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Geld- und Gewaltverhältnisse in Veza Canettis 'Die Gelbe Straße'

Termpaper, 2004, 15 Pages
Author: Kristina Horn
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V66225
ISBN (E-book): 978-3-638-58900-0

File size: 172 KB


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Fachbereich für Philosophie und Geisteswissenschaften
Institut für Deutsche und Niederländische Philologie

Geld- und Gewaltverhältnisse in Veza Canettis ′Die Gelbe Straße′

Kristina Horn

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 3

2. Das Geld und seine Bedeutung in Die Gelbe Straße ... 4

2.1. Der monetäre Einfluss auf Macht ... 5
2.2 Geld als Voraussetzung für Ansehen und Ehre ... 7

3. Gewalt als ein System ... 10

3.1. Physische Gewalt ... 11
3.2. Psychische Gewalt ... 13

4. Schlussbeurteilung ... 14

5. Literaturverzeichnis ... 15

 

 

1. Einleitung

Im Jahr 1963 stirbt Veza Canetti. Erst 26 Jahre nach ihrem Tod, 1989, erscheint ihr Roman Die Gelbe Straße1, dessen fünf Kapitel ursprünglich in den 30er Jahren als selbstständige Erzählungen in der Wiener Arbeiter-Zeitung abgedruckt wurden. Bereits damals, nachdem die Geschichten großen Anklang fanden2, wollte Veza Canetti diese zu einem Roman zusammenfassen. „Doch durch die Februar-Ereignisse des Jahres 1934 wurde das Erscheinen des Buches unmöglich.“3 Deshalb hat sich Elias Canetti, der Mann der Autorin, in den Neunziger Jahren für die späte Veröffentlichung von Veza Canettis Büchern eingesetzt und diese begleitet.
Der Roman Die Gelbe Straße lässt sich in formaler Hinsicht dem modernen Großstadtroman zuordnen. Zum einen sind die einzelnen Episoden in große, unkommentierte Zeitsprünge aufgeteilt. Zum anderen sind die Figuren ohne nähere Einführung gesetzt und auch die Perspektiven in den einzelnen Erzählungen wechseln rasch.4 In dem Roman gibt es keine sich entwickelnde Hauptperson. Es existieren eine Vielzahl von Figuren, die in den verschiedenen Kapiteln von Haupt- zu Neben- und von Neben- zu Hauptpersonen wechseln. Dadurch entsteht ein Mikrokosmos, in dem alle Figuren und Handlungen miteinander verknüpft sind und nicht nur nebeneinander stehen.
Vorlage für den Spielort des Romans ist die ehemalige Ferdinandstraße in der Wiener Leopoldstadt.5 Erzählt wird das Leben der Bewohner dieser Straße und fast beiläufig deren Lug und Betrug im täglichen Miteinander entlarvt. Die Menschen, die in Veza Canettis Gelber Straße leben, spiegeln eine Gesellschaft, die ihre Angehörigen in ‚Ausbeuter’ und ‚Ausgebeutete’ aufteilt, wieder.
Die Straße dient als räumlicher Rahmen des Romans. Der eigentliche Schauplatz des Geschehens wird durch die Figuren getragen. An ihnen werden die Auswirkungen, die die Machenschaften des ökonomischen Alltags mit sich bringen, aufgezeigt.6 Dies führt zu Macht- und Ohnmachtverhältnissen, die den Mikrokosmos der Gelben Straße prägen. Einfluss und Einflusslosigkeit sind in der besagten Straße eng mit den herrschenden Geldverhältnissen verbunden, die in einem unabwendbaren Zusammenhang mit den Gewaltverhältnissen stehen. Im Folgenden möchte ich untersuchen, wie die Geld- und Gewaltverhältnisse in Veza Canettis Die Gelbe Straße beschrieben werden.
Dazu möchte ich mich zunächst auf den Umgang mit Geld konzentrieren. Im Anschluss daran werde ich die im Roman geschilderte Gewalt betrachten.


2. Das Geld und seine Bedeutung in Die Gelbe Straße

Für die Figuren der Gelben Straße spielt Geld eine elementare Rolle.
Für eine Vielzahl der Charaktere ist es nicht allein ein lebenserhaltendes Mittel, sondern ein Medium von dem ihr Seelenheil abhängt. Ihr Blick ist überwiegend durch das Geld und die Umstände seines Erwerbs gelenkt.7 Zudem ist das Zusammenleben der Figuren in entscheidender Weise durch die Gegebenheiten gekennzeichnet, in welchem Maße ihnen Geld zusteht. Der Einfluss des Zahlungsmittels verführt die Privilegierten dazu ihre Position auszunutzen. Im Umkehrschluss müssen sich die Besitzlosen dem immensen Druck einer geistigen und wirtschaftlichen Abhängigkeit stellen an dem sie vielfach zu Grunde gehen. Dadurch entsteht Neid, Missgunst, Gewinnsucht, Habgier, Geiz und Egoismus. Nur wenigen Figuren ist es möglich sich diesem Dunstkreis zu entziehen.8
Auffällig ist, dass die weiblichen Figuren noch stärker als die männlichen von ihren finanziellen Verhältnissen abhängig sind. In wiefern ihnen Entscheidungsmöglichkeiten zustehen hängt primär von ihrem Zugang zum Geld ab. Hiervon ausgehend entscheidet sich, ob sie zum Lager der ‚Ausbeuter’ oder ‚Ausgebeuteten’ gehören.
Im der Gelben Straße geht es nicht um den Umgang mit Geld als alltägliches Zahlungsmittel (auch wenn die Figuren dieses natürlich ebenso als solches nutzen). Vielmehr wird eine krankhafte Art und Weise aufgezeigt mit diesem Medium umzugehen.

Exemplarisch an zwei Charakteren möchte ich im Folgenden zeigen welche Auswirkungen der Besitz von Geld für die gesellschaftliche Stellung einer Figur hat und welche Ziele damit verfolgt werden.

 

[...]


1 Veza Canetti: Die Gelbe Straße, München 2000.
2 Vgl. Elias Canetti: Veza. In: Veza Canetti: Die Gelbe Straße, München 2000, S. 10.
3 Ebd., S.10.
4 Vgl. Andreas Erb: Die Zurichtung des Körpers in der Großstadt Wien, Veza Canettis Roman Die Gelbe Straße. In: Der Deutschunterricht 47, 1995, Heft 5, S. 56.
5 Vgl Helmut Göbel: Gelb: Bemerkungen zum verdeckten Judentum in Veza Canettis Die Gelbe Straße. In: Gerald Stieg und Jean- Marie Valentin (Hg.): „Ein Dichter braucht Ahnen“, Elias Canetti und die europäische Tradition. Akten des Pariser Symposiums/ Actes du Colloque de Paris, 16.- 18- 11. 1995. Bern, Berlin u.a. 1997, S. 285.
6 Andreas Erb: a. a. O., S. 57.
7 Vgl. Vera Jost: Fliegen oder Fallen, Prostitution als Thema in Literatur von Frauen im 20. Jahrhundert, Königstein/ Taunus 2002, S. 106.
8 Beispielsweise: Maja Iger, Andrea Sandoval, Diana Sandoval und das kleine Mädchen Heidi.


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