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Identität in Sprachphilosophie und Literatur: Die Konstitution von Wirklichkeit und Geschlecht bei Judith Butler und Elfriede Jelinek

Seminararbeit, 2006, 19 Seiten
Autor: Daniela Steinert
Fach: Kulturwissenschaft

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 19
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V66177
ISBN (E-Book): 978-3-638-58868-3
ISBN (Buch): 978-3-638-77663-9
Dateigröße: 214 KB

Zusammenfassung / Abstract

Schon lange gibt es nicht mehr nur das autonome menschliche Subjektbild, sondern auch die Frage nach der Determinierung und der Konstruktion des Menschen, der menschlichen Identität und der Wirklichkeit: Inwiefern ist es möglich, sich selbst zu bestimmen? Ist es nicht vielmehr so, dass jede Identität bereits vorgegeben ist durch Gesellschaft, Bestimmungen, Sprache? Das menschliche Subjekt wird in diesem Denken dezentralisiert und verdrängt – so spricht Michel Foucault von dem Diskurs, der „die Macht, deren man sich zu bemächtigen sucht“, darstellt. Wie bei Judith Butler ist es hier der Diskurs, der wuchert, der dem Menschen bereits vorausgeht, Bedeutungen zuweist und dem Menschen so seine Zentralstellung nimmt. Sie spricht von politischen Kategorien, die durch Sprache erzeugt werden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Frage nach der Konstruktion von Identität. Der autonome Mensch wird bezweifelt und es soll die Frage gestellt werden: Inwiefern ist das menschliche Subjekt gesellschaftlich, sprachlich und kulturell determiniert und erzeugt? Ist eine eigene Identität überhaupt möglich? Grundlage zur Bearbeitung dieses Themas sind zum einen die Ausführungen Judith Butlers und zum anderen das Buch „Lust“ von Elfriede Jelinek. Die Sprache erhält hier auf zwei Arten Bedeutung: Performativ konstituiert sie bei Judith Butler den Menschen – die Identität entsteht durch Sprache. Elfriede Jelinek spielt wiederum nicht nur mit der Schaffung von Identität durch die Gesellschaft, sondern auch mit der Sprache, die sie einsetzt – so erschafft sie Figuren. Thematisiert wird bei beiden Autorinnen vor allem die Frau als Kategorie der Gesellschaft, deren Natürlichkeit in Frage gestellt wird. Diese Arbeit soll sich deshalb vor allem auf die Gender- Diskussion beziehen, also die Relativität der Geschlechter aufzeigen. Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Sprachphilosophie – John L. Austin und Judith Butler werden als Sprachphilosophen herangezogen. Im zweiten Teil der Arbeit wird anschließend unter Berücksichtigung der sprachphilosophischen Eindrücke das Buch „Lust“ von Elfriede Jelinek auf die Identität, den Charakter „Frau“ hin untersucht: Wie wird die Geschlechtertrennung und die Identitätskritik literarisch verarbeitet? Dem übergeordnet steht die Frage nach der Möglichkeit einer Persönlichkeit und Identität im Raum: Kann der Mensch sich selbst bestimmen oder ist das menschliche Subjekt ganz und gar gesellschaftlich und diskursiv erzeugt?


Textauszug (computergeneriert)

Identität in Sprachphilosophie und Literatur:
Die Konstitution von Wirklichkeit und Geschlecht
bei Judith Butler und Elfriede Jelinek

von: Daniela Steinert

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  1

2. Die performative Erschaffung von Identität in der Sprachphilosophie 2

2.1 Handeln durch Worte: Austins Theorie der Performativität 3
2.2 Performanz, Anrufung, Konstitution: Judith Butlers sprachphilosophischen Erkenntnisse zur Macht der Sprache  4
2.3. Die Identität der Geschlechter: Butlers Ansätze zu Sex und Gender 7

3. Die kulturell-sprachliche Erzeugung de r Identität „Frau“ in Elfriede Jelineks „Lust“  8

3.1 Die Frau als Ehefrau und Sexualobjekt konstituiert durch den Mann 9
3.2 Die Performanz in Elfriede Jelineks Sprache 12

4. Fazit  15

Literaturverzeichnis


 

 

1. Einleitung

Die Frage des Individuums kreist um die eigene Identität, die Suche nach dem wahren Ich. Doch schon lange gibt es nicht mehr nur das autonome menschliche Subjektbild, sondern auch die Frage nach der Determinierung und der Konstruktion des Menschen, der menschlichen Identität und der Wirklichkeit: Inwiefern ist es möglich, sich selbst zu bestimmen? Ist es nicht vielmehr so, dass jede Identität bereits vorgegeben ist durch Gesellschaft, Bestimmungen, Sprache? Das menschliche Subjekt wird in diesem Denken dezentralisiert und verdrängt – so spricht Michel Foucault von dem Diskurs, der „die Macht, deren man sich zu bemächtigen sucht“1, darstellt. Denn es ist nicht der Mensch, der die Macht über den Diskurs hat, sondern der Diskurs, der wuchert, der dem Menschen bereits vorausgeht, Bedeutungen zuweist und dem Menschen so seine Zentralstellung nimmt2. Auch Judith Butler rückt von einem autonomen Subjektbild ab. Sie spricht von politischen Kategorien, die durch Sprache erzeugt werden3. In ihrem Buch „Das Unbehagen der Geschlechter“ fragt sie speziell nach der Konstruktion der Geschlechter - nach sex, gender und der Heterosexualtät: „Ist >>weiblich sein<< eine >>natürliche Tatsache<< oder eine kulturelle Performanz? Wird die >>Natürlichkeit<< durch diskursiv eingeschränkte perfomative Akte konstituiert, die den Körper durch die und in den Kategorien des Geschlechts (sex) hervorbringen?“4

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Frage nach der Konstruktion von Identität. Der autonome Mensch wird bezweifelt und es soll die Frage gestellt werden: Inwiefern ist das menschliche Subjekt gesellschaftlich, sprachlich und kulturell determiniert und erzeugt? Ist eine eigene Identität überhaupt möglich? Grundlage zur Bearbeitung dieses Themas sind zum einen die Ausführungen Judith Butlers und zum anderen das Buch „Lust“ von Elfriede Jelinek. Die Sprache erhält hier auf zwei Arten Bedeutung: Performativ konstituiert sie bei Judith Butler den Menschen – die Identität entsteht durch Sprache. Elfriede Jelinek spielt wiederum nicht nur mit der Schaffung von Identität durch die Gesellschaft, sondern auch mit der Sprache, die sie einsetzt – so erschafft sie Figuren.

Thematisiert wird bei beiden Autorinnen vor allem die Frau als Kategorie der Gesellschaft, deren Natürlichkeit in Frage gestellt wird. Diese Arbeit soll sich deshalb vor allem auf die Gender- Diskussion beziehen, also die Relativität der Geschlechter aufzeigen. Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Sprachphilosophie – John L. Austin und Judith Butler werden als Sprachphilosophen herangezogen. Im zweiten Teil der Arbeit wird anschließend unter Berücksichtigung der sprachphilosophischen Eindrücke das Buch „Lust“ von Elfriede Jelinek auf die Identität, den Charakter „Frau“ hin untersucht: Wie wird die Geschlechtertrennung und die Identitätskritik literarisch verarbeitet? Dem übergeordnet steht die Frage nach der Möglichkeit einer Persönlichkeit und Identität im Raum: Kann der Mensch sich selbst bestimmen oder ist das menschliche Subjekt ganz und gar gesellschaftlich und diskursiv erzeugt?

2. Die performative Erschaffung von Identität in der Sprachphilosophie

Die Sprachphilosophie hat in der letzten Zeit „[...]einen eindrucksvollen Aufstieg erlebt.“5 - So eine Untersuchung über das Phänomen der Sprache und über den Wissenschaftsbereich der Sprachphilosophie. Es wird vom „linguistic turn“6 des 20. Jahrhunderts gesprochen, der von einer Wende im Denken berichtet, „da viele Vertreter der neueren Sprachphilosophie davon ausgehen, dass alles Denken und alles Erfahrung letztendlich in der Sprache gründet und wir nichts über das Sein, das Wesen unserer Erkenntnisse oder unsere Gedanken sagen können, ohne den Umweg über eine Analyse der Sprache zu nehmen“7

Dies lässt die Weite des Feldes der Sprachphilosophie erahnen. Doch was ist Sprachphilosophie überhaupt und wie lässt sich ihr Wissenschaftsbereich eingrenzen? Anders als in der Sprachwissenschaft oder anderen Bereichen geht es der Sprachphilosophie nicht darum, rein Strukturen von Sprache oder Worten zu betrachten, sondern in der Tiefe nach der Bedeutung von Sprache und ihren Verbindungen zu Existenz, Denken und Wahrheit zu forschen. Kurz: „Sprachphilosophie ist eine Wissenschaft, die die Bedeutung der Sprache für die Menschen als Menschen untersucht.“8

Es soll nun aus sprachphilosophischer Sicht die Frage nach der Identität betrachtet werden. Die identitätsschafende Kraft der Sprache ist die Performativität. Diese soll zunächst aus der Sicht der analytischen Sprachphilosophie von L. Austin erörtert werden. Er bemüht sich darum, die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten von Sprache zu skizzieren und zu zeigen, dass „Sprache verwenden“ nicht nur „sprechen“ heißt. Judith Butler soll anschließend untersucht werden. allerdings widmet sie sich der Bedeutung von Sprache auf die Weise, dass sie nach dem Zusammenhang von Sprache, menschlicher Existenz und Gesellschaft fragt. Ihrer Ansicht nach konstituiert die Sprache den Menschen als solchen und ist deshalb Voraussetzung des menschlichen Daseins und diesem vorgängig. Zur Erklärung der Performanz wird zunächst John L. Austins Sprechakttheorie erörtert. Judith Butlers Theorie stellt diese anschließend in einen größeren Kontext und fragt direkt nach der Konstitution menschlicher Subjekte durch die Kraft der Sprache – die Performanz.

2.1 Handeln durch Worte: Austins Theorie der Performativität

[...]


1 Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses, S. 11.

2 Vgl.: ebd., S. 30-38.

3 Vgl.: Haß spricht.

4 Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter, S. 9.

5 Scholz, Oliver R.: Verstehen und Rationalität, S. 254

6 Blum, T.; Demmerling, C.: Grundprobleme der analytischen Sprachphilosophie, S. 9

7 ebd.

8 Keller, Albert: Sprachphilosophie, S. 13


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