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Die Figur des Narren im Mittelalter am Beispiel des Till Eulenspiegel close

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Die Figur des Narren im Mittelalter am Beispiel des Till Eulenspiegel

Scholary Paper (Seminar), 2000, 16 Pages
Author: Stephan Holm
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Event: Proseminar Sagen, Märchen, Volksbücher
Institution/College: University of Flensburg (Geschichte)
Tags: Mittelalter, Narr, Narren, Eulenspiegel, Hofnarr, Außenseiter, Aussenseiter
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 16
Grade: 1
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V6609
ISBN (E-book): 978-3-638-14145-1
ISBN (Book): 978-3-640-09885-9
File size: 74 KB

Abstract

Wer kennt nicht wenigstens eine der zahlreichen Geschichten um den Narren Till Eulenspiegel, der im 14. Jahrhundert seine maßlosen Späße getrieben haben soll? Schamlos führte er seine Mitbürger mit rücksichtslosen Streichen an der Nase herum. Über die Jahrhunderte hat der Schalknarr jedoch nie an Popularität verloren, noch heute üben diese kleinen Geschichten, die sich durch derben Humor auszeichnen, eine gewisse Faszination auf Erwachsene und Kinder aus. Viele von ihnen besuchen in seiner Todesstätte Mölln immer noch eine Statue des Narren, die jedem, der sie berührt, Glück bringen soll. Wer war dieser Eulenspiegel? Was zeichnet einen echten Narren des Mittelalters aus, der im wahrsten Sinne des Wortes „den Schalk im Nacken“ hatte? Warum fasziniert uns immer noch das Motiv der Narrenfreiheit? Und wieso wird der Eulenspiegel vom Leser trotz seiner teils boshaften Streiche stets als eine Art Held idealisiert?


Excerpt (computer-generated)

Universität Flensburg
Flensburg, 12.07.2000

Stephan Holm

 

Die Figur des Narren im
Mittelalter am Beispiel des
Till Eulenspiegel

 

Sommersemester 2000

"Sagen, Märchen, Volksbücher"

 

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung: Faszination Eulenspiegel ... Seite 1

2 Der Narr im Mittelalter ... Seite 1


2.1 Vom natürlichen zum künstlichen Narren ... Seite 1
2.2 Der Hofnarr in der Antike, im Mittelalter und der Neuzeit ... Seite 3
2.3 Der Narr im Karneval ... Seite 4

3 Die Quelle: "Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel" ... Seite 6


3.1 Die Verfasserfrage ... Seite 6
3.2 Die Person Till Eulenspiegel ... Seite 7
3.3 Die ersten vier Historien ... Seite 8
3.4 Motive der weiteren Historien ... Seite 10
3.5 Die Bereinigung des Volksbuches ... Seite 12

4 Resümee: Der Spiegel der Dummköpfe ... Seite 12

5 Literaturliste ... Seite 14

 

1 Einleitung: Faszination Eulenspiegel

Wer kennt nicht wenigstens eine der zahlreichen Geschichten um den Narren Till Eulenspiegel, der im 14. Jahrhundert seine maßlosen Späße getrieben haben soll? Schamlos führte er seine Mitbürger mit rücksichtslosen Streichen an der Nase herum. Über die Jahrhunderte hat der Schalknarr jedoch nie an Popularität verloren, noch heute üben diese kleinen Geschichten, die sich durch derben Humor auszeichnen, eine gewisse Faszination auf Erwachsene und Kinder aus. Viele von ihnen besuchen in seiner Todesstätte Mölln immer noch eine Statue des Narren, die jedem, der sie berührt, Glück bringen soll.

Wer war dieser Eulenspiegel? Was zeichnet einen echten Narren des Mittelalters aus, der im wahrsten Sinne des Wortes "den Schalk im Nacken" hatte? Warum fasziniert uns immer noch das Motiv der Narrenfreiheit? Und wieso wird der Eulenspiegel vom Leser trotz seiner teils boshaften Streiche stets als eine Art Held idealisiert? Diese Fragen werden im Folgenden behandelt und am Beispiel der Historien um Till Eulenspiegel beleuchtet.

2 Der Narr im Mittelalter

2.1 Vom natürlichen zum künstlichen Narren

Menschen im Mittelalter, die der gesellschaftlichen Auffassung von körperlicher und geistiger Gesundheit nicht entsprachen, wurden diskriminiert und als Krüppel (Körperbehinderte) oder Narren (Geisteskranke) bezeichnet. Da sie wegen fehlender Arbeitsfähigkeit selten gesellschaftlichen Pflichten nachkommen konnten, wurden ihnen auch kaum Rechte wie etwa das Mitspracherecht zugestanden.
Dieser "natürliche Narr", auch "Tor" oder "Besessener" genannt, wurde in den mittelalterlichen Städten entmündigt. Sofern als gemeingefährlich eingestuft, wurde er sogar wie ein Tier in Verließe, Stadttürme oder sogar Torenkisten weggesperrt. Als harmlos geltender Narr durfte er sich unter dem Spott seiner Mitmenschen frei bewegen. Bei demütigenden Verfolgungsjagden wurden die Besessenen durch die Straßen getrieben und unter lautem Gelächter mit Steinen und Dreck beworfen. Sie waren nicht nur Sündenbock sondern auch Prügelknaben. Manchmal wurde ihnen der Kopf geschoren und mit Asche eingeschwärzt. Bei Volksfesten wurden sie verkehrt herum auf einen Esel gesetzt, als Warnung an die Bürger wurden ihre Kleidung und Kappe mit Glocken versehen.

Was heute als Geisteskrankheit gilt, wurde in der mittelalterlichen Heilkunde als Störung der Vernunft oder Erkrankung des Gehirns bezeichnet. Zur Heilung dieser Störungen wurden Aderlässe, Verabreichungen von Mixturen aus Blut und Innereien oder Gehirnöffnungen vorgenommen, sofern sich überhaupt jemand für eine Heilung einsetzte[1]. Erst im späten Mittelalter entstanden frühe Formen der späteren Irren- und Nervenheilanstalten.

Als Imitator des natürlichen Narren galt der "künstliche Narr", auch "Schalknarr" oder "Hofnarr" genannt, der zu Anfang des 14. Jahrhunderts als witziger Schauspieler an den Höfen lebte. Er galt als schlagfertig, kritikfähig und gebildet, war im Auge seines Herrn aber trotzdem in erster Linie ein Narr mit zweifelhafter Geistesstruktur.

[...]

[1] vgl. Edgar Barwig und Ralf Schmitz: Narren - Geisteskranke und Hofleute, in: Randgruppen der spätmittelalterlichen Gesellschaft, hrsg. v Bernd-Ulrich Hergemöller, S.229


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