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Hauptseminararbeit, 2006, 30 Seiten
Autor: Daniela Steinbiß
Fach: Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Details
Institution/Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (Institut für Soziologie)
Tags: Frauenbewegung, Deutschland, Soziale, Bewegungen, Europa
Jahr: 2006
Seiten: 30
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-59039-6
ISBN (Buch): 978-3-638-67142-2
Dateigröße: 210 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Diese Arbeit soll die letzten 160 Jahre Frauenbewegung zusammenfassen und einen Überblick darüber geben, für welche spezifischen Frauenthemen sich die einzelnen Protagonistinnen eingesetzt haben und ob sie in ihren Bestrebungen erfolgreich waren.
Textauszug (computergeneriert)
Otto-von-Guericke Universität, Institut für Soziologie
Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften
Hauptseminar: „Soziale Bewegungen in Europa“
Datum: 23.10.200
Die alte und neue Frauenbewegung in Deutschland
von: Daniela Steinbiß
INHALT
1 EINLEITUNG 2
2 DIE ALTE FRAUENBEWEGUNG IN DEUTSCHLAND 4
2.1 ENTSTEHUNG DER ERSTEN FRAUENBEWEGUNG 5
2.2 ERFOLGE DER ALTEN FRAUENBEWEGUNG 7
2.3 DAS ENDE DER ALTEN FRAUENBEWEGUNG 10
3 DIE NEUE FRAUENBEWEGUNG IN DEUTSCHLAND 12
3.1 ENTSTEHUNG DER NEUEN FRAUENBEWEGUNG 12
3.2 WEIBERRÄTE UND DIE KAMPAGNE ZUM §218 STGB 14
3.3 SELBSTERFAHRUNGSGRUPPEN 16
3.4 DIE FEMINISTISCHE PROJEKTBEWEGUNG 18
3.5 DIE WACHSENDE INSTITUTIONALISIERUNG 21
4 DIE FRAUENBEWEGUNG IN DER GEGENWART UND IHRE ERFOLGE 23
5 SCHLUSS 27
6 QUELLEN 29
1 Einleitung
„Ich habe einen Traum. Ich bin eine Frau. [...] Biege in einen Park ein. [...] Schaue in die Sterne. Erschrecke nicht, als sich rasche Schritten nähern. [...] Zu Misstrauen habe ich keinen Grund. Der Mann neben mir ist nicht mein Feind. Ich bin eine Frau. Ich kann überall hingehen. Ohne Angst. [...] Wenn ich etwas sage, hören mir die anderen zu. [..] Ich werde einen Beruf ergreifen. Einen, der Sinn und vielleicht sogar Spaß macht. [...] Ich lebe in einem fernen Land. Ich muss nicht hungern. Ich muss mich nicht prostituieren. Ich werde nicht wie Vieh verkauft. [...] Ich habe einen Traum. Ich bin ein Mann. [...] Meine Mutter ist eine unabhängige, stolze Frau und mein Vater ein sensibler, fürsorglicher Vater. Geld und Macht sind für mich keine Ziele an sich, sondern Mittel zum Zweck. Ich hasse es, jemanden zu demütigen – oder gedemütigt zu werden. Ich verachte Gewalt. [...] Dass ich biologisch männlich bin, ist eigentlich nebensächlich. Denn ich lebe in einer Zeit, in der Menschen nicht nach Männer und Frauen unterschieden werden, so wenig wie nach Weißen und Schwarzen oder Dünnen und Dicken. Ich bin ein Mensch. [...]“1
Vor ungefähr 160 Jahren entsteht in Deutschland die erste Frauenbewegung. Die erste soziale Bewegung, die für die Rechte der Frauen kämpfen will und sich nicht weiter von den Männern diskriminieren lassen möchte. In den 160 Jahren Frauenbewegung ist viel passiert und es wurde viel getan für die Gleichstellung von Mann und Frau. Doch wie auch neuere Studien belegen, ist die deutsche Gesellschaft noch weit entfernt von einer vollkommenen Gleichstellung. Diese Arbeit soll die letzten 160 Jahre Frauenbewegung zusammenfassen und einen Überblick darüber geben, für welche spezifischen Frauenthemen sich die einzelnen Protagonistinnen eingesetzt haben und ob sie in ihren Bestrebungen erfolgreich waren. Die erste Frauenbewegung entsteht in der Mitte des 19. Jahrhunderts in einer Zeit, in der die Frau in das Haus verbannt wird. Öffentliche Arbeit wird ihr versagt und sie hat sich nur um das Private zu kümmern. Sie lebt in einer totalen finanziellen Abhängigkeit von ihrem Ehegatten und wird aus dem politischen und kulturellen Bereich der Gesellschaft ausgegrenzt. In dieser Zeit fordert Louise Otto- Peters das Bildungsrecht für Frauen. Die erste Frauenbewegung befasst sich bis zum Zweiten Weltkrieg vor allem mit den Bildungs- und Arbeitschancen für Frauen. Zur Jahrhundertwende erhalten sogar die ersten Frauen Zutritt zu Universitäten, jedoch nur in Einzelfällen. Das Nazi- Regime stellt das Ende der ersten Frauenbewegung dar, da es verlangte, dass sich die Bewegung in das System integriere. Da viele Frauen der Bewegung keine Anhänger des NS- Regimes waren, bevorzugten sie die offizielle Auflösung. Der Krieg und die Aufbauarbeiten danach ließen nicht viel Raum für Frauenfragen, denn Deutschland hatte viel grundlegendere Probleme. 1949 gründete sich der Deutsche Frauenrat und im selben Jahr trat auch das Grundgesetz in Kraft, das die Gleichstellung von Männern und Frauen festlegte. Die Frauenbewegung kam aber erst so richtig durch die Studentenprotestbewegung 1968/69 in Schwung. Viele männliche Studenten verlangten alternative Lebensformen und neue Werte in einer modernen Gesellschaft, doch vielen fiel nicht auf, dass sie ihre weiblichen Kolleginnen weiterhin unterdrückten. Aus diesem Missstand heraus gründete sich die zweite, die neue Frauenbewegung. Diese machte in Kampagnen gegen den § 218 StGB mobil und forderte das Selbstbestimmungsrecht der Frau bei der Abtreibung. Durch einen herben Rückschlag in diesen Kampagnen wendete sich die Frauenbewegung nach innen und erarbeitete ihre frauenspezifischen Probleme in kleinen Selbsterfahrungsgruppen. In diesen Theoriegruppen wurden alltägliche Probleme der Frauen besprochen und kollektive Lösungsstrategien entwickelt. Aus diesen Strategien entstanden zum Teil langfristige Projekte, die in der Phase der feministischen Projektbewegung Hochkonjunktur hatten. Es entstanden Gesundheitszentren für Frauen, Frauenhäuser, Frauencafés, Frauenbands, Frauenfreizeitheime, Frauenhotels, Frauenclubs etc. Durch die vielen Kampagnen und Projekte gelangte die Frauenfrage immer mehr in die Öffentlichkeit und der Druck auf die Politik und Verbände wurde immer größer. Dies führte letztendlich dazu, dass in immer mehr Institutionen Gleichstellungsbeauftragte arbeiteten, die sich mit den Rechten der Frauen am jeweiligen Arbeitsplatz befassten.
International vernetzte sich die Frauenbewegung immer mehr und es fanden Weltfrauenkonferenzen statt, die sich mit der allgemeinen Lage der Frauen in der Welt befassten. Im letzten Abschnitt der Arbeit soll noch einmal ausgewertet werden, was die Frauenbewegung erreicht hat und was sie noch nicht erreicht hat.
2 Die alte Frauenbewegung in Deutschland
Mitte des 19. Jahrhunderts zeichneten sich die ersten Anfänge einer Frauenbewegung in Deutschland ab. Bis zum 17. Jahrhundert waren die Lebensbedingungen für Frauen härter, als für Männer. Nur eine Heirat bot ihnen eine halbwegs ökonomische Sicherheit, andernfalls endete ihr Leben als Dienstmädchen oder Magd bei Fremden. Unverheiratete Frauen bekamen die schwersten Arbeiten zugeteilt und hatten die schlechteste Ernährung. Auf dem Land herrschte eine strikte Trennung der Geschlechterrollen. Die Frauen waren für das Haus zuständig, was eine viel umfangreichere Arbeit war, als die heutige Hausarbeit. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte langsam die Industrialisierung ein, doch auch die änderte nicht viel am Status der Frau, da Deutschland noch weitestgehend landwirtschaftlich geprägt war. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich dann die ersten Frauenberufe, darunter das Dienstmädchen. Auch hier waren die Lebensbedingungen weiter sehr schlecht. Die Dienstmädchen wurden oft sehr schlecht bezahlt, die Ernährung und Hygiene kamen zu kurz und sie wurden oft durch den Hausherrn sexuell ausgebeutet. Trotz allem bevorzugten die Mädchen lieber eine solche Anstellung, als eine Arbeit in der Fabrik, die sehr unpersönlich war. Mit dem Strukturwandel des Arbeitsmarktes wurde die Entwicklung in Gang gesetzt, dass die Frauen im Mittelstand nicht mehr außerhäuslich arbeiten durften- ihre Tätigkeit war nur noch auf die Hauswirtschaft beschränkt.2 Es entwickelte sich eine neue Rolle der Frau, hierbei sollte sie sich vor allem um die Erziehung der Kinder und um den Haushalt kümmern. Dabei wurde das Private stark von öffentlichen Bereichen wie Politik und Arbeit getrennt. Die Frau war nur noch für das Private zuständig. In dieser Zeit zeigten sich die ersten Anzeichen einer Frauenbewegung.
2.1 Entstehung der ersten Frauenbewegung
[...]
1 Schwarzer, Alice: „Der Große Unterschied – Gegen die Spaltung von Menschen in Männer und Frauen.“, Köln, 2000, S. 9ff
2 Vgl. Schenk, Herrad: „Die feministische Herausforderung- 150 Jahre Frauenbewegung in Deutschland“, München, 1992, S. 13ff
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