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Ein vergessenes Wunder? Der Protest in der Rosenstraße 1943

Hausarbeit, 2004, 14 Seiten
Autor: Kristina Horn
Fach: Geschichte - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Details

Veranstaltung: Widerstand im Dritten Reich
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin
Tags: Wunder, Protest, Rosenstraße, Widerstand, Dritten, Reich
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 14
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 6  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V66236
ISBN (E-Book): 978-3-638-58909-3

Dateigröße: 173 KB


Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin
Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften
Neuere Geschichte

Ein vergessenes Wunder? Der Protest in der Rosenstraße 1943

Kristina Horn

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 3

2. Der Protest in der Rosenstraße ... 4

2.1. Die Problematik der Mischehe ... 4
2.2. Die Schlussaktion der Berliner Juden ... 5
2.3. „Wir wollen unsere Männer!“ ... 6

3. Das Resultat des Protests in der Rosenstraße ... 9

4. Der Protest in der Rosenstraße- Eine Widerstandshandlung gegen die Nationalsozialisten? ... 10

5. Schlussbeurteilung ... 12

6. Literaturliste ... 14

 

 

1. Einleitung


„Woher die Leute alle von der Rosenstrasse wußten, weiß ich nicht. Weder ist es inszeniert worden noch sonst was. Alle sind von selbst dahin, das war das eigenartige. Es ist ja keiner aufgefordert worden. Ich bin nicht gegangen, weil irgend jemand gesagt hat: Sie müssen dort hingehen. Ich bin nicht gegangen, weil jemand sagte: Gehen wir. Das ist das Wunderbare an dieser Geschichte.“ Elsa Holzer1

Am 6. März 1943 ereignete sich etwas in Berlin, was bis dahin niemand für möglich gehalten hatte. Mehr als tausend Juden, die in Konzentrationslager deportiert werden sollten und in dem Sammellager Rosenstraße 2-4 interniert waren, wurden wieder in die Freiheit entlassen. Diese Menschen verdankten ihre Rettung nicht einer spektakulären Befreiungsaktion, sondern wurden offiziell und völlig regulär entlassen. Die Freilassung dieser zum größten Teil männlichen Gefangenen war das Resultat einer eine Woche lang währenden Demonstration ihrer deutschen Ehefrauen und Mütter.
Dieser Protest fand Anfang März 1943 mitten in Berlin in der Rosenstraße statt und war der einzige bis heute bekannte öffentliche Protest gegen die Judendeportation während des gesamten Nazi-Regimes.2 Umso erstaunlicher, dass er lange Zeit von der Forschung überhaupt nicht beachtet wurde. 1943 hatte kaum jemand etwas von dem Erfolg des Protestes mitbekommen, da die Regierung mit ihrer „Niederlage“ natürlich nicht an die Öffentlichkeit ging. Bekannt wurden die Ereignisse in der Rosenstraße erst nach dem zweiten Weltkrieg durch einen Artikel in der Zeitschrift Sie.3 Merkwürdigerweise gerieten sie aber dennoch wieder in Vergessenheit, was wohl auch daran lag, dass sich die historische Forschung lange Zeit nach dem Krieg fast ausschließlich mit dem bürgerlich-militärischen Widerstand beschäftigte. Erst Anfang der Neunziger Jahre wurden die Geschehnisse in der Berliner Rosenstraße durch das Fernsehen wieder in Erinnerung gerufen. Anlaß hierfür war der 50. Geburtstag des Protestes im Jahre 1993, an dem in der Rosenstraße ein Mahnmal von der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger eingeweiht wurde.4
Die vorliegende Arbeit möchte die Geschehnisse in der Rosenstraße aufnehmen und der Frage nachgehen, ob es sich bei diesem Protest und dem mit ihm verbundenen Resultat womöglich um ein vergessenes Wunder handelt? Zur Erörterung dieser Frage wird zunächst auf die Rahmenbedingungen hingewiesen, in denen die meisten der Demonstrierenden lebten- die Mischehe. Im Anschluss daran folgt ein Abriss über die Verhaftungsaktion der Berliner Juden, die Vorraussetzung für den Protest in der Rosenstraße war. In den nächsten Kapiteln wird der Protest dargestellt und nach der Motivation der Protestierenden gefragt. Es folgt eine Darstellung über das Resultat des Protestes, bei der im besonderen die Frage zu klären gilt wie der Erfolg, die Freilassung der Inhaftierten, möglich war. Die Arbeit endet mit einem Kapitel, das der Frage nachgehen möchte, ob der Protest in der Rosenstraße als Widerstandshandlung gegen das Nazi- Regime zu werten ist. Ebenso soll in diesem Kapitel die Frage Beachtung finden, ob vermehrte Demonstrationen gegen die Deportation von Juden einen vergleichbaren Erfolg gehabt hätten und womöglich vielen Menschen das Leben hätte retten können. Die Arbeit schließt mit einer Schlussbeurteilung.


2. Der Protest in der Rosenstraße

Betrachtet man den Protest in der Rosenstraße im Frühjahr 1943, dessen Demonstranten sich überwiegend aus deutschen Frauen zusammensetzten, stellt man sich die Frage wie es möglich war, dass diese Menschen öffentlich und ohne Schaden davon zu tragen, gegen das Regime intervenieren konnten? Ein Aufbegehren, das gesetzlich verboten war und eigentlich schwerste Strafe nach sich zog. In Anbetracht dieser Tatsache stellt sich die Frage woher die Frauen den Mut zu so viel Zivilcourage nahmen?


2.1. Die Problematik der Mischehe

Der Begriff Mischehe wurde schon vor der Nazizeit verwendet und bezeichnete Ehepartner mit unterschiedlichen Konfessionen. Erst 1935 wurde dem Terminus eine ausschließlich rassistische Bedeutung gegeben und bezeichnete fortan Ehen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Partnern. Ab 1938 kam noch eine Unterscheidung zwischen privilegierten und einfachen Mischehen hinzu.
Als privilegiert galten Ehen mit einer jüdischen Frau und einem nichtjüdischen Mann und Ehen in denen der Mann jüdisch, die Frau nichtjüdisch war und die Kinder nicht der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörten. Zu den einfachen Mischehen zählten alle anderen Ehen mit einem jüdischen Ehepartner.

 

[...]


1 In einem Interview mit Nathan Stoltzfus. Vgl. Zitat: Stoltzfus, Nathan: Widerstand der Herzen, Der Aufstand der Berliner Frauen in der Rosenstraße- 1943, München 2003, S. 321.
2 Vgl. Schröder, Nina: Hitlers unbeugsame Gegnerinnen, Der Frauenaufstand in der Rosenstraße, München 1997, S. 9.
3 Vgl. Schröder, Nina: a. a. O., S. 10.
4 Vgl. ebd., S. 14.


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