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Möglichkeiten der Wirkung von Literatur und Film - Ein Vergleich der Mutter-Tochter-Beziehung in Elfriede Jellineks Roman die Klavierspielerin und der gleichnamigen Verfilmung von Michael Haneke

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 20 Pages
Author: Kristina Horn
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 20
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V66230
ISBN (E-book): 978-3-638-58904-8

File size: 183 KB


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Fachbereich für Philosophie und Geisteswissenschaften
Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
HS: Literarisches Erzählen und filmisches Zeigen

Möglichkeiten der Wirkung von Literatur und Film - Ein Vergleich der Mutter-Tochter-Beziehung in Elfriede Jellineks Roman die Klavierspielerin und der gleichnamigen Verfilmung von Michael Haneke

Kristina Horn

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 3

2. Die Mutter-Tochter-Beziehung in Die Klavierspielerin ... 4

2.1. Die Darstellung der Mutter-Tochter-Beziehung in Elfriede Jelineks Roman ... 4
2.2. Die Wirkung der Mutter-Tochter-Beziehung in Michael Hanekes Film. Eine Adaption von Elfriede Jelineks literarischer Vorlage? ... 10

3. Schluss ... 17

4. Literaturverzeichnis ... 19

 

 

1. Einleitung

1983 erschien der Roman Die Klavierspielerin1 von Elfriede Jelinek. Eine Geschichte, die das Leben und die seelischen Abgründe einer ungefähr dreißig Jahre alten Frau Namens Erika Kohut schildert.
Dieser literarischen Vorlage hat sich 2001 der österreichische Regisseur Michael Haneke angenommen und daraus einen Film gemacht.
Besonders auffällig, einprägsam und grausam ist im Roman sowie im Film die durch Hassliebe geprägte Mutter-Tochter-Beziehung:


„Das Kind ist der Abgott seiner Mutter, welche dem Kind dafür nur geringe
Gebühr abverlangt: sein Leben.“
(K/30)

Dieses Zitat spiegelt die Art und Weise der Beschreibung Elfriede Jelineks der Mutter und Tochter Beziehung wieder.
Die Frage, die sich im Folgenden stellt ist, welche Möglichkeiten haben und Nutzen der Roman und der Film, um den Eindruck eines solch ambivalenten Verhältnisses zwischen Mutter und Tochter zu vermitteln.
Welche Mittel hat der Roman, welche Mittel hat der Film um das gewünschte Bild, den gewünschten Zustand, die gewünschte Emotion umzusetzen? Ergeben sich Differenzen in der Wirkung der Mutter-Tochter-Beziehung, wenn zum einen die Beschreibung im Roman und zum anderen die Inszenierung durch den Film betrachtet werden?
Diese Fragen nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden der ästhetischen Wirkung von Roman und Film sollen im Weiteren erörtert werden.
Hierzu wird zunächst die Beschreibung der Beziehung von Mutter und Tochter im Roman betrachtet. In einem nächsten Schritt gilt es dann, die Inszenierung des Film zu untersuchen und diese gleichzeitig mit der zuvor dargestellten Schilderung des Romans zu vergleichen.


2. Die Mutter-Tochter-Beziehung in Die Klavierspielerin


2.1. Die Darstellung der Mutter-Tochter-Beziehung in Elfriede Jelineks Roman

Ein durch den Roman eindringlich geschildertes Thema ist die Beziehung zwischen Erika und ihrer Mutter. Das Verhältnis der beiden Frauen wird überwiegend im ersten Teil des Romans beschrieben, verliert aber durchgehend nicht an Präsenz.
Im Folgenden soll die Beschreibung und Wirkung dieser „symbiotischneurotischen Tochter-Mutter-Beziehung mit ihren gegenseitigen emotionalen Abhängigkeiten“2 näher betrachtet werden.
Die zwei Frauen leben allein. Sofort nach Erikas Geburt „gab der Vater den Stab an seine Tochter und trat ab.“ (K/7) Zu der Zeit der Romanhandlung lebt der Vater im „staatliche[n] Irrenhaus […] [,das] ihn aufnahm und zum Bleiben einlud.“ (K/96) Mutter und Tochter leben fortan zu zweit in einer Wohnung im „achte[n] Wiener Gemeindebezirk“ (K/35). Ihr Zuhause wird beschrieben als eine „Höhlung, die sich schützend schließt“ (K/101) und nur denjenigen aufnimmt „der hierher gehört.“ (K/101) Auch in Zukunft soll sich an dieser Wohnkonstellation nichts ändern. Erklärtes Ziel der Mutter ist ein eigenes Haus für sich und ihre Tochter.3 Abgesehen von der gemeinsamen Wohnung und der einvernehmlich von der Mutter festgelegten Zukunft teilen die beiden Frauen ihr Bett – ein Ehebett.
Die Außergewöhnlichkeit der Beziehung findet aber nicht nur durch die absonderlichen Wohngegebenheiten ihren Ausdruck. Vor allem die „Abwesenheit des Vaters bedingt das schiefgelaufene Mutter-Tochter- Verhältnis.“4 Deutlich tritt an einer Textstelle hervor, dass Erika den Vater in seiner Rolle als Ehemann ersetzt: Die Mutter ist froh, dass sie „ein jüngeres Anhängsel ergattert [hat], auf das sie stolz sein kann und das für sie sorgen wird, bis der Tod sie scheidet.“ (K/34) Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass nur die Mutter glücklich darüber ist, Erika für sich einnehmen zu können, um sie gemäß der bekannten Trauformel bis zum Tod an sich zu binden.

 

[...]


1 Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin. Reinbek bei Hamburg 352005. Zitate aus dem Primärtext werden im Folgenden direkt hinter dem Zitat im Text mit (K/Seite) angegeben.
2 Anja Meyer: Elfriede Jelinek in der Geschlechterpresse. Die Klavierspielerin und Lust im printmedialen Diskurs. Hildesheim Zürich, New York 1994, S. 50.
3 „Ein Häuschen soll es sein, für die Damen Kohut ganz allein.“ (K/36)
4 Gasparina de Laat : Das graue und grausame Land der Mutterliebe. Zum Mutter-Tochter- Verhältnis in zeitgenössischen Romanen österreichischer Schriftstellerinnen: Die Klavierspielerin (1983) von Elfriede Jelinek und Die Züchtigung (1985) von Waltraud Anna Mitgutsch. In: Geschlechterdifferenz in der Literatur. Hrsg. von Michael Vanhellputte. Frankfurt a. M. 1995, S. 79- 86, hier S. 81.


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