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Termpaper, 2005, 15 Pages
Author: Kristina Horn
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Tags: Beständigkeit, Leitmotiv, Andreas, Gryphius, Trauerspiel, Catharina, Georgien, Beständigkeit, Märtyrerdramen, Frühen, Neuezeit
Year: 2005
Pages: 15
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-58901-7
File size: 187 KB
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Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Fachbereich für Philosophie und Geisteswissenschaften
Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
Beständigkeit als Leitmotiv - Andreas Gryphius Trauerspiel: Catharina von Georgien oder bewehrete Beständigkeit
Kristina Horn
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Die Beständigkeit im Rahmen der Stoa ... 4
3. Das Trauerspiel Catharina von Georgien oder Bewehrete Beständigkeit ... 5
3.1 Die Rolle der Beständigkeit im Trauerspiel ... 5
3.2 Die Darstellung der Beständigkeit ... 6
3.2.1 Die Reyen ... 7
3.2.2 Catharinas Beständigkeit ... 9
4. Schlußbeurteilung ... 13
5. Literaturverzeichnis ... 15
1. Einleitung
1657 schrieb Andreas Gryphius die Tragödie Catharina von Georgien oder Bewehrete Beständigkeit1. Bereits der Titel zeigt deutlich das Hauptaugenmerk des Trauerspiels. Zum einen erzählt Andreas Gryphius die wahre Geschichte über die Königin Catharina von Georgien-Gurgistan, die sich 8 Jahre in Gefangenschaft am persischen Hof unter Schah Abas befand. Zum anderen geht es dem Autor um die Darstellung einer Tugend: Beständigkeit. Bereits in der Vorrede zu dem Trauerspiel weist Andreas Gryphius auf die ruhmwürdige Beständigkeit der Protagonistin hin: Catharine […] stellet dir dar in jhrem Leib vnd Leiden ein vor dieser Zeit kaum erhoeretes Beyspiel vnaußsprechlicher Bestaendigkeit2. Bereits durch diese Laudatio lenkt Gryphius den Blick des Lesers in die von ihm gewünschte Richtung und sensibilisiert ihn für eine Protagonistin deren Handeln Gryphius als unwiderrufliches Exempel versteht.
Catharina von Georgien ist ein Trauerspiel, das dem Zuschauer vor Augen führt, welche Möglichkeiten sich ihm bieten sich innerhalb seiner Lebenszeit zu verhalten. Der Tenor liegt hierbei vor allem auf der Entgegenhaltung von zeitlichem und ewigem Leben. Die Nachteile des Einen und die Vorzüge des Anderen werden aufgeführt. Das Resultat dieser Entgegenstellung ist contemptus mundi - Weltverachtung. Als Märtyrerin verkörpert Catharina das Konzept der contemptus mundi am reinsten und bestätigt somit den nacheiferungswürdigen Charakter ihrer Lebensführung, wie es durch Gryphius bereits in der Vorrede herausgestellt wird.3
Bei der Lektüre der Tragödie stellt sich zunächst einmal die Frage woher der Tugendbegriff der Beständigkeit stammt, dessen sich Gryphius hier als Paradigma bedient. Dieser Frage soll in dem Kapitel ‚Die Beständigkeit im Rahmen der Stoa’ nachgegangen werden. Im Anschluss daran soll das Trauerspiel an sich näher betrachtet werden. Hierbei wird zunächst die Rolle erörtert, die die Beständigkeit in der Catharina spielt. Im sich anschließenden Kapitel gilt es das Problem der Inszenierung einer solchen Tugendhaltung zu betrachten. Eine einwandfreie, vorbildliche Haltung ist primär auf eine geistige Überzeugung zurückzuführen und dadurch schwer darstellbar. In diesem Trauerspiel muß sie aber szenisch umgesetzt und für den Zuschauer bzw. Leser sichtbar gemacht werden. Aus diesen Umständen resultiert die Frage, wie Gryphius die Beständigkeit darstellt. In diesem Zusammenhang wird zunächst einmal die Aufgabe der Reyen erfasst. Im Weiteren soll explizit die Figur Catharina betrachtet werden. Dabei geht es vor allem um die Fragen, wie sich ihre Beständigkeit bemerkbar macht, ob diese einer Entwicklung unterliegt oder stetig ist und wohin Catharina durch die Beständigkeit letztendlich geführt wird. Die Arbeit endet mit einer Schlussbeurteilung.
2. Die Beständigkeit im Rahmen der Stoa
Die Stoa ist eine antike Tugendlehre die ca. 300 v. Chr. in Griechenland entstand. Für die Stoiker ist das höchste Gut (summum bonum) die Tugend (virtus). Der Stoiker ist stets dazu angehalten seinen Geist (animus) zu nutzen. Körperliche Begierden (voluptas) gilt es zu bezwingen, da diese den Menschen beherrschen und zur Unfreiheit des Geistes führen. Je tugendhafter ein Stoiker lebt, desto größer ist die Freiheit, die sich ihm erschließt. Das Ziel ist die absolute Freiheit, die durch den Tod und die damit verbundene Befreiung von jeglichem körperlichen Verlangen erreicht werden kann. Ein tugendhaft lebender Mensch ist bereit alle Lasten des Lebens duldsam zu ertragen. Er hat kein Mitgefühl mit dem Schicksal von anderen (stoische Apathie) und zudem die völlige Seelenruhe bzw. Unerschütterlichkeit (Ataraxie).4
Im Folgenden soll aus dem Konzept der Stoa die Constantia, also die Beständigkeit näher betrachtet werden. Sie gilt als Grundtugend der Stoa. In der frühen Neuzeit wird die antike Stoa übernommen und in das Christentum integriert. Auch die Constantia- Auffassung erhält im Barockzeitalter neue Züge. Fortan wird sie auf das Engste mit der Vanitas- Idee verknüpft. Die Auffassung darüber, dass das endgültige Ziel eines jeden Lebens nur im Jenseits liege, bekommt regen Zuspruch. Dank ihrer Heilshoffnung fühlen sich die Menschen imstande allen Widerwärtigkeiten der Welt und somit auch der Vergänglichkeit zu trotzen.5
Zunächst einmal gilt es aber zu beweisen, dass die entsprechende Person der Ewigkeit würdig ist, indem sie in einer Zwangslage ihre Tugend bewahrt. Das bedeutet, wenn der nach der stoischen Philosophie lebende Mensch in eine Notlage kommt, muss er beständig sein und darf nicht wanken.
[...]
1 Andreas Gryphius: Catharina von Georgien oder Bewehrete Beständigkeit, Stuttgart 2003.
2 Ebd.: S. 5, Zeile 1-6. Im Folgenden werden Zitate aus dem Primärtext kursiv geschrieben. Die Angabe der Textstelle erfolgt unmittelbar nach dem Zitat im Text wie folgt: Akt/ Zeile.
3 Vgl. Hans Jürgen Schings: Catharina von Georgien oder bewehrete Beständigkeit, in: Gerhard Kaiser (Hrsg.): Die Dramen des Andreas Gryphius. Eine Sammlung von Einzelinterpretationen, Stuttgart 1968, S. 35- 72, S. 39.
4 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Stoa.
5 Vgl. Marian Szyrocki: Die deutsche Literatur des Barock. Eine Einführung, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 13.
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