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Chancengleichheit ausgeschlossen - Eine Betrachtung anhand der Erklärungsansätze von Pierre Bourdieu

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 17 Pages
Author: Stephanie Koch
Subject: Sociology - Gender Studies

Details

Event: Allgemeine Soziologie Hauptseminar: Intermediäre Theoriekonzeptionen
Institution/College: LMU Munich (Institut für Soziologie)
Tags: Chancengleichheit, Eine, Betrachtung, Erklärungsansätze, Pierre, Bourdieu, Allgemeine, Soziologie, Hauptseminar, Intermediäre, Theoriekonzeptionen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 17
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V66471
ISBN (E-book): 978-3-638-59056-3

File size: 199 KB


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Soziologie
Hauptseminar: Intermediäre Theoriekonzeptionen

Chancengleichheit ausgeschlossen - Eine Betrachtung anhand der Erklärungsansätze von Pierre Bourdieu

Stephanie Koch

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 2

2. Das intermediäre “Theoriekonzept” Bourdieus ... 4

3. Die illusionäre Chancengleichheit nach Bourdieu ... 6

3.1 Bildungsexpansion oder Ungleichheitsexpansion? ... 7
3.2 Chancengleicheit oder Chancengerechtigkeit? ... 7
3.3 Die Rolle des (Bildungs-)Habitus und der Begabungsideologie ... 8

4. Die rationale Pädagogik ... 11

5. Schlußbetrachtung ... 12

6. Quellenverzeichnis ... 15

 

 

1. Einleitung

Regelmäßig prägt das Thema der ungleichen Bildungschancen in Deutschland die politische und mediale Diskussion. Nicht erst seit PISA liefern zahlreiche Studien zum Thema, Ergebnisse, aus denen folgende Kausalitätsbeziehungen abgeleitet werden: soziale Herkunft1 eines Kindes, insbesondere Einkommen und Bildung der Eltern beeinflussen in entscheidendem Maße den Bildungswerdegang und den Bildungserfolg von Schulkindern in Deutschland. Schlagwörter, wie z.B. “Armutskarriere” und “absteigendes Prekariat”, die zum einen die Chancenungleichheit von Kindern aus sozial schwächeren Schichten verdeutlichen sollen, zum anderen auf eine eklatante Ungleichheit in der Bevölkerung hinweisen, machen die Runde.

Zusätzlich angeheizt wird die Debatte von Seiten der Bildungsökonomie, die behauptet, Wissen sei die wichtigste Ressource moderner Gesellschaften und entscheidend für wirtschaftliches Wachstum und die Innovationsfähigkeit einer Gesellschaft2. Aus Sicht der Humankapitaltheorie ist Bildung ein Kapital, das die höchste Rendite abwirft, wenn es maximiert wird. Die Nicht-Ausschöpfung von Bildungsreserven ist eine Verschwendung von Humankapital und schadet der Wirtschaft und muss deshalb unbedingt vermieden werden. Es wird somit behauptet, die Bildungsproduktion sei auf den Arbeitsmarkt angepasst. Grundlegend für die Bildungsökonomie ist zudem die These, dass jeder Einzelne gewillt ist, in seine eigene Bildung zu investieren, um seine eigene Produktivität bzw. sein Einkommen zu steigern3. Nach dieser Theorie gäbe es in einer Gesellschaft, in der das Bildungssystem sowie der Einzelne an die qualitatitven und quantitativen Bedürfnisse der Wirtschaft angepasst ist, eigentlich keinen Raum für Chancenungleichheit.

Wichtig ist, dass alle diese Diskussionen vor dem Hintergrund der ideologischen Vorstellung einer Chancengleichheit geführt werden, die gleiche Bildungschancen für alle fordert. Immer wieder wird versucht diesem Ziel mit Hilfe von Bildungsreformen näher zu kommen. Inwiefern vielleicht das ganze Bildungssystem als solches nur durch diese ungleich verteilten Chancen autonom bestehen kann, wird nicht gefragt. Gleichzeitig beherzigen die zahlreichen Reformbemühungen im Bildungsbereich eher Chancengerechtigkeit und stützen die vorherrschende Begabungsideologie, als dass sie zu einer ernsthaften Chancengleichheit beitragen. Denn nach wie vor funktioniert “das Schulsystem, als bestände seine Funktion nicht darin auszubilden, sondern zu eliminieren. Besser: in dem Maß, wie es eliminiert, gelingt es ihm, die Verlierer davon zu überzeugen, dass sie selbst für ihre Eliminierung verantwortlich sind” (Bourdieu in Steinrücke: 2001, S. 21).

Diese Hausarbeit basiert auf den theoretischen Annahmen Bourdieus und vorwiegend auf seinen Arbeiten zum Thema Bildungschancengleichheit aus den frühen und späten 1960er Jahren in Frankreich4. Vorgestellt und diskutiert werden sollen seine wichtigsten Forschungsergebnisse und das von ihm erdachte Lösungskonzept einer rationalen Pädagogik. Diese Hausarbeit geht weniger auf die Besonderheiten seiner methodischen Vorgehensweise und die spezifischen Befunde zur französischen Studentenpopulation der 60er Jahre ein, sondern versucht die allgemein relevanten Aspekte zu betonen, die für das deutsche Bildungssystem5 nach wie vor konstitutiv sind. In einer abschließenden Betrachtung wird versucht, die Bourdieu’schen Ergebnisse in den gegenwärtigen, politisch und gesellschaftlich geprägten Bildungsverhältnissen in Deutschland zu integrieren. Zunächst soll knapp die Bedeutung der theoretischen Konstrukte Bourdieus im Rahmen intermediärer Theoriekonzepte herausgestellt werden.

 

[...]


1 Die soziale Herkunft beinhaltet natürlich auch das Merkmal der ausländischen Abstammung.
2 Wobei moderne Gesellschaften als „Wissensgesellschaften“ bezeichnet werden. (vgl. Schettkat, Ronald, 2002: Bildungs- und Wirtschaftswachstum. Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 35. Jg., 4 oder Wachstumseffekte einer bevölkerungsorientierten Familienpolitik 2006 (Hg.) Ministerium für Jugend für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; einzusehen unter: http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/ Publikationen,did=86680.html
3 vgl. Wößmann, Ludger 2004: Was macht die Bildungsökonomik, und warum Human“kapital“? S. 7-10 in: Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hg.): Investitionsgut Bildung. Workshop „Investition in Humankapital“, 7. Juni, Bonn.
4 In Deutschland wurden seine zwei Studien über das französische Hochschulsystem „Les Heritiers“ (1964) und „La Réproduction, Eléments pour une Théorie du Système d’Enseignement“ (1979), die er zusammen mit mit Jean-Claude Passeron durchgeführt hat, im Jahre 1971 zusammengefasst unter dem Titel „Die Illusion der Chancengleichheit“ veröffentlicht.
5 Obwohl sich das von Bourdieu untersuchte französische Hochschulsystem stark von dem deutschen Hochschulsystem unterscheidet, sind seine Forschungsergebnisse und Schlussfolgerungen bezüglich des Bildungssystems nach wie vor von allgemein bedeutender Brisanz, dass dies möglich erscheint.


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