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Die Moralphilosophie Friedrich Nietzsches im Kontext ihrer Zeit

Scholary Paper (Seminar), 2006, 18 Pages
Author: Katharina Baessler
Subject: Philosophy - Philosophy of the 19th Century

Details

Event: Eine Philosophie der Moral: Nietzsches Schrift »Zur Genealogie der Moral« als Paradigma einer Kultur
Institution/College: Munich School of Philosophy
Tags: Moralphilosophie, Friedrich, Nietzsches, Kontext, Zeit, Eine, Philosophie, Moral, Nietzsches, Schrift, Genealogie, Moral«, Paradigma, Kultur
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 18
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V66122
ISBN (E-book): 978-3-638-58717-4
ISBN (Book): 978-3-638-76792-7
File size: 302 KB

Abstract

Abstract „Wir haben eine Kritik der moralischen Werthe nöthig, der Werth dieser Werthe ist selbst erst einmal in Frage zu stellen“, schreibt Nietzsche im sechsten Teil seiner Vorrede seines Werks Zur Genealogie der Moral. Diese Kritik zusammen mit einer vollkommenen Umkehrung der moralischen Werte des Christentums und der von ihm geprägten gesellschaftlichen Werte ist Thema der Moralphilosophie Nietzsches. Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich sie in den Kontext ihrer Zeit einbetten, um sie als Reaktion und Konsequenz aus der geistigen und politischen Situation des 19. Jahrhunderts heraus verständlich zu machen. Zuvor folgt eine Darstellung der Moralphilosophie Nietzsches und seines Verhältnisses zur christlichen Moral. Abschließend werde ich dann persönlich dazu Stellung nehmen.


Excerpt (computer-generated)

HOCHSCHULE FÜR PHILOSOPHIE –
PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT S.J. MÜNCHEN
Seminar: Eine Philosophie der Moral: Nietzsches Schrift »Zur
Genealogie der Moral« als Paradigma einer Kultur
SS 06

Die Moralphilosophie Friedrich Nietzsches im Kontext ihrer Zeit

von: Katharina Baessler

 


Gliederung

Einleitung: Überblick  3

I. Darstellung der Moralphilosophie Nietzsches 3

II Das Verhältnis Nietzsches zur christlichen Moral  7

III Nietzsches Philosophie im Kontext der geistigen und politischen Situation des 19. Jahrhunderts  11

Schluss: persönliche Stellungnahme zur Nietzsches Philosophie  17

Literaturverzeichnis 18


 

 

Einleitung: Überblick

„Wir haben eine Kritik der moralischen Werthe nöthig, der Werth dieser Werthe ist selbst erst einmal in Frage zu stellen“, schreibt Nietzsche im sechsten Teil seiner Vorrede seines Werks Zur Genealogie der Moral. Diese Kritik zusammen mit einer vollkommenen Umkehrung der moralischen Werte des Christentums und der von ihm geprägten gesellschaftlichen Werte ist Thema der Moralphilosophie Nietzsches. Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich sie in den Kontext ihrer Zeit stellen (siehe III.), um sie als Reaktion und Konsequenz aus der geistigen und politischen Situation des 19. Jahrhunderts heraus verständlich zu machen. Zuvor folgt eine Darstellung der Moralphilosophie Nietzsches (siehe I.) und seines Verhältnisses zur christlichen Moral (siehe II.). Abschließend werde ich dann persönlich dazu Stellung nehmen.

I. Darstellung der Moralphilosophie Nietzsches

Von Natur aus gibt es verschiedene Kategorien von Menschen: die Vornehmen, das heißt „die vorwiegend Geistigen, die vorwiegend Muskel- und Temperaments- Starken“ (AChr1, S.111), und ihnen gegenüber die große Masse der Mittelmäßigen und Schwachen. Erstere genießen Vorrechte gegenüber den übrigen Menschen, sowie etwa das Glück, die Schönheit und die Güte auf Erden darzustellen. Das, was sie tun, empfinden sie als gut, im Gegensatz zu dem Gemeinen, Pöbelhaften und somit Schlechten. Aus einem Pathos der Distanz heraus nehmen sich die Starken, die Herren über die Schwachen, das Recht heraus, Werte zu schaffen. In seinem ursprünglichen Sinn hat das Wort „gut“ mit „nützlich“ also nichts zu tun. Das Wesen des Lebens ist sein Wille zur Macht, welcher sich in verschiedenen Formen ausdrückt, etwa in dem Willen zu herrschen, dem Willen nach Eigentum, dem Willen zur Wahrheit und dem Instinkt der Freiheit. Er fordert den Menschen dazu auf, seiner Existenz und dem Weltgeschehen individuellen Sinn zuzuschreiben und verkörpert dabei gleichzeitig die Sinngebung und Interpretation Nietzsches. „Eine Handlung, zu der der Instinkt des Lebens zwingt, hat in der Lust ihren Beweis, eine rechte Handlung zu sein“ (AChr, S.22), also lebensbejahend zu sein. Es ist nicht möglich, sich auf dieser Welt dem Willen zur Macht zu entziehen, denn dann müsste man dem Leben entsagen. Die Freiheit des Willens zur Macht besteht darin, dass der Mensch als autonomes und übersittliches Individuum Herr über seinen freien Willen ist.

Nietzsches Weltsicht von der ewigen Wiederkehr des Gleichen meint die zyklische Wiederholung der Geschichte. Diese totale Immanenz, diese Welt ohne jede Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod bei Gott, kann nur ein Übermensch ertragen. „Dieser höherwertige Typus ist oft genug schon dagewesen: aber als ein Glücksfall, als eine Ausnahme“ (AChr, S.13). Um seine Entstehung zu befördern, sollen die Schwachen und Missratenen zugrunde gehen. „Die Größe eines ‚Fortschritts‛ bemißt sich sogar nach der Masse dessen, was ihm Alles geopfert werden mußte; die Menschheit als Masse dem Gedeihen einer einzelnen stärkeren Species Mensch geopfert — das wäre ein Fortschritt…“ (GM2, II, 12). Der Entwicklung eines Übermenschen steht jedoch laut Nietzsche einiges entgegen. Mit dem Judentum und seiner Weiterentwicklung zum Christentum kam die Sklavenmoral in der Form des schlechten Gewissens und einer Umwertung der Werte in die Welt und führte zu einem Sieg der schwachen Vertreter der Menschheit über die Vornehmen und Starken. Von nun an waren letztere die Bösen im Gegensatz zu den guten Menschen des Ressentiments, die aufgrund ihrer eigenen Schwäche starke Attribute verachteten und wenig vom Leben erwarteten. Um sich selber gut vorzukommen, mussten sie einen bösen Feind konzipieren. Ihre unbewussten Instinkte, wie etwa Feindschaft, Grausamkeit, Lust an Verfolgung und Zerstörung, als Ausdruck des natürlichen Willens zur Macht, kehrten sich in Form eines schlechten Gewissens nach Innen. „Mit ihm aber war die größte und unheimlichste Erkrankung eingeleitet, von welcher die Menschheit bis heute nicht genesen ist, das Leiden des Menschen am Menschen, an sich“ (GM II, 16). Als Mittel, Schuldgefühle zu erwecken, diente die Erschaffung des christlichen Gottes, der in Gestalt von Jesus Christus auf die Erde herabkam und mit seinem Tod und Leiden am Kreuz die Sünden der gesamten Menschheit auf sich nahm.

Der mittelmäßige, missratene und kränkliche Mensch „deutet diese Thier-Instinkte selbst um als Schuld gegen Gott (als Feindschaft, Auflehnung, Aufruhr gegen den „Herrn“, den „Vater“, den Urahn und Anfang der Welt), er spannt sich in den Widerspruch „Gott“ und „Teufel“, er wirft alles Nein, das er zu sich selbst, zur Natur, Natürlichkeit, Thatsächlichkeit seines Wesens sagt, aus sich heraus als ein Ja, als seiend, leibhaft, wirklich, als Gott, als Heiligkeit Gottes, als Richterthum Gottes, als Henkerthum Gottes, als Jenseits, als Ewigkeit, als Marter ohne Ende, als Hölle, als Unausmeßbarkeit von Strafe und von Schuld“ (GM II, 22). Diese Moralisierung des Menschen führte zu seiner Zivilisierung, einem Rückgang der Grausamkeiten, zur Entstehung von (Rechts-)staaten und zu einer raschen Fortentwicklung der Wissenschaften. Für Nietzsche sind das gerade die Symptome eines kranken europäischen Volkes, mit dem „es immer noch abwärts, abwärts geht, in′s Dünnere, Gutmüthigere, Klügere, Behaglichere, Mittelmäßigere, Gleichgültigere, Chinesischere, Christlichere“ (GM I, 12) und welches somit der Schaffung eines starken Übermenschen entgegensteht. Die Geschichte der Menschheit wird dadurch sinnentleert, nihilistisch. Nietzsche hofft jedoch auf einen erlösenden Menschen, „der den Willen wieder frei macht, der der Erde ihr Ziel und dem Menschen seine Hoffnung zurückgiebt“, einen Antichristen und Antinihilisten, der Gott und das Nichts besiegt.

[...]


1 Nietzsche, Der Antichrist, Insel-Verlag, 1986

2 Nietzsche, Zur Genealogie der Moral, Kritische Studienausgabe 1993


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