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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 30 Pages
Author: Kristina Horn
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Free University of Berlin
Tags: Reinhold, Schneider, Casas, Karl, Szenen, Konquistadorenzeit, Disputation, Protest, Judenverfolgung, Deutschland, Literatur, Dritten, Reichs
Year: 2005
Pages: 30
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-58903-1
File size: 203 KB
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Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Literatur des Dritten Reichs
Reinhold Schneider Las Casas vor Karl V. Szenen aus der Konquistadorenzeit Die Disputation - ein Protest gegen die Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland?
Kristina Horn
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2. Die Disputation vor Karl V. ... 5
2.1. Die literarische Umsetzung des historischen Stoffes ... 5
2.2. Der Bezug zum nationalsozialistischen Deutschland ... 15
3. Schluss ... 26
4. Literaturverzeichnis ... 28
1. Einleitung
In dem Zeitraum zwischen Oktober 1937 und März 19381 schrieb Reinhold Schneider die Erzählung Las Casas vor Karl V. Szenen aus der Konquistadorenzeit2. Als Grundlage für die Geschichte, die noch im selben Jahr erschien, verwendete er historisches Material.
Der deutsche Autor wählte zwei zentrale Situationen aus dem Leben des Dominikanermönches Bartolomé de Las Casas, der durch seinen Einsatz für die Rechte der Indios bekannt wurde. In diesem Kontext thematisierte er die Disputation aus dem Jahr 1550 und die Audienz bei Karl V.
1954 erklärte Reinhold Schneider, dass es ihm bei der Niederschrift nicht allein um die Aufarbeitung eines historischen Stoffes gegangen sei. Vielmehr habe er die Erzählung genutzt, um verdeckt gegen die Judenverfolgung im Dritten Reich zu protestieren.3 Eine scheinbar eindeutige Aussage. Allerdings ist die Glaubwürdigkeit dieser Behauptung nicht zweifellos, da die diesbezüglichen Aussagen des Autors zu Zeiten des NS-Regimes nie so eindeutig gewesen sind. 4 In Anbetracht dieser Tatsache stellt sich die Frage, inwiefern die Selbstaussage Schneiders von 1954 der Wahrheit entspricht.
Ist es möglich, dass der Autor mit seiner Erzählung 1938 Widerstand gegen die Rassenpolitik der Nationalsozialisten leistete? Zumindest ein verdeckter Protest ist nicht ohne Weiteres auszuschließen. Oder aber ist seine Selbstaussage fast 10 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Machtherrschaft in Deutschland ein Postulat, das sich durch eine interpretative Vorbelastung des Werkes ergibt?
Diese Fragestellung soll exemplarisch an Hand der Disputation im dritten Kapitel der Erzählung geprüft werden. Zur Erörterung des Themas wird zunächst die literarische Umsetzung der Disputation untersucht. In diesem Zusammenhang wird auftretendes Personal, deren Funktionen ebenso wie der argumentative Aufbau des Textes und die sich daraus ergebende Wirkung betrachtet. Im Weiteren soll die Frage nach dem geschichtlichen Kontext, in dem die Erzählung entstand, erörtert werden. Hierbei gilt es die Perspektive der dreißiger Jahre zu verfolgen und danach zu fragen, wie die Disputation 1938 verstanden werden konnte.
2. Die Disputation vor Karl V.
2.1 Die literarische Umsetzung des historischen Stoffes
Reinhold Schneiders Erzählung ist in vier Kapitel gegliedert. In diesem Rahmen dienen die ersten zwei Kapitel zur Einführung der Hauptfigur Bartolomé de Las Casas und zur Schilderung der Lebenssituation der Indios seit dem Eintreffen der spanischen Eroberer in Südamerika. Vor allem durch den Augenzeugenbericht des Ritters Bernadino de Lares wird der Zustand in Südamerika veranschaulicht und die in der Disputation behandelte Materie vorbereitet.
Das Streitgespräch, der Höhepunkt der Handlung im dritten Kapitel, bezieht sich auf die reale Diskussion vor Karl V. zwischen Las Casas und Sepulveda in Valladolid 1550. Obwohl der Autor in seiner Erzählung keine Jahreszahlen nennt, kann durch eine Betrachtung der geschichtlichen Zusammenhänge davon ausgegangen werden, dass er die Chronologie der historischen Ereignisse so verändert hat, dass die Disputation in der Erzählfolge bereits im Jahr 1542 stattgefunden haben müsste.5
Die Disputation in Reinhold Schneiders Darstellung lässt sich in zwei Teile gliedern, wobei der erste Teil etwa zwei Drittel des gesamten Streitgespräches einnimmt.
[...]
1 Vgl. Hans Getzeny: Reinhold Schneider. Seine geistige und künstlerische Entwicklung am Beispiel der erzählenden Prosa. Frankfurt am Main 1987, S. 84-94, hier S. 88.
2 Reinhold Schneider: Las Casas vor Karl V. Szenen aus der Konquistadorenzeit. Berlin 1979. Im Folgenden werden Zitate aus der Erzählung direkt im Text wie folgt angegeben: (LC/Seitenzahl).
3 „Über die Arbeit am Inselreich war mir die Geschichte des Las Casas aufgegangen: ich sah in ihr die Möglichkeit eines Protestes gegen die Verfolgung der Juden.“ In: Reinhold Schneider: Verhüllter Tag. Köln/Olten 1956, S. 146.
4 Vgl. Heidrun Ehrke-Rotermund, Erwin Rotermund: Zwischenreiche und Gegenwelten. Texte und Vorstudien zur ‚verdeckten Schreibweise’ im Dritten Reich. München 1999, S. 277-314, hier S. 298.
5 Vgl. Eckart Schäfer: Die Indianer und der Humanismus. Die spanische Conquista in lateinischer Literatur. Mit einem Anhang zu Reinhold Schneiders Las Casas vor Karl V. In: Reinhold Schneider Gesellschaft. Jahrbuch 1985. Reinhold Schneider: - Ich, Tod, Gott. Hrsg. von Ekkehard Blattmann und Barbara Hohn-Blattmann. Frankfurt am Main 1985, S. 229-241, hier S. 232.
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