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Exegese von Genesis 1,1-2,4a

Termpaper, 2005, 24 Pages
Author: Peter Kaimer
Subject: Theology - Biblical Theology

Details

Event: Seminar: Methoden der Bibelexegese
Institution/College: University of Augsburg
Tags: Exegese, Genesis, Seminar, Methoden, Bibelexegese
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V66088
ISBN (E-book): 978-3-638-58413-5
ISBN (Book): 978-3-638-67113-2
File size: 327 KB
Notes :
Höchst ausführliche Arbeit über den ersten Schöpfungsbericht. Besonders geeigenet auch für alle anderen geisteswissenschaftlichen Fächer als Grundlagenwissen. Insbesondere ist das Wissen um den ersten Schöpfungsbericht wichtig in Germanistik und auch ganz konkret in der Psychologie für gewisse Theorien Freuds. Ich persönlich war ganz besonders fasziniert von der Spannung und Brisanz die dieses Thema auch heute noch bietet wenn man sich ein wenig eingelesen hat.


Abstract

Gen 1,1-2,4a - das ist der erste Schöpfungsbericht des Alten Testaments. Zumindest Christen und Juden ist dieser Bericht gemeinsam und es gibt immer noch Auseinandersetzungen um das Verständnis dieses Textes. Die Sekte der Kreationisten will den Schöpfungsbericht wörtlich verstehen. Der moderne, wissenschaftliche Mensch wiederum beäugt ihn, als ein veraltetes, schönes Märchen. Wie steht es nun tatsächlich um den Schöpfungsbericht? Wie kommt es überhaupt zu diesem Text? Wie ist das Sechstagewerk des Schöpfergottes theologisch zu deuten? Die vorliegende Arbeit versucht mit wissenschaftlichen Methoden etwas genauer an diese Fragestellungen heran zu gehen, um dem interessierten Leser etwas mehr zu bieten als die Meinungen religiöser Extremisten oder wissenschaftsgläubiger Menschen.


Excerpt (computer-generated)

Seminar 
WS 2004/2005
Methoden der Bibelauslegung

Hausarbeit:

Thema:

 Exegese von Genesis 1,1 – 2,4a

18. Mai 2005 

von

Peter Kaimer

Fachsemester 3
LA f. Gym. Deutsch/ kath. Religion

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Schöpfung gestern und Welt heute?  2

2. Die Priesterschrift Gen 1,1–2,4a  3

3. Übersetzung Gen 1,1–2,4a  4

4. Historische Nachforschungen  5

5. Aufbau  7
5.1 Überschrift und Einleitung (Gen 1,1–1,2) 8
5.2 Erstes Schöpfungswerk: Das Licht (Gen 1,3–5)  11
5.3 Zweites Schöpfungswerk: Die Himmelsfeste (Gen 1,6–8)  12
5.4 Drittes Schöpfungswerk: Wasser und Land (Gen 1,9f.)  13
5.5 Viertes Schöpfungswerk: Die Vegetation (Gen 1,11–13) 14
5.6 Fünftes Schöpfungswerk: Die Gestirne (Gen 1, 14–19) 15
5.7 Sechstes Schöpfungswerk: Wasser und Flugtiere (Gen 1,20–23)  17
5.8 Siebentes Schöpfungswerk: Die Landtiere (Gen 1, 24 - 26)  18
5.9 Achtes Schöpfungswerk: Der Mensch (Gen 1,26–31)  18
5.10 Der siebente Tag: Die Ruhe Gottes und Schluss (Gen 2,1–4a)  21

6. Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse und das Schöpfungsgeschehen  22

 

 

1. Schöpfung gestern und Welt heute?

Vom Schöpfungsbericht im Alten Testament hört man im christlich geprägten Deutschland, aber auch in Europa nur noch wenig. Einer altertümlichen, mythischen Schöpfungserzählung ist die scharfsinnige Naturwissenschaft heute weit voraus, so meint man jedenfalls. Genesis 1 und 2 verschwindet zunehmend aus der Katechese, Predigt und Theologie, weil solche Erzählungen einer aufgeklärten Gesellschaft nicht mehr zumutbar sind.1 Gerade deshalb ist es zu überdenken, inwieweit die Wissenschaft tatsächliche Lösungen anbieten und das menschliche Grundbedürfnis von Sinn erfüllen kann. Die Theorien von Urknall, Raum– und Zeitkrümmung und Evolution scheinen dem Schöpfungsbericht in Genesis 1 zu widersprechen. Manche Theologen gehen sogar so weit und heben den Schöpfungsbericht ganz über die Wissenschaft hinaus, um damit den Glauben zu verteidigen: „Eine Operation, die den Glauben verteidigen will, indem sie sagt: Hinter dem, was dasteht und was wir nicht mehr verteidigen können, ist etwas Eigentlicheres – eine solche Operation gerät oft erst recht zur Anfechtung des Glaubens, weil die Frage nach der Ehrlichkeit seiner Ausleger sich erhebt, weil die Frage sich erhebt, ob da überhaupt irgendetwas Festes ist.“2 In der Tat stellt sich dem Exegeten in Genesis 1 ein großes Problem. Scheinbar längst überholte Ansichten werden im Diskurs mit modernen, konkurrierenden Wissenschaftstheorien konfrontiert. Um nur ein mögliches Beispiel zu nennen: Die Präformationstheorie, die bis ins 19.Jahrhundert hinein vertreten wurde. „In dieser Theorie ging man davon aus, dass die Strukturen des vollendeten Organismus im Ei bzw. im Sperma schon vorlägen und in allen weiteren Entwicklungsphasen sich lediglich entfalten. Diese Art der Evolutions- bzw. Entfaltungstheorie, die keine Neuschöpfung nach dem Schöpfungsakt erforderte und sich daher mit der traditionell wörtlichen Auslegung des Schöpfungsberichts der Bibel am ehesten vereinbaren ließ , konkurrierte mit der so genannten epigenetischen Theorie, nach der die Hervorbringung komplexer Strukturen nicht von vornherein angelegt ist, sondern durch eine Art „creatio ex nihilo“ ermöglicht wird.“3 Die Problematik ist ganz unzweifelhaft: Wissenschaft und Glaube sind Konkurrenten. Doch gerade hieraus ergibt sich die Möglichkeit, den Glauben und die Wissenschaft als solche zusammen zu führen. Dem Zitat von Johannes Paul II „Habt keine Angst“ könnte man hier eine Schlüsselfunktion einräumen. Das große Problem zwischen Glauben und Wissenschaft findet seine Sichtbarkeit im Schöpfungsbericht. Gerade hier prallen die Weltbilder aufeinander, gerade hier scheint sich der unüberwindbare Abgrund zu befinden. Eine sinnvolle Exegese kann nur eine gegenüber der Wissenschaft furchtlose aber nichtsdestotrotz klare und sachliche sein. In einem Konfliktbereich zwischen säkularem wissenschaftlichen Denken und dem Denken der christlichen Religiosität ist gerade eine klare und kompetente Exegese von immensem Wert. Dabei ist die wissenschaftliche Grundlage der Exegese unverzichtbar und durch eine gelungene Interpretation nicht zu ersetzen.

2. Die Priesterschrift Gen 1,1–2,4a

Im Alten Testament finden sich nur zwei größere Textzusammenhänge, die die Schöpfung theologisch beleuchten: Gen 1,1–2,4a und Gen 2,4b–2,25. Beide sind in Sprache und ihren geistigen Vorstellungen völlig verschieden und werden auch unterschiedlichen Verfassern zugeordnet. Gen 1,1–2,4a gehört, wie oben bereits angemerkt, zur Priesterschrift, während der kanonisch nachgeordnete Text, Gen 2,4b–25, dem Jahwisten zugerechnet wird. Gen 2,4b–25 stellt den weit älteren Text dar. Gerhard von Rad lässt jedoch daran zweifeln, dass der Jahwist tatsächlich die ältere kosmologische Denkform enthält, da die Priesterschrift ein klar und deutlich beschreibender Text ist, während die Jahwistische Schöpfungserzählung durch Bilder besticht4. Damit steht der Exeget immerhin vor dem Problem des Unterscheidens zwischen nahezu wissenschaftlicher Beschreibung der Schöpfung in Gen 1,1–2,4a und dem bildhaften, freien, ja nahezu gleichnishaften Schöpfungsbericht in Gen 2,4b–25. Dies regt dazu an, beide Schöpfungsberichte gleichzeitig auszulegen und deren inneren Zusammenhang zu finden. Fast möchte man sagen, nur den 1. Schöpfungsbericht auszulegen, hieße „auf einem Bein zu stehen“. Doch allein der priesterschriftlichen Ausführung der Schöpfung gerecht zu werden, ist ein Unterfangen, das in der Kürze dieser Arbeit fast zu scheitern droht. Dennoch soll hier zumindest ein grober Überblick über die zentralen Gegenstände des priesterschriftlichen Schöpfungsberichts gegeben werden.

Nach der Vierquellentheorie von W. H. Schmidt lässt sich der zu untersuchende Text, Gen 1, der Priesterschrift zuordnen. Die Priesterschrift ist zeitlich um 550 v. Chr. einzuordnen und wurde im Exil verfasst. Ergänzungen wurden später in nachexilischer Zeit hinzugefügt. Es ist davon auszugehen, dass die Priesterschrift das Werk einer Schule bzw. das Werk eines priesterlichen Kreises mit gleichen Denkweisen darstellt.5 Nach K. Ellinger gehört Gen 1 zum Beginn der Priesterlichen Grundschrift (Pg6), wird also den späteren Ergänzungen (Ps) nicht zugeordnet. Auch ein Laie könnte P von den anderen 3 Quellen, dem Jahwisten, dem Eloisten und dem (Ur)–deuteronomium, unterscheiden. Die Priesterschrift ist gekennzeichnet von Formeln, Wiederholungen und stereotypen Formulierungen.7 Dies ist besonders am Schöpfungsbericht Gen 1,1–2,4 zu sehen. Hier werden keine Szenen aufgebaut und keine bildhafte Beschreibung schmückt den Text aus. Gen 1 ist ein sachlicher Text, wie auch die Texte in der gesamten Priesterschrift. Gerhard von Rad geht sogar soweit und betont: „Bei der Priesterschrift fehlt dieser lebendige Deutungswille ganz. Mit der Sammlung, Sichtung und theologischen Einordnung der Materialien, war ihre Aufgabe im Wesentlichen erfüllt.“8 Wie sehr P an formelhaften Ausdrücken orientiert ist, wird noch gezeigt werden. Die folgende Übersetzung von Gen 1 soll vorerst die Klarheit und Sachlichkeit deutlich vor Augen führen, mit der P arbeitet.

[....]


1 Vgl. RATZINGER, JOSEPH CARDINAL: Im Anfang schuf Gott. Vier Münchener Fastenpredigten über Schöpfung und Fall, in: Konsequenzen des Schöpfungsglaubens. Johannes Verlag Einsiedeln, Freiburg i. Brsg., 1996, S.9.

2 RATZINGER, JOSEPH CARDINAL: Im Anfang schuf Gott, S.19.

3 MAINZER, KLAUS: Zeit. Von der Urzeit zur Computerzeit, C.H. Beck, München, 52005, S.89.

4 Vgl. VON RAD, GERHARD: Die Theologie der geschichtlichen Überlieferungen Israels, in: Theologie des Alten Testaments, Bd. 1. Chr. Kaiser Verlag München, 51966, S.154.

5 Vgl. PREISSINGER, CARMEN: Referat: Das Vierquellen – Modell der „neueren Urkundenhypothese“ und deren derzeitige Infragestellung, in: Seminar „Methoden der Bibelauslegung“, WS 2004/2005, Universität Augsburg, Dozent: Dr. Martin Mark. und HÖCK, CORNELIA: Die Priesterschrift, in: Seminar „Methoden der Bibelauslegung“, WS 2004/2005, Universität Augsburg, Dozent: Dr. Martin Mark.

6 In meinen Ausführungen bezeichne ich Pg immer mit P.

7 Vgl. ZENGER, ERICH u. a.: Einleitung in das Alte Testament, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 42001, S.142f.

8 Vgl. VON RAD, GERHARD: Die Theologie der geschichtlichen Überlieferungen Israels, S.245.


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