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Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz am Beispiel der Graffitiszene in der BRD

Termpaper, 1997, 17 Pages
Author: Gabi Ferenz
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Category: Termpaper
Year: 1997
Pages: 17
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V66074
ISBN (E-book): 978-3-638-58402-9

File size: 215 KB


Excerpt (computer-generated)

Fachhochschule Mannheim
Hochschule für Sozialwesen
Sommersemester 1997

Jugendhilferecht I 

Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz
am Beispiel der Graffitiszene in der BRD

Verfasserin:

Gabi Ferenz

1. Semester
Datum 8.8.97

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Graffiti allgemein 2

3. Lebenssituation der Jugendlichen 3
3.1. Kurzer Überblick 3
3.2. Die Motivation der Jugendlichen zu Sprühen 4

4. Die Graffitiszene in Deutschland 4
4.1. Die Szene in Mainz 5
4.2. Die Szene in Stuttgart 5
4.3. Die Szene in Berlin 6

5. Die gesetzliche Lage im Bezug auf Jugendarbeit und Graffiti 6
5.1. Paragraphen des KJHG 6
5.1.1. Präventionen als pädagogisches Konzept 7
5.1.1.1. Vorgehensweise der Stadt 7
5.1.1.2. Vorgehensweise eines Sozialarbeiters 8
5.2. Paragraphen des StGB 9

6. Graffitibekämpfung in den Städten 9
6.1. Am Beispiel Mainz 9
6.2. Am Beispiel Berlin 11
6.3. Vorgehensweise in anderen Städten 13

7. Schlußteil 13

 

 

1. Einleitung

Ich setze mich in Hamburg- Altona in eine Intercity-Zug nach München. Während der Zug anfährt, ergattere ich mir einen Fensterplatz und betrachte, wie der Kopfbahnhof langsam davongleitet. Schon sehr bald, nachdem der Zug den Bahnhof verlassen hat, tauchen die ersten Graffitis an der Linie auf: viele Bilder im Hamburg-typischen Stil und viele Tags und Throw-ups1. Die anderen Fahrgäste starren gedankenverloren aus den Fenstern und sehen beschmierte Wände, während ich versuche, die Stadt wie eine Zeitung zu lesen. „Überall das schreckliche Geschmiere, sehen Sie sich das an...“, sagt eine ältere Dame. „...das zu putzen kostet ja Millionen“.

Und so Unrecht hat diese Dame damit auch nicht. Es kostet die Bahn und die Verkehrsbetriebe Unsummen, die Graffiti von Mauern, Stationen und Zügen zu entfernen.

So oder ähnlich wird wohl jeder Reisebericht eines Graffitikünstlers aussehen, egal ob er von Hamburg nach München oder von Berlin nach Stuttgart fährt. Tatsache ist, daß die Graffiti Szene in Deutschland und Europa große Ausmaße angenommen hat und sich immer noch im Wachstum befindet. An ein Ende ist wohl kaum zu denken, weder durch staatliche oder polizeiliche Maßnahmen, noch durch das Verschwinden der Writer2 von selbst.

Graffiti ist zu einem Phänomen in unseren Gesellschaft geworden. Einerseits ist es illegal, andererseits gibt es viele Jugendliche, für die das Sprühen zum Hobby oder auch zur Sucht geworden ist. Also was soll der Staat unternehmen, um das illegale Sprühen einzudämmen, ohne jedoch den Jugendlichen einen Teil ihrer Kultur zu nehmen ?

Oder soll das illegale Sprühen vielleicht „legalisiert“ werden? Nein, diese Frage wird und soll sich nicht stellen.

Vielmehr soll sich die Frage stellen, was von Seiten der Städten oder Jugendämtern unternommen werden kann, um diese Jugendlichen zu unterstützen und sie vor den Gefahren einer möglichen Strafe zu schützen oder zu bewahren. Schließlich werden in vielen Jugendhäusern Workshops und Projekte zu den unterschiedlichsten Themen angeboten. Der Unterschied hierbei zu Graffiti ist jener, daß zum Beispiel HipHop - Projekte oder Inlineskate - Wettbewerbe nicht diesen illegalen Beigeschmack haben. Graffiti ist nun einmal verboten, und da kann doch nicht einfach ein Sozialarbeiter ein Graffiti- Projekt auf die Beine stellen und den Jugendlichen auch noch zeigen, wie so etwas geht, ja, sie sogar zum Sprühen animieren. Oder doch ?

Die Meinung der Bevölkerung geht hier wohl weit auseinander. 

Aber über die Tatsache, daß etwas unternommen werden muß, ist sich jeder einig.

2. Graffiti allgemein

Das Wort „Graffiti“ kommt aus dem italienischen: scraffito, scraffiare: kratzen Landläufig versteht man darunter das Geschmiere an den Wänden von Bahnhöfen, Toiletten,....; oder etwas freundlicher formuliert, die mit Sprühdosen gefertigten bunten Schriftzüge. 

Jedoch werden unter dem Begriff Graffiti auch die mit Markern und Sprühdosen angebrachten Signaturen ( Tags) bezeichnet.

Graffiti ist keine Erfindung der HipHop-Bewegung, sondern eher ein Relikt der Steinzeit und wird seit Generationen mit unterschiedlichen Materialien immer neu belebt. Zu Kaisers Zeiten schrieb und malte man mit Kreide an die Wand. Auch Ritzgraffiti gab es. Verliebte ritzten damals mit Taschenmessern Herzchen oder Buchstaben in Baumrinden.

Die Graffiti, von denen im folgenden die Rede ist, gehen auf den Anfang der 70er Jahre zurück, entstanden in den USA und schwappten Anfang 1983 nach Europa über, ausgelöst durch einen Film3, in dem ein amerikanischer Graffitikünstler die Hauptrolle spielte. Viele junge Leute eiferten den Graffitiwritern, Breakdancern und Rappern aus dem Film nach und schafften so in vielen europäischen Metropolen ihre eigenen HipHop- bzw. Writer-Szenen. Die Szene nährte sich anfangs vor allem von ihren amerikanischen Vorbildern, doch schon bald entwickelten die Europäer ihren eigenen Stil.

Mitte bis Ende der 80er Jahre kam es zu einem Beinahe-Stillstand in der europäischen Szene; erst Anfang der 90er brachte die nächste Generation die ganze Sache wieder in Schwung.

Graffiti lebt vom Austausch der Information, welcher durch die zahlreichen Underground Magazine (zum Beispiel : „Backjump“, “full moon“, „backspin“4) ermöglicht wird.

Einige writer haben auch begriffen, daß früher oder später ihre Tarnung auffliegen kann und haben sich entschlossen ihre Begabung fortan nur noch auf legalem Weg zu präsentieren.

Objektiv gesehen, sind diese jugendlichen Täter weder besonders verwahrlost, gewalttätig, drogensüchtig oder unterscheiden sich im sonstigen Verhalten von anderen jungen Menschen. Sie sind meist zwischen 14 und 24 Jahre alt, aus keiner bestimmten Schicht stammend, verschiedenster Nationalität, besuchen entweder die Schule, machen eine Ausbildung, studieren, gehen bereits einem Beruf nach oder sind arbeitslos. Oft kennen sich die Jugendlichen schon von Kindheit an, stammen aus dem selben Stadtbezirk, ober besuch(t)en dieselbe Schule. Kurz gesagt diese jungen Menschen entsprechen eher dem Durchschnitt.

„Graffiti sind eine Ausdrucksform. Wer der Wand etwas anvertraut, möchte in der Regel auch etwas sagen, wozu ihm oft andere Möglichkeiten fehlen“ (Johannes Stahl Hrsg. „An der Wand: Graffiti zwischen Anarchie und Galerie“DuMont Buchverlag 1989)

[....]


1 Tags : einfacher Schriftzug, ähnlich wie eine Unterschrift Throw-ups : schnell gesprühtes und wenig gestaltetes Bild, höchstens zweifarbig

2 Englischer Ausdruck für Graffiti Sprüher

3 „Wildstyle“ (1983)

4 „Backjump“ Graffiti Magazin aus Köln „ full moon“ Graffiti Magazin aus Hannover „ Backspin“ HipHop Magazin aus Hamburg


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