147 Pages
Author: Dr. Kurt Unterweger
Subject: Law - Comparative Legal Systems, Comparative Law
Details
Tags: Beendigung, Versicherungsverhältnisses, Recht
Year: 2001
Pages: 147
Grade: 2
Bibliography: ~ 33 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-58381-7
ISBN (Book): 978-3-638-71099-2
File size: 533 KB
Die versicherungsrechtlichen Bestimmungen Österreichs und Deutschlands werden im Hinblick auf die Vertragsbeendigung umfassend dargestellt. Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Rechtsordnungen werden erörtert. Gleiche oder ähnliche Regeln sind vor allem durch die gemeinsamen historischen Wurzeln der Versicherungsvertragsgesetze zu erklären. Unterschiede ergeben sich hauptsächlich durch die verschiedene Umsetzung europarechtlicher Vorgaben und die unterschiedliche Rechtsprechung. Die versicherungsrechtlichen Bestimmungen Österreichs und Deutschlands werden im Hinblick auf die Vertragsbeendigung umfassend dargestellt. Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Rechtsordnungen werden erörtert. Gleiche oder ähnliche Regeln sind vor allem durch die gemeinsamen historischen Wurzeln der Versicherungsvertragsgesetze zu erklären. Unterschiede ergeben sich hauptsächlich durch die verschiedene Umsetzung europarechtlicher Vorgaben und die unterschiedliche Rechtsprechung.
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Abstract
Rechtsgeschäftliche Beendigung des Versicherungsverhaeltnisses Die versicherungsrechtlichen Bestimmungen Österreichs und Deutschlands werden im Hinblick auf die Vertragsbeendigung umfassend dargestellt. Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Rechtsordnungen werden erörtert. Gleiche oder ähnliche Regeln sind vor allem durch die gemeinsamen historischen Wurzeln der Versicherungsvertragsgesetze zu erklären. Unterschiede ergeben sich hauptsächlich durch die verschiedene Umsetzung europarechtlicher Vorgaben und die unterschiedliche Rechtsprechung.
Excerpt (computer-generated)
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Rechtswissenschaftliche Fakultät
Institut für Zivilrecht
Die rechtsgeschäftliche Beendigung des Versicherungsverhältnisses im österreichischen und deutschen Recht
Kurt Unterweger
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 6
1.1. Rechtsgrundlagen ... 6
1.1.1. Österreich ... 6
1.1.2. Deutschland ... 8
1.1.3. Europarecht ... 9
1.2. Personen des Versicherungsvertrages ... 13
1.3. Zustandekommen des Versicherungsvertrages ... 14
1.3.1. Form ... 14
1.3.2. Bindungsfristen ... 15
1.3.3. Abweichungen vom Antrag ... 16
1.4. Möglichkeiten der (rechtsgeschäftlichen) Beendigung ... 18
2. Allgemeine Vertragslösungsmöglichkeiten ... 21
2.1. Rückwirkende Auflösung des Versicherungsvertrages ... 21
2.1.1. Allgemeine Bestimmungen ... 21
2.1.2. Rücktrittsoptionen des Versicherungsnehmers ... 23
2.1.2.1. Österreichisches Recht ... 23
2.1.2.1.1. Rücktritt gemäß § 3 KSchG ... 23
2.1.2.1.2. Rücktritt gemäß § 3a KSchG ... 25
2.1.2.1.3. Rücktritt gemäß § 5b öVersVG ... 26
2.1.2.1.3.1. Pflichten des Versicherers beim Vertragsabschluss ... 27
2.1.2.1.3.2. Rücktrittsrecht ... 28
2.1.2.1.3.3. Ausübung des Rücktrittsrechtes ... 29
2.1.2.2. Deutsches Recht ... 30
2.1.2.2.1 Übersicht zu Widerspruch, Widerruf und Rücktritt ... 30
2.1.2.2.2. Widerspruch ... 32
2.1.2.2.2.1. Gegenstand des Widerspruchsrechtes ... 33
2.1.2.2.2.2. Ausübung des Widerspruchsrechtes ... 34
2.1.2.2.2.3. Ausschluss des Widerspruchsrechtes ... 35
2.1.2.2.3. Widerruf ... 36
2.1.2.2.3.1. Geltendmachung des Widerrufs ... 36
2.1.2.2.3.2. Ausschluss des Widerrufsrechtes ... 37
2.1.3. Rücktrittsoptionen des Versicherers ... 39
2.1.3.1. Rücktritt des Versicherers bei Verletzung der Auskunftspflicht ... 39
2.1.3.1.1 Österreichisches Recht ... 39
2.1.3.1.1.1. Darstellung der Auskunftspflicht ... 39
2.1.3.1.1.2. Rücktrittsrecht ... 41
2.1.3.1.1.3. Ausübung des Rücktrittsrechtes ... 44
2.1.3.1.2. Deutsches Recht ... 45
2.1.3.2. Rücktritt des Versicherers bei Erstprämienverzug ... 46
2.1.3.2.1 Österreichisches Recht ... 46
2.1.3.2.1.1. Definition der Prämie ... 46
2.1.3.2.1.2. Rücktrittsrecht ... 48
2.1.3.2.2. Deutsches Recht ... 50
2.1.3.2.2.1. Prämie ... 50
2.1.3.2.2.2. Rücktrittsrecht ... 50
2.1.4. Anfechtung ... 52
2.2. Auflösung des Versicherungsvertrages für die Zukunft ... 54
2.2.1. Kündigung ... 54
2.2.1.1. Allgemeine Bestimmungen ... 54
2.2.1.1.1. Personen, Form und Inhalt der Kündigung ... 55
2.2.1.1.2. Teilkündigung ... 57
2.2.1.1.3. Zurückweisungspflicht ... 58
2.2.1.1.4. Rechtsfolgen der Kündigung ... 59
2.2.1.2. Ordentliche Kündigung ... 62
2.2.1.2.1. Kündigung von Verträgen mit unbestimmter Laufzeit ... 63
2.2.1.2.2. Kündigung von Verträgen mit bestimmter Laufzeit ... 63
2.2.1.2.1.1. Österreichisches Recht ... 64
2.2.1.2.1.2. Deutsches Recht ... 67
2.2.1.2.3. Kündigung von Verträgen mit bestimmter Laufzeit und Verlängerungsklausel ... 70
2.2.1.3. Außerordentliche Kündigung ... 73
2.2.1.3.1. Kündigung des Versicherers bei Verletzung vertraglicher Obliegenheiten ... 73
2.2.1.3.1. Definition und Einteilung der Obliegenheiten ... 73
2.2.1.3.2. Voraussetzungen der Kündigung ... 76
2.2.1.3.3. Ausübung der Kündigung ... 77
2.2.1.3.4. Abweichungen des österreichischen Rechtes ... 77
2.2.1.3.2. Kündigung des Versicherers bei Gefahrerhöhung ... 79
2.2.1.3.2.1. Gefahrerhöhung ... 79
2.2.1.3.2.2. Kündigungsmöglichkeiten bei Gefahrerhöhung ... 81
2.2.1.3.3. Kündigung wegen Verletzung der Anzeigepflicht ... 84
2.2.1.3.3.1. Voraussetzungen des Kündigungsrechtes ... 84
2.2.1.3.3.2. Ausübung des Kündigungsrechtes ... 85
2.2.1.3.4. Kündigung des Versicherers wegen Prämienzahlungsverzug ... 86
2.2.1.3.4.1. Voraussetzungen der Kündigung ... 86
2.2.1.3.4.2. Kündigung ... 88
2.2.1.3.4.3. Rechtslage nach erfolgter Kündigung ... 89
2.2.1.3.4.4. Vergleich der Rechtsordnungen ... 90
2.2.1.3.5. Kündigung bei Eröffnung des Insovenzverfahrens bzw. des Konkurs- oder des Ausgleichsverfahrens ... 90
2.2.1.3.6. Besitzwechselkündigung, ... 92
2.2.1.3.6.1. Übergang des Versicherungsverhältnisses ... 93
2.2.1.3.6.2. Kündigungsmöglichkeit ... 95
2.2.1.3.6.3. Ausübung des Kündigungsrechtes ... 97
2.2.1.3.6.4. Folgen der Kündigung ... 99
2.2.1.3.6.5. Sonderfälle der Besitzwechselkündigung ... 100
2.2.1.3.7. Kündigung nach dem Versicherungsfall ... 101
2.2.1.3.7.1. Anwendungsbereich und Voraussetzungen ... 101
2.2.1.3.7.2. Ausübung des Kündigungsrechtes ... 103
2.2.1.3.7.3. Abdingbarkeit ... 104
2.2.1.3.8. Kündigung bei Doppelversicherung ... 106
2.2.1.3.8.1. Doppelversicherung ... 106
2.2.1.3.8.2. Rechtsfolgen der Doppelversicherung ... 106
2.2.1.3.8.3. Ausübung der Kündigung ... 107
2.2.1.3.9. Kündigung bei Teilkündigung bzw. Teilrücktritt ... 107
2.2.1.3.9.1. Voraussetzungen ... 107
2.2.1.3.9.2. Rechtsfolgen der Teilkündigung ... 108
2.2.1.3.10. Kündigung nach Erhöhung der Prämie (Deutschland) ... 109
2.2.1.3.10.1. Prämienanpassungsklauseln ... 109
2.2.1.3.10.2. Kündigungsrecht ... 110
2.2.1.3.10.3. Altverträge ... 111
2.2.1.3.10.4. Österreichisches Recht ... 112
2.2.1.3.11. Kündigung nach Bestandübertragung ... 113
2.2.1.3.11.1. Übergang von Versicherungsverträge auf Grund einen Bestandübertragung ... 113
2.2.1.3.11.2. Rechtsfolgen der Bestandübertragung ... 113
2.2.1.3.12. Außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund ... 114
2.2.2. Ablauf der vereinbarten Versicherungsdauer ... 116
2.2.3. Aufhebungsvertrag ... 117
3. Spezielle Vertragslösungsmöglichkeiten in einzelnen Versicherungssparten ... 119
3.1. Lebensversicherung ... 119
3.1.1. Rücktritt von Lebensversicherungsverträgen ... 120
3.1.1.1. Rücktritt des Versicherers bei Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht ... 120
3.1.1.2. Rücktritt des Versicherungsnehmers gemäß § 8 Abs.5 dVVG ... 122
3.1.1.3. Rücktritt des Versicherungsnehmers gemäß § 165a öVersVG ... 123
3.1.2. Kündigung von Lebensversicherungsverträgen ... 124
3.1.2.1. Ordentliche Kündigung des Versicherungsnehmers ... 124
3.1.2.2. Außerordentliche Kündigung des Versicherers wegen Gefahrerhöhung ... 124
3.2. Krankenversicherung ... 126
3.2.1. Deutsches Recht ... 126
3.2.1.1. Ordentliche Kündigung des Versicherungsnehmers ... 126
3.2.1.2. Außerordentliche Kündigung des Versicherungsnehmers ... 127
3.2.1.3. Kündigungsrecht des Versicherers ... 130
3.2.1.4. Rücktritt von Krankenversicherungsverträgen ... 132
3.2.2. Österreichisches Recht ... 132
3.2.2.1. Kündigung ... 133
3.2.2.2. Rücktritt ... 134
3.3. Transportversicherung ... 135
3.4. KFZ-Haftpflichtversicherung ... 136
3.4.1. Kündigung des Versicherungsnehmers bei Prämienerhöhung ... 136
3.4.2. Kündigung des Versicherungsnehmers nach Bestandübertragung ... 137
4. Zusammenfassung ... 139
Abkürzungsverzeichnis: ... 141
Literaturverzeichnis: ... 144
1. Einleitung
1.1. Rechtsgrundlagen
1.1.1. Österreich
Die Versicherungsverträge sind schuldrechtliche Verträge. Sie sind im 2. Teil, 29. Hauptstück des ABGB den „Glücksverträgen“ zugeordnet1. Am Anfang des 19. Jahrhunderts, als das ABGB geschaffen wurde, hatte das Versicherungsrecht noch keine sehr große Bedeutung. Deshalb sind die Ausführungen des ABGB sehr knapp gehalten und heute nicht mehr ausreichend. Allerdings hat das ABGB für Versicherungsverträge insofern Bedeutung, als es die allgemeinen Vorschriften über das Zustandekommen schuldrechtlicher Verträge enthält. Hinsichtlich des Entstehens gültiger Verträge und des Auflösens bestehender Verträge beinhaltet das ABGB eine Reihe von Bestimmungen, die auch auf Versicherungsverträge anwendbar sind (z.B. Geschäftsfähigkeit, Irrtum).2
Als Rechtsgrundlage für schuldrechtliche Verträge überhaupt kann auch das Konsumentenschutzgesetz (KSchG) angesehen werden. Von seinem Regelungsbereich sind allerdings nur Verträge betroffen, die mit Verbrauchern i.S.d. KSchG3 abgeschlossen werden. Genauso gelten für Versicherungsverträge auch die Vorschriften des HGB, da Versicherungsunternehmen immer Kaufleute i.S.d. § 1 HGB sind.
Neben den allgemeinen schuldrechtlichen Bestimmungen sind spezielle, nur für Versicherungsverträge gültige, gesetzliche Vorschriften vorhanden:
Zu diesen zählen in erster Linie das Versicherungsaufsichtsgesetz (ö. VAG) und das Versicherungsvertragsgesetz (öVersVG). Das ö. VAG enthält neben aufsichtsrechtlichen Bestimmungen auch Regelungen für den VVaG (Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit) und einige privatrechtliche Elemente. Das öVersVG regelt die privatrechtlichen Beziehungen zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer. Diese beiden Gesetze sind auf alle Versicherungsverträge anzuwenden.
Daneben sind für einzelne Versicherungssparten Spezialgesetze vorhanden, wie z.B. das Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherungsgesetz ( KHVG ) sowie Bestimmungen der RAO, der NO, der Wirtschaftstreuhänderberufsordnung (WTBO) und des Luftfahrtgesetzes (LuftFG).
Neben den gesetzlichen Rechtsquellen sind im Versicherungswesen die Versicherungsbedingungen als Rechtsgrundlagen anzuführen. Dies ist deshalb notwendig, weil Versicherungsbedingungen regelmäßig vom Versicherer vorformuliert werden und weil sie stärker als andere AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen) das Vertragsprodukt definieren.4
Die Versicherungsbedingungen sind die AGB des Versicherungsvertrages. Man unterscheidet zwischen Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) und Besonderen Versicherungsbedingungen (BVB). Der Unterschied besteht darin, dass diese entweder für mehrere Arten von Versicherungen (AVB) oder nur für einzelne Sparten (BVB) anzuwenden sind.
1.1.2. Deutschland
In Deutschland liegt eine ähnliche Rechtslage wie in Österreich vor. Wie in Österreich existieren ein Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und ein Versicherungsvertragsgesetz (dVVG). Diese enthalten spezielle Regelungen für das Versicherungswesen. Die beiden Gesetze sind den österreichischen VAG und VersVG ähnlich und z.T. gleich, da diese Gesetze gemeinsame historische Wurzeln haben.
Das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) enthält einige verstreute Vorschriften mit spezifisch versicherungsrechtlichem Charakter.5 Es gibt jedoch kein eigenes Kapitel über Versicherungsverträge. Darüber hinaus handelt es sich beim Versicherungsvertrag nach der deutschen h.M.6 um einen besonderen Schuldvertragstypus. So sind die Vorschriften der ersten beiden Bücher des BGB sowie die allgemeinen zivilrechtlichen Lehren anzuwenden.
Wesentliche Bedeutung für das Versicherungsrecht hat auch das AGBG, da die vertragliche Ausgestaltung der Versicherungsverträge durch die Anwendung Allgemeiner Versicherungsbedingungen erfolgt.
[...]
1 §§ 1288 bis 1291 ABGB
2 §§ 859 bis 921 ABGB
3 s Kapitel 2.1.2.1.1.: „Rücktritt gemäß § 3 KSchG“
4 Osing, Informationspflichten, 6 f
5 z.B.: §§ 330, 1045, 1046, 1127 bis 1130 BGB
6 z.B.: Schwintowski in: JZ 1996 (Juristenzeitung) 704; OLG Hamburg VersR 1990, 477
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